{"id":7765,"date":"2006-12-01T00:00:13","date_gmt":"2006-11-30T22:00:13","guid":{"rendered":"http:\/\/test.graswurzel.net\/gwr\/?p=7765"},"modified":"2022-07-26T13:56:47","modified_gmt":"2022-07-26T11:56:47","slug":"die-wurde-des-menschen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/2006\/12\/die-wurde-des-menschen\/","title":{"rendered":"Die W\u00fcrde des Menschen"},"content":{"rendered":"<p>Herr Kiddinan Thadchanamoorthy kam 1994, Frau Menaka Thadchanamoorthy 1999 nach Deutschland; sie versuchten \u00fcber Asylantr\u00e4ge, ein Bleiberecht zu bekommen. Auch f\u00fcr die gemeinsamen, in Deutschland geborenen Kinder Apsian (2000), Apirami (2003) und Apinaeja (2005) wurden Asylverfahren beantragt. Alle Antr\u00e4ge wurden abgelehnt.<\/p>\n<p>W\u00e4hrend ihres Aufenthalts hier hat der Vater versucht, durch Arbeit seine Familie zu ern\u00e4hren, was ihm auch \u00fcber weite Strecken gelungen ist. Sowohl in das Kindergarten-, als auch das Schul- und das Gemeindeleben der Baptistischen Gemeinde Warendorf war die Familie eingebunden. Sie hat damit die immer wieder geforderte Integration in besonderer Weise gelebt.<\/p>\n<p>Dies war nicht immer einfach, weil Frau Thadchanamoorthy unter erheblichen psychischen Problemen leidet. Mit Schreiben vom 21.7.2006 empfiehlt die Uni-Klinik M\u00fcnster dringend eine ambulante Psychotherapie, u.a. wegen posttraumatischer Belastungsst\u00f6rungen. Die Familie Thadchanamoorthy h\u00e4tte, folgt man den Ausf\u00fchrungen der Innenministerkonferenz, sehr gute Chancen gehabt, im Rahmen einer Altfallregelung ein dauerhaftes Bleiberecht in Deutschland zu bekommen.<\/p>\n<p>Es ist zu vermuten, dass das Ausl\u00e4nderamt des Kreises Warendorf genau dies aber verhindern wollte. Sie haben zunehmend Druck auf die Familie ausge\u00fcbt, mit dem Ziel, sie zu einer Ausreise nach Sri Lanka zu dr\u00e4ngen, ungeachtet der Tatsache, dass aktuell in Sri Lanka schwere Unruhen zwischen dem Milit\u00e4r und der tamilischen Rebellenorganisation LTTE herrschen, lebensbedrohlich insbesondere f\u00fcr eine Familie mit kranker Mutter und drei kleinen Kindern.<\/p>\n<p>Um das Abschiebeziel zu erreichen, nahm das Ausl\u00e4nderamt am 17.10.2006 Herrn Thadchanamorrthy in Abschiebehaft in der JVA B\u00fcren, Frau Thadchanamoorthy wurde, weil sie krank war, ins Gef\u00e4ngniskrankenhaus der JVA Fr\u00f6ndenberg gebracht. Die drei kleinen Kinder wurden der Obhut des Kreisjugendamtes Warendorf \u00fcbergeben. Dabei st\u00f6rte es niemanden, dass die kleine Apinaeja von ihrer Mutter noch gestillt wurde.<\/p>\n<p>Die Beh\u00f6rden hatten keine Skrupel, die Familie auseinander zu rei\u00dfen. Die Kinder konnten w\u00e4hrend der Haftzeit ihre Eltern nicht sehen, der Ehemann seine Frau nicht besuchen. Die Beh\u00f6rden zeigten sich von vielf\u00e4ltigen Beschwerden, auch von Unterst\u00fctzergruppen in Warendorf, unbeeindruckt. Sigrid Beer vom Petitionsausschuss des Landes NRW intervenierte in Warendorf, aber auch sie konnte nichts mehr ausrichten.<\/p>\n<p>Die Familie wurde am 25.10.2006 von Frankfurt nach Colombo abgeschoben. Dem Vernehmen nach wurde ein Arzt\/eine \u00c4rztin zur Begleitung von Frau Thadchanamoorthy mitgeschickt.<\/p>\n<p>Wie der Verein Hilfe f\u00fcr Menschen \u00fcber eine zuf\u00e4llig vor Ort anwesende Studentin aus Deutschland jetzt erfahren hat, geht es der Familie sehr schlecht. Ihr wurden bei der Abschiebung 100 Euro in die Hand gedr\u00fcckt. Ihre pers\u00f6nliche Habe und die notwendigen Medikamente wurden nicht mitgegeben. Das alles wird noch \u00fcbertroffen durch die Tatsache, dass ihr weder ihre Personalpapiere noch ihre Geburtsurkunden von den deutschen Beh\u00f6rden ausgeh\u00e4ndigt wurden. Sich ohne Ausweispapiere in Colombo aufzuhalten ist, so die Beobachterin vor Ort, lebensbedrohlich f\u00fcr die Familie, weil sie sich nicht gegen den Verdacht des Milit\u00e4rs erwehren kann, Mitglied oder Sympathisant der tamilischen Rebellen zu sein.<\/p>\n<p>Angesichts des Leids der Familie Thadchanamoorthy muss die Frage gestellt werden: Wer handelt hier in wessen Interesse?<\/p>\n<p>Das Verhalten der Ausl\u00e4nderbeh\u00f6rden ist unverh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfig, aber es erstaunt nicht mehr. Schlimm ist, dass bei solchen Abschiebeverfahren auch Jugend\u00e4mter mitmischen, die eigentlich ausschlie\u00dflich dem Wohle der ihnen anvertrauten Kinder verpflichtet sind. Der Verein &#8222;Hilfe f\u00fcr Menschen in Abschiebehaft B\u00fcren e.V.&#8220; l\u00e4sst zurzeit rechtliche Schritte gegen das Jugendamt des Kreises Warendorf pr\u00fcfen, weil er der Meinung ist, dass das Wohl der Kinder Thadchanamoorthy in eklatanter Weise verletzt wurde.<\/p>\n<p>Der Verein ist emp\u00f6rt \u00fcber die unmenschliche Abschiebepolitik des Ausl\u00e4nderamtes des Kreises Warendorf. Nicht minder schockiert ist der Vorsitzende des Vereins, Frank Gockel, \u00fcber das Kreisjugendamt Warendorf: &#8222;Es ist erschreckend, dass das Jugendamt im willf\u00e4hrigen Gehorsam &#8211; unter Missachtung der Bed\u00fcrfnisse der Kinder &#8211; der Ausl\u00e4nderbeh\u00f6rde zugearbeitet und damit eine reibungslose Abschiebung der gesamten Familie erm\u00f6glicht hat.&#8220;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Herr Kiddinan Thadchanamoorthy kam 1994, Frau Menaka Thadchanamoorthy 1999 nach Deutschland; sie versuchten \u00fcber Asylantr\u00e4ge, ein Bleiberecht zu bekommen. Auch f\u00fcr die gemeinsamen, in Deutschland geborenen Kinder Apsian (2000), Apirami (2003) und Apinaeja (2005) wurden Asylverfahren beantragt. Alle Antr\u00e4ge wurden abgelehnt. 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