{"id":7833,"date":"2007-01-01T00:00:32","date_gmt":"2006-12-31T22:00:32","guid":{"rendered":"http:\/\/test.graswurzel.net\/gwr\/?p=7833"},"modified":"2022-07-26T12:59:00","modified_gmt":"2022-07-26T10:59:00","slug":"30-jahre-autonome-frauenhauser","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/2007\/01\/30-jahre-autonome-frauenhauser\/","title":{"rendered":"30 Jahre Autonome Frauenh\u00e4user"},"content":{"rendered":"<p><strong>GWR: 1976 wurden die ersten Frauenh\u00e4user in Berlin und K\u00f6ln gegr\u00fcndet. Heute sind sie an vielen Orten scheinbar eine Selbstverst\u00e4ndlichkeit. Gebt Ihr uns eine kurze Einf\u00fchrung in die Geschichte und die Ziele der Gr\u00fcnderinnen?<\/strong><\/p>\n<p><strong>Kathie von Asel:<\/strong> Vor 30 Jahren wurde die allt\u00e4gliche Gewalt gegen Frauen von allen Seiten beschwiegen, verleugnet, bagatellisiert und zum Einzelfall erkl\u00e4rt, wobei den Opfern immer auch ein Selbstverschulden unterstellt wurde. Bis zu diesem Zeitpunkt gab es keinen Ort, an dem von Gewalt betroffene Frauen und Kinder Unterst\u00fctzung finden konnten. 1974 gab es noch kein einziges Frauenprojekt, weder in West-Berlin noch in West-Deutschland.<\/p>\n<p>Damals schlossen sich Frauen zusammen und gr\u00fcndeten Selbsterfahrungsgruppen, in denen \u00fcber private Verh\u00e4ltnisse gesprochen wurde. Die Zusammenk\u00fcnfte und der Austausch brachten schlie\u00dflich an den Tag, dass viele Frauen ihre Beziehungen zu M\u00e4nnern und ihre Hetero-Sexualit\u00e4t durch Gewalt, Erniedrigung, Isolation und Zwang gekennzeichnet f\u00fchlten.<\/p>\n<p>Was bis dahin als privates Ungl\u00fcck bezeichnet wurde, erfuhr nun eine Politisierung.<\/p>\n<p><em>Das Private ist politisch<\/em> war ein zentraler Slogan der FrauenLesbenbewegung, mit dem Frauen deutlich machten, dass ihre pers\u00f6nlichen Probleme gesellschaftlich bedingt sind. Und damit wurde eins der gr\u00f6\u00dften Tabus, n\u00e4mlich dass der unantastbaren und heil(ig)en Familie, gebrochen. Es wurde aufgezeigt, dass sie f\u00fcr viele Frauen ein Ort st\u00e4ndiger Bedrohung, Gewalt, Kontrolle, Zerst\u00f6rung und Isolation ist. Gesetze und Rechtsprechung standen auf Seiten der M\u00e4nner. Gleichzeitig gab es f\u00fcr Frauen nur eine gesellschaftlich anerkannte Lebensform: das Leben als Hausfrau und Mutter in einer heterosexuellen Ehe.<\/p>\n<p><strong>Andrea Drobe:<\/strong> Der Verdienst der FrauenLesbenbewegung war es, die Gewalt nicht mehr als Normalit\u00e4t wahrzunehmen, sondern zu skandalisieren, und vor allen Dingen mit dem Aufbau von Frauenhausinitiativen endlich auch konkrete Auswege aus den Gewaltsituationen anzubieten.<\/p>\n<p>Die in den folgenden Jahren durchgef\u00fchrten Kampagnen und Aktionen, die Gr\u00fcndung von Frauenzentren, von Frauenferienh\u00e4usern und Frauenbildungseinrichtungen, die Einrichtung offener Frauenhochschulen, Autonomer FrauenLesbenreferate und selbstorganisierter Frauenseminare, die Er\u00f6ffnung von Frauenbuchl\u00e4den und die Gr\u00fcndung von FrauenLesben-WGs und Frauenbands, von Frauencafes und Frauenkneipen waren von unglaublicher Vielfalt.<\/p>\n<p>Diese wachsende Infrastruktur war Motor f\u00fcr viele gesellschaftliche Ver\u00e4nderungen. All diese Projekte arbeiteten explizit nicht leistungs- und nicht gewinnorientiert. Sie verstanden sich nicht als kommerzielle Betriebe, sondern als politisch, von der eigenen Betroffenheit aus agierend und als Teil der FrauenLesbenbewegung, die eine Ver\u00e4nderung der gesellschaftlichen Verh\u00e4ltnisse anstrebte.<\/p>\n<p><strong>GWR: Von Anfang an wurden auch die autonomen Frauenh\u00e4user staatlich\/kommunal finanziert, Berlin als Modellprojekt sogar zu 100%. <\/strong><\/p>\n<p><strong>Welche Chancen und Probleme ergaben und ergeben sich daraus f\u00fcr die Autonomen Frauenh\u00e4user? <\/strong><\/p>\n<p><strong>Kathie:<\/strong> Nein, da irrt ihr. Das Berliner Frauenhaus war die absolute Ausnahme bez\u00fcglich der Finanzierung. Die meisten Frauenh\u00e4user wurden zun\u00e4chst ohne \u00f6ffentliche Mittel und ohne \u00f6ffentliche Unterst\u00fctzung und Anerkennung und nicht selten gegen erbitterten parteipolitischen Widerstand aus Eigenmitteln und mit viel unbezahlter Arbeit und Engagement aufgebaut, durchgesetzt und aufrechterhalten. Und das oft jahrelang. In Kassel z. B. hat es von der Vereinsgr\u00fcndung und dem ersten Antrag 1976 bis zur Finanzierung der Frauenhausarbeit 1986 exakt zehn Jahre gedauert. Und Kassel ist da keine Ausnahme. Die Forderung nach \u00f6ffentlichen Mitteln war auch nicht f\u00fcr alle von Anfang an ausgemachte Sache. Es gab eine politische Auseinandersetzung innerhalb der Frauenhausinitiativen zu dem Thema &#8222;Staatsknete ja oder nein&#8220;.<\/p>\n<p>Zu diesem Zeitpunkt hatten sich allerdings die meisten bereits f\u00fcr die Beantragung \u00f6ffentlicher Mittel entschieden, bekamen sie aber nicht.<\/p>\n<p>Das Frauenhaus Bielefeld ging den konsequentesten Weg der Selbstverwaltung und arbeitete bis zum Jahr 1992 entschieden ohne \u00f6ffentliche Zusch\u00fcsse.<\/p>\n<p>Dann folgte eine andere Generation.<\/p>\n<p><strong>GWR: Neben den Autonomen Frauenh\u00e4usern gibt es von Kommunen, Kirchen oder Wohlfahrtsverb\u00e4nden getragene Frauenh\u00e4user. Wie sieht die Zusammenarbeit bzw. Vernetzung mit diesen heute aus? <\/strong><\/p>\n<p><strong>Kathie:<\/strong> Das Verh\u00e4ltnis war jahrzehntelang sehr belastet, weil die Konzepte dieser Frauenh\u00e4user von den Autonomen Frauenh\u00e4user abgelehnt und viele Autonome Frauenh\u00e4user und Frauenhausinitiativen von den Kirchen und Wohlfahrtsverb\u00e4nden &#8222;beerbt&#8220; wurden.<\/p>\n<p>H\u00e4ufig haben die autonomen Frauenvereine die (Vor)Arbeit geleistet und dann wurde ein Verbands- oder Kirchen-Frauenhaus in die finanzielle F\u00f6rderung gesetzt.<\/p>\n<p>Auch wurde, wenn die Feministinnen politisch zu unbequem waren, von den Kommunen ein Tr\u00e4gerwechsel eingeleitet und der Geldhahn zugedreht.<\/p>\n<p>Wir haben das zuletzt in Braunschweig erlebt, wo der Autonome Frauenhausverein die sogenannten qualit\u00e4tssichernden Ma\u00dfnahmen nicht umsetzen wollte.<\/p>\n<p>Das Ergebnis: Das Autonome Frauenhaus gibt es heute nicht mehr und ein anderer Tr\u00e4ger stand in den Startl\u00f6chern um zu \u00fcbernehmen.<\/p>\n<p><strong>Andrea:<\/strong> Heute gibt es mit den Verbands- und Kirchenh\u00e4usern punktuelle Kooperationen, dort wo es inhaltliche Schnittmengen gibt. Im Januar 2007 wird die Zentrale Informationsstelle Autonomer Frauenh\u00e4user und die Frauenhauskoordinierungsstelle, unter deren Dach etliche Verbands- und Kirchenh\u00e4user organisiert sind, erstmals mit einem gemeinsamen Positionspapier zur Ablehnung der Tagessatz-\/Einzelfallfinanzierung f\u00fcr Frauenh\u00e4user an die \u00d6ffentlichkeit gehen. Hoffentlich mit Erfolg!<\/p>\n<p><strong>GWR: W\u00fcrdet Ihr sagen, dass sich in den letzten 30 Jahren der Schutz vor Gewalt f\u00fcr Frauen z.B. von rechtlicher Seite ver\u00e4ndert bzw. verbessert hat?<\/strong><\/p>\n<p><strong>Andrea:<\/strong> Von rechtlicher Seite her sind in den letzten Jahren einige Ma\u00dfnahmen ergriffen worden, die Frauen besser sch\u00fctzen sollen, z.B. wurde Vergewaltigung in der Ehe als Straftatbestand und das Gewaltschutzgesetz eingef\u00fchrt. Doch grunds\u00e4tzlich m\u00fcssen wir sagen, dass das Gewaltschutzgesetz keinen sicheren Schutz bieten kann, u.a. auch weil die H\u00fcrden sehr hoch gelegt wurden, um die Schutzanordnungen durchzusetzen.<\/p>\n<p>Und es wurden fast zeitgleich gesetzliche Ver\u00e4nderungen vorgenommen, die mit den Schutzma\u00dfnahmen des Gewaltschutzgesetzes kollidieren und sie an Punkten aufheben, z.B. bei den Umgangs- und Sorgerechtsregelungen. Viele Frauen, die von Gewalt betroffen sind, werden von Gerichten und Jugend\u00e4mtern gezwungen, sofort nach der Flucht ins Frauenhaus den gewaltt\u00e4tigen V\u00e4tern Umgangsrecht zu erm\u00f6glichen.<\/p>\n<p>Die Schutznormen des Gewaltschutzgesetzes werden dar\u00fcber ausgehebelt, weder die Anonymit\u00e4t noch der Schutz der Frauen und Kinder sind dar\u00fcber gew\u00e4hrleistet, denn der Aufenthaltsort der Frauen und Kinder wird dar\u00fcber bekannt.<\/p>\n<p><strong>Kathie:<\/strong> Wenn Frauen zum eigenen Schutz und zum Schutz der Kinder sich nicht an die verordneten Umgangsregelungen halten, werden ihnen gerichtliche Zwangsanordnungen angedroht, z.B. Sorgerechtsentzug, Entzug des Aufenthaltsbestimmungsrechts bis hin zum Ordnungsgeld und der Beugehaft. Im schlimmsten Fall k\u00f6nnen die Kinder bei Beugehaft der Mutter zum Misshandler kommen. Die Autonomen Frauenh\u00e4user machen dazu im Moment eine Kampagne mit dem Titel &#8222;Gewaltig gro\u00df werden?!&#8220;, um auf die Problematik f\u00fcr Kinder und Frauen und um auf die Strategien der &#8222;Vaterrechtsbewegung&#8220; und ihren steigenden Einfluss aufmerksam zu machen. Geplant ist auch ein Kongress dazu.<\/p>\n<p><strong>GWR: Statistisch gibt es einen Anstieg von Gewalt gegen Frauen. Denkt Ihr, es gibt einen tats\u00e4chlichen Anstieg oder werden mehr Gewaltdelikte zur Anzeige gebracht? <\/strong><\/p>\n<p><strong>Kathie:<\/strong> Es gibt keine Untersuchungen, auf die wir hier zur\u00fcckgreifen k\u00f6nnten. Es sind alles Spekulationen.<\/p>\n<p>Fakt ist allerdings, dass die gesellschaftlichen Strukturen, die die Gewalt gegen Frauen bedingen und dulden, bisher weder wirksam bek\u00e4mpft noch nachhaltig ver\u00e4ndert wurden. Im Zeitalter der Globalisierung und des Internets sind wir dazu immer wieder mit neuen Formen von Gewalt konfrontiert, z.B. mit dem Umfang und Ausma\u00df von Zwangsprostitution und Frauenhandel, mit Gewalt im Internet, Gewaltvideos und -spielen, die nat\u00fcrlich ihre Auswirkungen haben und haben werden. Selbst der Krieg ist wieder legitim und normal. Gewalt ist ein ungel\u00f6stes Problem, welches die Lebenssituation und das Lebensgef\u00fchl unz\u00e4hliger Frauen und Kinder pr\u00e4gt und vielfach unermesslichen physischen und psychischen Schaden h\u00e4ufig mit traumatischen Langzeitwirkungen anrichtet.<\/p>\n<p>Auch die zur Zeit favorisierte &#8222;T\u00e4tertherapie\/T\u00e4terarbeit&#8220; wird uns bei der gesellschaftlichen L\u00f6sung des Gewalt-Problems nicht weiterbringen. Die ben\u00f6tigten Mittel f\u00fcr derartige &#8222;Trainingsprogramme&#8220; wurden abgesehen davon bereits in der Vergangenheit h\u00e4ufig bei den FrauenLesbenprojekten abgezogen.<\/p>\n<p><strong>Andrea:<\/strong> Die gesetzlichen Ver\u00e4nderungen haben damit also am Bedarf von Zufluchtsm\u00f6glichkeiten f\u00fcr Frauen und Kinder nichts ver\u00e4ndert. Allerdings wurden vielerorts zum Teil mit ausdr\u00fccklichem Verweis auf das Gewaltschutzgesetz K\u00fcrzungen bei den Frauenh\u00e4usern vorgenommen und ihre Existenz in Frage gestellt. Zahlreiche Frauenh\u00e4user mussten schlie\u00dfen, viele Zufluchtspl\u00e4tze mussten abgebaut werden, etliche Arbeitspl\u00e4tze wurden gestrichen.<\/p>\n<p>In der Bundesrepublik Deutschland gibt es auch nach drei\u00dfig Jahren keine verbindliche Finanzierung der Frauenh\u00e4user, sondern sie ist vom guten Willen und der Einsicht der Kommunen und L\u00e4nder abh\u00e4ngig. Seit drei\u00dfig Jahren fordern die Autonomen Frauenh\u00e4user eine institutionelle F\u00f6rderung, die die Anonymit\u00e4t und den Schutz jeder einzelnen Bewohnerin und ihrer Kinder sicherstellt. Doch der Forderung nach institutioneller Finanzierung der Frauenh\u00e4user wird vielerorts mehr denn je die sogenannte Einzelfallfinanzierung\/Tagessatzfinanzierung von den Finanzierungstr\u00e4gern entgegengesetzt.<\/p>\n<p><strong>Kathie:<\/strong> Au\u00dfer Acht lassen d\u00fcrfen wir dabei auch nicht, dass es immer Themen gibt, die gepuscht werden, und zwar nicht unbedingt aus dem Grund, um Gewalt gegen Frauen zu bek\u00e4mpfen. Nehmen wir z.B. die Diskussion um die sogenannten Ehrenmorde. Mir sind keinerlei Befunde bekannt, die belegen, dass hier ein Zuwachs zu verzeichnen ist. Es gibt wahrscheinlich gar keine Erhebung zu dieser Problematik, mit der die Frauenh\u00e4user seit drei\u00dfig Jahren zu tun haben. Die derzeitige mediale Pr\u00e4senz m\u00fcssen wir uns leider auch damit erkl\u00e4ren, dass die Debatte um die Ehrenmorde sehr gut in das gegenw\u00e4rtige gesellschaftspolitische Klima passt und auch benutzt wird, um Stimmung gegen MigrantInnen zu machen. Und da steht nicht die Gewalt gegen Frauen im Mittelpunkt. Das &#8222;Feindbild Islam&#8220; wird dar\u00fcber gef\u00fcttert.<\/p>\n<p>Instrumentalisierung ist hier das Schl\u00fcsselwort.<\/p>\n<p>Migrantinnen mit Gewalterfahrung machen h\u00e4ufig sehr negative Erfahrungen beim Beh\u00f6rdenmarathon: Duldung, Fiktionsbescheinigung und Residenzpflicht sind nur einige Stichworte, die den betroffenen Frauen und Kindern die M\u00f6glichkeit jeglicher Freiz\u00fcgigkeit und Fluchtm\u00f6glichkeiten durch den Staat nehmen. Selbst junge Frauen und M\u00e4dchen, die von Zwangsheirat bedroht sind, k\u00f6nnen nicht davon ausgehen, dass sie aufgrund dieser Gef\u00e4hrdung einen gefestigten Aufenthalt in diesem Land bekommen.<\/p>\n<p><strong>GWR: Stichwort Migration: Welche Entwicklung hat die in Frauenh\u00e4usern gef\u00fchrte Rassismusdebatte genommen und was ist aus der Forderung nach einer 60\/40 Stellenquotierung f\u00fcr Migrantinnen\/women of color geworden? <\/strong><\/p>\n<p><strong>Kathie:<\/strong> Letztlich haben alle Frauenh\u00e4user f\u00fcr sich entschieden, wie sie mit dieser Forderung umgehen und sie sind sehr unterschiedlich damit umgegangen. Es gibt Frauenh\u00e4user, die sich dieser Quotierungsforderung mit und ohne \u201awenn und aber&#8216; angeschlossen haben und es gibt Frauenh\u00e4user, die diese Forderung mit und ohne \u201awenn und aber&#8216; abgelehnt haben. Wie diese Debatte nicht nur innerhalb der Frauenh\u00e4user gef\u00fchrt wurde, in welche (Identit\u00e4ts-)Fallen dabei getappt wurde, welche Fehler gemacht wurden, und wie es m\u00f6glicherweise konstruktiver gelaufen w\u00e4re, wird ein Extra-Kapitel bei der Aufarbeitung der Geschichte der Frauen(haus)bewegungen sein m\u00fcssen. Insgesamt arbeiten heute mehr Frauen mit migrantischen Hintergrund in den Frauenh\u00e4usern als Anfang der neunziger Jahre.<\/p>\n<p><strong>GWR: Welche Erfolge k\u00f6nnt Ihr nach 30 Jahren verzeichnen, und wie sehen Eure zuk\u00fcnftigen Ziele aus? <\/strong><\/p>\n<p><strong>Kathie:<\/strong> Ein Schritt vor und zwei zur\u00fcck, ist die Zusammenfassung der Erfolgsbilanz.<\/p>\n<p>Noch gibt es in Deutschland insgesamt ca.140 Autonome Frauenh\u00e4user. Sie entwickelten sich direkt aus der FrauenLesbenbewegung und k\u00f6nnen als ihre Projekte angesehen werden. Das ist wohl der gr\u00f6\u00dfte Erfolg der Frauenhausbewegung. Auch die Infragestellung von Ehe und Familie als Leitbild zur Lebensf\u00fchrung und die hart erk\u00e4mpfte Lebensformenvielfalt erweiterten die Lebensr\u00e4ume und -konzepte von Frauen. Doch erst wenn die Lebensformen von Lesben, von Allein- und Kollektivlebenden, von alleinerziehenden und von kinderlosen Frauen gesellschaftlich als gleichberechtigt und w\u00fcnschenswert, und nicht als toleriert und geduldet gelten, k\u00f6nnen wir uns auf die Schulter klopfen. Ziele am Anfang waren die Enttabuisierung von Gewalt gegen Frauen und die Abschaffung von Gewalt, Ausbeutungs- und Unterdr\u00fcckungsverh\u00e4ltnissen auch auf der strukturellen Ebene. Davon wurde sich offiziell nie verabschiedet.<\/p>\n<p>Insbesondere das letztere wurde von den Frauenh\u00e4usern ob der Wucht der Alltagsarbeit aus den Augen verloren.<\/p>\n<p><strong>GWR: Wie sch\u00e4tzt Ihr den jetzigen Stand der Frauenh\u00e4user in der Gesellschaft ein, welche Aufgaben liegen als n\u00e4chstes an?<\/strong><\/p>\n<p><strong>Kathie:<\/strong> Gerade auf der gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Ebene ist die Bilanz f\u00fcr viele Frauen ziemlich ersch\u00fctternd.<\/p>\n<p>Frauen-Emanzipation heute wird haupts\u00e4chlich im Rahmen von Gendermainstreaming und dabei mit dem Ziel der Mobilisierung und besseren Verwertbarkeit von Arbeitskraft und Profit thematisiert. Frauen z\u00e4hlen zum Humankapital, das noch Sch\u00e4tze birgt, die es zu bergen gilt. Die \u00d6konomisierung der Gesellschaft merken wir nat\u00fcrlich auch in unserer Arbeit.<\/p>\n<p>Viel Kraft wird leider auch in Zukunft in die Bestandssicherung der Frauenh\u00e4user und in den Erhalt der Autonomie flie\u00dfen, um nicht in der neoliberalen Betreuungs- und Dienstleistungsindustrie unterzugehen.<\/p>\n<p><strong>Andrea:<\/strong> Aktuell steht der Kampf um die pauschale Finanzierung von Frauenh\u00e4usern, also eine Finanzierung jenseits vom Tagessatz und Einzelfall, auf der Tagesordnung.<\/p>\n<p>Genauso wie vor fast 30 Jahren, als sich die Frauenhausinitiativen zusammenschlossen, um die Finanzierung \u00fcber den \u00a7 72 BSHG zu verhindern. Dieses Mal erfolgt die Ablehnung gemeinsam mit den Verbands- und Kirchenfrauenh\u00e4usern. Und auf der Tagesordnung steht auch die Kampagne &#8222;Gewaltig gro\u00df werden&#8220;, welche die tats\u00e4chlich gewaltigen Probleme beim Umgangs- und Sorgerecht f\u00fcr von Gewalt betroffene Kinder und Frauen in den Mittelpunkt stellt.<\/p>\n<p>Und immer aktuell ist f\u00fcr die Frauenh\u00e4user die Situation von Frauen mit migrantischem Hintergrund, die sich mit &#8222;Residenzpflichten&#8220;, Duldungen, Arbeitsverboten etc. herumschlagen m\u00fcssen und zur Durchsetzung ihrer Rechte sehr viel praktische Solidarit\u00e4t brauchen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>GWR: 1976 wurden die ersten Frauenh\u00e4user in Berlin und K\u00f6ln gegr\u00fcndet. Heute sind sie an vielen Orten scheinbar eine Selbstverst\u00e4ndlichkeit. Gebt Ihr uns eine kurze Einf\u00fchrung in die Geschichte und die Ziele der Gr\u00fcnderinnen? 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