{"id":7871,"date":"2007-01-01T00:00:32","date_gmt":"2006-12-31T22:00:32","guid":{"rendered":"http:\/\/test.graswurzel.net\/gwr\/?p=7871"},"modified":"2022-07-26T14:24:22","modified_gmt":"2022-07-26T12:24:22","slug":"der-priester-der-milizen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/2007\/01\/der-priester-der-milizen\/","title":{"rendered":"Der Priester der Milizen"},"content":{"rendered":"<p>Seit dem 14. Juni 1990 ist in Rom ein Seligsprechungsverfahren f\u00fcr den baskischen Priester Aita Patxi im Gange, beantragt vom Erzbistum Bilbao. Aita Patxi war kein &#8222;M\u00e4rtyrer des B\u00fcrgerkriegs&#8220;. Er starb am 6. August 1974 in einem Krankenhaus in Basurto (Bilbao). Aber Aita Patxi war auch kein Parteig\u00e4nger Francos. Er stand, als Katholik und Baske, auf Seiten der Republik, der baskischen Milizen, Kommunisten, Sozialisten und Anarchisten. Seine Seligsprechung k\u00f6nnte &#8211; sollte sie im Laufe der n\u00e4chsten Jahrzehnte (!) tats\u00e4chlich vorgenommen werden &#8211; die Rechtfertigungsstrategie der spanischen Kirche mehr ins Wanken bringen als etliche Meter wissenschaftlicher Literatur.<\/p>\n<p>Der katalanische Kirchenhistoriker Hilari Raguer hat Aita Patxi mit einer j\u00fcngst ver\u00f6ffentlichten Biographie (<em>Aita Patxi. Prisionero con los Guardis<\/em> [&#8218;Aita Patxi. Gefangener mit den baskischen Milizen&#8216;] Barcelona (Claret) 2006) ein Denkmal gesetzt. Gewiss: Auch Raguer ist, bei allen wissenschaftlichen Meriten, ein Mann der Kirche. Die Zeugnisse aber, die er f\u00fcr seine Biographie zusammengetragen hat, hat er mit gr\u00f6\u00dfter Sorgfalt \u00fcberpr\u00fcft. Sie d\u00fcrften selbst von hartgesottenen Kirchenfeinden kaum ohne Anteilnahme gelesen werden.<\/p>\n<h3>Familie und geistliche Laufbahn<\/h3>\n<p>Geboren wird Aita Patxi als Victoriano Gondra Muruaga am 5. M\u00e4rz 1910 in L\u00edbano de Arrieta in der Provinz Viskaya. Seine Eltern sind Landarbeiter, nicht arm, aber auch nicht reich. Zuhause sprechen Vater Buenaventura und Mutter Benita mit ihren neun Kindern nur Baskisch. Beide sind gl\u00e4ubige Katholiken &#8211; nichts Ungew\u00f6hnliches im Baskenland. Die Basken galten damals als &#8222;Volk, dem in Europa an Fr\u00f6mmigkeit keines gleichkommt&#8220;. Der Grund, so wurde gescherzt, liege darin, dass der Teufel sie nie habe in Versuchung f\u00fchren k\u00f6nnen &#8211; die baskische Sprache sei nun einmal zu schwierig f\u00fcr den Teufel.<\/p>\n<p>Mit 16 Jahren tritt Victoriano, wie sein \u00e4lterer Bruder Eusebio, der <em>Congregaci\u00f3n de la Pasi\u00f3n de Jesucristo <\/em>bei, dem Orden der Passionisten. Nach kl\u00f6sterlicher Tradition markiert der Beginn des Noviziats auch den Beginn eines neuen Lebens: Die jungen Novizen legen in einer feierlichen Zeremonie erstmals die Kleidung ihres Ordens an und geben ihren b\u00fcrgerlichen Namen auf. Victoriano h\u00f6rt von nun an auf den Namen <em>Francisco de la Pasi\u00f3n<\/em>, sp\u00e4ter zu &#8222;Padre Francisco&#8220; [&#8218;Pater Francisco&#8216;] verk\u00fcrzt &#8211; auf baskisch: Aita Patxi.<\/p>\n<p>Das Noviziat ist f\u00fcr ihn kein Spaziergang: Die Umgangssprache im Kloster ist Spanisch, und das altert\u00fcmliche Baskisch der jungen Bauerns\u00f6hne bei Lehrern nicht wohlgelitten.<\/p>\n<p>Die Verhaltensregeln sind streng. Zeit seines Lebens wird Aita Patxi die Augen niedergeschlagen halten, denn f\u00fcr Passionisten gilt selbst ein Blick auf die Sch\u00f6nheit der Natur als unzul\u00e4ssiges Nachgeben gegen\u00fcber s\u00fcndigem Verlangen. Der junge Novize hat mit diesen Vorschriften jedoch kein Problem &#8211; im Gegenteil.<\/p>\n<p>Mit Strenge wacht er \u00fcber jedes seiner Worte, jede seiner Regungen und Taten. Nie macht er daf\u00fcr anderen, die die Regeln weit lockerer auslegen, Vorhaltungen. Schon f\u00fcr den jungen Aita Patxi ist Glaube keine Frage sch\u00f6ner Worte oder fingerschaukelnder Belehrungen, sondern des eigenen, gelebten Lebens.<\/p>\n<p>Wenn ihn jemand fragt, was sein Ziel im Leben sei, antwortet er: &#8222;Das Martyrium&#8220;. Er erntet mehrheitlich Kopfsch\u00fctteln.<\/p>\n<h3>Die Basken im Spanischen B\u00fcrgerkrieg<\/h3>\n<p>Am 18. Juli 1936 putscht in Spanien eine abtr\u00fcnnige Milit\u00e4rjunta um General Franco gegen die II. Republik. Auf gut zwei Dritteln des Territoriums wird der Putsch durch loyale Truppen und Polizeikr\u00e4ften, vor allem aber durch den entschlossenen Widerstand der organisierten Arbeiterschaft vereitelt. Es folgt ein dreij\u00e4hriger B\u00fcrgerkrieg. Auch im Baskenland scheitert der Putsch. Er teilt die Region in zwei H\u00e4lften. Die mehrheitlich im <em>Partido Nacional Vasco<\/em> (PNV) [&#8218;Baskische Nationale Partei&#8216;] organisierten, katholisch-konservativen Nationalisten hatten bis dahin kaum Verbindung zur Volksfrontregierung in Madrid.<\/p>\n<p>Erst die Attacke General Molas von Pamplona aus gegen Bilbao, der extreme Baskenhass der Putschisten und ein eilig verabschiedetes Autonomiestatut machen sie zu Kampfgef\u00e4hrten der Republik. Der Widerstand der Basken wird f\u00fcr die Franco-Propaganda zum Problem: International l\u00e4sst Franco mit Hilfe des m\u00e4chtigen Primas von Spanien, Kardinal Isidro Gom\u00e1 y Tom\u00e1s, den B\u00fcrgerkrieg als &#8222;Kreuzzug&#8220; zur Verteidigung des christlichen Glaubens darstellen.<\/p>\n<p>Dass sich ausgerechnet die Basken, das &#8222;katholischste Volk Europas&#8220;, mit Waffen gegen ihre &#8222;Verteidiger&#8220; verteidigen, passt nicht recht ins Bild.<\/p>\n<h3>Das Bataillon &#8222;Rebeli\u00f3n de la Sal&#8220;<\/h3>\n<p>Im Dezember 1936 werden die baskischen Reservisten von 1931 mobilisiert. Zu ihnen geh\u00f6rt Aita Patxi. Angesichts des bunten Panoramas politischer Zugeh\u00f6rigkeiten auf republikanischer Seite d\u00fcrfen sich Rekruten die Einheit ausw\u00e4hlen, in der sie k\u00e4mpfen werden. Zur Wahl stehen Kommunisten, Anarchisten, Sozialisten und baskische Nationalisten. Aita Patxi geh\u00f6rt zum Bataillon &#8222;Rebeli\u00f3n de la Sal&#8220; [&#8218;Salzrebellion&#8216;] des PNV. Der Name &#8211; heute w\u00fcrde man am ehesten an Ghandis &#8222;Salzmarsch&#8220; denken &#8211; spielt an auf eine Auseinandersetzung baskischer F\u00fcrsten mit dem m\u00e4chtigen Conde-Duque de Olivares aus dem Jahre 1631. Die Bataillone der unterschiedlichen politischen Fraktionen liegen an der Front mitunter nur wenige Meter voneinander entfernt. Und nicht alle sind von der Anwesenheit eines Priesters begeistert.<\/p>\n<p>In dieser keineswegs ungef\u00e4hrlichen Situation ist es wohl die menschliche Gr\u00f6\u00dfe Aita Patxis, die ihm den Respekt und schlie\u00dflich sogar die Zuneigung jener verschafft, die am liebsten von jeder Laterne einen Priester h\u00e4tten baumeln sehen.<\/p>\n<p>&#8222;Er war sehr menschlich&#8220;, erz\u00e4hlt Telleria&#8217;tar Bitoren, der mit Aita Patxi im selben Bataillon gek\u00e4mpft hat: &#8222;Er wollte allen Gutes tun, gleichg\u00fcltig, ob er einen &#8218;Roten&#8216; oder &#8218;Nicht-Roten&#8216; vor sich hatte&#8220; (S.99).<\/p>\n<h3>Die &#8222;apostolische Zigarette&#8220;<\/h3>\n<p>Aita Patxi ist unerm\u00fcdlich unterwegs. Wenn einmal die Waffen schweigen, klettert er von Sch\u00fctzengraben zu Sch\u00fctzengraben, um mit den Soldaten zu sprechen, ihnen Mut zu machen oder mit ihnen den Rosenkranz zu beten. F\u00fcr den Umgang mit kirchenfeindlichen Bataillonen hat er sich einen besonderen Kniff ausgedacht, den seine Kameraden sp\u00f6ttisch &#8222;die apostolische Zigarette&#8220; getauft haben.<\/p>\n<p>Aita Patxi, als Passionist nat\u00fcrlich Nichtraucher, verschenkt seine Tabakration an anarchistische und kommunistische Milizion\u00e4re, die f\u00fcr den Moment ihre Gewehre beiseite stellen, lachen und scherzen mit einem Priester, den sie ansonsten wohl fortgeschickt h\u00e4tten (bestenfalls).<\/p>\n<p>Manche bringt er soweit, ebenfalls mit ihm den Rosenkranz zu beten, und einer Reihe von Anarchisten nimmt er &#8211; mehrere Zeugen best\u00e4tigen es &#8211; sogar die Beichte ab (!). Aber Aita Patxi ist kein Eiferer: Wer von seinem Glauben und seinen Gebeten nichts wissen will, dessen Wunsch respektiert er widerspruchslos. Sein Verhalten gegen\u00fcber solch &#8222;Gottlosen&#8220; \u00e4ndert sich deswegen nicht.<\/p>\n<p>Wenn es darum geht, Leidensgef\u00e4hrten zu helfen, ihnen eine Freude zu machen oder das Leben zu erleichtern, kennt Aita Patxi keine M\u00fcdigkeit &#8211; und keine Kirchenregeln: &#8222;Er gab sich nicht damit zufrieden, sich nur um unser Seelenheil zu k\u00fcmmern&#8220;, erinnern sich Jahre sp\u00e4ter einige seiner Mitk\u00e4mpfer: &#8222;[&#8230;] Ein paar B\u00fccher hat er uns gebracht, baskische B\u00fccher [&#8230;]. Eins war besonders lustig und unterhaltsam, voller Anekdoten und komischer Geschichten. Wir haben gelacht und uns ganz pr\u00e4chtig am\u00fcsiert. Aita Patxi war gl\u00fccklich, dass wir uns so freuten. [&#8230;] Wenn es beim Essen einmal Streit gab, weil sie manchen mehr gegeben haben als anderen, teilte Aita Patxi sein Essen mit denen, die meinten, zu kurz gekommen zu sein. [&#8230;] Er hat sich auch oft um die Verletzten der kommunistischen Bataillone gek\u00fcmmert, die in unserer N\u00e4he lagen. Einige sind konvertiert. Sie haben gesagt: Der Glaube von diesem da ist aufrichtig. Diesem Menschen muss man einfach glauben&#8220; (S.96, 99, 100).<\/p>\n<h3>Priester mit Kreuz gegen Priester mit Pistole<\/h3>\n<p>Aita Patxi lehnt w\u00e4hrend des gesamten, \u00e4u\u00dferst grausamen und blutigen Krieges um das Baskenland jede pers\u00f6nliche Verg\u00fcnstigung f\u00fcr sich ab. Er wird Zeuge der Zerst\u00f6rung Guernikas. Manche der Schlachtenschilderungen, die Hilari Raguer f\u00fcr seine Biographie zusammengetragen hat, gehen in ihrer Grausamkeit an die Grenzen der Vorstellungskraft.<\/p>\n<p>Aita Patxi, klein, schm\u00e4chtig, alles andere als ein H\u00fcne, teilt das Leben der einfachen Soldaten. Wenn es in den Kampf geht, marschiert er &#8211; immer unbewaffnet &#8211; am Kopf der Kolonne.<\/p>\n<p>Und wenn sich die Truppe unter den m\u00f6rderischen Bomben der deutschen Legion Kondor zur\u00fcckziehen muss, ist er immer der letzte. Oft h\u00e4ngt ihm dann am einen Arm ein Koffer mit tragbarem Altar (27 Kilo schwer!), den er wohl nur hergegeben h\u00e4tte, wenn man ihm den Arm abgeschlagen h\u00e4tte. Mit dem anderen st\u00fctzt er einen Verletzten, dessen Rucksack und Gewehr er auch noch schleppt und den er nicht im Stich l\u00e4sst, selbst, wenn die Bombensplitter ihnen um die Ohren fliegen oder die Schreie der Verfolger n\u00e4her kommen. Bei einer dieser Fluchten ger\u00e4t Aita Patxi schlie\u00dflich am 13. Juni 1937 in franquistische Gefangenschaft.<\/p>\n<p>Gefangen nimmt ihn &#8211; Ironie des Schicksals &#8211; ausgerechnet ein katholischer Priester, mit vorgehaltener Pistole. Aita Patxis Entsetzen, einen Glaubensbruder mit gezogener Waffen zu sehen, wird nur von der Wut der Franquisten \u00fcbertroffen, dass ein Pfarrer sich mit den &#8222;Roten&#8220; gemein machen konnte. Seine Irrfahrt durch Francos Konzentrationslager und Strafarbeitsbataillone beginnt.<\/p>\n<h3>Mein Leben f\u00fcr sein Leben<\/h3>\n<p>Im Konzentrationslager von San Pedro de Carde\u00f1a vollbringt Aita Patxi im Juli 1937 seine vielleicht mutigste Tat; jene, die ihn in Rom formal zu einem &#8222;Kandidaten&#8220; der Seligkeit gemacht hat. Wie genau sie sich abspielt, ist unter Zeugen umstritten.<\/p>\n<p>Die wesentlichen Tatsachen aber f\u00fcgen sich zusammen: Einem H\u00e4ftling, weder Baske noch Katholik, sondern ein kommunistischer Bergarbeiter aus Asturien, gelingt die Flucht. Er wird in einer benachbarten Ortschaft aufgegriffen. Ohne viel Federlesen verurteilt man ihn zum Tode.<\/p>\n<p>Als sich ihm der Lagerkaplan n\u00e4hert, um ihm in der letzten Nacht seines Lebens beizustehen, schickt der Asturier ihn mit r\u00fcden Worten fort. Kein Wunder: Der Kaplan ist nationalkatholischer Fr\u00f6mmler, Parteig\u00e4nger Francos vom Kopf bis zu den Zehen, und hat f\u00fcr die Gefangenen nur Verachtung \u00fcbrig.<\/p>\n<p>Der Kommandant bittet daraufhin den H\u00e4ftling Aita Patxi, sein Gl\u00fcck zu versuchen. Der bleibt die Nacht \u00fcber bei dem Bergarbeiter und spricht mit ihm, \u00fcber sein Leben, seine Ideen, seine Familie. Allm\u00e4hlich kommt Aita Patxi der Gedanke, dass er mehr f\u00fcr diesen Ungl\u00fccklichen tun k\u00f6nne, als ihm spirituellen Beistand zu leisten: &#8222;Ich wollte diesen armen Menschen vom Tod erl\u00f6sen&#8220;, schreibt er in seinen Aufzeichnungen, &#8222;und fragte den Sergeanten, ob nicht ich an seiner Stelle erschossen werden k\u00f6nnte. Der ging sichtlich verwirrt zum Kommandanten und erz\u00e4hlte ihm alles.<\/p>\n<p>Auch der Kommandant wird sich nicht wenig gewundert haben&#8220; (S.146). Er l\u00e4sst Aita Patxi mitteilen, \u00fcber dessen &#8222;ungew\u00f6hnliches Angebot&#8220; nicht allein entscheiden zu k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Die Milit\u00e4rkommandantur in Burgos sei informiert worden. Aita Patxi bedankt sich h\u00f6flich und kehrt in seine Baracke zur\u00fcck. Fr\u00fch morgens wird er von Bewaffneten unsanft wachger\u00fcttelt. Man f\u00fchrt ihn vor den Kommandanten. Der teilt ihm knapp und kalt mit, die Junta in Burgos habe seinem Ersuchen stattgegeben.<\/p>\n<p>Eine L\u00fcge: Der Kommandant will &#8222;nur&#8220; die Entschlossenheit des kleinen Pfarrers auf die Probe stellen. Aita Patxi erbleicht, sammelt sich kurz, l\u00e4chelt dann und erkl\u00e4rt, er sei bereit.<\/p>\n<p>Er wird auf den Appellplatz gef\u00fchrt. Zahlreiche H\u00e4ftlinge werden Zeuge, wie Aita Patxi sich aufrecht an die Wand stellt. Vor das Exekutionspeleton.<\/p>\n<p>F\u00fcr einen tief gl\u00e4ubigen Passionisten hat der Tod keinen Schrecken. Sein Leben f\u00fcr andere zu geben (noch dazu f\u00fcr Menschen mit Familie) ist das H\u00f6chste, was er in diesem Leben erreichen kann.<\/p>\n<p>Der Kommandant steht, sichtlich verwirrt, neben seinen Sch\u00fctzen. Endlich br\u00fcllt er \u00fcber den Platz: &#8222;Pater, verschwinden Sie da!&#8220; (S.150).<\/p>\n<p>Am n\u00e4chsten morgen wird der asturische Bergmann erschossen. F\u00fcr Aita Patxi &#8211; nach eigenen Worten &#8211; der schw\u00e4rzeste Tag seines Lebens.<\/p>\n<h3>Ein mutiger Mensch<\/h3>\n<p>Es ist m\u00fc\u00dfig, dar\u00fcber zu spekulieren, wie sich Aita Patxi verhalten h\u00e4tte, w\u00e4re er kein bis zur Starrk\u00f6pfigkeit \u00fcberzeugter Mann des Glaubens gewesen.<\/p>\n<p>Er <em>war<\/em> ein Mann des Glaubens, und im Grunde ist es gleichg\u00fcltig, aus welcher Quelle Menschen Kraft f\u00fcr ihre Taten sch\u00f6pfen. Wie diese Taten aussehen, ist entscheidend. Aita Patxi verstand seine Aufgabe als Priester in einer Weise, die 80-90% seiner Glaubensbr\u00fcder vor Scham im Boden h\u00e4tte versinken lassen m\u00fcssen.<\/p>\n<p>Der sch\u00fcchterne und wortkarge Priester sprach, so Raguer, mit seinen Taten &#8222;eine Sprache, die alle Menschen verstehen, die zu jedem Menschen durchdringt und die darum der beste Dienst ist, den ein Christ an seinem Glauben leisten kann&#8220; (S.98).<\/p>\n<p>Schon 1977 versammelten sich ehemalige Mitk\u00e4mpfer und Mith\u00e4ftlinge Aita Patxis in Deusto, um ihrem Pfarrer Ehre zu erweisen. Es ist nicht unwahrscheinlich, dass &#8211; sollte sich diesmal der Vatikan ein wenig beeilen &#8211; sich auch auf dem Petersplatz manch linkes Knie beugen wird.<\/p>\n<p>Wie die katholische Kirche Spaniens und nicht zuletzt der Vatikan selber mit den politischen Konsequenzen der Seligsprechung des ersten republiktreuen Priesters umgehen werden, wird man dann erleben.<\/p>\n<p>Denn w\u00e4hrend man in Rom die Seligsprechung Aitas Patxis vermutlich als Beweis ins Feld f\u00fchren wird, mittels Seligsprechungen habe man nie Politik machen wollen (eine Behauptung, die geh\u00f6riges Stirnrunzeln verursachen sollte), werden liberale Katholiken in Spanien die Anerkennung der Lebensleistung Aita Patxis zu einem Politikum machen, das Bewegung bringen k\u00f6nnte in die festgefahrene Diskussion um die historische Verantwortung ihrer Kirche.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Seit dem 14. 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