{"id":7890,"date":"2007-02-01T00:00:55","date_gmt":"2007-01-31T22:00:55","guid":{"rendered":"http:\/\/test.graswurzel.net\/gwr\/?p=7890"},"modified":"2022-07-26T14:24:21","modified_gmt":"2022-07-26T12:24:21","slug":"counter-recruitment","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/2007\/02\/counter-recruitment\/","title":{"rendered":"&#8222;Counter Recruitment&#8220;"},"content":{"rendered":"<p>Die US-Armee ist eine Berufsarmee. Wer den Vertrag unterschrieben und die Grundausbildung beendet hat, ist zur Ableistung des Dienstes verpflichtet. Die Vertragszeit betr\u00e4gt mindestens acht Jahre. Darin eingeschlossen ist eine Dienstverpflichtung von 15 Monaten, zwei, vier Jahren oder l\u00e4nger und eine anschlie\u00dfende Reservedienstzeit. Zur Zeit werden ReservistInnen zum dritten Mal f\u00fcr den Dienst im Irak oder auch f\u00fcr Unterst\u00fctzungsdienste in anderen Truppenteilen, z.B. in Deutschland, einberufen. ((1))<strong> <\/strong><\/p>\n<p>Um neue RekrutInnen anzuwerben, hat das US-Milit\u00e4r im Jahr 2006 vier Milliarden US-Dollar ausgegeben, d.h. 18.000 US-Dollar pro Person.<\/p>\n<p>Mit Anzeigenkampagnen, Besuchen in Schulen, Sponsoring von Sportveranstaltungen, dem kostenlosen Videospiel &#8222;Amerikas Armee&#8220; und einer eigenen Nachrichtensendung versucht die Armee, Jugendliche zu k\u00f6dern.<\/p>\n<p>Aimee Allison, die selbst w\u00e4hrend des 2. Golfkrieges Anfang der 90er Jahre verweigerte, schilderte dies in einem Beitrag auf einer Konferenz der <em>War Resisters&#8216; International<\/em>:<\/p>\n<p>&#8222;Das Milit\u00e4r f\u00e4hrt mit Panzern auf den Schulhof, l\u00e4sst die Kinder einsteigen und darauf herumklettern. Sie fliegen mit Flugzeugen und Hubschraubern \u00fcber Schulen und werfen Werbeartikel ab. Sie bauen B\u00fchnen auf und lassen Rockbands spielen, bringen DJs mit, die Disco machen, f\u00fchren Hip-Hop-Veranstaltungen durch, zeigen Musikfilme und verteilen Geschenke. Die Welt, in der US-Teenager aufwachsen, ist eine Milit\u00e4rwelt.&#8220; ((2))<\/p>\n<p>Die AnwerberInnen des Milit\u00e4rs zielen mit ihren Bem\u00fchungen insbesondere auf diejenigen Jugendlichen, die geringe Chancen auf Ausbildung und Beruf haben. Diese finden sie vor allem auf dem Land und in den Randbezirken der gro\u00dfen St\u00e4dte. Der Begriff &#8222;poverty draft&#8220;, Armutsrekrutierung, kennzeichnet treffend diese Vorgehensweise.<\/p>\n<p>Gesucht werden junge (farbige) Frauen und M\u00e4nner, die der Hoffnungslosigkeit ihres Ghettolebens entrinnen wollen. Die Armee erf\u00fcllt f\u00fcr sie in erster Linie die Funktion eines sozialen Sicherheitsnetzes mit geregeltem Einkommen und Ausbildungschancen. Krieg als potentielle Konsequenz ihrer Berufswahl verdr\u00e4ngen oder negieren sie. ((3))<\/p>\n<p>Unterst\u00fctzt werden die AnwerberInnen dabei auch durch Daten, die das US-Milit\u00e4r \u00fcber die Schulen und Hochschulen erh\u00e4lt. Jede \u00f6ffentliche Hochschule ist verpflichtet, die Daten der Studierenden an das Milit\u00e4r weiterzuleiten. Ganztagsschulen, die F\u00f6rderprogramme in Anspruch nehmen, sind dazu verpflichtet, Daten der Sch\u00fclerInnen weiterzugeben. &#8222;Das Pentagon hat die umfangreichste Datenbasis der Welt: 30 Millionen Daten der 16-25-J\u00e4hrigen&#8220;, so Aimee Allison.<\/p>\n<p>Des weiteren bietet das Milit\u00e4r ein Trainingsprogramm f\u00fcr Jugendliche an, das &#8222;Junior Reserve Officer Training Corps&#8220;. Gegen\u00fcber den Schulen wird dies als kostenloses Erziehungs- und Ausbildungsprogramm angeboten. Dabei stellt es nichts anderes als ein milit\u00e4risches Training dar.<\/p>\n<p>Die AnwerberInnen selbst versuchen, die Jugendlichen mit falschen Versprechungen zur Unterschrift zu gewinnen. &#8222;Die Rekrutierung findet unter falschen Voraussetzungen statt&#8220;, sagt dazu Reuben Miller vom <em>Military Counseling Network<\/em> (MCN) in Heidelberg. &#8222;Alle SoldatInnen, mit denen wir gesprochen haben, erz\u00e4hlen uns, dass die AnwerberInnen Versprechen wie diese abgeben: \u201aSie werden nicht in den Krieg ziehen m\u00fcssen.&#8216; Das ist eine freche L\u00fcge. Die AnwerberInnen verkaufen etwas: ein neues Leben, Arbeitsm\u00f6glichkeiten und Geld f\u00fcr den College-Besuch. F\u00fcr jeden jungen Erwachsenen, der sonst keine dieser M\u00f6glichkeiten hat, sieht das Milit\u00e4r wie eine Goldgrube aus. Obwohl sie freiwillig den Vertrag unterschreiben, wissen sie kaum, auf was sie sich einlassen.&#8220; ((4))<\/p>\n<p>Um die notwendige Zahl von SoldatInnen f\u00fcr die verschiedenen Kriegseins\u00e4tze der USA zu haben, f\u00fchrte die US-Administration inzwischen weitere Ma\u00dfnahmen durch. Zum einen wurde im Juni 2006 das H\u00f6chstalter f\u00fcr neue Rekruten von 35 auf 42 heraufgesetzt. Zum anderen wurden vermehrt ReservistInnen zum Dienst einberufen. Dar\u00fcber hinaus wurden aufgrund eines Erlasses des US-Pr\u00e4sidenten in den letzten Jahren die Vertr\u00e4ge ohne Zustimmung der SoldatInnen verl\u00e4ngert (stop-loss-order).<\/p>\n<h3>Widerstand in der US-Armee<\/h3>\n<p>In den letzten Jahren wurden immer wieder Verweigerer und SoldatInnen verurteilt, die zeitweise die Armee verlassen hatten oder Befehle verweigerten: Kevin Benderman erhielt die bislang h\u00f6chste Haftstrafe von 15 Monaten ((5)), der in Deutschland stationierte Befehlsverweigerer Blake Lemoine war zu sieben Monaten Haft verurteilt worden ((6)), der zeitweise unerlaubt abwesende Kriegsdienstverweigerer Camilo Meija zu einem Jahr Haft ((7)). Sie alle hatten ihre Entscheidung getroffen, zum Teil aufgrund ihrer Erfahrungen w\u00e4hrend des Einsatzes im Irak.<\/p>\n<p>Insgesamt hat die US-Armee etwa 700.000 SoldatInnen. ((8)) Die britische Times listete am 22. M\u00e4rz 2006 die Zahl der US-Deserteure seit Beginn des Irakkrieges im Jahre 2003 auf: Army: 4.387; Navy: 3.454; Air Force: 82; Marines: 1.455. Das w\u00e4ren etwa 3.000 pro Jahr. Viel weniger stellen einen Antrag als Kriegsdienstverweigerer: etwa 100 pro Jahr. Noch nicht einmal die H\u00e4lfte der Antragsteller wird anerkannt. ((9)) Das zeigt auf, dass die Zahl der Verweigerer alleine dem US-Milit\u00e4r sicherlich keine ernsthaften Probleme bereitet. Es ist letztlich eine Randerscheinung, die es auch in Friedenszeiten in einem \u00e4hnlichen Ausma\u00df gibt.<\/p>\n<p>Das war Anfang der 90er Jahre w\u00e4hrend des II. Golfkrieges noch anders. Nach Angaben der US-amerikanischen Friedensorganisation <em>Central Committee for Conscientious Objection<\/em> hatten innerhalb von nur einem halben Jahr etwa 2.500 SoldatInnen den Kriegseinsatz verweigert. ((10)) Allein in Deutschland tauchten etwa 100 US-SoldatInnen unter. Der II. Golfkrieg erhielt ganz offensichtlich deutlich weniger Zustimmung bei den SoldatInnen selbst als der Krieg gegen den Irak im Jahre 2003.<\/p>\n<p>Die Beratungsorganisationen in Deutschland wie das <em>Military Counseling Network<\/em> oder <em>Connection e.V.<\/em> erfahren, welche Gr\u00fcnde daf\u00fcr ausschlaggebend sind. Ein Grund f\u00fcr die geringere Zahl von abgetauchten GIs in Deutschland ist sicher erst einmal die geringere Zahl der US-Truppen. Heute sind noch 67.000 SoldatInnen in Deutschland stationiert, die gleichwohl eine wichtige Aufgabe haben: den Nachschub f\u00fcr den Krieg im Irak zu organisieren. Deutschland ist zugleich auch ein Stationierungsort, in dem viele der eingesetzten SoldatInnen nach Verwundungen versorgt werden oder wo sie Pause zwischen ihren Eins\u00e4tzen haben.<\/p>\n<p>Wie <em>USA Today<\/em> berichtet, ging die Zahl der Desertionen bzw. die F\u00e4lle unerlaubter Abwesenheit nach dem 11. September 2001 schlagartig zur\u00fcck. Sie fiel auf etwa die H\u00e4lfte &#8211; von ca. 8.000 auf 4.000 pro Jahr. ((11)) Das zeigt an, welche Bedeutung die Anschl\u00e4ge auf das Pentagon in Washington und die Zwillingst\u00fcrme des World Trade Center in New York auch f\u00fcr das Selbstverst\u00e4ndnis vieler US-AmerikanerInnen haben. Sie realisierten offensichtlich zum ersten Mal, dass die Gewalt auch in den USA selbst zuschlagen kann.<\/p>\n<p>Der danach erfolgte Aufbau eines Feindbilds Islam st\u00e4rkte bei vielen die \u00dcberzeugung, dass es zwingend notwendig sei, die USA zu verteidigen, eben auch milit\u00e4risch. So gab es nicht wenige, die nach dem 11. September und in voller \u00dcberzeugung, zur Verteidigung der USA beizutragen, zum Milit\u00e4r gingen.<\/p>\n<p>Erst sp\u00e4ter kamen die Zweifel. Insbesondere US-SoldatInnen, die selbst die Kriegf\u00fchrung im Irak erlebten, die erlebten, wie ihre Kameraden mit der Bev\u00f6lkerung umspringen, wollen dies nicht l\u00e4nger mittragen. Einige dieser Soldaten hatten wir von <em>Connection e.V.<\/em> gemeinsam mit anderen Organisationen in den letzten Jahren unterst\u00fctzt, z.B. Blake Lemoine und Agust\u00edn Aguayo.<\/p>\n<h3>Der Fall Blake Lemoine<\/h3>\n<p>ie alle US-SoldatInnen war der in Darmstadt stationierte Blake Lemoine freiwillig zur Armee gegangen, kurz nach dem 11. September. Er hatte einen Drei-Jahres-Vertrag unterzeichnet und wurde im Jahre 2003 mit seiner Einheit zum Einsatz in den Irak verlegt. Was er dort erlebte, \u00e4nderte seine Einstellung zum Milit\u00e4r. Blake Lemoine berichtete selbst: &#8222;Mir war es buchst\u00e4blich unm\u00f6glich zu wissen, mit welchen Mitteln unser Krieg gef\u00fchrt wurde. Jetzt, wo ich den Hass und die Wut erlebt habe, die gegen die arabischen V\u00f6lker gerichtet sind, kann ich nichts anderes tun, als dem US-Milit\u00e4r jeden Einsatz mit dem Gewehr meinerseits zu verweigern.&#8220; ((12))<\/p>\n<p>In den darauf folgenden Monaten kam Lemoine mehr und mehr zu der Einsicht, dass es &#8222;moralisch unehrlich&#8220; sei, weiter dem US-Milit\u00e4r zu dienen, so lange es eine Politik verfolgt, die seinen \u00dcberzeugungen widerspricht. Am 10. Januar 2005 erkl\u00e4rte er daher, dass er &#8222;aus der Armee austrete&#8220;. Sp\u00e4ter verweigerte er die Befehle und wurde deswegen inhaftiert.<\/p>\n<p>Am 28. M\u00e4rz 2005 wurde er von einem US-Milit\u00e4rgericht in Darmstadt zu einer Haftstrafe von sieben Monaten verurteilt. Im August 2005 wurde er aus der Haft entlassen. \u00dcber seinen Antrag auf Kriegsdienstverweigerung, den er ebenfalls im Januar 2005 gestellt hatte, wurde nie entschieden.<\/p>\n<h3>Der Fall Agust\u00edn Aguayo<\/h3>\n<p>W\u00e4hrend Blake Lemoine aus den Erfahrungen des Irakkrieges den Schluss zog, die Befehle zu verweigern, hatte der in Schweinfurt stationierte Agust\u00edn Aguayo bereits am Anfang seines ersten Einsatzes im Irak einen Antrag auf Kriegsdienstverweigerung gestellt. Aber zu diesem Zeitpunkt, Anfang 2004, war er noch bereit, als Nichtkombattant (Nicht-K\u00e4mpfender) seinen Dienst abzuleisten.<\/p>\n<p>Er war zum Milit\u00e4r gegangen, um ein so guter Soldat wie m\u00f6glich zu werden: &#8222;Ich ging zur Armee, weil ich etwas Wunderbares mit meinem Leben machen wollte. Ich wollte mir und meinem Land etwas Gutes tun. Ich wollte mein Bestes als Soldat geben.&#8220; ((13)) Aber w\u00e4hrend der Grundausbildung kamen ihm schon die ersten Zweifel. Und angesichts eines drohenden Einsatzes im Kriegsgebiet wurde ihm klar, dass er da nicht mehr mitmachen wollte.<\/p>\n<p>Dennoch kam er der ersten Verlegung in den Irak nach: &#8222;Ich war f\u00fcr die Operation Iraqi Freedom II (Irakische Freiheit II). Damals war ich bereit, mich ins Kriegsgebiet verlegen zu lassen, weil die Armee meinen Antrag auf Entlassung als Kriegsdienstverweigerer bearbeitete und ich so lange nicht dazu verpflichtet war, mit geladenen Waffen zu \u00fcben oder sie zu benutzen. Aber nun wei\u00df ich, was mich erwartet. Als Nichtkombattant war ich weiter dazu verpflichtet, Wachdienste zu leisten, obwohl ich mich dazu entschieden hatte, nur ein ungeladenes Gewehr zu tragen. Als Nichtkombattant war ich dazu verpflichtet, unz\u00e4hligen SoldatInnen zu helfen, die sich krank gemeldet hatten &#8211; sie zu verbinden und zu behandeln -, damit sie umgehend weiter ihren Dienst an der Waffe leisten konnten. Als Nichtkombattant hatte ich Soldaten auf ihren Patrouillen zu fahren, Patrouillen, die sowohl f\u00fcr US-Amerikaner wie f\u00fcr Irakis t\u00f6dlich sein konnten. Ich bedaure die Beteiligung an diesen Aktivit\u00e4ten, weil ich im Grunde zum Krieg beitrug und andere dazu bef\u00e4higte, das zu tun, was ich ablehne.&#8220; ((14))<\/p>\n<p>Das Milit\u00e4r spielte ihm \u00fcbel mit. Sein Antrag auf Kriegsdienstverweigerung wurde trotz positiver Stellungnahmen seiner direkten Vorgesetzten abgelehnt, eine Klage vor Zivilgerichten in den USA ist immer noch anh\u00e4ngig. W\u00e4hrenddessen sollte er im September 2006 erneut in den Krieg ziehen. Angesichts dessen zog er die Konsequenz und floh aus der Armee. Zu diesem Zeitpunkt lief das Verfahren zu seiner Kriegsdienstverweigerung bereits zweieinhalb Jahre. Einige Wochen sp\u00e4ter stellte er sich selbst dem Milit\u00e4r in den USA und wurde kurz darauf in das US-Milit\u00e4rgef\u00e4ngnis in Mannheim gebracht.<\/p>\n<p>Das Milit\u00e4r sieht &#8222;unerlaubte Abwesenheit&#8220; (AWOL) als schweres Delikt an. Im US-Milit\u00e4r stehen darauf bis zu zwei Jahre Haft.<\/p>\n<p>Auch das &#8222;Verpassen des Verlegungstermins&#8220; (missing movement) wird strafrechtlich verfolgt. Zudem sch\u00f6pfen die Milit\u00e4rstaatsanw\u00e4lte die M\u00f6glichkeiten des Milit\u00e4rrechts aus und versch\u00e4rfen die Anklagepunkte.<\/p>\n<p>Und so sieht sich Agust\u00edn Aguayo nun einer Anklage gegen\u00fcber, mit der ihm eine Haftstrafe von bis zu sieben Jahren Haft droht: wegen &#8222;Desertion zur Vermeidung eines gef\u00e4hrlichen Einsatzes&#8220; und &#8222;Verpassen der Verlegung der Einheit&#8220;.<\/p>\n<p>Das Strafverfahren wird voraussichtlich im Februar 2006 er\u00f6ffnet werden.<\/p>\n<p>Offen ist, was geschieht, wenn das sich nun mit dem Kriegsdienstverweigerungsantrag von Agust\u00edn Aguayo befassende Zivilgericht in den USA eine Entscheidung zugunsten Agust\u00edn Aguayo f\u00e4llt. Seine Anw\u00e4lte sind der Auffassung, dass er dann ohne Strafverfahren aus der Armee entlassen werden m\u00fcsste. Realistischerweise &#8211; aufgrund der Erfahrungen anderer Milit\u00e4rstrafverfahren &#8211; ist wohl eher davon auszugehen, dass dies eine Verurteilung nicht ausschlie\u00dft.<\/p>\n<h3>Bedeutung der Verweigerungen<\/h3>\n<p>Die Bedeutung dieser Verweigerungen liegt kaum in der Zahl der F\u00e4lle. Entscheidend ist vielmehr, dass einige von ihnen an die \u00d6ffentlichkeit gehen und auch erhebliche Medienaufmerksamkeit erreichen. Sie k\u00f6nnen wesentlich glaubw\u00fcrdiger vermitteln, wie widerspr\u00fcchlich und unsinnig der Krieg ist und wie in diesem Krieg mit der irakischen Bev\u00f6lkerung umgegangen wird.<\/p>\n<p>Sie haben es selbst erlebt und sind Augenzeugen des Geschehens. Das macht diese Verweigerungen so bedeutungsvoll.<\/p>\n<h3>Counter Recruitment<\/h3>\n<p>Aimee Allison sieht dies in ihrer Arbeit mit Jugendlichen best\u00e4tigt: &#8222;Wir haben herausgefunden, dass die Veteranen die m\u00e4chtigste Stimme gegen die Rekrutierung sind, die es gibt. Sie k\u00f6nnen aus ihrer Perspektive sehr glaubw\u00fcrdig ihre Erfahrungen im Milit\u00e4r und Krieg darlegen. Das k\u00f6nnte eine au\u00dfen stehende Friedensgruppe nie leisten.&#8220;<\/p>\n<p>In der Arbeit gegen die Rekrutierungen versuchen die Gruppen, sowohl mit Veteranen, als auch mit Sch\u00fclerInnen und LehrerInnen zusammenzuarbeiten.<\/p>\n<p>Sie gehen dabei relativ vorsichtig vor, wie Aimee Allison betont: &#8222;Wenn wir unser Anliegen vor der Klasse pr\u00e4sentieren, sagen wir nicht: \u201aKrieg ist schlecht. Lasst Euch deswegen nicht rekrutieren!&#8216; Wir sagen stattdessen: \u201aWir m\u00f6chten Euch zus\u00e4tzliche Informationen geben, denn die AnwerberInnen erz\u00e4hlen Euch nicht alles. Es gibt andere M\u00f6glichkeiten, der Arbeitslosigkeit zu entgehen. Geht nicht zum Milit\u00e4r!'&#8220;<\/p>\n<p>Zudem werden von den Gruppen Flugbl\u00e4tter verteilt, mit denen die falschen Informationen der AnwerberInnen richtig gestellt werden.<\/p>\n<p><strong>Aus einem Flugblatt der War Resisters&#8216; League, USA<\/strong><\/p>\n<p><strong>Was die Anwerber Dir nicht sagen wollen<\/strong><\/p>\n<p>Mythos: Das Milit\u00e4r ist ein Arbeitgeber mit gleichen Chancen f\u00fcr alle.<\/p>\n<p>Wahrheit: 1996 erlebten 65 % der aktiven SoldatInnen offensives rassistisches Verhalten. Im Jahre 2002 waren 38 % der Einberufenen Farbige, aber nur 17,5 % der Offiziere. Zum Beispiel stellen Latinos 14,2 % der Marineangeh\u00f6rigen, aber nur 5,5 % der Offiziere (nach Angaben des Verteidigungsministeriums).<\/p>\n<p>Lesben, Schwule, Bisexuelle und Transsexuelle d\u00fcrfen nicht im Milit\u00e4r dienen, wenn sie sich offen zu ihrer Sexualit\u00e4t bekennen. Wie \u00fcberall stellen sexuelle Bel\u00e4stigungen und Vergewaltigungen eine reale Bedrohung f\u00fcr Frauen dar. Eine Untersuchung aus dem Jahre 2003 fand heraus, dass 30 % der Frauen Opfer von Vergewaltigung oder versuchter Vergewaltigung im Milit\u00e4r waren, 75 % hatten sexuelle Bel\u00e4stigung erlebt (Reuters Health vom 14. M\u00e4rz 2003).<\/p>\n<p>Mythos: Du wirst keinen Kampfeinsatz haben und Du kannst das Milit\u00e4r verlassen, wenn Du es m\u00f6chtest.<\/p>\n<p>Wahrheit: Milit\u00e4rangeh\u00f6rige werden dazu ausgebildet und m\u00fcssen darauf vorbereitet sein, andere Menschen zu t\u00f6ten. Das Milit\u00e4r kann Deinen Vertrag ohne Deine Zustimmung verl\u00e4ngern. Du hast gro\u00dfe Chancen, im Krieg eingesetzt zu werden, wenn die USA in andere L\u00e4nder einmarschiert (was derzeit oft geschieht). Wegen des &#8222;Stop Loss&#8220;-Befehls k\u00f6nnen Rekruten unbefristet im Milit\u00e4r festgehalten werden oder Jahre sp\u00e4ter aus der Reserve heraus erneut einberufen werden. Zus\u00e4tzlich zu den Tausenden von US-M\u00e4nnern und -Frauen, die im gegenw\u00e4rtigen Krieg im Irak sterben, gibt es Tausende, die verwundet wurden, Gliedma\u00dfen verloren oder mit Kopfverletzungen, posttraumatischen Stresssymptomen oder ernsthaften Krankheiten (m\u00f6glicherweise verursacht durch US-Waffen, die abgereichertes Uran benutzen) nach Hause zur\u00fcckkehren. ((15))<\/p>\n<figure id=\"attachment_7891\" aria-describedby=\"caption-attachment-7891\" style=\"width: 400px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-full wp-image-7891\" title=\"anwerbercartoon\" src=\"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/wp-content\/uploads\/2012\/06\/anwerbercartoon.jpg\" alt=\"\" width=\"400\" height=\"454\" srcset=\"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/wp-content\/uploads\/2012\/06\/anwerbercartoon.jpg 400w, https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/wp-content\/uploads\/2012\/06\/anwerbercartoon-300x341.jpg 300w, https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/wp-content\/uploads\/2012\/06\/anwerbercartoon-264x300.jpg 264w\" sizes=\"auto, (max-width: 400px) 100vw, 400px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-7891\" class=\"wp-caption-text\">Anwerber<\/figcaption><\/figure>\n<p>Morgens werden antimilitaristische Flugbl\u00e4tter und Cartoons vor den Schulen verteilt (siehe oben: Cartoon von Andy Singer).<\/p>\n<p>Und offensichtlich ist allein dies ein sehr wirksames Mittel gegen den enormen Rekrutierungsaufwand des US-Milit\u00e4rs: &#8222;Unsere Arbeit&#8220;, so Aimee Allison, &#8222;begann ganz einfach und ironischerweise sind wir damit bislang auch am Erfolgreichsten: Anfangs machten wir lediglich einige Flugbl\u00e4tter mit Fakten \u00fcber die Anwerbung. Wir verteilen sie an die Sch\u00fclerInnen. Auf diese Weise bekommen wir Kontakt zu ihnen, und sie werden auch von sich aus aktiv.&#8220;<\/p>\n<p>Angesichts der zunehmenden Kritik am Irakeinsatz, aber auch angesichts von Aktivit\u00e4ten gegen Rekrutierung und zur Unterst\u00fctzung der Verweigerung, scheint die Regierungspropaganda an Grenzen zu sto\u00dfen.<\/p>\n<p>Im Jahre 2005 verfehlte das US-Milit\u00e4r das Rekrutierungsziel um 30 %, so sagte es uns Aimee Allison auf der Konferenz der War Resisters&#8216; International. Das ist ein guter Anfang.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die US-Armee ist eine Berufsarmee. Wer den Vertrag unterschrieben und die Grundausbildung beendet hat, ist zur Ableistung des Dienstes verpflichtet. Die Vertragszeit betr\u00e4gt mindestens acht Jahre. Darin eingeschlossen ist eine Dienstverpflichtung von 15 Monaten, zwei, vier Jahren oder l\u00e4nger und eine anschlie\u00dfende Reservedienstzeit. 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