{"id":7897,"date":"2007-02-01T00:00:10","date_gmt":"2007-01-31T22:00:10","guid":{"rendered":"http:\/\/test.graswurzel.net\/gwr\/?p=7897"},"modified":"2022-07-26T14:24:22","modified_gmt":"2022-07-26T12:24:22","slug":"anarchistinnen-gegen-die-mauer","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/2007\/02\/anarchistinnen-gegen-die-mauer\/","title":{"rendered":"AnarchistInnen gegen die Mauer"},"content":{"rendered":"<h3>Die Blockadeaktion<\/h3>\n<p>Die AktivistInnen breiteten Stacheldrahtrollen, die sie zuvor direkt aus dem besetzten Westjordanland von der dort im Bau befindlichen Barriere entfernt und nach Tel Aviv mitgenommen hatten, quer \u00fcber die Stra\u00dfe aus. Zudem befestigten sie die roten Warnschilder, die sie ebenfalls aus der Westbank mitbrachten und die dort \u00fcberall entlang der Route der Barriere zu finden sind, an den Stacheldrahtrollen. Auf den Schildern ist in hebr\u00e4ischer, arabischer und englischer Sprache der Warnhinweis &#8222;Mortal Danger &#8211; Military Zone. Any person who passes or damages the fence endangers his life&#8220; zu lesen.<\/p>\n<p>Die Aktion fand an der Basel Street statt, eine, aufgrund ihrer zahlreichen Kaffeeh\u00e4user, sehr beliebte und stark frequentierte Stra\u00dfe in der Innenstadt Tel Avivs. Flugzettel, die unter den erstaunten PassantInnen verteilt wurden, erl\u00e4uterten die Zust\u00e4nde im Westjordanland unter der Besatzung wie zum Beispiel den mit der Barriere einhergehenden Landraub oder die aufgrund von Checkpoints und der Barriere stark eingeschr\u00e4nkte Bewegungsfreiheit der pal\u00e4stinensischen Bev\u00f6lkerung. So wollten die AktivistInnen die EinwohnerInnen Tel Avivs wachr\u00fctteln. Ein Aktivist der AATW, Jonathan Pollak, erkl\u00e4rte zu der Blockadeaktion: &#8222;Die Absicht, die hinter dieser Aktion an der Basel Street stand, war, den BewohnerInnen von Tel Aviv zu veranschaulichen und sie daran zu erinnern, was sich nur wenige Kilometer von hier in puncto Einschr\u00e4nkung der Bewegungsfreiheit und Landraub in unserem Namen und mit unserer Verantwortung t\u00e4glich abspielt.&#8220; ((1))<\/p>\n<h3>Ausz\u00fcge aus dem Flugzettel der AATW<\/h3>\n<p>&#8222;Nur 22,7 Kilometer entfernt von der Basel Street in Tel Aviv leben 3,5 Millionen Menschen unter einer Milit\u00e4rherrschaft, welche grundlegendste Menschenrechte wie medizinische Versorgung oder Bewegungsfreiheit verletzt. BewohnerInnen des Westjordanlandes oder des Gazastreifens k\u00f6nnen nicht einfach einkaufen, in die Schule oder ins Krankenhaus gehen &#8211; oftmals gibt es Ausgangsperren oder (&#8230;) Checkpoints werden geschlossen. 86 % der Checkpoints im Westjordanland sind nicht so gelegen, um es von Israel abzutrennen, sie trennen die D\u00f6rfer und St\u00e4dte im Westjordanland untereinander ab. (&#8230;) \u00dcberall in der Westbank werden neue \u201ajewish-only-roads&#8216; gebaut. Den Pal\u00e4stinenserInnen, auf deren L\u00e4ndereien solche Stra\u00dfen errichtet werden, ist es verboten, diese zu benutzen.<\/p>\n<p>Hinter der Gr\u00fcnen Linie befindet sich das gr\u00f6\u00dfte Gef\u00e4ngnis Israels &#8211; das pal\u00e4stinensische Ghetto. Deshalb haben wir nur ein kleines St\u00fcck dieser pal\u00e4stinensischen Realit\u00e4t hierher auf diese Stra\u00dfe nach Tel Aviv gebracht, damit es nicht mehr m\u00f6glich ist zu sagen \u201aWir wussten und sahen doch nichts&#8216;. So sieht die Mauer (&#8230;) im Westjordanland aus, diese Auswirkungen hat sie auf das t\u00e4gliche Leben der Menschen dort. Stoppt sie, damit die Pal\u00e4stinenserInnen kein Leben ohne die M\u00f6glichkeit, sich frei zu bewegen, fristen m\u00fcssen, genau so wie ihr heute hier blockiert wurdet.&#8220;<\/p>\n<h3>Repression<\/h3>\n<p>Als die alarmierten Polizeikr\u00e4fte vor Ort eintrafen, hatten die AktivistInnen jedoch den Schauplatz, an dem sich mittlerweile ein betr\u00e4chtlicher Stau gebildet hatte, bereits wieder verlassen, um einer Konfrontation bzw. Verhaftung entgehen zu k\u00f6nnen. Der finanzielle Aufwand, mit dem die Anarchists Against the Wall aufgrund diverser Gerichtsverfahren, Rechtsanwaltskosten etc. konfrontiert sind, hat bereits eine exorbitante H\u00f6he erreicht. Seit April 2003, dem Datum, an dem sich eine Gruppe von AnarchistInnen bei einem Friedenscamp in Mas&#8217;ha (Westbank) unter dem Namen <em>Anarchists Against the Wall<\/em> zusammenschloss, musste ein unglaublicher Betrag von \u00fcber 60.000 US-Dollar aufgewendet werden, um die Rechtskosten, mit denen die AktivistInnen konfrontiert waren und auch weiterhin sind, zu decken.<\/p>\n<p>Die <em>AATW<\/em> finanzieren sich ausschlie\u00dflich aus Spendengeldern. In dem repressiven Vorgehen ist eine Taktik von Seiten der israelischen Exekutive und Justiz erkennbar, um die tendenziell geringen finanziellen Mittel linker\/libert\u00e4rer Gruppierungen und Individuen mittels permanenter rechtlicher Schritte gegen diese zu ersch\u00f6pfen und sie so handlungsunf\u00e4hig zu machen.<\/p>\n<p>Yossi, ein israelischer Anarchist, meint diesbez\u00fcglich:<\/p>\n<p>&#8222;Die Repression gegen uns wird immer h\u00e4rter. Wir werden vom Staat vor Gericht gezerrt, sogar wenn er das Verfahren verliert &#8211; er hat bis jetzt noch kein einziges Verfahren gewonnen -, aber es ist f\u00fcr den Staat von gro\u00dfer Wichtigkeit, uns st\u00e4ndig vor Gericht zu zerren, um unsere Energie und unsere finanziellen Mittel zu ersch\u00f6pfen.&#8220; ((2))<\/p>\n<p>Diese Strategie kann, muss aber nicht von Erfolg gekr\u00f6nt sein.<\/p>\n<p>Die Tatsache, dass die Anarchists Against the Wall immer noch nicht ihre gewaltfrei-anarchistischen Aktivit\u00e4ten in Israel\/Pal\u00e4stina eingestellt haben und sich stattdessen voller Elan seit nun bald vier Jahren lautstark bemerkbar machen, spricht eine ganz andere Sprache.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Blockadeaktion Die AktivistInnen breiteten Stacheldrahtrollen, die sie zuvor direkt aus dem besetzten Westjordanland von der dort im Bau befindlichen Barriere entfernt und nach Tel Aviv mitgenommen hatten, quer \u00fcber die Stra\u00dfe aus. 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