{"id":7984,"date":"2007-03-01T00:00:19","date_gmt":"2007-02-28T22:00:19","guid":{"rendered":"http:\/\/test.graswurzel.net\/gwr\/?p=7984"},"modified":"2022-07-26T14:24:21","modified_gmt":"2022-07-26T12:24:21","slug":"martin-luther-king-am-checkpoint","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/2007\/03\/martin-luther-king-am-checkpoint\/","title":{"rendered":"Martin Luther King am Checkpoint"},"content":{"rendered":"<p>K\u00fcrzlich wurde diese Frage beim Tel Rumeida-Checkpoint in Hebron gekl\u00e4rt: Ein paar St\u00fchle, eine Menge friedlich gesinnter Menschen und jemand, der oder die bereit ist, \u00fcber ein interessantes und anregendes Thema zu referieren.<\/p>\n<p>Die ca. 40 Menschen, die w\u00e4hrend dieses &#8222;Teach-ins&#8220; den Checkpoint kurzerhand in einen H\u00f6rsaal bzw. in ein Klassenzimmer umwandelten, setzten sich aus lokalen pal\u00e4stinensischen FriedensaktivistInnen und einer Gruppe von pal\u00e4stinensischen Kindern und Jugendlichen, die bei der j\u00fcdischen Aktivistin und K\u00fcnstlerin Katie Miranda aus San Francisco einmal w\u00f6chentlich Kunstunterricht erhalten, zusammen. Das Thema, \u00fcber das gesprochen wurde, war die B\u00fcrgerrechtsbewegung der 60er Jahre in den USA, also Martin Luther King, ziviler Ungehorsam und der gewaltfreie Widerstand von AfroamerikanerInnen in einem von Rassismus und Segregation gepr\u00e4gten Umfeld.<\/p>\n<h3>Martin Luther King, Rosa Parks, Gewaltfreiheit<\/h3>\n<p>&#8222;Ich wollte den anwesenden Leuten und den Kindern und Jugendlichen meiner Kunstklasse verdeutlichen, dass gewaltfreier Widerstand und ziviler Ungehorsam in der Vergangenheit zum Erfolg gef\u00fchrt haben&#8220;, sagte Katie Miranda, die gemeinsam mit einer pal\u00e4stinensischen Friedensaktivistin aus Hebron in englischer und arabischer Sprache den interessierten Zuh\u00f6rerInnen einen kurzen Einblick in die Geschichte der B\u00fcrgerrechtsbewegung gab und die wichtige Rolle herausstrich, die gewaltfreie Protestformen hierbei spielten: &#8222;Vor den 1960er Jahren waren AfroamerikanerInnen in den USA nicht frei. Sie durften nicht w\u00e4hlen gehen, wurden gezwungen, in den hinteren Reihen von \u00f6ffentlichen Verkehrsmitteln Platz zu nehmen und es war ihnen nicht gestattet, die gleichen Toiletten oder Restaurants wie ihre wei\u00dfen Mitb\u00fcrgerInnen zu betreten. (&#8230;) Im Jahre 1955 weigerte sich die Afroamerikanerin Rosa Parks, sich in den hinteren Teil eines Busses zu setzen und kurze Zeit sp\u00e4ter war es Martin Luther King, der den Montgomery Bus Boycott organisierte. Alle schwarzen BewohnerInnen von Montgomery, Alabama weigerten sich, die \u00f6ffentlichen Busse zu benutzen und fuhren stattdessen in Fahrgemeinschaften, mit Taxis oder mit dem Fahrrad. Das \u00f6ffentliche Bussystem wurde durch diesen Boykott, der 382 Tage andauerte, stark in Mitleidenschaft gezogen. Im November 1956 wurde schlie\u00dflich vom Obersten Gerichtshof der USA entschieden, dass diese Segregation verfassungswidrig sei und AfroamerikanerInnen das Recht h\u00e4tten, dort zu sitzen, wo sie es wollten. Das war der erste gro\u00dfe Erfolg von Martin Luther Kings gewaltfreiem Widerstand. (&#8230;) King organisierte viele Demonstrationsm\u00e4rsche \u00fcberall in den Vereinigten Staaten, um die Rechte der AfroamerikanerInnen einzufordern. Die Konsequenz daraus war, dass er viele Male im Gef\u00e4ngnis sa\u00df, trotz der Tatsache, dass er niemals Gewalt angewendet hatte.&#8220;<\/p>\n<p>Die SoldatInnen am Checkpoint reagierten \u00fcberaus nerv\u00f6s. Unmittelbar nachdem sich die TeilnehmerInnen mit ihren St\u00fchlen und Schildern, auf denen Forderungen wie &#8222;Freedom, Justice, Equality, PEACE&#8220; zu lesen waren, niedergelassen hatten, platzierten sich einige SoldatInnen auf den D\u00e4chern der umliegenden H\u00e4user und zielten mit ihren M-16-Maschinengewehren, ohne ersichtlichen Grund, da keinerlei Bedrohung von den TeilnehmerInnen ausging und die Aktion Tage zuvor ausreichend angek\u00fcndigt wurde, direkt in die friedliche Menge.<\/p>\n<p>Die TeilnehmerInnen wurden w\u00e4hrend des &#8222;Teach-in&#8220; auch aufgefordert, den Checkpoint umgehend zu verlassen.<\/p>\n<p>Dieser Anordnung wurde jedoch nicht Folge geleistet und es kam gl\u00fccklicherweise, wie sonst bei derartigen gewaltfreien Aktionen durchaus \u00fcblich, zu keiner Eskalation in Form von Verhaftungen und einer gewaltsamen Aufl\u00f6sung durch die Armee.<\/p>\n<p>&#8222;Martin Luther King war den SoldatInnen der IDF offensichtlich etwas zu subversiv&#8220;, versuchte Katie Miranda &#8211; nicht ohne Ironie -, den Einsch\u00fcchterungsversuch von Seiten der Armee zu erkl\u00e4ren.<\/p>\n<h3>Kunstunterricht<\/h3>\n<p>Die Kunstklasse entschied sich auch, den w\u00f6chentlichen Kunstunterricht ebenfalls an den Checkpoint zu verlegen, um diesen nicht nur in einen Ort der Bildung, sondern auch in einen Ort der Kreativit\u00e4t zu verwandeln. Die Kunstklasse lernte, wie man T-Shirts bedruckt. Passend zum Thema wurden Schablonen angefertigt, auf denen ein ber\u00fchmtes Zitat von Martin Luther King in arabischer, hebr\u00e4ischer und englischer Sprache zu lesen war: &#8222;Freedom is never voluntarily given by the oppressor, it must be demanded by the oppressed.&#8220;<\/p>\n<p>Die anwesenden SoldatInnen, auch diejenigen, die auf den umliegenden D\u00e4chern immer noch ihre Gewehrl\u00e4ufe in Schussposition hielten, wurden mehrmals eingeladen, am Kunstunterricht teilzunehmen und ihre eigenen T-Shirts zu gestalten. Diese Einladung wurde jedoch nicht angenommen; das T-Shirt mit Martin-Luther-King-Zitat, welches f\u00fcr den Kommandanten der IDF in Hebron angefertigt wurde, wartet noch immer auf seine Entgegennahme. Der Kunstunterricht hatte, bis auf diese Ausnahme, \u00fcblicherweise jedoch keine politischen Themen zum Inhalt.<\/p>\n<p>&#8222;Normalerweise f\u00fchle ich mich am gl\u00fccklichsten, wenn ich ein Bild male oder etwas Kreatives mache, das 100 Prozent meiner Aufmerksamkeit in Anspruch nimmt. Ich will den Kindern und Jugendlichen einfach die M\u00f6glichkeit bieten, Dinge zu tun, die ihnen Spa\u00df machen, die sie von der Situation hier in Hebron etwas ablenken&#8220;, so Katie Miranda.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>K\u00fcrzlich wurde diese Frage beim Tel Rumeida-Checkpoint in Hebron gekl\u00e4rt: Ein paar St\u00fchle, eine Menge friedlich gesinnter Menschen und jemand, der oder die bereit ist, \u00fcber ein interessantes und anregendes Thema zu referieren. 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