{"id":8010,"date":"2007-03-01T00:00:39","date_gmt":"2007-02-28T22:00:39","guid":{"rendered":"http:\/\/test.graswurzel.net\/gwr\/?p=8010"},"modified":"2022-07-26T13:31:22","modified_gmt":"2022-07-26T11:31:22","slug":"jedes-ziel-ist-ein-zuhause","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/2007\/03\/jedes-ziel-ist-ein-zuhause\/","title":{"rendered":"Jedes Ziel ist ein Zuhause"},"content":{"rendered":"<p>Mittlerweile 29 Organisationen und Gruppen aus dem ganzen Bundesgebiet rufen f\u00fcr den 1. Juni 2007 dazu auf, das Bombodrom-Gel\u00e4nde in der Kyritz-Ruppiner Heide zu besiedeln.<\/p>\n<p>Mehrere Fahrradkarawanen und die Eurom\u00e4rsche gegen Prekarisierung ((1)) wollen auf ihrem Weg nach Rostock in der Heide Station machen. Auch die C.I.R.C.A. (Clandestine Insurgent Rebel Clown Army) hat begonnen, ihre Einheiten f\u00fcr den 1.6. zu mobilisieren. Passend zum &#8222;Internationalen Tag des Kindes&#8220; beteiligt sich die &#8222;Aktion Ferien vom Krieg&#8220; mit einer Pr\u00e4sentation von Unterschriften gegen den Krieg, die Kinder aus Kriegsgebieten im Nahen Osten und im ehemaligen Jugoslawien gesammelt haben.<\/p>\n<p>Neues Symbol des antimilitaristischen Widerstands sind rosa Pyramiden.<\/p>\n<h3>Warum Pyramiden?<\/h3>\n<p>Im Luftkrieg, wie er in der Heide ge\u00fcbt werden soll, werden die Lebensr\u00e4ume der Zivilbev\u00f6lkerung zu milit\u00e4rischen Zielen. Im Zielgebiet auf dem Bombodrom-Gel\u00e4nde werden diese Orte abstrakt durch eine h\u00f6lzerne Pyramide dargestellt, die den Bomberpiloten als Orientierung dienen soll.<\/p>\n<p>Wer in einer solchen, zur H\u00fctte ausgebauten Pyramide das Gel\u00e4nde besiedelt, oder wer eine solche Pyramide im eigenen Lebens- oder Arbeitsbereich aufstellt, bringt damit zum Ausdruck:<\/p>\n<p>&#8222;Wenn irgendwo Bomben fallen, dann treffen sie uns alle.&#8220;<\/p>\n<h3>Und warum rosa?<\/h3>\n<p>Weil sich gezeigt hat, dass diese &#8222;unm\u00e4nnliche&#8220; Farbe bei Milit\u00e4rs besonders unbeliebt ist. Als im Jahr 2002 AktivistInnen einen ehemaligen russischen Kommandoturm rosa strichen und zum &#8222;Pink Point Tourismuscenter&#8220; erkl\u00e4rten, versuchte die Bundeswehr sofort, die rosa Farbe abzuspritzen &#8211; vergeblich. Die Farbe hielt, der &#8222;Pink Point&#8220; war ein deutlich sichtbares Symbol des Widerstands, bis ihn die Bundeswehr Ende 2005 abrei\u00dfen lie\u00df.<\/p>\n<p>Die DFG-VK hat das Symbol der rosa Pyramide aufgegriffen und erstellt dazu derzeit Materialien, und einige Gruppen denken dar\u00fcber nach, wo sie eine Pyramide aufstellen k\u00f6nnen &#8211; z.B. auf einem \u00f6ffentlichen Platz in ihrer Gegend oder beim Kirchentag. ((2))<\/p>\n<p>Der Aktionstag am 1.6. wird organisiert vom B\u00fcndnis &#8222;No War &#8211; No G8&#8220;. Dieser lose Zusammenschluss von autonomen und friedensbewegten Gruppen vor allem aus Berlin und Brandenburg hat sich zum Ziel gesetzt, den Zusammenhang zwischen G8 und Krieg an zwei Orten sichtbar zu machen: in der Kyritz-Ruppiner Heide und am Flughafen\/Fliegerhorst Laage, wo das Jagdbombergeschwader 73 stationiert ist und wo beim G8-Gipfel die RegierungsvertreterInnen einfliegen werden.<\/p>\n<p>&#8222;Die Politik der Globalisierung, wie sie die G8 betreiben, f\u00fchrt in zahlreichen L\u00e4ndern zu unertr\u00e4glichen Lebenssituationen f\u00fcr die Menschen und st\u00f6\u00dft auf Widerstand. Sie l\u00e4sst sich deshalb in letzter Konsequenz nur mit Repression und milit\u00e4rischer Gewalt gegen die Betroffenen durchsetzen. G8 und Krieg, Flucht, Migration geh\u00f6ren zusammen&#8220;, hei\u00dft es im B\u00fcndnis-Flugblatt. ((3))<\/p>\n<p>F\u00fcr diesmal ist die Besiedelung eine vorl\u00e4ufige: Am n\u00e4chsten Tag geht es weiter nach Rostock. Mit dem Aktionstag am Bombodrom, so hoffen die im B\u00fcndnis zusammengeschlossenen Gruppen, kann sich die Friedens- und antimilitaristische Bewegung unmittelbar vor dem Gipfel deutlich sichtbar machen und ihren Forderungen Nachdruck verleihen.<\/p>\n<p>Wie vielerorts, wo zur Zeit f\u00fcr den G8-Protest geplant wird, ergeben sich auch hier spannende B\u00fcndnis-Konstellationen. Bei den B\u00fcndnistreffen sitzen Leute, f\u00fcr die das Wort &#8222;gewaltfrei&#8220; ein fast schon selbstverst\u00e4ndliches Attribut zum Wort &#8222;Aktion&#8220; ist, zusammen mit Leuten, f\u00fcr die &#8222;gewaltfrei&#8220; ein Wort aus dem Herrschaftswortschatz ist, das sie ungern verwenden. Erfreulich einig sind wir uns im B\u00fcndnis, was unsere Analyse und Forderungen betrifft &#8211; und auch was die Aktionsform am 1.6. angeht. \u00d6ffentliches Pyramidenbauen in den D\u00f6rfern rund um den Platz, die Besiedelung des Gel\u00e4ndes, evtl. der Bau einer Musterh\u00fctte oder eines Gemeinschaftshauses, das Bonbondrom der Clowns, ein Fr\u00fchst\u00fcck am Pink Point zum Abschluss &#8211; wir haben uns geeinigt, die Aktion so klar wie m\u00f6glich zu beschreiben, statt sie mit Attributen zu belegen, die f\u00fcr alle etwas anderes bedeuten. Den Charakter der Besiedelung sowie die besonderen Bedingungen des Widerstands vor Ort wollen wir auch im Gespr\u00e4ch mit den beteiligten Gruppen deutlich machen.<\/p>\n<p>Unterschiedliche politische Kulturen zeigen sich u.a. bei der Form der Mobilisierung: W\u00e4hrend unser mit &#8222;B\u00fcndnis No War &#8211; No G8&#8220; unterzeichnetes Flugblatt mit kleingedruckter Analyse und Forderungen manche anspricht, fragen andere eher danach, was genau f\u00fcr Aktionen geplant sind und, vor allem, wer noch mit dabei ist. Deshalb gibt es jetzt auch den kurzgefassten Aufruf zum Unterzeichnen. ((4))<\/p>\n<h3>Ostermarsch: &#8222;15 Jahre auf dem Weg zur FREIen HEIDe&#8220;<\/h3>\n<p>Vor dem G8 steht der Region noch ein anderes Gro\u00dfereignis ins Haus: der Ostermarsch. Los geht es am Ostersonntag, den 8. April, um 14 Uhr auf dem Dorfplatz in Fretzdorf (3 Minuten vom Bahnhof). Ein guter Anlass, in die Region zu kommen, sich mit der Gegend vertraut zu machen und vielleicht schon ein lauschiges Pl\u00e4tzchen f\u00fcr die eigene Pyramide auszusuchen.<\/p>\n<p>Die B\u00fcrgerinitiative FREIe HEIDe, Veranstalterin des Ostermarsches, ruft nicht mit zum Aktionstag am 1.6. auf. In der Initiative herrscht die Meinung vor, dass eine Erh\u00f6hung des politischen Drucks durch Aktionen Zivilen Ungehorsams eine Eskalation des Konflikts darstellen w\u00fcrde, die zur Zeit sch\u00e4dlich w\u00e4re, weil sie einen gro\u00dfen Teil der lokalen Bewegung \u00fcberfordern w\u00fcrde. Eine st\u00e4rkere Betonung der friedenspolitischen Forderungen k\u00f6nnte dar\u00fcber hinaus Leute ausschlie\u00dfen, die haupts\u00e4chlich aus wirtschaftlichen oder \u00f6kologischen Gr\u00fcnden gegen das Bombodrom sind. So ist f\u00fcr die BI FREIe HEIDe das besondere Ereignis dieses Jahres nicht der G8, sondern das 15-j\u00e4hrige Bestehen der Initiative. Eine Reihe von Mitgliedern der FREIen HEIDe unterst\u00fctzt jedoch pers\u00f6nlich den Aktionstag.<\/p>\n<h3>Neues von den Gerichten<\/h3>\n<p>Vor Gericht haben die GegnerInnen des Bombodroms in den letzten Monaten weitere Erfolge erzielt. Die im Dezember 2005 von der Bundeswehr eingeleiteten neuen Eilverfahren sind inzwischen abgeschlossen mit dem Ergebnis, dass weiterhin kein \u00dcbungsbetrieb stattfinden darf, weil einige der Kl\u00e4gerInnen vorl\u00e4ufigen Rechtsschutz bekommen haben. F\u00fcr dieses Jahr werden die Entscheidungen im eigentlichen Hauptverfahren vor dem Verwaltungsgericht Potsdam erwartet. Danach geht es in die n\u00e4chste Instanz, so dass mit einem Abschluss der Verfahren noch lange nicht zu rechnen ist.<\/p>\n<p>F\u00fcr einige Aufregung sorgt zur Zeit ein Brief, den Verteidigungsminister Jung am 15. Januar an den brandenburgischen Ministerpr\u00e4sidenten Platzeck geschrieben hat. Darin spricht er sich f\u00fcr ein neues L\u00e4rmschutzgutachten aus und f\u00fcgt hinzu, sollte dieses Gutachten &#8222;wider Erwarten die Unvertr\u00e4glichkeit der Schutzinteressen der Region mit den Pl\u00e4nen der Bundeswehr erweisen (&#8230;), w\u00e4re \u00fcber eine \u00c4nderung der Nutzungspl\u00e4ne oder \u00fcber einen Verzicht auf den Luft-Boden-Schie\u00dfplatz Wittstock zu befinden&#8220;. Im &#8222;Ruppiner Anzeiger&#8220; wird dieser Satz als ein erster Schritt zum R\u00fcckzug, als ein &#8222;weit offenes Hintert\u00fcrchen&#8220; interpretiert. Die &#8222;M\u00e4rkische Allgemeine&#8220; dagegen zitiert einen Sprecher des Verteidigungsministeriums: &#8222;Es besteht keinerlei Veranlassung, die Pl\u00e4ne zu \u00e4ndern. Wir brauchen diesen Platz.&#8220;<\/p>\n<p>Die Pl\u00e4ne \u00e4ndern, das tut die Bundeswehr allerdings andauernd: Im Rahmen einer Konferenz zur Rolle der Bundeswehr in Linow wurde im letzten Herbst bekannt, dass das dem Gerichtsverfahren zugrunde liegende Betriebskonzept nicht mehr aktuell ist. Tieffliegende Tornados mit ungelenkten Bomben sind out, hochfliegende Eurofighter mit gelenkten Bomben sind in. Und selbstverst\u00e4ndlich, so Rainer Arnold (SPD), Mitglied im Verteidigungsausschuss, w\u00fcrden sich die Einsatzszenarien und damit auch die \u00dcbungsszenarien st\u00e4ndig ver\u00e4ndern, und die Bundeswehr sei da nicht unbedingt transparent &#8211; auch wenn das im vorliegenden Verfahren &#8222;juristisch nicht gl\u00fccklich&#8220; sei.<\/p>\n<p>Noch lange keine Entwarnung also. Die Kampagne &#8222;Bomben Nein &#8211; Wir gehen rein&#8220; ((5)) f\u00fchrt zur Zeit eine Veranstaltungsreihe in den D\u00f6rfern rund ums Bombodrom durch, um die konkreten Vorbereitungen f\u00fcr den Zivilen Ungehorsam im Falle der Inbetriebnahme einen Schritt weiter zu bringen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Mittlerweile 29 Organisationen und Gruppen aus dem ganzen Bundesgebiet rufen f\u00fcr den 1. Juni 2007 dazu auf, das Bombodrom-Gel\u00e4nde in der Kyritz-Ruppiner Heide zu besiedeln. Mehrere Fahrradkarawanen und die Eurom\u00e4rsche gegen Prekarisierung ((1)) wollen auf ihrem Weg nach Rostock in der Heide Station machen. Auch die C.I.R.C.A. 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