{"id":8095,"date":"2007-05-01T00:00:22","date_gmt":"2007-04-30T22:00:22","guid":{"rendered":"http:\/\/test.graswurzel.net\/gwr\/?p=8095"},"modified":"2022-07-26T14:24:20","modified_gmt":"2022-07-26T12:24:20","slug":"humanitat-versus-militardiktatur","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/2007\/05\/humanitat-versus-militardiktatur\/","title":{"rendered":"Humanit\u00e4t versus Milit\u00e4rdiktatur"},"content":{"rendered":"<p>Aung San Suu Kyi, die beinahe unter st\u00e4ndigem Hausarrest stehende Friedensnobelpreistr\u00e4gerin und Vorsitzende der <em>National League for Democracy (NLD)<\/em>, ist, mit ihrem gewaltfreien Engagement f\u00fcr eine Beendigung der Milit\u00e4rherrschaft, sp\u00e4testens seit dem von der Milit\u00e4rjunta nicht anerkannten Wahlergebnis von 1990, einhergehend mit der Niederschlagung friedlicher StudentInnenproteste und der konstanten Repression gegen Oppositionsbewegungen, den meisten Menschen, die im Friedens- und Menschenrechtsbereich aktiv sind, ein Begriff.<\/p>\n<p>Zahlreiche MenschenrechtlerInnen und Organisationen, die sich mit ethischem Tourismus auseinandersetzen, fordern unisono mit der <em>NLD<\/em> seit langem einen Tourismusboykott, da der Tourismus eine wichtige Geldquelle f\u00fcr die Diktatur darstellt und TouristInnen, ob sie nun wollen oder nicht, Infrastruktur und Anlagen nutzen, die unter Zuhilfenahme von Zwangsarbeit errichtet wurden. Ansonsten dringen jedoch \u00e4u\u00dferst selten Nachrichten aus Burma bis in den Westen durch. Selbst als Ende des Jahres 2004 der verheerende Tsunami schlimme Zerst\u00f6rungen verursachte und etwa 227.000 Todesopfer forderte, waren die Informationen, die das Regime in Burma freigab, ziemlich d\u00fcrftig.<\/p>\n<p>Am 6. November 2005 wurde der Regierungssitz von Rangun nach Naypyidaw verlegt. Diese neue Hauptstadt befindet sich ungef\u00e4hr 300 Kilometer n\u00f6rdlich von Rangun, ist isoliert gelegen und wurde neu gebaut.<\/p>\n<p>Die Gr\u00fcnde, weshalb eine neue Stadt gebaut und zum neuen Machtzentrum des s\u00fcdostasiatischen Landes gemacht wurde, sind nicht ganz klar. Mutma\u00dfungen variieren von der Angst des Regimes vor einer US-Intervention bzw. internen K\u00e4mpfen bis hin zu der Annahme, dass dies der Ratschlag von Wahrsagern gewesen sei. Ende M\u00e4rz 2007 lies die Diktatur in der neuen Hauptstadt eine Milit\u00e4rparade mit 15.000 Soldaten abhalten, wof\u00fcr auch 50 internationale JournalistInnen ins Land gelassen wurden. Unterdessen schloss das International Committee of the Red Cross (ICRC) zwei seiner B\u00fcros in Burma, da eine befriedigende Arbeit im Land kaum noch m\u00f6glich ist.<\/p>\n<h3>Aktivit\u00e4ten der <em>FBR<\/em><\/h3>\n<p><em><\/em>In Burma, einem der abgeschottetsten und zugleich \u00e4rmsten L\u00e4nder der Welt, dessen EinwohnerInnen von einer brutalen Milit\u00e4rjunta unter F\u00fchrung der Gener\u00e4le Than Shwe (Staatsoberhaupt) und Soe Win (Regierungschef) tyrannisiert werden, versucht eine Gruppe von BurmesInnen, die <em>Free Burma Rangers<\/em>, mittels medizinischer und humanit\u00e4rer Hilfe, die physischen Leiden der unterdr\u00fcckten Bev\u00f6lkerung, speziell der Fl\u00fcchtlinge innerhalb Burmas, zu lindern.<\/p>\n<p>Mit guten medizinischen Kenntnissen und dem dazugeh\u00f6rigen Equipment, helfen sie bei verschiedenen Problemen, behandeln z.B. Hautkrankheiten und entz\u00fcndete Wunden, verabreichen Medikamente, helfen bei Geburten oder behandeln Zahnschmerzen.<\/p>\n<p>Eine weitere wichtige Aufgabe, der sich die <em>FBR<\/em> widmen, ist Menschenrechtsverletzungen durch das Milit\u00e4r zu dokumentieren, Berichte dar\u00fcber zu verfassen und somit den Menschen auch Hoffnung zu geben, dass ihre Schicksale nicht ungeh\u00f6rt verhallen. Die M\u00e4nner und Frauen der <em>FBR<\/em> begeben sich hierbei stets in Lebensgefahr.<\/p>\n<p>Sie versuchen den Menschen in Gebieten zu helfen, in denen sich Milit\u00e4rbasen befinden und st\u00e4ndig burmesische Soldaten patrouillieren, welche D\u00f6rfer, die von ethnischen oder religi\u00f6sen Gruppen bewohnt sind, die dem burmesischen Regime aus verschiedenen Gr\u00fcnden missfallen, teilweise zerst\u00f6ren und niederbrennen, deren EinwohnerInnen, wenn diese nicht schon vorher die Flucht ergriffen haben, vertreiben, verschleppen und zur Zwangsarbeit n\u00f6tigen, Menschen willk\u00fcrlich ermorden und Frauen vergewaltigen. Am 1. November 2006, um nur ein schreckliches Beispiel aus vielen zu nennen, wurde Saw Thay Shur, 47 Jahre alt, verheiratet und Vater von sechs Kindern, von burmesischen Soldaten bei lebendigem Leibe verbrannt, als das Milit\u00e4r das Dorf Play Hta, in dem sich der kranke Mann noch aufhielt, da er nicht mehr fl\u00fcchten konnte, niederbrannte.<\/p>\n<p>Eine weitere Routinehandlung der Armee ist das Verminen dieser (Wohn)Gebiete, was zur Folge hat, dass es unter den Menschen, die wieder in ihre D\u00f6rfer zur\u00fcckkehren wollen, immer mehr verst\u00fcmmelte Minenopfer gibt, denen unter teils widrigen Umst\u00e4nden Gliedma\u00dfen amputiert werden m\u00fcssen. \u00dcber eine Million Menschen befinden sich, innerhalb der Grenzen Burmas, st\u00e4ndig auf der Flucht vor der oft t\u00f6dlichen Willk\u00fcr und Repression des Milit\u00e4rs, eine weitere Million hat sich in das Exil in Nachbarl\u00e4nder wie z.B. Thailand oder Bangladesch gerettet und lebt dort in Fl\u00fcchtlingslagern. Alleine in dem Gebiet Karen, wo die burmesische Armee im Februar 2006 eine Offensive zur Vertreibung der dort ans\u00e4ssigen Bev\u00f6lkerung gestartet hatte, wurden bislang 20.000 Menschen zur Flucht gezwungen. Viele wollen ihre D\u00f6rfer aber nicht verlassen und kehren, all den Gefahren zum Trotz, zur\u00fcck:<\/p>\n<p>&#8222;Bislang haben die Menschen in Burma noch nicht aufgegeben. Die Weigerung der Fl\u00fcchtlinge in Burma, ihre Heimat aufzugeben, ist eines der beeindruckendsten Beispiele von zivilem Ungehorsam gegen die Diktatoren. Die Demokratiebewegung ist noch immer aktiv.&#8220;<\/p>\n<h3>Unite for Freedom, Justice and Peace<\/h3>\n<p>Schon das Motto der <em>Free Burma Rangers<\/em> ist bezeichnend:<\/p>\n<p>&#8222;Love each other. Unite for Freedom, Justice and Peace. Forgive and don\u00b4t hate each other. Pray with faith and act with courage. Never surrender.&#8220; Es scheint jedoch, wenn man diese Zeilen liest, nicht ins Bild zu passen, dass die <em>FBR<\/em>, angesichts solcher Prinzipien, teilweise Waffen tragen. Es wird jedoch betont, dass sich die Freiwilligen nicht an Kampfhandlungen, die hin und wieder zwischen burmesischen Rebellenorganisationen und der Armee ausbrechen, beteiligen.<\/p>\n<p>Die Waffen werden, wenn sie \u00fcberhaupt zum Einsatz kommen, ausschlie\u00dflich zur Selbstverteidigung getragen, um den Truppen der Diktatur nicht mitten im Urwald vollst\u00e4ndig ausgeliefert zu sein. Sie sollen vermutlich der Armee gegen\u00fcber auch als Abschreckung dienen.<\/p>\n<p>Gegr\u00fcndet wurden die <em>FBR<\/em> 1997 anl\u00e4sslich einer Gro\u00dfoffensive der burmesischen Armee, bei der es, neben unz\u00e4hligen Todesopfern und der Zerst\u00f6rung von D\u00f6rfern, zur Vertreibung von \u00fcber 100.000 Menschen kam. Die Organisation besteht aus 20 multiethnischen, interkonfessionellen HelferInnen-Teams, die in den Gebieten Karen, Karenni, Shan, Arakan und Lahu st\u00e4ndig im Einsatz sind. Die Arbeit wird unentgeltlich geleistet, medizinische und bestimmte sprachliche Kenntnisse m\u00fcssen vorhanden sein und es wird geistiges und k\u00f6rperliches Durchhalteverm\u00f6gen vorausgesetzt: &#8222;Man muss k\u00f6rperlich bei Kr\u00e4ften und ausdauernd sein, um im Stande zu sein, sich in Krisengebieten zu bewegen und moralische St\u00e4rke besitzen, um bei den Menschen zu bleiben, wenn sie attackiert werden und mit ihnen auszuharren, wenn sie nicht mehr fliehen k\u00f6nnen.&#8220;<\/p>\n<h3>Never surrender<\/h3>\n<p>Die <em>FBR<\/em> haben sich auf ihre Fahnen geheftet, Freiheit, Gerechtigkeit, Gleichberechtigung und Frieden nach Burma zur\u00fcckbringen zu wollen, ebenso wie demokratische Strukturen und die Prinzipien der Deklaration der Menschenrechte. &#8222;Angesichts der erdr\u00fcckenden Gewalt der Armee des Diktators, haben sich die <em>Free Burma Rangers<\/em> zusammengeschlossen, \u00fcberzeugt davon, dass niemand Menschen daran hindern kann, Liebe zu geben und sich um andere Menschen zu k\u00fcmmern.&#8220; Bei Argumentationen wie diesen wird ersichtlich, dass die <em>FBR<\/em> ein beeindruckendes Beispiel daf\u00fcr sind, wie das Prinzip der <em>gegenseitigen Hilfe<\/em> selbst unter den widrigsten und repressivsten Umst\u00e4nden praktiziert werden kann und funktioniert. &#8222;Never surrender&#8220;, also &#8222;Niemals aufgeben&#8220;, ist angesichts der Situation, mit der sich die couragierten Menschen der <em>FBR<\/em> konfrontiert sehen, ein Leitspruch, der einem durchaus, in positiver Weise, in Erstaunen versetzt und beeindruckt.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Aung San Suu Kyi, die beinahe unter st\u00e4ndigem Hausarrest stehende Friedensnobelpreistr\u00e4gerin und Vorsitzende der National League for Democracy (NLD), ist, mit ihrem gewaltfreien Engagement f\u00fcr eine Beendigung der Milit\u00e4rherrschaft, sp\u00e4testens seit dem von der Milit\u00e4rjunta nicht anerkannten Wahlergebnis von 1990, einhergehend mit der Niederschlagung friedlicher StudentInnenproteste und der konstanten Repression gegen Oppositionsbewegungen, den meisten Menschen, &hellip; <a href=\"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/2007\/05\/humanitat-versus-militardiktatur\/\">Weiterlesen<\/a><\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"slim_seo":{"title":"Humanit\u00e4t versus Milit\u00e4rdiktatur - graswurzelrevolution","description":"Aung San Suu Kyi, die beinahe unter st\u00e4ndigem Hausarrest stehende Friedensnobelpreistr\u00e4gerin und Vorsitzende der National League for Democracy (NLD) , ist, mit"},"footnotes":""},"categories":[476],"tags":[],"class_list":["post-8095","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-319-mai-2007"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/8095","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=8095"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/8095\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=8095"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=8095"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=8095"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}