{"id":8105,"date":"2007-05-01T00:00:24","date_gmt":"2007-04-30T22:00:24","guid":{"rendered":"http:\/\/test.graswurzel.net\/gwr\/?p=8105"},"modified":"2022-07-26T14:24:19","modified_gmt":"2022-07-26T12:24:19","slug":"hilflose-helfer-uberflussige-hunger","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/2007\/05\/hilflose-helfer-uberflussige-hunger\/","title":{"rendered":"&#8222;Hilflose Helfer&#8220;, &#8222;\u00dcberfl\u00fcssige&#8220;, Hunger!"},"content":{"rendered":"<p>Dennoch reagieren auch sie oft als &#8222;hilflose Helfer&#8220;, die Teil des Problems sind: Sie verst\u00e4rken Strukturen, in denen diejenigen zu den Gewinnern geh\u00f6ren, die Zugang zu internationaler Hilfe haben oder den Hilfsorganisationen sogar die Bedingungen diktieren k\u00f6nnen, wo und wie sie t\u00e4tig werden. Diejenigen, die f\u00fcr solche &#8222;Internationalen&#8220; arbeiten, geh\u00f6ren zu den Privilegierten. Die Hilfsorganisationen errichten eine Infrastruktur, die lokale Selbstheilungskr\u00e4fte und Selbstorganisation auch \u00fcberrollen kann. Schlie\u00dflich sind sie oft ihren SpenderInnen, den westlichen Regierungen und Medien n\u00e4her als den lokalen Gegebenheiten. Oft genug ver\u00e4ndern sie die Sozialstrukturen in den L\u00e4ndern ihrer Intervention zugunsten der M\u00e4nner, die \u00fcber die Ressourcen verf\u00fcgen, die von den internationalen Organisationen bereitgestellt werden und deren Ansprechpartner sind, zu Lasten der Frauen, die dadurch abgewertet werden und deren F\u00e4higkeiten etwa in der Landwirtschaft oder Textilproduktion entwertet werden.<\/p>\n<p>Im schlimmsten Fall ziehen die &#8222;Internationalen&#8220; ebenso wie intervenierende Milit\u00e4rs Bordellbetriebe um ihre St\u00fctzpunkte an, die Gewalt gegen Frauen und Kinderprostitution f\u00f6rdern.<\/p>\n<p>Wenn schlie\u00dflich nach Jahren des B\u00fcrgerkriegs die k\u00e4mpfenden Parteien sich davon \u00fcberzeugt haben, dass keine die Oberhand gewinnen kann oder ihre Finanziers und internationalen Unterst\u00fctzer auf Kompromisse dr\u00e4ngen, so dass eine geordnete Ausbeutung von Ressourcen erfolgen kann ((1)), entsteht nicht nur das Problem, ganze Generationen, die sich an Krieg gew\u00f6hnt haben und vom Krieg leben, zu resozialisieren und f\u00fcr Bew\u00e4ltigung der Traumata und Vers\u00f6hnung zu arbeiten, sondern auch das \u00dcberlebensproblem.<\/p>\n<p>So hat beispielsweise jetzt im Kongo der australische Konzern Anvil, der bisher bereits Silber in Katanga f\u00f6rdert, vor, die unter Mobutu durch Raubbau verfallenen Kupferminen wiederherzustellen (bei dem derzeitigen Rohstoffhunger und einem \u00e4u\u00dferst g\u00fcnstigen Vertrag mit der Republik Kongo ein narrensicheres Gesch\u00e4ft). Das Problem: In Kinsevere existiert bereits ein informeller Bergbau unabh\u00e4ngiger Sch\u00fcrfer, die nun vertrieben werden m\u00fcssen. Denn in den Jahren des B\u00fcrgerkrieges begannen zwei Millionen Menschen auf eigene Rechnung Erz abzubauen. Ein F\u00fcnftel der Bev\u00f6lkerung soll von dieser Art Bergbau leben und 80 % der Mineralien des Landes sollen zur Zeit so gef\u00f6rdert werden. ((2))<\/p>\n<p>Da das Land reich an Rohstoffen aller Art ist und diese zudem relativ leicht abbaubar sind, schon zu Zeiten Mobutus die Minen verfielen und die Bergleute sich auf Lohnzahlungen nicht mehr verlassen konnten, war es nahe liegend, den Bergbau in eigene Regie zu nehmen. Vermarktung war kein gro\u00dfes Problem, die isolierten Sch\u00fcrfer waren leicht auszunehmende Partner f\u00fcr Rohstoffaufk\u00e4ufer aus aller Welt. Und nun stellt sich die Eigentumsfrage, und die gro\u00dfe Industrie kehrt zur\u00fcck. Produktion mit rationellen Methoden und neuer Technologie bedeutet aber: \u00dcbersch\u00fcssige Bev\u00f6lkerung, Arbeitslosigkeit, Armut, bald auch Hunger!<\/p>\n<h3>Hunger als Folge globaler Gewalt<\/h3>\n<p>Wenn der Treibhauseffekt zur Folge hat, dass W\u00fcsten sich weiter ausbreiten und andererseits k\u00fcstennahes Tiefland \u00fcberflutet oder versalzen wird, so versch\u00e4rft das ein Problem, das f\u00fcr eine reiche Welt besonders besch\u00e4mend ist: Hunger. Etwa eine Milliarde Menschen sind von Mangelern\u00e4hrung betroffen.<\/p>\n<p>Darunter sind nicht wenige reiche L\u00e4nder, Nigeria etwa, der sechstgr\u00f6\u00dfte Erd\u00f6lexporteur der Welt. Nigeria ist auch ein Beispiel daf\u00fcr, wie diese \u00d6konomie darauf beruht, individuelle und organisatorische Freiheiten zu beschr\u00e4nken bis zur blutigen Verfolgung der Opposition.<\/p>\n<p>Wir denken an Ken Saro-Wiwa, jenen gewaltfreien Widerstandsk\u00e4mpfer gegen Shell und f\u00fcr die Ogoni, auf deren Land \u00d6l gef\u00f6rdert wird, der 1995 vom nigerianischen Regime zusammen mit acht Mitarbeitern hingerichtet wurde. ((3)) Mangelnde Freiheit ist eine wichtige Grundlage f\u00fcr mangelnde Gerechtigkeit und f\u00fcr die kapitalistische \u00d6konomie selten ein Problem; erst der Widerstand schafft das Problem.<\/p>\n<p>Mit unfreien Formen der Arbeit ist die globalisierte \u00d6konomie vereinbar und einverstanden, solange daraus nicht eine Destabilisierung entsteht. Niedrigste L\u00f6hne und Kinderarbeit etwa ist in manchen L\u00e4ndern geradezu Voraussetzung f\u00fcr weltmarktf\u00e4hige Produktion.<\/p>\n<p>Allerdings haben soziale Bewegungen solche Zust\u00e4nde, besonders in der Textilindustrie, immer wieder zum Thema gemacht und dadurch Image und Ums\u00e4tze der Konzerne besch\u00e4digt, so dass diese dann ihre Unternehmenspolitik \u00e4ndern mussten und zum Teil sogar soziale und \u00f6kologische Kriterien als Konkurrenzvorteil und Bestandteil ihres Images entdeckten&#8230;<\/p>\n<p>Bekannt ist, dass auch L\u00e4nder mit hungernder Bev\u00f6lkerung oft landwirtschaftliche Erzeugnisse exportieren, die Devisen bringen und auf dem Weltmarkt teurer verkauft werden k\u00f6nnen als an die einheimische Bev\u00f6lkerung.<\/p>\n<p>Nicht f\u00fcr alle &#8222;Marktteilnehmer&#8220; ist Reis oder Mais ein Nahrungsmittel. Alles kann auch Spekulationsgut werden. Und an der Warenb\u00f6rse entsteht oft genug ein Preis, der bewirkt, dass Reis oder Mais nicht als Nahrungsmittel derer zur Verf\u00fcgung steht, die hungern. Oder es wird Getreide aufgekauft um es f\u00fcr die industrielle &#8222;Fleischproduktion&#8220; zu verwenden.<\/p>\n<p>Aber wie w\u00e4re es, von einem ganz anderen Naturverst\u00e4ndnis auszugehen? Natur w\u00e4re dann nicht kostenloser Rohstoff, zu vermarktende Idylle oder eine Restkategorie noch nicht vergesellschafteter R\u00e4ume und Zeiten, sondern das Gegen\u00fcber der Gesellschaft. Keine Sache, sondern Leben.<\/p>\n<p>Aber das setzt zuerst eine andere Gesellschaft voraus und &#8211; ein anderes, nicht-verdinglichtes Leben.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Dennoch reagieren auch sie oft als &#8222;hilflose Helfer&#8220;, die Teil des Problems sind: Sie verst\u00e4rken Strukturen, in denen diejenigen zu den Gewinnern geh\u00f6ren, die Zugang zu internationaler Hilfe haben oder den Hilfsorganisationen sogar die Bedingungen diktieren k\u00f6nnen, wo und wie sie t\u00e4tig werden. Diejenigen, die f\u00fcr solche &#8222;Internationalen&#8220; arbeiten, geh\u00f6ren zu den Privilegierten. 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