{"id":8125,"date":"2007-05-01T00:00:19","date_gmt":"2007-04-30T22:00:19","guid":{"rendered":"http:\/\/test.graswurzel.net\/gwr\/?p=8125"},"modified":"2022-07-26T14:24:20","modified_gmt":"2022-07-26T12:24:20","slug":"faslane-365","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/2007\/05\/faslane-365\/","title":{"rendered":"&#8222;Faslane 365&#8220;"},"content":{"rendered":"<p>Vier Atom-U-Boote sind derzeit auf der Milit\u00e4rbasis in Faslane stationiert, ausger\u00fcstet mit 16 Langstreckenraketen vom US-Typ Trident und best\u00fcckt mit insgesamt 200 britischen Nuklearsprengk\u00f6pfen. Obgleich die Mehrheit in Gro\u00dfbritannien gegen das Beibehalten der nuklearen Option ist, hat am 14. M\u00e4rz 2007 das britische Unterhaus mehrheitlich beschlossen nuklear nachzur\u00fcsten.<\/p>\n<p>Zwar r\u00e4umte die Regierung ein die Atomsprengk\u00f6pfe um 20 Prozent auf 160 zu reduzieren, letztendlich h\u00e4lt Gro\u00dfbritannien aber an einer nuklearen Zerst\u00f6rungskraft fest, die bereits heute 1280 Hiroshima-Bomben entspricht &#8211; dabei ist nicht ber\u00fccksichtigt, dass diese Waffen immer weiter modernisiert werden und ihre zerst\u00f6rerische Kraft mit jeder Generation zunimmt. Dies als Abr\u00fcstung zu bezeichnen, zu der sich Gro\u00dfbritannien im Nichtverbreitungsvertrag verpflichtet hat, ist zynisch.<\/p>\n<p>Erschreckend ist zudem der finanzielle Preis. F\u00fcr die Erhaltung und Entwicklung der Waffen fallen j\u00e4hrlich Kosten von bis zu 800 Millionen Pfund (etwa 1,3 Milliarden Euro) an &#8211; allein die geplante Erneuerung bel\u00e4uft sich umgerechnet auf 30 Milliarden Euro. Dies sind Steuergelder, die z.B. an Schulen, in Kinderg\u00e4rten oder Krankenh\u00e4usern fehlen.<\/p>\n<p>Das Festhalten an nuklearer Kriegstechnologie birgt gesundheitliche, umwelt-, gesellschafts- und sicherheitspolitische Risiken und hat negative Auswirkungen auf die internationalen Beziehungen.<\/p>\n<p>Aus diesen Gr\u00fcnden machte ich mich zusammen mit 27 anderen AtomgegnerInnen zwischen 18 und 74 Jahren aus ganz Deutschland sowie vier weiteren aus Belgien, Portugal und Finnland auf den Weg nach Faslane. Es kamen engagierte Privatpersonen, StudentInnen, RentnerInnen, AktivistInnen und Menschen aus diversen Friedens- und Umweltbewegungen zusammen. Ein Teil hatte bereits in den 80er Jahren an der Abschaffung der Pershing II Mittelstreckenraketen und Cruise Missiles in Deutschland mitgewirkt oder ist bereits seit Jahren im Wendland aktiv. F\u00fcr die \u00fcberwiegende Mehrheit war dies jedoch die erste Blockade, ebenso f\u00fcr mich. Wie sich zeigte, war die Heterogenit\u00e4t der Gruppe eine der Besonderheiten, die zu der anregenden und \u00fcberwiegend heiteren Atmosph\u00e4re, nicht nur w\u00e4hrend der Aktion, beitrug. An der Blockade am 28. M\u00e4rz beteiligten sich mit mir aktiv 25 Personen. Die anderen unterst\u00fctzen uns und k\u00fcmmerten sich um die vielen Dinge, die w\u00e4hrend und direkt nach einer solchen Aktion anfallen.<\/p>\n<p>W\u00e4hrend der Vorbereitungen am Tag zuvor hatten wir entschieden zur Hauptverkehrszeit gegen 7 Uhr zu blockieren um ein m\u00f6glichst gro\u00dfes Publikum zu erreichen. Nachdem der Verkehr gestoppt war, stiegen wir aus dem Bus und liefen gemeinsam in unseren beschrifteten wei\u00dfen Anz\u00fcgen, mit den Transparenten die Hauptstra\u00dfe entlang in Richtung S\u00fcdtor des St\u00fctzpunktes, um m\u00f6glichst nahe vor dem Eingang die eigentliche Blockade zu beginnen. Aufgrund der starken Polizeipr\u00e4senz kam unser Zug jedoch fr\u00fchzeitig zum Stillstand und wir beschlossen daraufhin die Stra\u00dfe zur Basis zu blockieren.<\/p>\n<p>Das Wetter war gut und so lagen bzw. sa\u00dfen wir in drei Reihen \u00e0 sechs Personen, auf trockenem Boden, miteinander verbunden \u00fcber unsere Arme und H\u00e4nde, die wir in sogenannten Lock-ons hatten, zwischen uns weitere SitzblockiererInnen.<\/p>\n<p>Es dauerte \u00fcber drei Stunden ehe alle von der Stra\u00dfe getragen waren und der Verkehr ungehindert passieren konnte. Auch wenn der Moment des Losschneidens sich, wie erwartet, als unangenehm erwies, wurden die meisten von der Polizei freundlich behandelt.<\/p>\n<p>Mich am\u00fcsierten besonders die \u00c4u\u00dferungen des Rohrschneideteams, welches fachm\u00e4nnisches Interesse an den Rohren bekundete und diese, so schien es, mehr als freudige Herausforderung, denn als enervierendes \u00c4rgernis betrachtete.<\/p>\n<p>Zudem wurden wir im Vorfeld gut \u00fcber m\u00f6gliche Konsequenzen informiert, so dass jeder wusste, dass er oder sie mindestens 24 Stunden in Haft verbringen w\u00fcrde und eine Anklage riskierte. Ich war demnach nicht \u00fcberrascht, dass wir nach der Aktion wegen &#8222;\u00d6ffentlicher Ruhest\u00f6rung&#8220; f\u00fcr 30 Stunden in Gewahrsam &#8211; in Dreier- und Einzelzellen &#8211; kamen, aber erleichtert, dass es zu keiner Anklage kam. Vor allem freute ich mich \u00fcber die gelungene Aktion, die gerade nach dem Beschluss zur Erneuerung ein wichtiges Zeichen darstellte.<\/p>\n<p>Ermutigend waren, neben der direkten Unterst\u00fctzung w\u00e4hrend der Aktion, die positiven Stimmen aus der Bev\u00f6lkerung Faslanes und Glasgows, so verzichtete ein Taxifahrer auf sein Fahrtgeld nachdem ihm die Inhaftierten von der Aktion berichtet hatten und auch die Autofahrer, die aufgrund der Blockade im Stau standen, zeigten sich verst\u00e4ndnisvoll.<\/p>\n<p>Tony Blair hatte vor einigen Wochen erkl\u00e4rt, Atomwaffen seien &#8222;unverzichtbar f\u00fcr unsere Sicherheit in einer unsicheren Welt&#8220;. Wenn man sich allerdings bewusst macht, dass Atomwaffen keinerlei Schutz vor atomaren Angriffen bieten k\u00f6nnen, sondern haupts\u00e4chlich \u00fcber Abschreckung funktionieren, der Einsatz und die Androhung des Einsatzes von Massenvernichtungswaffen jedoch v\u00f6lkerrechtswidrig sind, immer mehr Staaten Uran anreichern und zur Atombombe dr\u00e4ngen, wird deutlich, dass Atomwaffen gerade heute wieder eine akute Bedrohung f\u00fcr den Weltfrieden darstellen.<\/p>\n<p>Nur durch die endg\u00fcltige Abr\u00fcstung kann einem nuklearen Kr\u00e4ftemessen in der Welt vorgebeugt werden und die bedrohliche und gewaltt\u00e4tige Atmosph\u00e4re, zu der solche Waffen beitragen, gemindert werden.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Vier Atom-U-Boote sind derzeit auf der Milit\u00e4rbasis in Faslane stationiert, ausger\u00fcstet mit 16 Langstreckenraketen vom US-Typ Trident und best\u00fcckt mit insgesamt 200 britischen Nuklearsprengk\u00f6pfen. 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