{"id":8131,"date":"2007-05-01T00:00:11","date_gmt":"2007-04-30T22:00:11","guid":{"rendered":"http:\/\/test.graswurzel.net\/gwr\/?p=8131"},"modified":"2022-07-26T14:14:53","modified_gmt":"2022-07-26T12:14:53","slug":"hauserkampf-in-munster","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/2007\/05\/hauserkampf-in-munster\/","title":{"rendered":"H\u00e4userkampf in M\u00fcnster"},"content":{"rendered":"<p>Am 15. November 1972 wurde das bis dahin seit einem Jahr leer stehende Haus in der Grevener Stra\u00dfe 31 von Studierenden besetzt. Ein Hintergrund dieser Besetzung war die katastrophale Wohnsituation in M\u00fcnster. 25% der Erstsemester standen Ende Oktober 1972 auf der Stra\u00dfe, 2000 Studierende waren ohne Bleibe und \u00fcbernachteten zum Teil in Zelten. Am 18. November 1972 schloss der Allgemeine Studierenden Ausschuss (AStA) der Uni mit der Stadt einen Vertrag \u00fcber die weitere Nutzung der Grevenerstr. 31 durch die BesetzerInnen, der zun\u00e4chst auf 2 \u00bd Jahre befristet war.<\/p>\n<p>Die erfolgreiche Besetzung der Grevener Stra\u00dfe 31 wirkte sich positiv auf die \u00fcberwiegend studentische HausbesetzerInnenszene in M\u00fcnster aus. Seit 1972 gab es zahlreiche Besetzungen.<\/p>\n<p>Die selbstverwaltete Grevener Stra\u00dfe 31 ist bis heute ein bunter Bewegungsort, wozu auch das j\u00e4hrlich dort stattfindende alternative Stra\u00dfenfest beigetragen hat.<\/p>\n<p>Nun soll die Grevener Stra\u00dfe 31 bis 57 dem Abrissbagger zum Opfer fallen.<\/p>\n<p>Doch der Widerstand ist gro\u00df. Im Dezember 2006 und Ende M\u00e4rz 2007 wurde das Haus Grevener Str.57 jeweils f\u00fcr mehrere Tage besetzt, um gegen den geplanten Abriss zu demonstrieren.<\/p>\n<h3>Seit dem 1. April 2007 ist das benachbarte Haus in der Grevener Str. 59 besetzt<\/h3>\n<p>&#8222;Das Haus Nr.59 sollte, nachdem nun der letzte Mieter so gut wie ausgezogen ist, schnellstm\u00f6glich mit dem angrenzenden Haus Nr. 57 abgerissen werden. Die st\u00e4dtische Wohn + Stadtbau hat bereits die Abrissgenehmigung in der Tasche und wartet auf den Bagger&#8230; Doch wir waren schneller!<\/p>\n<p>Auch diese Besetzung richtet sich gegen den geplanten Abriss der gesamten H\u00e4userzeile 31-59 und fordert den Erhalt preiswerten Wohnraums. Gleichzeitig zeigen wir uns solidarisch mit dem Wohnprojekt in der Nr.31, mit dem selbstverwalteten Kulturcaf\u00e9 Versetzt in der Nr.53 und all den Mieterinnen und Mietern, die von den Abrisspl\u00e4nen der Stadt betroffen sind und lieber hier wohnen bleiben wollen!<\/p>\n<p>Nachdem anscheinend die erste Besetzung im Dezember noch einen symbolischen Charakter hatte, werden wir mit dieser dritten Besetzung Tatsachen f\u00fcr Politik, Verwaltung und ihre verlogene Wohn + Stadtbau schaffen! Ab sofort werden die leerstehenden Wohnungen in der 59 wieder bewohnt!&#8220; ((1)), so die BesetzerInnen.<\/p>\n<p>Dar\u00fcber hinaus werde die M\u00f6glichkeit geschaffen, dass im Haus kulturelle und soziale Veranstaltungen besucht oder selbst veranstaltet werden k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Hiermit solle der Wunsch vieler M\u00fcnsteranerInnen nach einem Sozialen Zentrum aufgegriffen werden. In den &#8222;leider nur bedingt geeigneten R\u00e4umlichkeiten&#8220; sollten Strukturen etabliert werden, die sowohl den W\u00fcnschen der AnwohnerInnen als auch den Anspr\u00fcchen der &#8222;externen&#8220; NutzerInnen und den neuen BewohnerInnen gerecht werden sollten.<\/p>\n<p>&#8222;Zeigen wir der Stadt, dass sie sich die Z\u00e4hne an der H\u00e4userzeile ausbei\u00dfen wird! Denn so schnell geben wir nicht auf! Besetzt die anderen leerstehenden Wohnungen in der H\u00e4userzeile! Preiswerten Wohnraum erhalten statt Ausgrenzung von finanziell-benachteiligten Menschen aus dem Innenstadtbereich!&#8220;<\/p>\n<p>Die H\u00e4userzeile an der Grevener Str. geh\u00f6rt bisher zu den preiswerten Wohngegenden in Innenstadtn\u00e4he. Seit etwa 30 Jahren existiert ein Bebauungsplan, der den Abriss der H\u00e4userzeile zugunsten einer vierspurigen Stadtautobahn vorsieht, deren Umsetzung jedoch aufgrund verkehrstechnischer Entwicklungen nicht mehr verfolgt wird.<\/p>\n<p>Nach dem In-Kraft-Treten des Bebauungsplans kaufte die Stadt M\u00fcnster die H\u00e4user der Zeile auf. &#8222;Einzelne, wie die H\u00e4user Nr. 57 und 59 verscherbelte die Stadt an die stadteigene Wohn- und Stadtbau.<\/p>\n<p>Seit 20 Jahren besteht f\u00fcr die Zeile eine sog. Ver\u00e4nderungssperre, die es den MieterInnen untersagt dringende Sanierungen an den H\u00e4usern zu unternehmen. In Teilen sind also H\u00e4user von der Stadt (!) regelrecht \u201akaputtbesitzt&#8216; worden, um einen inhaltlich \u00fcberholten Plan zu verfolgen&#8220; ((2)), so die BesetzerInnen.<\/p>\n<p>Viele MieterInnen h\u00e4tten sich \u00fcber diese Anordnung hinweggesetzt. Das ehemals besetzte und inzwischen durch den Uni-AStA verwaltete Haus Nr. 31geh\u00f6re daher ebenfalls zu den gut erhaltenen H\u00e4usern. Die zumeist gute Bausubstanz sei seit Jahren nicht mehr gepr\u00fcft oder durch ein Gutachten angezweifelt worden. In der Zwischenzeit seien Mietvertr\u00e4ge aber nicht mehr verl\u00e4ngert oder nur noch durch befristete Vertr\u00e4ge ersetzt worden. Heute seien Verwaltung, Rat, sowie Wohn + Stadtbau fast jedes Mittel recht die verbliebenen MieterInnen loszuwerden. Die vor \u00fcber 6 Monaten &#8222;gro\u00df angek\u00fcndigte Mitbestimmung der MieterInnen (nach der entscheidenden Ratssitzung!)&#8220; sei eine Propagandablase.<\/p>\n<p>&#8222;Lediglich 1 Mieterin, die seit weit \u00fcber 50 Jahren in der Stra\u00dfe wohnt und mit Sicherheit eine ewig lange K\u00fcndigungsfrist gehabt h\u00e4tte, wurde bereits mit einer schicken Neubauwohnung mit Fahrstuhl gekauft. Mit dem Gros der MieterInnen fand \u00fcberhaupt noch kein Gespr\u00e4ch \u00fcber ihren weiteren Verbleib statt.&#8220;<\/p>\n<p>Kritik an den Pl\u00e4nen der Stadt werde mit dem Argument der Schaffung von mehr preiswertem Wohnraum hinweggefegt.<\/p>\n<p>Selbst hier seien sich die Verantwortlichen nicht zu schade ihre eigenen Pl\u00e4ne umzul\u00fcgen.<\/p>\n<p>&#8222;Als Beispiel: Der Neubau auf den Grundst\u00fccken 57\/59 soll doppelt soviel preiswerten Wohnraum, wie bisher dort vorhanden, schaffen. Nutzt mensch die Zahlen der Verwaltung und rechnet die reine Wohnfl\u00e4che (Leerstand wird nat\u00fcrlich mit einberechnet, was mensch den &#8222;Mathef\u00fcchsen&#8220; bei der Wohn + Stadtbau vielleicht als Tip mitgeben sollte) der H\u00e4user 57 und 59 zusammen, ergibt dies eine Wohnfl\u00e4che von 872,92qm &#8211; mit einer Kaltmiete von bisher durchschnittlich 3,99 \u20ac\/qm.<\/p>\n<p>Die W+S will an dieser Stelle jedoch nur noch 1 Haus bauen mit 9 WE (555,10qm) die \u00f6ffentlich gef\u00f6rdert werden (4,55 \u20ac\/qm) und 6 WE (438,90qm) die &#8222;frei&#8220; finanziert werden (8,30 \u20ac\/qm). Wie dieses Wunder der Wohnraumverdopplung mathematisch nun doch noch vollbracht werden kann, m\u00fcssen sie bitte bei der W(under) + S(pinnereien) erfragen!<\/p>\n<p>Grevener Str. bleibt! Glaubt den L\u00fcgen der Abrissbirnen nicht!&#8220;<\/p>\n<p>Die aktuellen Hausbesetzungen in der Grevener Stra\u00dfe, in der 1972 der H\u00e4userkampf in M\u00fcnster seinen Anfang nahm, zeigen, dass ein Ende der &#8222;Geschichte des H\u00e4userkampfs in M\u00fcnster&#8220; nicht absehbar ist.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Am 15. November 1972 wurde das bis dahin seit einem Jahr leer stehende Haus in der Grevener Stra\u00dfe 31 von Studierenden besetzt. Ein Hintergrund dieser Besetzung war die katastrophale Wohnsituation in M\u00fcnster. 25% der Erstsemester standen Ende Oktober 1972 auf der Stra\u00dfe, 2000 Studierende waren ohne Bleibe und \u00fcbernachteten zum Teil in Zelten. 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