{"id":8180,"date":"2007-06-01T00:00:07","date_gmt":"2007-05-31T22:00:07","guid":{"rendered":"http:\/\/test.graswurzel.net\/gwr\/?p=8180"},"modified":"2022-07-26T14:14:53","modified_gmt":"2022-07-26T12:14:53","slug":"ein-weltweiter-aufbruch","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/2007\/06\/ein-weltweiter-aufbruch\/","title":{"rendered":"&#8222;Ein weltweiter Aufbruch&#8220;"},"content":{"rendered":"<p><strong>GWR: Du bist seit 35 Jahren Mitherausgeber und Autor der Graswurzelrevolution. Kannst du die Geschichte dieser Bewegungszeitung erz\u00e4hlen? <\/strong><\/p>\n<p><strong>Johan Bauer:<\/strong> &#8222;Die Geschichte&#8220;, das w\u00fcrde nat\u00fcrlich ein die Seiten der GWR sprengendes Programm werden. Aber ich versuche mal ein paar Stichworte zu nennen, was am Anfang stand.<\/p>\n<p>Da war der allgemeine kulturelle Hintergrund wichtig, dass es einen Aufbruch in der Jugend gab, nicht nur in der Bundesrepublik, sondern weltweit seit Ende der 60iger Jahre, wo also Sch\u00fcler- und Studentenbewegung, aber auch Lehrlinge und Jungarbeiter versucht haben die autorit\u00e4ren Verh\u00e4ltnisse, die Enge, die rigide Disziplin unter denen sie gro\u00df geworden waren, &#8211; in der Schule wurde ja in der Generation zum Teil sogar noch geschlagen -, das hinter sich zu lassen und neue Formen des Zusammenlebens zu finden. Da spielt Musik eine gro\u00dfe Rolle, Kleidung, lange Haare, viele dieser gegenkulturellen Str\u00f6mungen.<\/p>\n<p>Die Gegenkultur ist aber nur die eine Seite. Es war eine existenziell politisierte Gruppe, die sich da zusammengefunden hat.<\/p>\n<p>Jeder m\u00e4nnliche Jugendliche musste sich mit der Frage der Kriegsdienstverweigerung besch\u00e4ftigen.<\/p>\n<p>Kriegsdienstverweigerung war zun\u00e4chst in den 60er Jahren noch eher eine marginale Bewegung. Man musste durch Pr\u00fcfungsausschuss und Pr\u00fcfungskammer, die feststellen sollten, ob eine &#8222;wirkliche&#8220; Gewissensentscheidung vorlag.<\/p>\n<p>Es wurden auch Leute zur Bundeswehr eingezogen, schikaniert und inhaftiert, die nicht anerkannt waren von diesen Institutionen. Da hat die Ablehnung der Armee eine weitreichende Bedeutung f\u00fcr die eigene Identit\u00e4t. Anfang der 70er Jahre wurde durch die Protestbewegungen Kriegsdienstverweigerung ein Massenverhalten, auch weil es im Zusammenhang mit Notstandsgesetzgebung und den revolution\u00e4ren Bewegungen Diskussionen \u00fcber den Einsatz der Armee im Innern, gegen streikende Arbeiter usw. gab.<\/p>\n<p>Bei mir war es auch so, dass ich von Gewaltlosigkeit so \u00fcberzeugt war, dass ich mich eher h\u00e4tte erschie\u00dfen lassen als zur Armee zu gehen. Als der Pr\u00fcfungsausschuss mich anerkannt hatte, ich hatte sehr heftig dort diskutiert, legte das Kreiswehrersatzamt Widerspruch ein: Die Gr\u00fcnde seien doch politisch, es l\u00e4ge keine &#8222;echte&#8220; Gewissensentscheidung vor. Die Pr\u00fcfungskammer hat mich auch anerkannt, obwohl ein Beisitzer meinte, meine \u00c4u\u00dferungen \u00fcber das Kreiswehrersatzamt w\u00fcrden eine Beleidigungsklage rechtfertigen. Ich war ziemlich vehement damals, es ging ja auch um tiefe \u00dcberzeugungen.<\/p>\n<p>Das ist eine generationentypische Erfahrung, deshalb erw\u00e4hne ich es. Im R\u00fcckblick muss man vielleicht auch sagen: Die Enge war so dr\u00fcckend, dass der Gedanke &#8222;sich erschie\u00dfen lassen&#8220; f\u00fcr die Verweigerung auch dadurch nahe gelegt wurde. Oder wir kannten die Geschichte der Verfolgungen zumindest ansatzweise. Dieser Bezug auf abweichende Werte und der Wille, daf\u00fcr einzustehen ist mit Kriegsdienstverweigerung verbunden gewesen.<\/p>\n<p>Und dieser antimilitaristische Impuls spielte vor dem Hintergrund des Vietnamkriegs eine entscheidende Rolle.<\/p>\n<p>Es war zun\u00e4chst auch die Konfrontation zwischen NATO und Wahrschauer Pakt, die bei vielen Menschen eine antimilitaristische Grundstimmung hat entstehen lassen. Ich habe ja als Kind die Angst w\u00e4hrend der Kubakrise 1963 erlebt und dass Essensvorr\u00e4te und Seife f\u00fcr den &#8222;Ernstfall&#8220; gebunkert wurden.<\/p>\n<p>Das internationale System war schon \u00f6fters am Rand des dritten Weltkrieges.<\/p>\n<p>Es kam dann entscheidend hinzu die Erfahrung mit dem Vietnamkrieg, zu welchen Formen von barbarischer Kriegf\u00fchrung auch Demokratien f\u00e4hig sind.<\/p>\n<p>Das war ein Schock, denn pl\u00f6tzlich wurden Grausamkeiten (wie Gleichg\u00fcltigkeiten!) sichtbar, die durch unsere schulische Erziehung und das, was wir gelesen hatten, letztlich mit &#8222;Faschismus&#8220; assoziiert waren.<\/p>\n<p>Daraus entstand diese weltweite Anti-Kriegs-Bewegung.<\/p>\n<p>Dann hallte noch nach z.B. die amerikanische B\u00fcrgerrechtsbewegung. Als Martin Luther King 1968 ermordet wurde, war das ein Schock, der sehr viele getroffen hat. Es begannen intensive Diskussionen \u00fcber Gewalt und Gewaltlosigkeit, King oder Che.<\/p>\n<p>Vor diesen Hintergr\u00fcnden entstand eine Grundstimmung bei nicht wenigen Jugendlichen, die dr\u00fcckte sich, auch in solchen Gruppen wie z.B. den Hippies in den USA aus, die Woodstocknation, Kabouter in den Niederlanden und auch jugendliche Bewegungen in der Bundesrepublik, die viele Gemeinsamkeiten hatten: den Unterschied zur \u00e4lteren Generation und den Aufbruch zu einem alternativen Leben hin.<\/p>\n<p>Die festgelegten Lebenspl\u00e4ne: Beruf, mit 20 schon an die Rente zu denken, Ehe und Familie, Auto, Eigenheim, was eben die Werte der Nachkriegsgeneration gewesen waren, Konsum als Lebensinhalt, das wurde verworfen.<\/p>\n<p>Der Aufbruch war weltweit, wie verschieden im Einzelnen auch. Wenn du z.B. an Prag 68 denkst, wo der Widerstand gegen die russischen Panzer auch uns \u00fcberzeugt hat, dass gewaltloser Widerstand prinzipiell gegen bewaffnete Truppen siegen k\u00f6nnte, wenn er bewusst, lang anhaltend und international vernetzt gewagt w\u00fcrde.<\/p>\n<p>Elemente dieses Aufbruchs finden sich auch in indischen, japanischen Bewegungen, usw.<\/p>\n<p>Die chinesische Kulturrevolution wurde h\u00e4ufig so begriffen, antib\u00fcrokratischer Protest, gerichtet gegen das Versanden des revolution\u00e4ren Impulses.<\/p>\n<p>Vieles wusste man nicht. Eigene Hoffnungen wurden in Bewegungen der Dritten Welt projiziert. Dennoch gab es einen weltweiten Austausch,<\/p>\n<p>Resonanzen. Das war in Europa sowieso klar, durch den Mai 68 und die antiautorit\u00e4ren Bewegungen dieser Zeit.<\/p>\n<p>Solchen Bewegungen schlie\u00dft sich niemand sofort an, es gibt Attraktionen und Ablehnung, Entt\u00e4uschung, wie seltsam aber manchmal etwas aufgenommen wird, will ich mit einem kleinen Beispiel zeigen: Als ich 1967 in der Realschule war, wir mussten uns noch nach jeder Pause nach Klassen geordnet in Zweierreihen aufstellen, um dann geordnet, ohne zu laufen, rechts gehend, schweigsam &#8230; die Treppe hochzusteigen, war ein ziemlich hei\u00dfer Tag und es gab einige verhaltene Stimmen: &#8222;hitzefrei!&#8220;. Und pl\u00f6tzlich begann jemand zu rufen &#8222;Ho, Ho, Ho Chi Minh&#8220;, der ganze Schulhof bis zu den Grundsch\u00fclerInnen stimmte ein.<\/p>\n<p>Nat\u00fcrlich hatte kaum jemand eine Vorstellung, wer Ho war, aber durch die beginnenden Proteste der Studentenbewegung und die Medien war das ein Symbol geworden.<\/p>\n<p>Ich war ja \u00fcbrigens &#8211; obwohl ich mit diesem Rufen anfing &#8211; nie Anh\u00e4nger von Ho, sondern eher von Thich Nhat Hanh, der vereinigten buddhistischen Kirche Vietnams. Aber zur\u00fcck zur Graswurzelbewegung, die es damals noch nicht gab.<\/p>\n<p><strong>Das klingt auch nach wichtigen emotionalen Erfahrungen?<\/strong><\/p>\n<p>Aber ich hatte dagegen einen enormen Widerwillen, mir erschien es &#8222;manipulativ&#8220; wenn Leute durch Musik, Bilder, Gemeinschaftserlebnisse &#8222;\u00fcberzeugt&#8220; wurden, dazugeh\u00f6ren wollten, und das nicht durch den Kopf zuerst ging. Ich hatte oft erbitterte Diskussionen \u00fcber so etwas, war damals sehr &#8222;rational&#8220;, puritanisch.<\/p>\n<p>Das hat mit vielen Jugenderfahrungen zu tun, wenn man etwa sieht, mit welchen billigen Tricks Lehrer die Klasse hinter sich bringen oder zum Lachen bringen, in der Regel auf Kosten von Au\u00dfenseitern, und alle, die mitlachen sind entlastet und geh\u00f6ren dazu. Das ist schon die halbe Politik, und es hat mich angewidert. So etwas wollte ich in emanzipatorischen Zusammenh\u00e4ngen nie erleben.<\/p>\n<p>Das hat mich auch gegen die schnellen Lernprozesse dieser Zeit immunisiert. Gegen Massenveranstaltungen hatte ich lange eine Aversion, wegen dieser \u00dcberw\u00e4ltigung der Vernunft dort.<\/p>\n<p>Die Faschismus-Erfahrung spielt dabei eine zentrale Rolle, die organisierte &#8222;Volksgemeinschaft&#8220;: Aus unserer Elterngeneration haben sich ja viele nur noch an die positiv bewerteten Gemeinschaftserlebnisse erinnert.<\/p>\n<p>Nach 1968 kam eine entscheidende Wende, die f\u00fcr uns als Graswurzelbewegung auch sehr wichtig wurde. Diejenigen, die begonnen hatten sich als &#8222;Neue Linke&#8220; zu formieren, machten h\u00e4ufig so eine Art neoleninistische, oder sogar stalinistische Wende durch. Es kam die Phase der Parteigr\u00fcndungen, eine Re-Dogmatisierung dieser Politik, der Versuch &#8211; das kann man sich teilweise auch erkl\u00e4ren aus den Niederlagen dieser antiautorit\u00e4ren Bewegung &#8211; dass sie es z.B. nicht geschafft hat eine dauerhafte Verbindung, \u00fcber punktuelle Einzelereignisse hinaus, mit den Arbeitern herzustellen, sondern die Arbeiter blieben unter der Kontrolle der sozialdemokratischen Parteien und der reformistischen Gewerkschaften.<\/p>\n<p>Die DKP wurde zugelassen, und viele der jungen Antiautorit\u00e4ren suchten pl\u00f6tzlich hier Anschluss an die antifaschistischen Arbeiter und eine weltweite kommunistische Bewegung. Es entstanden die maoistischen Zirkel, die sich nicht an den Moskauer &#8222;Revisionisten&#8220; orientierten, sondern an der Kulturrevolution &#8211; mit oft bitteren Entwicklungen, die sich aus der Anlehnung an China, Albanien, Nordkorea ergaben.<\/p>\n<p>Mit diesen Parteigr\u00fcndungen und deren Spaltungen und Feindschaften waren die Gruppen, die einen antiautorit\u00e4ren, offenen Sozialismus vertreten haben, gar wie wir Gewalt ablehnend, von nun an bis Ende der 70er Jahre ununterbrochen konfrontiert, sie dominierten in vielen St\u00e4dten die Linke.<\/p>\n<p>Die Rezeption der historischen anarchistischen Bewegungen erfolgte nicht selten aus dem Interesse, eine andere Geschichte der Arbeiterbewegungen gegen die Parteigeschichtsschreibung ins Feld zu f\u00fchren, Kronstadt gegen die leninistische Parteidiktatur, Syndikalismus und Unionismus gegen Avantgardeparteien &#8230;<\/p>\n<p>Gab es Vereinigungen, denen wir uns anschlie\u00dfen konnten?<\/p>\n<p>Die Pazifisten, mit denen wir zu tun hatten, waren oft sehr verbittert, misstrauisch gegen uns j\u00fcngere. Die hatten sehr viele Niederlagen, Ausgrenzungen in der Zeit der Wiederaufr\u00fcstung der Bundesrepublik erlebt. Zuletzt, als wir sie kennen lernten, da wurden die Verb\u00e4nde von SDS-Gruppen &#8222;unterwandert&#8220; und es gab scharfe und erbitterte Konfrontationen, die oft auch vor Gericht ausgetragen wurden. Das war eine Kultur von Verb\u00e4nden und von Vereinen, Vorst\u00e4nden, Rangeleien um Posten usw., die uns abgesto\u00dfen hat. Auch dagegen gab es dann den Versuch, eine neue Bewegung aufzubauen.<\/p>\n<p>Es kam aber nicht von vorneherein alles zusammen.<\/p>\n<p>Man darf auch nie den Fehler machen, solche Bewegungen, die sich formieren, wie die Graswurzelbewegung Anfang der 70iger, von vornherein oder auch sp\u00e4ter f\u00fcr einheitlich zu halten. Daf\u00fcr sind es einfach viel zu viele unterschiedliche lokale Gruppen. Das h\u00e4ngt mit dem f\u00f6deralistischen Aufbau zusammen. Und mit den verschieden \u00f6rtlichen Gegebenheiten, mit welchen anderen Gruppen kann man dort zusammen arbeiten, gegen welche grenzt man sich ab: Das pr\u00e4gt.<\/p>\n<p>Die Graswurzelbewegung ist eine sehr individualistische Bewegung gewesen, in der die Bezugspunkte verschieden waren und wo einzelne Leute in verschiedenen Richtungen gesucht haben.<\/p>\n<p>Die Bewegung war f\u00fcr die Einzelnen auch immer pluralistisch genug, so dass sie sich mal mehr auf diese historische oder aktuelle Bewegung und mal mehr auf jene beziehen konnten.<\/p>\n<p>Aber wann h\u00f6ren die Gemeinsamkeiten auf, und wie schnell bekommt man den Eindruck: Nein, wir arbeiten nicht am gleichen Projekt?<\/p>\n<p>Das sind Probleme von solch offenen und pluralistischen Gruppen. Wenn die Spannungen zu gro\u00df werden, versucht man die Gemeinsamkeiten festzulegen. Oder es entstehen Konflikte um solche Fragen, es entsteht bei vielen u.U. das Gef\u00fchl der Entfremdung, nicht dazuzugeh\u00f6ren, weil die kulturellen \u00c4u\u00dferungen (Lieder, Habitus), aber vor allem die politischen Stellungnahmen und Aktionen nicht ganz in Ordnung sind. Eine harte Schule, um Frustrationstoleranz und Ambiguit\u00e4tstoleranz zu lernen, um zwei der Lieblingsbegriffe der Sozialisationstheorien der 70er Jahre zu nennen.<\/p>\n<p>Wenn man das Umfeld sieht, ist vielleicht noch wichtig: Anfang der 70iger Jahre waren wir sehr jung und unerfahren. Wir wurden von den K-Gruppen, kommunistischen Parteigr\u00fcndungsinitiativen, im Grunde als eine Art r\u00fcckst\u00e4ndiges Element gesehen, eine Gruppierung, die in den 60iger Jahren stehen geblieben war, die also Positionen vertreten hat, die antiautorit\u00e4r waren, w\u00e4hrend dort die Parole der &#8222;Liquidierung der antiautorit\u00e4ren Phase&#8220; herrschte. Und &#8222;Liquidierung&#8220; l\u00e4sst schon den gewaltsamen Charakter dieser Versuche erkennen.<\/p>\n<p>Wir waren also identifiziert mit der Phase Ostermarsch, B\u00fcrgerrechtsbewegung, Musik von Bob Dylan, Joan Baez, Hippies und &#8222;kleinb\u00fcrgerlichen&#8220; Bewegungen, w\u00e4hrend man in diesen K-Gruppen versucht hat, gerade eine &#8222;ernsthafte&#8220;, harte Politik durchzusetzen, nichts subkulturelles, ran an die Arbeiter, die Haare wieder kurz, rein in die Armee, wer stark genug ist usw., nat\u00fcrlich in Wirklichkeit auch mit enormen Widerspr\u00fcchen und Widerst\u00e4nden.<\/p>\n<p>In diesen Konstellationen hat 1972 die Graswurzelrevolution begonnen, mit der Programmatik eines gewaltfreien, antiautorit\u00e4ren Sozialismus, basisdemokratisch organisiert, unabh\u00e4ngige Gruppen, im Gegensatz zu parlamentarischer Politik und herk\u00f6mmlichen Vereinsformen, aber auch im Gegensatz zu diesen neoleninistischen Organisationen.<\/p>\n<p>Das ist eine Programmatik, der sind wir in all den Jahren treu geblieben. Das ist immer noch der Kern unseres Selbstverst\u00e4ndnisses.<\/p>\n<p><strong>Und das unterscheidet die Graswurzelrevolution auch von anderen Medien.<\/strong><\/p>\n<p>Ich w\u00fcrde noch ein paar andere Sachen sagen: die Verbindung von emanzipatorischer Utopie mit Alltagspraxis, mit sozialer Bewegung, die Anspr\u00fcche an soziale Bewegungen, davon etwas einzul\u00f6sen. Nat\u00fcrlich wissen wir auch, das geht nicht linear, das ist nicht einfach. Es gibt im Leben jedes einzelnen viele Widerspr\u00fcche.<\/p>\n<p>Aber der Anspruch, also auch eine moralische Bewegung in gewisser Weise, die Ziele und Mittel nicht trennt, das ist mit diesem Gedanken der Gewaltlosigkeit unmittelbar verbunden, dass man nicht eine ferne Zukunftsprogrammatik hat f\u00fcr die Sonntagsreden und eine ziemlich sch\u00e4bige Praxis f\u00fcr das, was jeden Tag so passiert, wie es z.B. die Parteien haben.<\/p>\n<p>Das spielt nach wie vor eine gro\u00dfe Rolle. Dadurch gab es auch ein Interesse z.B. an ethischem Sozialismus, der Geschichte des nicht-marxistischen Sozialismus.<\/p>\n<p>Sozialismus und Marxismus werden h\u00e4ufig ja miteinander identifiziert und viele Leute wissen gar nicht mehr, dass es ganz andere Zug\u00e4nge gab. Auch au\u00dferhalb des Anarchismus, so etwas wie den Internationalen Sozialistischen Kampfbund, religi\u00f6se Sozialisten usw., aber nat\u00fcrlich ganz besonders den Anarchismus. Und dann auch das Interesse f\u00fcr individuelle Selbstver\u00e4nderung, also Kommunen, Experimente mit dem eigenen Leben, moralische Anspr\u00fcche an sich &#8211; welche Arbeit ist es \u00fcberhaupt wert getan zu werden? -, aber auch das Interesse an \u00f6kologischen Thematiken, das hat uns auch von Anfang an bewegt.<\/p>\n<p>Als die Graswurzelrevolution gegr\u00fcndet wurde, hat sie mit Greenpeace zusammengearbeitet, in dieser Kampagne gegen die franz\u00f6sischen Atomtests im Pazifik. Greenpeace war damals noch nicht die etablierte, professionelle Organisation, sondern das waren Hippies.<\/p>\n<p>Das hei\u00dft, wir hatten von Anfang an einen Blick auf diese \u00f6kologische Problematik. Seit 1974, dem Sommerlager in der N\u00e4he von Freiburg, haben wir wesentlich in der Bewegung gegen Atomenergie mitgearbeitet. Das war im Grunde \u00fcber lange Jahre neben der antimilitaristischen Thematik eines unserer wesentlichen Aktionsfelder, wozu wir immer wieder in den sozialen Bewegungen t\u00e4tig geworden sind. Aber auch, was mit der Frage der Gewaltablehnung zusammenh\u00e4ngt, eine gro\u00dfe Offenheit f\u00fcr feministische Positionen, die damals in der Linken alles andere als selbstverst\u00e4ndlich war.<\/p>\n<p>Die Frauenbewegung und die Graswurzelbewegung haben sich ja beide immer wieder organisiert an der Frage der direkten physischen Gewalt &#8211; das ist im Grunde die gro\u00dfe Gemeinsamkeit, die immer wieder, nat\u00fcrlich in den einzelnen Orten unterschiedlich, auch zur Zusammenarbeit von Graswurzelgruppen und feministischen Gruppen gef\u00fchrt hat.<\/p>\n<p><strong>Wie bist Du pers\u00f6nlich 1972 dazu gekommen? Kannst Du Deine eigene Politisierung beschreiben?<\/strong><\/p>\n<p>Katholizismus hat eine Rolle gespielt: Bei uns zu Hause wurde \u00fcber Religion nicht gesprochen, &#8222;Mischehe&#8220; zwischen evangelisch und katholisch, also besser nicht dran r\u00fchren.<\/p>\n<p>In der Schule wirkten die biblischen Geschichten auf mich genauso wie Schreiben lernen, Lesen lernen, Mathematik, Gewissheit, zudem oft anregend, Konflikte wurden behandelt.<\/p>\n<p>Dann macht man schon als Kind schnell die Erfahrung, welche Abgr\u00fcnde zwischen Lehre und Praxis bestehen, aber die Lehre bleibt ein Stachel gegen die Praxis. Als der Pater keinen Religionsunterricht mehr erteilen wollte, weil er das Geld nicht behalten durfte, sondern an den Orden abf\u00fchren sollte, erschien mir das doch ziemlich egomanisch und unchristlich.<\/p>\n<p>Ich bin bis heute der Ansicht: Er muss doch froh sein, die frohe Botschaft zu verbreiten, was fordert er da Geld.<\/p>\n<p>Meine Mentalit\u00e4t war die der andalusischen &#8222;Apostel der Idee&#8220;; materielle Interessen verachten sie. Ich w\u00fcrde sagen, bei mir ist etwas katholisches, franziskanerisches erhalten geblieben: Ich will nicht hinter diese Ethik zur\u00fcckfallen in einen geistlosen Utilitarismus, sondern den Katholizismus ethisch &#8222;\u00fcberbieten&#8220; mit einer anarchistischen Moral.<\/p>\n<p>Als wir im katholischen Jugendheim eine &#8222;Kampagne christliche Weihnacht&#8220; gegen den Konsumterror aufziehen wollten, war der Bruch bezeichnender Weise, dass wir Flugbl\u00e4tter an die Arbeiter des gr\u00f6\u00dften Industriebetriebs im Ort verteilten. Der Betriebsleiter beschwerte sich, und wir flogen aus dem Jugendheim. Der Pater br\u00fcllte: &#8222;Ich dulde keine rote Zelle im Pfarrhaus!&#8220;<\/p>\n<p>Aus der Gr\u00fcndergeneration der GWR hatten viele Leute vergleichbare christliche Hintergr\u00fcnde, deshalb spielten auch die lateinamerikanischen Bisch\u00f6fe, Helder Camara, Antonio Fragoso eine Rolle, historisch auch die religi\u00f6sen Sozialisten, besonders Ragaz.<\/p>\n<p>Ich habe die Erfahrung gemacht, nicht nur mit mir, sondern auch mit anderen, dass es immer wieder Menschen gibt, die tats\u00e4chlich aus sich selbst heraus, z.B. wenn sie relativ isoliert in der Provinz aufwachsen, sich auseinandersetzen m\u00fcssen mit allen m\u00f6glichen autorit\u00e4ren Institutionen, solche Ideen hervorbringen, unterst\u00fctzt durch Leseerfahrungen, die auf den gewaltfreien Anarchismus hinauslaufen.<\/p>\n<p>Und das, w\u00fcrde ich sagen, war bei den Gr\u00fcndern der Zeitung der Fall. Es ist aber auch immer noch der Fall.<\/p>\n<p>Man macht immer noch wieder die Bekanntschaft von Leuten, die irgendwo f\u00fcr sich selbst z.B. angefangen haben, anarchistische, pazifistische, gewaltlose Literatur zu lesen, die z.B. sich auch mit existenzialistischer Philosophie besch\u00e4ftigt haben, mit Camus usw., und die dann im Grunde einen bestimmten Zugang zur Wirklichkeit haben, und dann \u00fcberrascht, begeistert sind, wenn sie sehen &#8222;ich hab gar nicht nur allein diese Philosophie entwickelt&#8220;, da gibt es eine ganze Menge Leute, oder eine Gruppe, oder eine Zeitung, oder sogar eine internationale Bewegung, die hat ganz \u00e4hnliche Positionen.<\/p>\n<p>So war es jedenfalls bei mir. Es gab ja in der Zeit Ende der 60iger Jahre gl\u00fccklicherweise dann auch in b\u00fcrgerlichen Verlagen sehr viel anarchistische Literatur.<\/p>\n<p>Die Auseinandersetzung mit Gewalterfahrungen hat eine gro\u00dfe Bedeutung, ich habe ja vorhin schon erw\u00e4hnt, man konnte durchaus in der Schule noch bedroht und geschlagen werden. Das ist mir auch passiert. Das erzeugt eine ziemliche Wut auf die Lehrer, und man muss sich dann entscheiden, wie man damit umgeht, wie man das sieht.<\/p>\n<p>Man nimmt nat\u00fcrlich auch Teil an \u00f6ffentlichen Auseinandersetzungen, damals Mai 68, Proteste gegen den Vietnamkrieg und die Notstandsgesetze, die Erschie\u00dfung Benno Ohnesorgs am 2. Juni 1967, die Sch\u00fcsse auf Rudi Dutschke 1968, das sind Erfahrungen, die eine Generation definieren, und wie das verarbeitet wird, entscheidet u.U. sehr weitgehend welcher Seite man sich zugeh\u00f6rig f\u00fchlt.<\/p>\n<p>Solche Prozesse waren das.<\/p>\n<p>Dann findet man, das war f\u00fcr mich immer begeisternd, die ersten B\u00fccher von Bakunin, Tolstoi, &#8222;Die Rede gegen den Krieg&#8220;, Gandhi, Martin Luther King, Kropotkin oder das, was wir jetzt im Verlag Graswurzelrevolution wieder neu herausgebracht haben, Achim von Borries\/Ingeborg Brandies: &#8222;Anarchismus. Theorie, Kritik, Utopie&#8220;, eine Sammlung von verschiedenen Zug\u00e4ngen zum Anarchismus. Man findet pl\u00f6tzlich: ja, der Patriotismus ist eine Bedrohung der Freiheit, wie Emma Goldman sagt.<\/p>\n<p>Trotzdem ist man nicht sofort und immer gl\u00fchender Antipatriot, vielleicht findet man zun\u00e4chst, Deutschland habe &#8211; gerade wegen seiner Geschichte &#8211; eine Mission zu erf\u00fcllen.<\/p>\n<p>Da w\u00fcrde ich zum Beispiel anf\u00fchren, dass ich die erst entstehende sozialliberale Ostpolitik verteidigt habe, weil ich darin die Tendenz gesehen habe, internationale Spannungen zu reduzieren und eine Auss\u00f6hnung mit den Staaten des Warschauer Pakts zu beginnen. Als ich nach der 10. Realschulklasse aufs Gymnasium wechselte, haben wir einen sozialliberalen Sch\u00fclerbund gegr\u00fcndet, der f\u00fcr Mitbestimmung in der Schule und ganz besonders gegen den Revanchismus der Rechten gerichtet war, aber zur SPD oder FDP hatten wir keine Kontakte. Wir wurden sogar als &#8222;vom Osten gesteuert&#8220; diffamiert.<\/p>\n<p>Wir kandidierten damals f\u00fcr ein Sch\u00fclerparlament, das sich aber nach wenigen Wochen selbst aufl\u00f6ste um dagegen zu protestieren, dass es blo\u00dfe Alibifunktionen hatte. Da habe ich schon sehr viel \u00fcber Anarchismus gewusst, aber &#8222;realpolitisch&#8220; war ich noch anderswo.<\/p>\n<p>Aber als 1972 die Hamburger Altanarchisten um Otto Reimers in ihrem Organ &#8222;Zeitgeist&#8220; aufforderten, SPD zu w\u00e4hlen, weil die Ostpolitik der sozialliberalen Koalition verteidigt werden m\u00fcsse, habe ich ihm geschrieben, das sei &#8222;Revisionismus&#8220;, die anarchistische Position sei doch klar Wahlboykott.<\/p>\n<p>Dass wir uns als &#8222;sozialliberal&#8220; definierten, h\u00e4ngt auch mit den Erfahrungen zusammen, dass die Gymnasiasten, die in einem &#8222;Aktionszentrum&#8220; die antiautorit\u00e4re Position (noch!) vertraten und dabei von SDS-Leuten aus Frankfurt unterst\u00fctzt wurden, aus meiner Sicht ein geschlossener elit\u00e4rer Zirkel waren. Sie waren oft \u00e4lter als ich, teilweise Internatssch\u00fcler aus b\u00fcrgerlichen, reichen Elternh\u00e4usern. Vom ganzen Habitus her arrogant, von oben eben. Die Miete des Zentrums allerdings bezahlte der einzige Jungarbeiter in der Gruppe, der sehr jung bei einer Operation verstarb (also komplette Reproduktion der Klassengesellschaft im Kleinen). An der Wand des Zentrums stand &#8222;Und schossen dem Genossen scharf dreimal in den linken Arsch. Landauer&#8220;, das widerte mich an, Landauer war mir heilig, diese flapsige Art, sehr locker, ganz toll, war mir unangenehm, ich war wei\u00df Gott nicht locker.<\/p>\n<p>Als ich mich in dieses AZ getraut hatte, kritisierte ich die zentralistischen Forderungen des &#8222;Kommunistischen Manifests&#8220; (das war gerade Schulungslekt\u00fcre, sie entfernten sich also bereits vom antiautorit\u00e4ren Gestus), woraufhin der Gruppenguru die Augen verdrehte und sagte, &#8222;Du, ich wei\u00df wirklich nicht, wo Du da den Zentralismus siehst&#8220;, und sein dankbares Publikum sch\u00fcttelte die K\u00f6pfe und konnte ebenfalls von Zentralismus keine Spur entdecken. Wenig sp\u00e4ter waren sie in der KPD\/ML.<\/p>\n<p>Heute sind sie \u00c4rzte, Studienr\u00e4te, wenn nicht schlimmeres.<\/p>\n<p>Sp\u00e4ter haben wir diese schon damals von irgendeiner Diktatur tr\u00e4umenden SDS-Ausl\u00e4ufer gegen die ML-Parteien als die &#8222;antiautorit\u00e4re&#8220; Alternative unterst\u00fctzt, aber in Wirklichkeit waren sie auch blo\u00df Leute, die herrschen wollten. Vielleicht w\u00e4ren wir damals &#8222;antiautorit\u00e4r&#8220; aufgetreten und nicht &#8222;sozialliberal&#8220; wenn es nicht &#8222;antiautorit\u00e4r&#8220; (und wie!) schon gegeben h\u00e4tte. Vielleicht hatten wir auch 1968 noch viel mehr Hoffnungen auf Reformen.<\/p>\n<p>Solche Prozesse sind bei mir abgelaufen. Ich hatte also im Grunde schon eine sehr entwickelte Position, die sich auch in Auseinandersetzungen mit den Kriegsdienstverweigererverb\u00e4nden herausgebildet hatte, wie bei manchen, die Graswurzelrevolution-Gr\u00fcnder gewesen sind.<\/p>\n<p>Ich habe 1971 angefangen zu studieren. Damals war ich noch vollst\u00e4ndig \u00fcberzeugt von aufkl\u00e4rerischen Gedanken, ich meinte also sogar, man k\u00f6nnte sozialdemokratische Professoren aufkl\u00e4ren, und habe also gleich eine einzeilige, 55seitige Arbeit \u00fcber Anarchismus und Gewaltlosigkeit geschrieben, mit ziemlich entt\u00e4uschendem Ergebnis bei der Besprechung dieser Arbeit.<\/p>\n<p>Dann war ich 1972 in Sheffield, in England. Dort fand eine Konferenz der War Resisters&#8216; International (WRI), der Internationale der Kriegsgegner, statt, zum Thema &#8222;Gewaltlose Revolution&#8220;. Dort gab es Diskussionen \u00fcber Strategien gewaltloser Revolution und ein Manifest f\u00fcr gewaltlose Revolution, wo alle m\u00f6glichen Kriegsgegner, Alternativbewegungsanh\u00e4nger, Sozialisten, Catholic Worker usw. zusammen kamen um das zu diskutieren. Auf dem Weg dahin, in der N\u00e4he von London, in einem Zelt, wo sich Leute gesammelt haben um mit einem alten Armeebus, den Hippies besitzen durften, dann nach Sheffield zu dieser Konferenz zu fahren, da habe ich Leute getroffen, die in Augsburg die Nullnummer der Graswurzelrevolution gemacht hatten.<\/p>\n<p>Wir haben die ganze Nacht diskutiert, konnten gar nicht mehr aufh\u00f6ren, und waren vollst\u00e4ndig verbl\u00fcfft, ohne je vorher voneinander geh\u00f6rt zu haben, wie weit unsere Gedanken und \u00dcberzeugungen \u00fcbereinstimmten. Das war der Anfang. Von dieser Nullnummer habe ich dann gleich etliche mitgenommen und verkauft.<\/p>\n<p>Dieser WRI-Zusammenhang war damals sehr wichtig.<\/p>\n<p>In Deutschland waren ja viele Traditionen abgebrochen. Die Pazifisten waren nicht revolution\u00e4r, wer sich als Revolution\u00e4r verstand, war bestimmt nicht pazifistisch. Aber in diesen internationalen Zusammenh\u00e4ngen existierten Positionen die wie wir behaupteten, Gewaltlosigkeit m\u00fcsse revolution\u00e4r wirken und eine Revolution k\u00f6nne \u00fcberhaupt nur gewaltlos die Befreiung durchsetzen.<\/p>\n<p>Ich habe auch Jahre lang &#8222;Liberation&#8220;, &#8222;Peace News&#8220; und &#8222;WIN&#8220; abonniert gehabt. &#8222;Liberation&#8220; musste das Erscheinen einstellen. &#8222;Peace News&#8220; und &#8222;WIN&#8220; sind in eine etwas andere Richtung gegangen, dann hat mich das nicht mehr interessiert. Aber Anfang und Mitte der 70iger Jahre waren das sehr antiautorit\u00e4re und interessante antimilitaristische Zeitschriften. Das haben viele aus diesen Gr\u00fcndergenerationen der Zeitung gelesen.<\/p>\n<p>Das war eine tolle Geschichte, dass man pl\u00f6tzlich merkte, ich bin gar nicht allein. Wir wollten damals auch weg von der Kriegsdienstverweigerung und in allen sozialen Bewegungen eine Str\u00f6mung aufbauen, die einen umfassenden Anspruch auf Ver\u00e4nderung der Gesellschaft vertrat, nicht nur ein Teilgebiet wie Antimilitarismus bearbeitete. Wenn man dabei stehen bleibt, wird man schnell zu einer Gruppierung, die sich an andere Verb\u00e4nde, Parteien usw. blo\u00df anlehnen kann.<\/p>\n<p>Wie ich schon gesagt habe, entwickeln sich \u00dcberzeugungen oft aus Abgrenzungen oder aus den Diskussionen heraus, die ich auch mit Freunden hatte. Ich habe z.B. sehr viel mit einem Freund diskutiert, der dann sp\u00e4ter zum Sozialistischen B\u00fcro ging: Wir haben \u00fcber drei, vier, f\u00fcnf Jahre miteinander gestritten, und es hat sich immer mehr herausgestellt, wo unsere Unterschiede waren. So etwas ist wichtig, wenn man sehr jung ist. Einmal haben wir ein Flugblatt in Wildflecken an die frisch eingezogenen Soldaten verteilt, mit Ratschl\u00e4gen, wie sie da wieder herauskommen k\u00f6nnten. Wir haben heute keinen Kontakt mehr, aber als &#8222;konkret&#8220; f\u00fcr den Golfkrieg agitierte, habe ich in dem Sonderheft der &#8222;konkret&#8220; mit den kritischen Stimmen dazu einen b\u00f6sen Brief von ihm gegen diese Position gefunden, das fand ich toll.<\/p>\n<p>GWR: Das Wort &#8222;Anarchismus&#8220; ist ja gerade schon gefallen. Ich glaube, dass viele Menschen unter dem Wort &#8222;Anarchie&#8220; erst einmal &#8222;Chaos und Terror&#8220; verstehen, also nicht das, was wir darunter verstehen. Vielleicht kannst Du erl\u00e4utern was Anarchismus und was Anarchie f\u00fcr dich bedeutet?<\/p>\n<p>Johan Bauer: Ja, das sind Fragen, die h\u00e4tte ich in verschiedenen Phasen meines Lebens vielleicht sogar leicht unterschiedlich beantwortet. Aber gerade vor diesem Hintergrund, dass Anarchismus immer noch mit diesem Stigma der Gewalt versehen ist, w\u00fcrde ich immer sagen, der Kern des Anarchismus ist eigentlich gerade Gewaltlosigkeit. Es ist eine Ordnung, die auf Freiwilligkeit beruht statt auf Zwang, die nicht per Gesetz, Dekret und Gewalt Leute zu etwas zwingen will, sondern sie versucht, freie Vereinbarung an die Stelle dieser gewaltt\u00e4tigen Ordnung zu setzen, Herrschaftsverh\u00e4ltnisse, \u00f6konomische Ausbeutung, politische Repression zu beseitigen, und durch eine Ordnung der Solidarit\u00e4t, der freien Vereinbarung zu verdr\u00e4ngen.<\/p>\n<p>Die einzelnen Vorstellungen, wie das \u00f6konomisch und gerade auch in fortgeschrittenen Industriegesellschaften aussehen k\u00f6nnte, da kann man lange diskutieren. Aber ich w\u00fcrde immer daran festhalten, dass es m\u00f6glich ist, eine andere Ordnung zu errichten. Ein Sozialismus, der selbst durch Experimente lernt, was eine Form der Organisation bedeutet, die nicht gewaltt\u00e4tig, nicht hierarchisch ist.<\/p>\n<p>Es gibt in der Geschichte viele Beispiele daf\u00fcr, wo so etwas zumindest ansatzweise geklappt hat. Die w\u00fcrde ich aber nicht als &#8222;Argument&#8220; verwenden, um daraus eine bruchlose Propaganda zu machen, &#8211; &#8222;seht nach Spanien, so wird es gemacht&#8220; -, sondern ich w\u00fcrde mir immer besonders die Stellen angucken, wo die Schwierigkeiten entstanden sind, wo doch wieder aus diesen Bewegungen heraus eine B\u00fcrokratie zu entstehen droht, wo durch Spontaneit\u00e4t, denn wir alle bringen patriarchale, autorit\u00e4re Konzeptionen mit, wo also auch in der Spontaneit\u00e4t die Gefahr droht, dass wieder neue Herrschaftsverh\u00e4ltnisse entstehen.<\/p>\n<p>So w\u00e4re eigentlich mein Zugang, wie eine anarchistische Bewegung mit ihrer Geschichte und auch mit heutigen praktischen Erfahrungen umgehen muss. Vor allem f\u00fcr unsere Gruppen war ja immer wichtig: wir wollten nicht per Mehrheitsentscheidung abstimmen, sondern wir wollten zu einem Konsens kommen, wir wollten, dass abweichende Ansichten diskutiert werden mit dem Ziel, dass die Menschen \u00fcberzeugt werden. Wir hatten ja deshalb z.B. in unserer F\u00f6deration &#8230;<\/p>\n<p>GWR: &#8230; der F\u00f6GA &#8211; F\u00f6deration Gewaltfreier Aktionsgruppen &#8230;<\/p>\n<p>Johan Bauer: &#8230;Vetorechte. Und wir hatten, wenn wir abgestimmt haben, Abstimmungsverfahren wie z.B.: es m\u00fcssen mindestens 50% daf\u00fcr, es d\u00fcrfen h\u00f6chstens 15% dagegen sein, damit Minderheiten gesch\u00fctzt werden, weil man nat\u00fcrlich gerade in sehr vielen Parteien oder damals auch studentischen Vollversammlungen, diese Manipulationsmaschinen sieht, wo ein, zwei gro\u00dfe Redner auftreten, versuchen die anderen mitzurei\u00dfen, dann kommen noch Gesch\u00e4ftsordnungsantr\u00e4ge, dann wird abgestimmt, und es ist ein gro\u00dfer Triumph f\u00fcr die einen, wenn sie ihre Resolution durchgebracht haben und f\u00fcr die anderen eine schwere Niederlage, weil sie nicht stark genug waren.<\/p>\n<p>Das sind Formen von Politik, die sind im Einzelfall auch l\u00e4cherlich, weil sie sich davon eine Wirkung versprechen, die das in Wirklichkeit \u00fcberhaupt nie hat, weil man die Leute eben nicht \u00fcberzeugt hat, sondern man hat sie niedergestimmt oder manipuliert.<\/p>\n<p>Emanzipatorische Gruppen und besonders AnarchistInnen m\u00fcssen im eigenen Organisationsaufbau so wie in den politischen Kampfmitteln versuchen, Ziele und Mittel soweit das geht in \u00dcbereinstimmung zu bringen. D.h., wir wollen Hierarchien abbauen, wir wollen individuelle Freiheit verwirklichen, also m\u00fcssen wir versuchen, das auch in unserer Organisation schon m\u00f6glich zu machen, zu zeigen es geht, das vorzuleben, damit auch andere Menschen sehen, das ist nicht blo\u00df eine Utopie, sondern das ist letztlich sogar stabiler, als wenn man Leute mit irgendwelchen Abstimmungsmaschinerien niederk\u00e4mpft.<\/p>\n<p>GWR: Das ist ein gutes Stichwort: &#8222;stabiler&#8220;. Die Graswurzelrevolution gibt es ja jetzt seit 35 Jahren. Vom 31. August bis zum 2. September 2007 gibt es in K\u00f6nnern bei Halle an der Saale einen kleinen Kongress: &#8222;35 Jahre Graswurzelrevolution&#8220;. Vielleicht kannst du ankn\u00fcpfen an das, was du gerade gesagt hast, und erkl\u00e4ren, warum deiner Meinung nach die GWR schon so lange existiert und es auch nicht absehbar ist, dass sie eingeht, &#8211; es geht ihr ja relativ gut -, ob das vielleicht auch gerade mit dieser Organisationsweise zu tun hat? Viele Zeitungen sind ja nach kurzer Zeit wieder eingegangen, auch viele anarchistische Zeitungen sind nach wenigen Jahren verschwunden. Die Graswurzelrevolution ist eine Ausnahmeerscheinung, auch wenn man das mit anderen Alternativmedien vergleicht. 35 Jahre ist f\u00fcr eine anarchistische Zeitung gerade in Deutschland ein sehr hohes Alter. Und auch eine gro\u00dfe Leistung, vielleicht ein St\u00fcck gelebte Utopie? Kannst du erkl\u00e4ren, warum das so lange h\u00e4lt?<\/p>\n<p>Johan Bauer: &#8222;Erkl\u00e4ren&#8220; w\u00e4re vermessen, aber ich glaube schon, es gibt ein paar Leute dabei, die wissen, dass man einen langen Atem braucht, die wissen, dass man sich in manchen Fragen zur\u00fccknehmen muss, dass es nicht richtig ist, andere dominieren zu wollen, selbst wenn man der \u00dcberzeugung ist, der eigene Weg w\u00e4re jetzt richtig.<\/p>\n<p>Der &#8222;subjektive Faktor&#8220; (so hie\u00df das in den 70ern, leider ein mechanischer Begriff) spielt eine gro\u00dfe Rolle: Es hat immer wieder Leute gegeben, die sehr viel f\u00fcr die Zeitung wie die Bewegungen, die einzelnen Graswurzelgruppen gearbeitet haben, ohne viel zu bekommen und zu erwarten daf\u00fcr. Leider sind manche auch verbittert gegangen, weil es Streit gab oder ihnen zu uneffektiv erschien, was wir machten.<\/p>\n<p>Es kann auch eine Rolle spielen, dass wir nie alles auf eine Karte gesetzt haben, dazu w\u00e4ren wir gar nicht f\u00e4hig gewesen, weil wir nicht die Strukturen daf\u00fcr hatten. Eine Kaderorganisation kann ungeheure konzentrierte Anstrengungen unternehmen und spektakul\u00e4re Erfolge haben, von denen wir nur tr\u00e4umen, aber wenn die erwarteten Folgen ausbleiben, kommt auch die gro\u00dfe Krise. Auf Dauer lassen sich bestimmte Anspannungen nicht stellen.<\/p>\n<p>Wir hatten ja viele Krisen, man k\u00f6nnte sogar behaupten &#8211; das w\u00e4re eine andere Perspektive, aber sie w\u00e4re nicht falsch &#8211; wir k\u00f6nnten unsere Geschichte als Abfolge von Krisen, Konflikten, Br\u00fcchen schreiben. Sehr gravierend war z.B. das Abbr\u00f6ckeln der Friedensbewegung, was zu einem rasanten Auflagenverlust der Zeitung f\u00fchrte, Aufl\u00f6sung von Gruppen und dann letztlich auch der F\u00f6deration, Krisendebatten&#8230;<\/p>\n<p>Es gibt dann genau die Probleme, die die anarchistischen Bewegungen auch schon immer hatten: Effektivit\u00e4t ist anderswo. Dann gibt es Debatten, dass wir zu heterogen sind, manchmal angefangen von Leuten, die sich ohnehin verabschieden und nur noch an den Gr\u00fcnden basteln. Aktionistische Pfadfinder, gandhianische Lebensreformer und politische Kader in einem Zusammenhang, wie soll das gehen, so lautete eine dieser Fragestellungen. Ich bin, obwohl ich wie kaum jemand sonst unter manchen Erscheinungsformen dieser Offenheit gelitten habe, daf\u00fcr, diesen Pluralismus zur wechselseitigen Korrektur zu nutzen. Aber das ist schwierig, weil es schnell auch zu ritualisierten Diskussionen und Feindbildern f\u00fchrt, damit zur L\u00e4hmung von Gruppen.<\/p>\n<p>Dennoch glaube ich, dass die gegenseitige Korrektur, die z.B. darin liegt, dass einige sehr aktionistisch sind, andere sind das weniger, sind eher bed\u00e4chtig, zur\u00fcckhaltend, finden wir verbrauchen unsere Kr\u00e4fte, wenn wir immer nur Aktion machen, das sind ja auch typische Gegens\u00e4tze, das hat es ja h\u00e4ufig gegeben, uns auch geholfen haben.<\/p>\n<p>Oder auch die weltanschaulichen Begr\u00fcndungen, z.B. wie h\u00e4lt man es mit der Religion, oder geh\u00f6rt zur Gewaltfreiheit auch, dass man Vegetarier ist usw., das solche Fragen diskutiert werden k\u00f6nnen, die sind ja interessant, dass solche Sachen offen gehalten werden. Aber dass man nat\u00fcrlich auch nicht m\u00f6chte, dass dar\u00fcber eine Vereinheitlichung stattfindet, die Leute ausgrenzen w\u00fcrde. So sehr man sich vielleicht w\u00fcnscht, die eigene Vorstellung w\u00fcrde allgemein akzeptiert und so sehr man sich manchmal fragt &#8222;ist das \u00fcberhaupt noch meine Gruppe?&#8220;<\/p>\n<p>Eine subjektive Radikalisierung allein gen\u00fcgt eben nicht, sie f\u00fchrt eher dazu, nicht mehr zu begreifen, wie sehr noch diese &#8222;Identit\u00e4t&#8220; gepr\u00e4gt ist von der gesellschaftlichen Umgebung.<\/p>\n<p>Ich glaube schon, dass die Bereitschaft, anderen zuzuh\u00f6ren zu den St\u00e4rken dieser Graswurzelbewegung geh\u00f6rt. Weil es den Horizont erweitert, weil es Verbindungen mit verschiedenen Menschen m\u00f6glich macht. In manchen Bewegungen haben wir tats\u00e4chlich Scharnierfunktionen zwischen verschiedenen Spektren gehabt.<\/p>\n<p>Die Kehrseite ist, das sich auch alle wieder von uns abgrenzen oder uns uneindeutig finden, und das ist in der Politik eine Schw\u00e4che. Dabei finde ich unsere Positionen in vielen Fragen so eindeutig wie \u00fcberhaupt m\u00f6glich; sie liegen nur oft quer zu den Vorurteilen und bequemen Annahmen anderer, wenn nicht sogar ein aktiver Wille zum Missverstehen vorherrscht, wie es in der &#8222;Gewaltfrage&#8220; h\u00e4ufig der Fall ist.<\/p>\n<p>Basisdemokratie, das sag ich ausdr\u00fccklich, weil es mir manchmal qu\u00e4lend geworden ist, hat auch einen Preis, z.B. Ineffektivit\u00e4t. Es wird viel mehr und viel l\u00e4nger diskutiert, man ist, wenn es darauf ankommt, schnell zu entscheiden, vielleicht ein bisschen langsamer als andere Gruppen. Man kann nicht immer mit einer Stimme sprechen, es gibt schnell ganz viele Stimmen, und wenn man Leute nicht \u00fcbergehen will, dann bleibt man vielleicht unter dem Gesichtspunkt einer b\u00fcrgerlichen \u00d6ffentlichkeit auch manchmal stumm. Besonders in polarisierten Situationen sind wir im Nachteil. Aber ich w\u00fcrde das insgesamt f\u00fcr nicht so negativ halten wie viele scheinbar erfolgreiche Machtstrategien. Erfolg kann man nur an den Zielen messen. In den sozialen Bewegungen ist heute vieles selbstverst\u00e4ndlich, womit wir begonnen haben und wof\u00fcr wir kritisiert oder bel\u00e4chelt wurden. Wir haben aber auch eine Verantwortung daf\u00fcr, dass direkte gewaltfreie Aktionen und emanzipatorische Organisationsformen weiterentwickelt werden und antiautorit\u00e4re Bewegungen lernen, sich tats\u00e4chlich durchzusetzen, nicht nur zu \u00fcberleben. Und unsere Themen: antiautorit\u00e4rer Sozialismus, F\u00f6deralismus, Direkte Aktion und radikale Gewaltkritik, Antinationalismus, Anti-Rassismus, Antisexismus, \u00d6kologie werden heute in vielen Bewegungen weltweit verbunden, es ist seltener geworden, dass solche Zusammenh\u00e4nge nicht gesehen werden oder aus &#8222;b\u00fcndnispolitischen&#8220; R\u00fccksichten nicht thematisiert werden sollen.<\/p>\n<p>Wir sind immer noch eine lernende Bewegung, die mit den sozialen Bewegungen Erfahrungen macht, wir wissen noch lange nicht alles, wir m\u00fcssen uns sogar viele kritische Fragen stellen, ob wir nicht die Herrschaft untersch\u00e4tzt haben. Haben wir uns das nicht viel zu einfach vorgestellt die loszuwerden?<\/p>\n<p>Es entsteht immer wieder neu spontan Herrschaft. Es ist ziemlich schwierig, F\u00fchrungspersonen in ihrer Macht und ihrem Einfluss zu reduzieren oder Wissensvorspr\u00fcnge auszugleichen, informelle F\u00fchrer in strukturlosen Gruppen wieder in die Gruppe zur\u00fcckzubinden. Das sind alles Dinge, die verlangen Anstrengungen, Bildungsarbeit, Auseinandersetzungen mit der Struktur oder auch der Dynamik der einzelnen Gruppe.<\/p>\n<p>GWR: Du bist ja neben der Zeitung auch in einer lokalen Graswurzelgruppe aktiv. Kannst Du dar\u00fcber etwas erz\u00e4hlen, wie die Gruppe sich gebildet hat? Und was mich pers\u00f6nlich interessieren w\u00fcrde, ist auch die Geschichte der Graswurzelrevolution-Redaktion in G\u00f6ttingen. Also, vor 30 Jahren, im &#8222;Deutschen Herbst&#8220; 1977, da spielte sie ja auch eine Rolle in der Auseinandersetzung von au\u00dferparlamentarischen Aktivistinnen und Aktivisten auf der einen und dem Staat auf der anderen Seite. Vielleicht kannst Du dazu auch etwas erz\u00e4hlen?<\/p>\n<p>Johan Bauer: Ich war seit Anfang der 70iger immer auch in Gewaltfreien Aktionsgruppen. Die Gruppe, in der ich jetzt bin, ist nicht sehr gro\u00df. Das ist leider so, die Gruppen sind kleiner geworden. Aber es sind Leute dabei, die ich seit 1982 kenne. Das ist schon eine ganz sch\u00f6ne Zeit f\u00fcr so eine Gruppe. Auch Leute, die berufst\u00e4tig sind, usw. Das begrenzt nat\u00fcrlich z.T. die Aktivit\u00e4ten, man hat nicht mehr soviel Zeit, aber es ist trotzdem interessant, dass man immer noch gut findet, dass man miteinander diskutiert und sich regelm\u00e4\u00dfig trifft und gelegentlich auch etwas tut.<\/p>\n<p>Die G\u00f6ttinger Gruppe war ein bisschen anders gestrickt. Sie hatte auch andere Probleme, z.B. die typischen Probleme einer Gruppe in einer Universit\u00e4tsstadt, da haben wir teilweise sehr drunter gelitten. Es kommen jedes Semester andere Leute und andere sind wieder weg. Man erz\u00e4hlt immer was man bisher gemacht hat, man diskutiert, man lernt sich kennen, es gibt die \u00fcblichen Diskussionen, mehr Theorie, mehr Praxis, usw.<\/p>\n<p>Und dann sind sie pl\u00f6tzlich wieder woanders. Das kann bedr\u00fcckend sein, wenn man diese Fluktuation immer erlebt. Das ist meiner Ansicht nach auch ein Grund, warum Leute, die lange etwas daf\u00fcr getan haben, solche Gruppen aufrecht zu erhalten, dann irgendwann keine Lust mehr haben, entt\u00e4uscht und ersch\u00f6pft sind. Da sehe ich auch einen Grund, warum es heute so wenig Graswurzelgruppen gibt. Es ist tats\u00e4chlich eine Anstrengung, so eine Gruppenarbeit aufrecht zu erhalten, denn es gibt schnell unterschiedliche Meinungen und es gibt andere Aktivit\u00e4ten, die man au\u00dferhalb der Gruppe machen k\u00f6nnte.<\/p>\n<p>Wenn man eine Gruppe in einer Unistadt betrachtet, die 10 Jahre existiert, dann sind das nach der Zusammensetzung vielleicht sogar 15 verschiedene Gruppen.<\/p>\n<p>Du hast gefragt zu G\u00f6ttingen 77. 1977 ist ja jetzt in aller Munde, und die Maschine der Mehrfachverwertung alter Texte und Bilder l\u00e4uft gerade hei\u00df. Wie in der Geschichte so oft reden da Kriegsgewinnler. Im Fernsehen kannst Du wieder Leute sehen, die damals als Che-Guevara-Imitatoren auftraten und heute als Makler im wei\u00dfen Cabrio herumreisen, und die haben noch den &#8222;Arbeiterkampf&#8220; in einer Kiste auf dem Boden &#8230;<\/p>\n<p>Ich wette, dass die Gutmeinenden die radikalen Ziele und Inhalte herunterreden auf einen Kampf um Meinungsfreiheit usw.<\/p>\n<p>Meine Perspektive darauf ist, dass das eine sehr eingeengte Betrachtung ist. Deshalb w\u00fcrde ich gerne mal ein paar Themen und Aktivit\u00e4ten nennen, die diese Gruppe, das war ja keine besonders gro\u00dfe Gruppe, vielleicht 20 Leute, 1977 besch\u00e4ftigt haben, nur so stichwortartig, damit nicht dieses, in den Medien produzierte Bild &#8222;1977, das war alles nur RAF contra Staat&#8220;, sich festsetzt. Denn aus meiner Sicht ist etwas anderes viel wichtiger. Zum Teil kann man sich das heute gar nicht mehr vorstellen, weil das Bild so einseitig \u00fcberformt ist.<\/p>\n<p>Das erste: Das ganze Jahr 1977 war gekennzeichnet von schwersten Auseinandersetzungen in der Anti-Atom-Bewegung. Es gab einen unerh\u00f6rten Richtungsstreit. Dabei hat die G\u00f6ttinger Graswurzelgruppe auch eine Rolle gespielt.<\/p>\n<p>Es gab die gro\u00dfe Spaltung in der Anti-AKW-Bewegung: &#8222;Gehen wir nach Brokdorf oder nach Itzehoe?&#8220; Am 19.2.77, ich wei\u00df sogar noch die Daten auswendig. Ich hoffe, es stimmt. Es gab praktisch die Spaltung: Brokdorf, das waren die Radikalen, die haben auf dem Recht auf Bauplatzbesetzung bestanden. Also, da waren nat\u00fcrlich auch viele K-Gruppen usw., Itzehoe, das waren mehr die Sozialdemokraten, DKP usw.<\/p>\n<p>Eine sehr schematische Spaltung, die in Wirklichkeit nicht gestimmt hat. Wie das immer in Massenbewegungen ist, waren bei beiden Demonstrationen alle m\u00f6glichen unterschiedlichen Leute. In Itzehoe hat, wenn ich mich recht erinnere, z.B. Heinz Brandt gesprochen. Aber wenn \u00fcber die &#8222;Gewaltfrage&#8220; gesprochen wird, so ist das eine der Urszenen, und es gibt Leute, die in drei\u00dfig Jahren mit der einen Phrase durch die sozialen Bewegungen gereist sind: &#8222;An der Gewaltfrage lassen wir uns nicht spalten&#8220;, w\u00e4hrend im wirklichen Leben nat\u00fcrlich nichts so spaltet wie Gewalt.<\/p>\n<p>Wir in G\u00f6ttingen haben gesagt, diese Spaltungen wollen wir nicht, wir halten beides f\u00fcr perspektivlos, das Anrennen gegen immer besser verteidigte Bauz\u00e4une und eine quasi milit\u00e4rische Eskalation halten wir f\u00fcr perspektivlos und in vielerlei Hinsicht f\u00fcr sch\u00e4dlich f\u00fcr die Bewegung. Blo\u00df eine Kundgebung zu machen, wo man seine ablehnende Meinung kund tut, halten wir f\u00fcr zu wenig. D.h., wir haben aufgerufen, dezentrale direkte gewaltfreie Aktionen mit dem Ziel von Platzbesetzungen an diesem Tag zu machen.<\/p>\n<p>Es ist gelungen, in Grohnde den Bauplatz zu besetzen w\u00e4hrend die Gro\u00dfdemonstrationen in Brokdorf und Itzehoe waren. In G\u00f6ttingen haben diesen Aufruf nach Grohnde getragen: das Frauenzentrum, die Gewaltfreie Aktion und der gewaltlose Fl\u00fcgel des G\u00f6ttinger Arbeitskreises gegen Atomenergie. Dann kamen aus Kassel und andere Orten Spontis dazu. GA-Leute sogar aus Freiburg! Wir sind auf den Bauplatz gekommen. Viele Leute waren bunt gekleidet, geschminkt, es war ein Happening unter dem Motto &#8222;Blumen f\u00fcr die Polizei und Scheren f\u00fcr den Zaun&#8220;. Als wir den Polizisten gegen\u00fcberstanden, dr\u00fcckten Leute von hinten gegen die vorne stehenden, die Kette gab nach, einige diskutierten weiter mit den Polizisten, w\u00e4hrend andere den Bauzaun aufschnitten, dann dr\u00e4ngten alle auf den Platz.<\/p>\n<p>Das ist eine sehr interessante Erfahrung, die hat mich gepr\u00e4gt. Was f\u00fcr ein Spektrum das gewesen ist, das siehst du daran, dass der &#8222;Informationsdienst zur Verbreitung unterbliebener Nachrichten&#8220; (ID), das ist ja manchen noch ein Begriff, das war so eine Art Pressedienst der Alternativen, Spontis und Autonomen w\u00fcrde man sp\u00e4ter gesagt haben, damals noch nicht. Der hat noch nie von einer Aktion so viele Aktionsberichte unabh\u00e4ngig voneinander bekommen, wie von dieser Bauplatzbesetzung in Grohnde.<\/p>\n<p>Leider konnten wir an diesen Erfolg nicht ankn\u00fcpfen. Am 19.3. ging es im Grunde dann ganz anders her. Weil wir in den Auseinandersetzungen auch weiter f\u00fcr Gewaltlosigkeit eingetreten sind, wurden wir auch diffamiert. Also, z.B. der Kommunistische Bund (KB) hat damals in seiner Zeitung geschrieben, wir h\u00e4tten den WSL, &#8222;Weltbund zum Schutz des Lebens&#8220;, rechts \u00fcberholt. Der WSL wurde vom KB beschrieben als &#8222;Die braunen Ratten im Umweltschutzgewand&#8220;, wo tats\u00e4chlich zum Teil sehr rechte Str\u00f6mungen drin waren, und die hatten sich mit dem KB auf einen gemeinsamen Aufruf zur Gro\u00dfdemonstration am 19.3. 77 verst\u00e4ndigen k\u00f6nnen. Wir haben dagegen opponiert und gesagt &#8222;wir wollen Gewalt ausschlie\u00dfen&#8220;. Das hie\u00df dann, wir haben den WSL, also &#8222;die braunen Ratten&#8220; noch rechts \u00fcberholt. So etwas halte ich schon direkt f\u00fcr bedrohlich. Da gebe ich auch zu, das wird nicht vergessen.<\/p>\n<p>Da glaubt einer, der heute in irgendeinem Management sitzt, er kann einfach so locker wegpolemisieren, erinnert sich ja sp\u00e4ter keiner mehr dran. Ich meine, das ist vielleicht auch das Geheimnis der Graswurzelrevolution, da gibt es ein paar Leute, die haben ein gutes Ged\u00e4chtnis.<\/p>\n<p><strong> Was habt Ihr damals noch alles gemacht?<\/strong><\/p>\n<p>Wir hingen damals auch relativ eng zusammen mit Evangelischer und Katholischer Studierendengemeinde. Das ganze Jahr \u00fcber haben wir mehrere Vortr\u00e4ge gehalten. Zusammen u.a. mit der DFG-VK haben wir die milit\u00e4rkritische Ausstellung &#8222;Es ist so sch\u00f6n Soldat zu sein&#8220; gezeigt. Da haben wir Vortr\u00e4ge gehalten \u00fcber den gewaltlosen Kampf gegen den Truppen\u00fcbungsplatz im Larzac, ich habe einen gehalten \u00fcber &#8222;Anarchosyndikalismus und Gewaltlosigkeit&#8220; usw.<\/p>\n<p>Wir haben Veranstaltungen gemacht mit Heinz Brandt \u00fcber &#8222;Zivilen Ungehorsam gegen Krieg&#8220; und mit Egbert Jahn, das war praktisch der Gandhianer im Sozialistischen B\u00fcro, f\u00fcr uns durchaus ein interessanter Theoretiker damals. Dann haben wir z.B. Texte \u00fcbersetzt, ich nenne nur mal einen, der ist im Sommer 1977 in der Graswurzelrevolution Nr. 30\/31 erschienen, von George Lakey und Bruce Kokopeli, &#8222;M\u00e4nnlichkeit und Gewalt&#8220;. Dass sich M\u00e4nnlichkeit praktisch dar\u00fcber definiert Gewalt einzusetzen, das wird dort diskutiert. Ein Artikel, den w\u00fcrde ich heute noch als Zusammenfassung der Problematik f\u00fcr hoch interessant halten.<\/p>\n<p>Wir haben jede Woche B\u00fcchertisch gemacht in der Mensa und an anderen Stellen, haben teilweise sogar recht viel Geld umgesetzt mit antiautorit\u00e4rer und gewaltloser Literatur. Das war unsere Hauptfinanzierungsquelle, wir hatten ja alle kein Geld und von keiner Seite Zusch\u00fcsse oder eine Finanzierung bekommen. D.h. unsere Haupteinnahmen waren aus dem B\u00fcchertisch, die wurden in der Regel benutzt, mehr neue B\u00fccher zu kaufen. F\u00fcr Flugbl\u00e4tter hatten wir noch eine Gruppenkasse.<\/p>\n<p>Dann haben Leute aus der GA Stra\u00dfentheateraktionen gemacht in Grohnde, schon vor dem 19.2., dann aber auch sp\u00e4ter, z.B. auch im Zusammenhang mit der Buback-Aff\u00e4re, es gab eine Theatergruppe in der Gruppe, und es gab eine freie Theatergruppe mit der wir zusammengearbeitet haben.<\/p>\n<p>Dann gab es einen Gro\u00dfen Zapfenstreich, den haben wir gest\u00f6rt. Da, wo die Besucher dieser Bundeswehrveranstaltung \u00fcber eine Leinebr\u00fccke mussten, haben sich zwei Leute, &#8211; mit dem einem bin ich heute noch gut befreundet -, als Tod verkleidet und mit Sensen aufgestellt, so dass die Leute da vorbei mussten. Das war sehr gef\u00e4hrlich, da haben die Kleinb\u00fcrger, die sich dieses Bundeswehrspektakel anschauen wollten, gedroht die in die Leine zu werfen. Das waren sehr bedrohliche Situationen.<\/p>\n<p>Dann haben wir teilgenommen an der Documenta, da gab es ja die Freie Internationale Universit\u00e4t von Joseph Beuys, da wurden viele Vortr\u00e4ge gehalten von Leuten aus der Graswurzelbewegung, z.B. zur Besetzung des Atomkraftwerks in Seabrook in den USA. Ich habe an Beuys zwei Kropotkin-B\u00e4nde verkauft: &#8222;Gegenseitige Hilfe&#8220; und &#8222;Landwirtschaft, Industrie und Handwerk&#8220;. Das hat ihn sehr interessiert.<\/p>\n<p>Die Aufz\u00e4hlung wird noch l\u00e4nger. Dann ging es um Malville, Malville war eine Gro\u00dfdemonstration in Frankreich gegen den Schnellen Br\u00fcter. Bei der Demonstration wurde ein Demonstrant erschossen. Malville war dann im Grunde auch das Ende der franz\u00f6sischen Anti-Atom-Bewegung, weil der franz\u00f6sische Staat viel zentralistischer ist als der deutsche, dadurch viel weniger Angriffspunkte f\u00fcr Bewegungen sind, wie in Deutschland, wo um jeden Bauplatz, um jeden Transport gek\u00e4mpft werden kann. In Frankreich wird das alles in Paris entschieden, die rechtlichen und sonstigen Ansatzpunkte, an denen sich auch M\u00f6glichkeiten des Widerstands und der \u00f6ffentlichen Mobilisierung herauskristallisieren, sind schw\u00e4cher.<\/p>\n<p>Mit drei Leuten aus der Gruppe waren wir in Amsterdam, im Internationalen Institut f\u00fcr Sozialgeschichte (IISG), haben uns dort die Archive angesehen und auf einem Hausboot eines niederl\u00e4ndischen Graswurzelrevolution\u00e4rs \u00fcbernachtet.<\/p>\n<p><strong> Im IISG habt Ihr wahrscheinlich Kontakt mit Arthur Lehning gehabt, oder?<\/strong><\/p>\n<p>Nein, wir haben leider nicht so direkte Kontakte gehabt. Das ist eine Sache, die ich an mir nicht gut finde, ich traue mich nicht so richtig auf Leute zuzugehen, die mich interessieren. Ich denke, das bel\u00e4stigt die, die haben soviel um die Ohren. Dadurch habe ich viele wichtige alte Genossen, die ich im Kopf hatte, wo ich gerne etwas gefragt h\u00e4tte, nicht gewagt die anzusprechen.<\/p>\n<p>Das halte ich f\u00fcr sehr schlecht. Es war ja in den 70iger Jahren so, dass noch \u00dcberlebende der alten sozialen Bewegungen da waren, die man interviewen konnte. Das ist im Grunde erst in den 80igern passiert und man h\u00e4tte noch wesentlich mehr erfahren k\u00f6nnen, wenn das noch etwas konzentrierter gewesen w\u00e4re. Das nehme ich an, und ich bin da mit mir selbst immer kritisch, weil ich da an ein paar Leute denke, die gestorben sind, bevor ich sie noch mal gefragt habe, was sie erz\u00e4hlen wollen.<\/p>\n<p><strong> Was war noch alles 1977?<\/strong><\/p>\n<p>Wir hatten auch die Glash\u00fctte S\u00fc\u00dfmuth besucht, das war ein selbstverwalteter Betrieb. Die Glash\u00fctte in Immenhausen, in der N\u00e4he von Kassel, die sollte Anfang der 70er Jahre geschlossen werden. Dann wurde mit der Unterst\u00fctzung von Walter Fabian von der IG Chemie in Hessenm\u00f6glich gemacht, dass die Arbeiter das Werk \u00fcbernommen haben in den 70iger Jahren. Das war ein Versuch mit Selbstverwaltung, und da waren wir und haben uns das zeigen lassen. Wir haben leider auch feststellen m\u00fcssen, die Erfahrung mit der Selbstverwaltung war doch so, die qualifizierten Glasbl\u00e4ser, die behielten die h\u00f6heren L\u00f6hne, und Verpacken, das war ausschlie\u00dflich Aufgabe von Frauen, und die waren alle in Leichtlohngruppen. Leider zeichnete sich auch schon ab, man hatte also zwei Jahre sehr viele Treffen gehabt und \u00fcber den Betrieb und seine Zukunft diskutiert, und dann setzte das ein, was jede Selbstorganisation f\u00fcrchten muss, n\u00e4mlich die R\u00fcck-Delegation. Die Besch\u00e4ftigten waren es leid, so viel zu diskutieren, die wollten auch mal in Urlaub fahren, die wollten ihre Ruhe. Die fingen an, sich wieder Chefs zu w\u00e4hlen, Entscheidungen zu delegieren und neue F\u00fchrungskr\u00e4fte auszuw\u00e4hlen. Das war der Anfang vom Ende dieser Bewegung.<\/p>\n<p>Aber solche Prozesse sind sehr wichtig. Das muss man wahrnehmen, damit man die kritischen Punkte bei solchen Selbstverwaltungsexperimenten erkennt und dem Scheitern entgegenarbeiten kann. Sonst sieht das ein Jahr gut aus und man macht eine \u00f6ffentliche Propaganda, wo alles herrlich ist, und danach bricht das zusammen. Und die Leute wundern sich, wieso die pl\u00f6tzlich alle so ersch\u00f6pft sind.<\/p>\n<p>1977 war die gro\u00dfe Kalkar-Demonstration mit einer Dichte polizeilicher Kontrollen, die den Atom- oder Sicherheitsstaat anschaulich machten.<\/p>\n<p>Drei Leute aus unserer Gruppe hatten Utensilien f\u00fcr Stra\u00dfentheater dabei, darunter S\u00e4gesp\u00e4ne und so etwas. Da wurde das Auto durchsucht, das wurde beschlagnahmt, die kriegten irgendwelche Verfahren, da wurde dieses Stra\u00dfentheaterzeug, das wurde so behandelt, als wollte man damit Bomben basteln.<\/p>\n<p>Damit sind wir beim Thema Repression, die Verhaltensweisen des Staates, dass er praktisch einen sehr direkten Zugriff hatte, bei der Buback-Aff\u00e4re bis hin zu den Tageb\u00fcchern, die beschlagnahmt und gelesen wurden. Dass er sich auch die Bewegungen im Jahr 1977 vorgenommen hat, das sieht man auch an diesen Beispielen.<\/p>\n<p>Was war noch 1977? Die Aktionen gegen die Neutronenbombe, also eine Bombe, die Material eher schont, daf\u00fcr die Menschen vernichtet. Das war damals Thema.<\/p>\n<p>Dann wurde der Stromzahlungsboykott vorbereitet. Der setzte 1978 voll ein.<\/p>\n<p>Am 16. November 1977, Bu\u00df- und Bettag, hat sich der T\u00fcbinger Lehrer Hartmut Gr\u00fcndler vor der St. Petri-Kirche in der Hamburger Innenstadt w\u00e4hrend des Energie-Parteitages der SPD mit Benzin \u00fcbergossen und angez\u00fcndet; er starb vier Tage sp\u00e4ter. Er wollte damit an die f\u00fcr die Atompolitik Verantwortlichen appellieren, einen tats\u00e4chlichen fairen und offenen &#8222;B\u00fcrgerdialog&#8220; \u00fcber die Atompolitik zuzulassen, statt der als &#8222;Durchsetzungsmethode&#8220; (Matth\u00f6fer) so genannten Veranstaltungen. Deshalb forderte er ein Moratorium des Baus von kerntechnischen Anlagen.<\/p>\n<p>Hartmut Gr\u00fcndler hatte sich oft an die Graswurzelwerkstatt und Bundestreffen gewandt und Unterst\u00fctzung f\u00fcr seine Hungerstreiks und seine Ankettungsaktion vor dem K\u00f6lner Dom gesucht. Sein Kampf, den er letztlich als Kampf um das Gewissen der verantwortlichen (Helmut Schmidts Buch &#8222;Als Christ in der politischen Verantwortung&#8220; zitierte er oft) verstand, endete tragisch. Das war eine andere Zuspitzung, die heute v\u00f6llig vergessen ist.<\/p>\n<p>Wir hatten viele interne Diskussionen, z.B. \u00fcber Totale Kriegsdienstverweigerung (TKDV) usw., hatten Arbeitsgruppen zu theoretischen Themen.<\/p>\n<p><strong> Wie war das mit dem Buback-Nachruf, den ein Sponti 1977 unter dem Pseudonym &#8222;Mescalero&#8220; geschrieben hat, und der dann in der Zeitung des G\u00f6ttinger Uni-AStA ver\u00f6ffentlicht wurde?<\/strong><\/p>\n<p>Der ber\u00fchmte Buback-Nachruf &#8230;<\/p>\n<p><strong>&#8230; der ist auch dokumentiert auf der Homepage der Graswurzelrevolution, unter: <a href=\"\/news\/mescalero.shtml\">http:\/\/www.graswurzel.net\/news\/mescalero.shtml<\/a><\/strong><\/p>\n<p>Johan Bauer: Da muss ich ein bisschen etwas zur Vorgeschichte erz\u00e4hlen. Einer von den Leuten, die bei uns in der Gruppe waren, der war auf der Liste &#8222;Bewegung undogmatischer Fr\u00fchling&#8220;, das war eine Uni-Liste, die war initiiert worden von Spontis, die sich in etwa so an der Frankfurter Szene, Daniel Cohn-Bendit usw., orientiert hatten, dann aus dem &#8222;Alternativ-Plenum&#8220; in G\u00f6ttingen. Das war ein bunter Zusammenschluss, zu dem wir auch geh\u00f6rten.<\/p>\n<p>Da waren nicht nur Gruppen drin, wie das Frauenzentrum, die Homosexuelle Aktion, sondern es waren auch Anthroposophen, Sozialarbeitergruppen, &#8222;Kontakte in Krisen&#8220;, das war eine selbstorganisierte Krisenintervention, Amanda Marga, also eine indische Gruppe, heute w\u00fcrde man sagen Sekte, und nat\u00fcrlich die Anf\u00e4nge der ganzen \u00d6kologiebewegung, &#8222;M\u00fcslis&#8220; (wie auch die Spontis oft ver\u00e4chtlich sagten, von denen heute ja nicht wenige in &#8222;Gesundheit&#8220; reisen), auch Leute, die K\u00f6rpertherapien machten in der Reich-Lowen-Tradition. Das war das &#8222;Alternativplenum&#8220;, ein sehr bunter und pluralistischer Zusammenhang, der aber in dieser Phase sich als interessanter und starker Punkt und als Gegengewicht gegen die K-Gruppen und die staatliche Repression gezeigt hat, auch bei den Demonstrationen, die es gegen die Besetzung des AStA durch die Polizei, die Hausdurchsuchungen usw., die es besonders Pfingsten 1977 gegeben hat.<\/p>\n<p>Aber sp\u00e4ter, sicherlich auch als Folgen der Polarisierungen von 1977, zerfielen solche bunten Zusammenh\u00e4nge zunehmend, es wiederholte sich in mancher Hinsicht ein Entmischungsprozess wie er 1969 auch stattgefunden hat: Die politischen wurden allm\u00e4hlich &#8222;gr\u00fcn&#8220;, die anderen &#8222;professionalisierten&#8220; sich, ein neuer langer Marsch durch die Institutionen, diesmal au\u00dfer der Uni auch therapeutische Einrichtungen, die &#8222;Psycho&#8220;- und Esoterikszene&#8230; Aus den Utopien und Idealen suchte man eine Gesch\u00e4ftsidee zu retten. Aber das greift vor.<\/p>\n<p>Jedenfalls war einer von unseren Leuten auf dieser Liste &#8222;Undogmatischer Fr\u00fchling&#8220;, die anderen haben eher nicht kandidiert, waren eher skeptisch. Wir hatten keine gro\u00dfe N\u00e4he zur Uni. Viele in der Gruppe haben nicht mehr studiert oder mit der Unipolitik nie viel anfangen k\u00f6nnen. Aber er war dann Redakteur des AStA-Organs geworden. Und in diesem AStA-Organ erschien dieser ber\u00fchmte Buback-Nachruf, eine Auseinandersetzung, wo der ber\u00fchmte G\u00f6ttinger Mescalero sich seine klammheimliche Freude \u00fcber die Ermordung des Generalbundesanwalts Buback eingesteht, sich dann aber mit diesen Gef\u00fchlen auseinandersetzt und letzen Endes zu einer Gewaltabsage kommt.<\/p>\n<p>Aber das wurde in der \u00d6ffentlichkeit ganz anders dargestellt, das wurde \u00fcberhaupt nicht wahrgenommen, wie der Gedankengang oder die Reflexion \u00fcber die eigenen Gef\u00fchle auch war, sondern es wurde als &#8222;zynisch&#8220;, &#8222;\u00fcbel&#8220;, &#8222;ein typisches Dokument aus dem Sympathisantensumpf&#8220; usw. bezeichnet und als Vorwand genutzt um gegen diese ganze Szene vorzugehen.<\/p>\n<p>Deshalb habe ich auch vorhin dazu so lange geredet. Was war da eigentlich? Was war das \u00fcberhaupt f\u00fcr eine Szene? Was haben wir eigentlich gemacht? Womit haben wir uns besch\u00e4ftigt? Ging es da \u00fcberhaupt nur um die RAF? Ich w\u00fcrde sagen: nein. Um dieser Szene, die man als &#8222;Sympathisantensumpf&#8220; betrachtet hat, mal zu zeigen wo die Grenzen sind. Und das geschah auf eine ziemlich harte Weise, indem z.B. viele Wohnungen durchsucht wurden.<\/p>\n<p>Ich muss sagen, nach wie vor, wenn ich mir das \u00fcberlege, mit das Gravierendste war z.B. die Beschlagnahme von Tageb\u00fcchern. Die Tageb\u00fccher wurden praktisch ausgewertet, auf gerichtsverwertbares Material: &#8222;Wer ist der Mescalero? Wen kann man noch haftbar machen?&#8220;<\/p>\n<p>Das sind Eingriffe, die gehen \u00fcber das Politische weit hinaus. Die bewirken eine Verunsicherung dieser Personen und etwas f\u00fcr die Identit\u00e4t dieser Personen, wenn man nicht einmal mehr einem privaten Tagebuch etwas anvertrauen kann, sondern Angst haben muss, das wird von der Polizei und anderen Institutionen des Staates gelesen und gegen einen verwandt. Also, die privatesten Gedanken und Reflexionen oder m\u00f6glicherweise Irrt\u00fcmer, Probehandeln, wie man sich das in solchen privaten Dokumenten auch vorstellen kann, k\u00f6nnen in eine \u00f6ffentliche Anklage \u00fcberf\u00fchrt werden. Das sind extrem einsch\u00fcchternde und sehr b\u00f6se Eingriffe, die da stattgefunden haben.<\/p>\n<p>Dagegen haben sich sehr viele Leute gewehrt. Die Verurteilungen waren im Endeffekt meist 20 Tagess\u00e4tze zu 90 Mark wegen irgendeinem Pressedelikt. Das hei\u00dft, es war eine ungeheure \u00f6ffentliche Reaktion und staatliche Propaganda, w\u00e4hrend im Endeffekt die &#8222;juristischen Taten&#8220; gar nicht so ins Gewicht gefallen sind. Die Repression hat nat\u00fcrlich ihre Wirkung gehabt. Es ist schon so, die Experimentierfreudigkeit der Szene, die ist im Laufe des Jahres zur\u00fcckgegangen. Die Polarisierung &#8211; hier RAF, hier Staat -, hat das ganze Feld des Politischen neu organisiert, wie nach einem Lehrbuch von Carl Schmitt, die Folgen wurden z.T. erst viel sp\u00e4ter sichtbar. Vielleicht war es im Sinne des Staates eine &#8222;produktive Zerst\u00f6rung&#8220;, die da stattfand: Die Szene, die libert\u00e4r war, wurde auf den harten &#8222;Boden der Tatsachen&#8220; zur\u00fcckgeholt, polizeilich nachsozialisiert. 1977 haben viele bei Verkehrskontrollen pl\u00f6tzlich in die L\u00e4ufe von Polizeiwaffen geblickt, danach haben sie die Welt manchmal mit anderen Augen gesehen. Wenn Br\u00fcckner in den Debatten \u00fcber Berufsverbote gefragt hatte &#8222;Was wollen wir eigentlich mit einem b\u00fcrgerlichen Beruf?&#8220;, so brachen solche Fragestellungen nun komplett zusammen, viele taten alles, ich meine: alles, um wieder dazuzugeh\u00f6ren. Man konnte beobachten, dass sie bestimmte Aspirationen nie aufgegeben hatten und sie nun wieder auf den ausgetretenen Wegen suchten. Es gibt dabei viele Prozesse, die m\u00fcsste man im Detail und noch mal genau sich vergegenw\u00e4rtigen. Da m\u00fcsste man noch mal nachlesen. Dichte Beschreibung.<\/p>\n<p><strong> Vielleicht eine kurze Anmerkung zum Hannoveraner Professor Peter Br\u00fcckner: Er wurde 1977 wegen der Dokumentation des Mescalero-Textes vom Dienst suspendiert. Auch in Folge der \u00f6ffentlichen Hetzkampagne gegen ihn ist er 1982 gestorben.<\/strong><\/p>\n<p>Ja. \u00dcbrigens ist ja Br\u00fcckners Text &#8222;\u00dcber die Gewalt&#8220; bei einem Seminar vorgetragen und diskutiert worden, das wir organisiert hatten.<\/p>\n<p>Br\u00fcckner war der nieders\u00e4chsischen Landesregierung schon lange ein Dorn im Auge. Anderen Hochschullehrern, die f\u00fcr die \u00f6ffentliche Auseinandersetzung mit dem &#8222;Mescalerotext&#8220; eintraten, hat man ein Revers vorgelegt, sie sollten sich zur Staatstreue bekennen. Br\u00fcckner hat man das nicht vorgelegt, er wurde suspendiert, weil er eben auch eine bestimmte Rolle in diesen Bewegungen hatte.<\/p>\n<p>Wenn man an die Suspendierung von Peter Br\u00fcckner usw. denkt, dann ist das nie wieder gut gemacht worden.<\/p>\n<p>Es ist im Endeffekt nie zwischen den verfeindeten Fraktionen in der Linken zu einer offenen Diskussion dar\u00fcber gekommen, wie man sich damals verhalten hat und mit welchen Gr\u00fcnden, sondern es hatte eine ganz scharf organisierende Funktion, die einen haben diese Position, die anderen jene Position eingenommen, und da trennten sich dann die Wege. Das ist auch eine Funktion dieser staatlichen Repression, das so etwas dann dabei passiert. Sprachlosigkeit, Meidung, gegenseitige Zuschreibungen.<\/p>\n<p>Groteskerweise wurde uns gegen\u00fcber noch polemisch versucht, von Leuten, die es sehr wohl besser wussten, das geforderte Bekenntnis zur Staatstreue als Bekenntnis zur Gewaltlosigkeit umzuinterpretieren. Sie konnten es eben nicht lassen, ausgerechnet uns, von denen niemand eine Beamtenstelle zu verlieren hatte, zu diffamieren. Wie nennen wir so etwas?<\/p>\n<p>Aber dieses G\u00f6ttinger Alternativplenum hat sich in diesen Auseinandersetzungen sehr gut &#8222;geschlagen&#8220;, auch wenn das als Ausdruck vielleicht inkriminiert werden k\u00f6nnte.<\/p>\n<p>Z.B. bei dieser Aktion Pfingsten 1977 in G\u00f6ttingen. Da gab es sehr gro\u00dfe Demonstrationen, und u.a. auch die Besetzung der Bahngleise, mittags noch, da wurden die Schienen in G\u00f6ttingen besetzt. Die Polizei hat die Leute sofort runtergepr\u00fcgelt. Es gab sehr aufgeregte, kontroverse Diskussionen \u00fcber solche Aktionen, aber es war einfach so, dass sich da z.B. auch andere Gruppen gegen den KBW durchgesetzt haben. Der KBW war Mitte der 70er Jahre in G\u00f6ttingen die dominante Organisation.<\/p>\n<p>Als die Kommunistische Volkszeitung zum ersten Mal erschien, wurden davon 2.400 St\u00fcck allein in G\u00f6ttingen verkauft. Das kann man sich heute kaum noch vorstellen. Erstsemester konnten an der Uni gefragt werden &#8222;Wer leitet Dich denn an?&#8220;, ungef\u00e4hr wie heute &#8222;Wer coacht Dich denn?&#8220;<\/p>\n<p>Wenn man Kriegsdienstverweigerer beriet, konnte es passieren, dass sie zwei Monate sp\u00e4ter \u00fcberlegen l\u00e4chelnd den &#8222;b\u00fcrgerlichen Pazifismus&#8220; gegen die &#8222;Volksmiliz&#8220; eingetauscht hatten. 1977 k\u00e4mpften KBW und KB um die Hegemonie in der Linken. Der KB war b\u00fcndnisf\u00e4higer zum &#8222;bunten&#8220; Spektrum und als Teil einer &#8222;Sozialistischen B\u00fcndnisliste&#8220; mit den &#8222;Undogmatischen&#8220; im AStA. Aber auch gegen den KB mussten &#8222;bunte&#8220; Formen etwa von Demonstrationen erst durchgesetzt werden. Diese Auseinandersetzungen haben dazu gef\u00fchrt, dass eine andere politische Kultur st\u00e4rker wurde.<\/p>\n<p>Es ging auch immer um die Formen und um die Inhalte, z.B. die Art der Demonstrationen. Es gibt von diesen G\u00f6ttinger Demonstrationen ber\u00fchmte Bilder, wo die Leute alle sich den Mund zugeklebt haben, und sie haben die Arme hinter dem Kopf verschr\u00e4nkt und tragen Transparente: &#8222;Ich werde nie wieder etwas denken, was der Staatsgewalt widerspricht&#8220;, oder \u00e4hnliche Texte, die im Grunde diese Kriminalisierung konterkarieren sollen. Es gab dieses Transparent: &#8222;Wollen Sie, dass ein Staatsanwalt Ihre Tageb\u00fccher liest?&#8220; usw. Das war z.B. eine Form, die widersprach dem, was vorher in diesem K-Gruppen-Milieu als machtvolle Demo verstanden wurde. Die w\u00e4ren aufgezogen mit Sprechch\u00f6ren, Reihen usw. Und gegen dieses Konzept, wurde dieses viel expressivere Konzept gegen die Repression durchgesetzt.<\/p>\n<p>Ich wei\u00df noch genau die Diskussion mit dem KB-F\u00fchrer im AStA, als es darum ging, was f\u00fcr eine Demonstration soll das werden, und das waren wieder Leute aus dem Frauenzentrum und aus der Gewaltfreien Aktion, die daf\u00fcr eingetreten sind, dass man nicht dieses schematische Bild &#8222;machtvolle Demo&#8220; stellt, sondern dass man eine andere Form w\u00e4hlt, die ganz direkt die Repressionsformen wie z.B. &#8222;Wollen Sie, dass ein Staatsanwalt Ihre Tageb\u00fccher liest?&#8220; zum Thema macht, eine sehr bildhafte Form, und diese Bilder wurden dann ja auch in alle Welt verbreitet.<\/p>\n<p>Die Auseinandersetzungen um den Buback-Nachuf haben uns veranlasst, unsere Programmatik zusammenzufassen in dieser Schrift &#8222;Feldz\u00fcge f\u00fcr ein sauberes Deutschland&#8220;. Die hat nat\u00fcrlich diesen Anlass Buback-Nachruf, Repression, die Auseinandersetzung mit Staat und mit anderen Konzeptionen von Revolution. Es ist auch eine Auseinandersetzung mit der RAF.<\/p>\n<p><strong>Diese &#8222;Feldz\u00fcge f\u00fcr ein sauberes Deutschland&#8220; finden sich auch auf der Homepage der Graswurzelrevolution, unter: <a href=\"\/news\/feldzuege.shtml\">http:\/\/www.graswurzel.net\/news\/feldzuege.shtml<\/a><\/strong><\/p>\n<p><strong>Ich w\u00fcrde jetzt gerne den Sprung nach heute machen. Und zwar ganz konkret zum G8-Gipfel. Es gab ja im Vorfeld des G8-Gipfels in Heiligendamm Gro\u00dfrazzien bundesweit. Es ist auch bekannt geworden, dass Schn\u00fcffelhunde eingesetzt werden gegen Demonstrantinnen und Demonstranten, \u00fcberhaupt gegen irgendwie &#8222;subversive Elemente&#8220;. W\u00fcrdest Du sagen, dass es im Moment eine gewisse Renaissance gibt, einerseits auch von der Repression des Staates gegen soziale Bewegungen, aber andererseits auch ein neues Anwachsen sozialer Bewegungen? Vielleicht auch neue Chancen f\u00fcr eine gewaltfreie, libert\u00e4re Bewegung? Dass die Graswurzelbewegung w\u00e4chst und sich mehr entwickeln kann?<\/strong><\/p>\n<p>Unbedingt. Diese Repression war zu erwarten, dass zur Einsch\u00fcchterung von ganz bestimmten Gruppen solche Hausdurchsuchungen und so etwas gemacht werden.<\/p>\n<p>Es h\u00e4tte jeden, der die Entwicklung der sozialen Bewegungen verfolgt hat, doch gewundert, wenn der Staat das diesmal nicht gemacht h\u00e4tte. Es ist im Grunde auch im Vorfeld so ein Versuch zu sagen: &#8222;Da seht Ihr, wir haben es ja immer schon gesagt, da gibt es gewaltt\u00e4tige Gruppen!&#8220; Es ist der Versuch, den Protest, wenn man das m\u00f6chte und f\u00fcr zweckm\u00e4\u00dfig h\u00e4lt, in diese Ecke zu dr\u00e4ngen und sp\u00e4ter Bilder zu produzieren, da kann man auch an V-Leute usw. denken, die dieses Klischee noch mal bedienen, und die im Grunde von den Inhalten und dem was diese Staatsm\u00e4nner und -frauen dort planen, ablenken.<\/p>\n<p>Das ist die eine Seite. Ich glaube aber, dass der Stein, den sie aufgehoben haben, ihnen schon auf die eigenen F\u00fc\u00dfe gefallen ist. Und zwar ganz besonders durch diese Schn\u00fcffelproben f\u00fcr die Hunde. Das hat nun alle, bis hin zu den konservativen Kommentatoren sehr an die Stasi-Praxis erinnert. Also, das ist auch taktisch ein schwerer Fehler gewesen.<\/p>\n<p>Man sieht an der letzten Rede von Merkel, dass sie das irgendwie begriffen hat und versucht das aufzunehmen, indem sie dialogische Elemente anf\u00fchrt oder z.B. auch wieder mehr behauptet, die Inhalte des G8-Gipfels seien eben doch so, dass z.B. eine L\u00f6sung f\u00fcr die Klimaprobleme gesucht wird.<\/p>\n<p>D.h., sie haben gemerkt, diese Diskussion nur \u00fcber Gewalt und Repression, das f\u00e4ngt an ihnen selbst zu schaden. Es entsteht das Gef\u00fchl, sie wollen von den Inhalten ablenken, indem sie praktisch eine milit\u00e4rische Eskalation hoch ziehen. Deswegen rudern sie jetzt zur\u00fcck, weil sie sehen, da k\u00f6nnte etwas ganz anderes draus entstehen, n\u00e4mlich eine grunds\u00e4tzliche Kritik.<\/p>\n<p>Das ist ein bisschen meine Hoffnung. Ob das so stimmt, was meinst du?<\/p>\n<p><strong>Das ist eine gute Frage. Dar\u00fcber k\u00f6nnen wir noch eine Extraausgabe der GWR machen. <\/strong><\/p>\n<p>Ich habe hier noch einen langen Fragenkatalog. Ich stelle einfach mal ein paar Fragen. Viele Menschen steigen ja nach ein paar Jahren politischen Engagements wieder aus der Szene aus, gerade auch in Universit\u00e4tsst\u00e4dten. Du nicht. Warum ist das so?<\/p>\n<p>Johan Bauer: Meiner Ansicht nach gibt es sehr unterschiedliche Antworten auf die Frage. Je nach Tag w\u00fcrde ich dir vielleicht erz\u00e4hlen, wie oft ich auch schon gedacht habe, ich steige aus. Also, ich glaube, z.B. wenn damals nicht andere Leute in den 70iger Jahren die Redaktion der Zeitung nach G\u00f6ttingen geholt h\u00e4tten, dann w\u00e4re ich vielleicht ausgestiegen. Weil ich von dem Sommertreffen am Kaiserstuhl sehr entt\u00e4uscht war und viele schlechte Erinnerungen daran hatte. Da war bei mir eine Krise.<\/p>\n<p><strong>&#8222;Sommertreffen&#8220;? Kannst Du das ein bisschen erkl\u00e4ren? <\/strong><\/p>\n<p>Es gibt bestimmte Formen, mit denen bin ich nicht einverstanden. Ich bin immer ein eher theoretisch orientierter Mensch gewesen, z.B. ein \u00dcberma\u00df an Vertrauensspielen, Methoden, die man heute eher in der Managerausbildung findet, die habe ich immer abgelehnt.<\/p>\n<p>Und da gab es z.B. auch eine sehr starke, \u00f6de Kontroverse dr\u00fcber. Ich war auch nie daf\u00fcr, dass ein Treffen von Leuten, die aus der ganzen Bundesrepublik zusammenkommen, dass die sich dann damit besch\u00e4ftigen, in Freiburg ein Stra\u00dfentheater zu machen. Sondern das war mir immer wichtiger gewesen, dass da theoretisch diskutiert wird. Das ist da auch durchaus der Fall gewesen, ich will das hier jetzt gar nicht so einseitig beschreiben, schlie\u00dflich geht darauf ja unsere Anti-Atom-Position zur\u00fcck. Die ist da ja auch gebildet worden. Aber ich war trotzdem, auch aus pers\u00f6nlichen Gr\u00fcnden, von dem Treffen sehr entt\u00e4uscht.<\/p>\n<p>Ich habe vorhin erz\u00e4hlt, dass du begeistert bist, wenn du in einer Gruppe bist, wo du siehst, die denken ja wie du. In diesem \u00dcberschwang kann es auch passieren, dass du manche Warnsignale nicht erkennst, du denkst &#8222;wir sind alle gute Freunde, wir haben auch pers\u00f6nlich total enge Beziehungen&#8220;. Und das ist dieses, was beim SNCC &#8222;band of brothers&#8220; hie\u00df, also so eine ganz enge Verbindung, eigentlich sogar &#8222;Kriegskameraden&#8220;.<\/p>\n<p><strong>F\u00fcr die Leserinnen und Leser: Das <em>Student Nonviolent Coordinating Committee<\/em> (SNCC) war in den 60er Jahren eine der wichtigsten Organisationen der schwarzen B\u00fcrgerrechtsbewegung in den USA. Seine Kampagnen und direkten gewaltfreien Massenaktionen spitzten die K\u00e4mpfe der US-amerikanischen Schwarzen gegen die rassistische Diskriminierung zu und trieben sie voran. Im Verlag Graswurzelrevolution ist dazu eine umfassende Darstellung von Clayborn Carson erschienen.<\/strong><\/p>\n<p>Ja.<\/p>\n<p>Und dann stellst du irgendwann fest, es kommen die Kontroversen, Du erlebst Verhaltensweisen, die entt\u00e4uschend sind und das kann leicht zu so einem Gef\u00fchl von verraten werden oder allen m\u00f6glichen Entfremdungserscheinungen f\u00fchren. Und so etwas hatte ich durchaus \u00f6fters. Also, es ist nicht selbstverst\u00e4ndlich, dass man in so einer Gruppe bleibt, selbst wenn man ein braver &#8222;Parteisoldat&#8220; ist.<\/p>\n<p>Aber noch mal ganz ernst zu deiner Frage etwas: Es gibt zwei Elemente, die mir wichtig erscheinen. Es hat mit dieser Moral zu tun, mit einer gewissen Treue zu \u00dcberzeugungen, die man hat, dass man nicht so schnell aufgibt, wenn einem irgendwelche konkreten Umsetzungen nicht passen oder wenn man Konflikte mit anderen Menschen hat. Es geht um Prinzipien, es geht um eine Perspektive, die ganz weitreichende Befreiungskonsequenzen hat, die gibt man nicht so leicht auf, weil einem eine Nase nicht passt.<\/p>\n<p>Es gibt noch etwas anderes, das haben auch die Leute in der alten Arbeiterbewegung gewusst, z.B. Fritz K\u00f6ster: wenn man sich nicht \u00fcber sich selbst und \u00fcber andere sich gelegentlich auch lustig machen kann, also das Element von Humor auch in Gruppen, dass man zusammen lachen kann.<\/p>\n<p>Man muss sich und andere schon ernst nehmen, aber man darf nicht darin aufgehen alles nur ernst zu nehmen. Man muss auch eine Distanz herstellen. Das gelingt am allerbesten durch Humor, durch Ironie, durch irgendwelche Formen, wo man das auch wieder aufl\u00f6st, was einen verletzt hat oder anstrengt. Das ist, glaube ich, sehr wichtig, auch f\u00fcr alle sozialen Bewegungen. Humor und Satire ist auch eine Waffe gegen die Herrschenden, es ist aber auch ein befreiendes Element, was einem hilft, Situationen durchzustehen, wo man zun\u00e4chst einmal gar nicht so viel zu lachen hat.<\/p>\n<p>Zu deiner Frage warum das manche Menschen l\u00e4nger durchhalten: Es gibt nat\u00fcrlich auch viele Zuf\u00e4lle. Ich bin kein Anh\u00e4nger von Theorien, die sagen: die Taten eines Menschen sind der direkte Ausdruck seiner Pers\u00f6nlichkeit, z.B. gibt es ja viele psychologische Theorien, die gehen von einem &#8222;Charakter&#8220; aus.<\/p>\n<p>Das halte ich f\u00fcr eine ziemlich falsche Psychologie. Manes Sperber hat sehr klug dar\u00fcber geschrieben. Nimm Joschka Fischer: Viele biografische Br\u00fcche. W\u00e4re er nach der Stra\u00dfenkampf-Phase bereit gewesen, nicht immer der Macker sein zu m\u00fcssen, so h\u00e4tte er der bewussteste Taxifahrer der Bundesrepublik werden k\u00f6nnen, er h\u00e4tte in den Gespr\u00e4chen mit seinen Fahrg\u00e4sten wesentliche Erfahrungen gemacht und vielen Kunden wichtige Gedanken mit auf den weiteren Weg gegeben. Er hat \u00fcber seine Taxifahrer-Erfahrung sehr klug nachgedacht. Dieses Erstgeburtsrecht des bewussten Loosers und damit reflektierten Agitators hat er verkauft zugunsten des Linsengerichts eines &#8222;Erfolgs&#8220; bei dem von seinen urspr\u00fcnglichen Impulsen nur der Aufstiegswille, der Ehrgeiz geblieben ist. Die historische Situation, Gr\u00fcndungsphase der Gr\u00fcnen, passte genau zu seinen &#8222;Qualit\u00e4ten&#8220; als durchsetzungsf\u00e4higer Macker, Strippenzieher usw., Netzwerkbildner, eine Seite seiner Person, die dann die besseren \u00fcberlagert hat. In dem fatalen Bewusstsein der Etablierten ist er nat\u00fcrlich bewundernswert erfolgreich, man wundert sich, dass nicht Stra\u00dfenk\u00e4mpfer-Castings stattfinden, &#8211; &#8222;Deutschland sucht den Super-Joschka&#8220; &#8211; um den n\u00e4chsten Au\u00dfenminister unter Aufsicht Dieter Bohlens zu ermitteln.<\/p>\n<p>Wir sollten mehr auf den Verlustseiten solch einer Biographie beharren.<\/p>\n<p>Es gibt in jedem Leben enorme Spannungen, und es gibt auch wirkliche Ver\u00e4nderungen, wo man Menschen und Dinge pl\u00f6tzlich ganz anders sieht als man sie vorher gesehen hat. Also, es ist nicht selbstverst\u00e4ndlich, dass, auch wenn man die eigene Erinnerung nimmt, dass man sich die Geschichte nicht in einer gewissen Weise zurechtkonstruiert. Dass man Dinge aus der heutigen Sicht viel wichtiger nimmt, als sie damals tats\u00e4chlich waren. Das ist eine gro\u00dfe Gefahr. Also auch Erinnerungen oder dieses Konstruieren von einer eigenen Biographie, das birgt durchaus einige Fallen, oder das kann auch zu Besch\u00f6nigungen f\u00fchren.<\/p>\n<p>Wenn wir mehr Zeit h\u00e4tten, dann h\u00e4tte ich gerne Ambivalenzen, Widerspr\u00fcche, die Sachen, die nicht glatt aufgehen, st\u00e4rker zum Thema gemacht. Weil ich finde, das ist f\u00fcr soziale Bewegungen wichtig, die sind auf der einen Seite Ansatzpunkte f\u00fcr Regression, daf\u00fcr, dass Leute aufgeben, dass ihnen etwas anderes vern\u00fcnftiger erscheint.<\/p>\n<p>Die sind auf der anderen Seite nat\u00fcrlich auch eine Chance etwas dazuzulernen und sich wieder neu zu \u00f6ffnen und das wieder zu entdecken, was eigentlich der urspr\u00fcngliche Impuls gewesen ist, der drohte in Schlendrian und Routine und irgendwelchen g\u00e4ngigen Formen unterzugehen.<\/p>\n<p>GWR: Wie beurteilst Du die Entwicklung der Graswurzelrevolution? Was gef\u00e4llt dir? Was k\u00f6nnte besser sein? Was hat sich vielleicht positiv entwickelt in den letzten Jahren? Vielleicht kannst du auch Entt\u00e4uschungen und Niederlagen beleuchten?<\/p>\n<p>Johan Bauer: Also, eine Entt\u00e4uschung ist, dass es so relativ wenige Gruppen gibt. Ich glaube, dass es f\u00fcr politische, soziale Ver\u00e4nderungen eine Organisation notwenig ist. D.h., es geht nicht nur \u00fcber Texte. Auch die Motivation, die jemand mitbringt, der mit anderen eine Gruppe bildet, ist eine andere, als einen Artikel zu schreiben. Einen Artikel zu schreiben ist letztlich unverbindlicher, Gruppenstrukturen haben ein h\u00f6heres Ma\u00df an Verbindlichkeit.<\/p>\n<p>Nat\u00fcrlich sind wir eine Gruppe. Aber ich meine jetzt lokale Graswurzelgruppen, die kontinuierlich vor Ort auftreten, dass das zur\u00fcckgegangen ist, das entt\u00e4uscht mich, genauso wie ich meine, dass z.B. eine kontinuierliche Bildungsarbeit, wo Erfahrungen weitergegeben werden, wo eine emanzipatorische Konzeption von Informationsvermittlung, Lernen usw. ge\u00fcbt wird, das fehlt bei uns so ein bisschen.<\/p>\n<p>Was gut klappt sind die Zeitung und der Verlag. Der Verlag wird zunehmend bekannter. Das wird sich auch f\u00fcr die Zeitung positiv auswirken. Dass l\u00e4ngere Texte, die auch wegen der ver\u00e4nderten Lesegewohnheiten nicht so den Platz finden, dass die dann eben in inzwischen ja manchmal sehr dicken B\u00fcchern rauskommen, das halte ich f\u00fcr eine sehr positive Entwicklung. Und nat\u00fcrlich insgesamt, dass die Zeitung immer noch eine Auflage \u00fcber 3.000 hat und an bestimmten Punkten tats\u00e4chlich interveniert. Dass Leute besonders auch \u00fcber die Internetpr\u00e4senz vieles lesen und wahrnehmen, und wie mir Leute, die in der Zeitung schreiben, sagen, auch darauf reagieren, sich also mit den Texten tats\u00e4chlich auseinandersetzen. Das ist sehr gut.<\/p>\n<p>Man muss auch sehen, dass man nicht ins Nichts produziert. Und wir kriegen ja durchaus Resonanz. Was ich ein bisschen auch als Problem sehe, ist, man muss sich klar machen, mit bestimmten Stilen der Darstellung, das bezieht sich auf Illustrationen, das Schriftbild, auf solche Dinge, da muss man meiner Ansicht nach ein bisschen drauf achten, weil sich manche Leute davon angesprochen f\u00fchlen, es schlie\u00dft gleichzeitig aber andere aus, wenn es sehr stark als Darstellung einer bestimmten Szene wahrgenommen wird, zu der sich viele, die das sehen, eben nicht z\u00e4hlen.<\/p>\n<p>Das ist ein Punkt, wo ich es gut f\u00e4nde, wenn wir verst\u00e4rkt mal darauf gucken k\u00f6nnten, wie welche Informationen wahrgenommen werden und was da vielleicht zu verbessern w\u00e4re. Aber, wie viele Zeitungen sind in dieser Zeit leider, oder manchmal auch Gott sei dank, eingegangen. Es ist doch sehr interessant und beruhigend zu wissen, und das ist nat\u00fcrlich auch ein Dank, der an einzelne Leute geht, die das organisieren und die sehr viel daf\u00fcr arbeiten, dass so eine Monatszeitung raus kommt.<\/p>\n<p><strong>Ganz am Schluss vielleicht noch eine Botschaft, die Du den Leserinnen und Lesern mitteilen m\u00f6chtest, als Schlusswort?<\/strong><\/p>\n<p>Die Geschichtsschreibung \u00fcber soziale Bewegungen hat sehr gro\u00dfe L\u00fccken und ist sehr parteiisch. Da ist auch ein Problem, dass sie oft von Leuten gemacht wird, die selber Teil davon sind oder waren und die ihre Fraktionsauseinandersetzungen immer noch weiter f\u00fchren, wenn sie diese Texte schreiben.<\/p>\n<p>Z.B., wenn man an die 70iger Jahre denkt, es sind ungeheuer viele Aktionen von Graswurzelgruppen gemacht worden, aber weil wir keine solche Vereinsstruktur oder so etwas hatten, sondern als lokale Gruppen agiert haben, manchmal und sogar als Schutz gegen Repression uns hinter anderen Vereinen versteckt haben, wurde ganz viel davon z.B. dem BBU (Bundesverband B\u00fcrgerinitiativen Umweltschutz) zugeschrieben, oder sp\u00e4ter ist es die Friedensbewegung allgemein.<\/p>\n<p>Wenn man an die Mutlangen-Blockaden und so denkt, wei\u00df da \u00fcberhaupt noch jemand, dass das vor allem auf die Gewaltfreien Aktionsgruppen zur\u00fcckging? So gibt es viele Dinge, wo z.B., wenn man das von innen kennt und wei\u00df, wie es abgelaufen ist, und wei\u00df welche Strukturen da zum Tragen gekommen sind, und man liest die Beschreibungen davon, dann ist man sehr irritiert.<\/p>\n<p>Schon die Namen, die bekannt und &#8222;im Ged\u00e4chtnis&#8220; bleiben: Wer war noch im &#8222;Revolution\u00e4ren Kampf&#8220; au\u00dfer den Fischer, Beltz, &#8230; Hatte Cohn-Bendit nicht wenigstens einen Koch dabei?<\/p>\n<p>Ich glaube, dass das f\u00fcr die historischen sozialen Bewegungen genauso gilt, vielleicht sogar noch st\u00e4rker, wenn man sich allein nur die Frage stellt, welches Material in Archive gelangt, das ist ja \u00fcberwiegend das staatliche, mit ganz enormen L\u00fccken, mit einem Blick von oben, wo auch ganz bestimmte Gruppen \u00fcberhaupt gar nie vorkommen. Eben weil sie nicht diese Vereinsstruktur und leicht zu durchschauende und leicht zu durchdringende zentralistische Strukturen haben. \u00dcber die wird da gar nichts berichtet, das ist viel zu m\u00fchsam eine Akte anzulegen. Oder wenn, dann gibt es einen Spitzelbericht mit vollst\u00e4ndig entstellenden Informationen.<\/p>\n<p>Oder es gibt Flugbl\u00e4tter oder Protokolle, aber wer kann sie ad\u00e4quat interpretieren? Gerade Protokolle sind oft schlampig verfasst, mit Auslassung der wichtigsten und brisantesten Themen. Oft muss man sehr genau den Kontext kennen, gegen wen oder was ist etwas gesagt, was wird gerade nicht erw\u00e4hnt, um die Situation zu erfassen.<\/p>\n<p>Also, ich w\u00fcrde sagen, wenn man verschiedne Darstellungen liest, ist man doch immer wieder frappiert wie wenig das den Leuten zum Bewusstsein kommt, dass es m\u00f6glicherweise vollkommen anders gewesen ist, als es in diesen Darstellungen, Berichten oder Rechtfertigungsschriften usw. dargestellt wird. Und vor allem, wenn man sich \u00fcberlegt, wie sehr tats\u00e4chlich auch Erinnerungen auch von Interessen gepr\u00e4gt sind oder manchmal sogar Ged\u00e4chtnisverlust. Wenn so eine soziale Bewegung geschlagen ist, dann setzt durchaus der Ged\u00e4chtnisverlust ein und die Leute m\u00f6chten nicht mehr dazu geh\u00f6ren, au\u00dfer wenn sie sehr hartn\u00e4ckig sind.<\/p>\n<p>So wie wir ja hoffentlich.<\/p>\n<p><strong> Ein sch\u00f6ner Schlusssatz. Herzlichen Dank! <\/strong><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>GWR: Du bist seit 35 Jahren Mitherausgeber und Autor der Graswurzelrevolution. Kannst du die Geschichte dieser Bewegungszeitung erz\u00e4hlen? Johan Bauer: &#8222;Die Geschichte&#8220;, das w\u00fcrde nat\u00fcrlich ein die Seiten der GWR sprengendes Programm werden. Aber ich versuche mal ein paar Stichworte zu nennen, was am Anfang stand. 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