{"id":8313,"date":"2007-10-01T00:00:57","date_gmt":"2007-09-30T22:00:57","guid":{"rendered":"http:\/\/test.graswurzel.net\/gwr\/?p=8313"},"modified":"2022-07-26T14:14:50","modified_gmt":"2022-07-26T12:14:50","slug":"das-war-luxus","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/2007\/10\/das-war-luxus\/","title":{"rendered":"Das war Luxus"},"content":{"rendered":"<p>Allerdings ist der Weg in den Osten f\u00fcr viele AnarchistInnen doch noch zu weit und die LeserInnenschaft im Raum Halle nicht eben zahlreich. Also ging das Redaktionskollektiv davon aus, dass die TeilnehmerInnenzahl vom 30. Geburtstagsfest (2002 in M\u00fcnster mit \u00fcber 300 zahlenden G\u00e4sten) nicht erreicht werden k\u00f6nnte. Klein aber fein sollte es werden unser Fest.<\/p>\n<p>Und dieser Anspruch ist voll erf\u00fcllt worden. Nat\u00fcrlich hatten die OrganisatorInnen einige H\u00fcrden zu nehmen. Auf dem Gel\u00e4nde der Villa musste gegen meterhohe Brombeerhecken und Buschwerk gek\u00e4mpft werden. Durch tatkr\u00e4ftige Hilfe von K\u00f6nneranerInnen konnte der Zugang zum Parkplatz freigelegt werden und im Garten bot ein wundersch\u00f6nes Rundzelt mit 12 Metern Durchmesser Schutz vor Regen und Sonne.<\/p>\n<p>Jeden Tag verfolgten wir die Wetterprognose und hofften auf Sonnenschein. Nach langem Hin und Her hatten wir uns entschieden, das Kulturprogramm am Freitagabend im Garten durchzuf\u00fchren. Leider regnete es, und zwar gerade als die Technik aus Hoyerswerda aufgebaut war. Dennoch kein Problem. Denn G\u00f6tz, unser Techniker vom Freien Radio Corax in Halle, disponierte um, und der eindrucksvolle Auftritt vom Singenden Tresen ging im S\u00e4ulenzimmer \u00fcber die B\u00fchne. Klaus, der Geiger, und Salossi entschieden sich spontan, im ger\u00e4umigen Treppenhaus aufzuspielen. Als sie dann noch den Oboisten vom Singenden Tresen zur Session einluden, gelangte die Stimmung auf den H\u00f6hepunkt. Sowas hat das 100j\u00e4hrige Haus in seiner wechselvollen Geschichte noch nicht erlebt!<\/p>\n<p>Peryton sprach sich daf\u00fcr aus, auch am Samstag in der Villa zu bleiben und nicht ins Kulturhaus zu ziehen. Von Seiten der Einrichtung kam man diesem Wunsch unkompliziert entgegen. Nach seinem Auftritt strahlte der K\u00fcnstler. Er war begeistert, dass die G\u00e4ste, von denen die meisten einen harten Seminartag hinter sich hatten, seinen nachdenklichen Liedern noch fast drei Stunden ungeteilte Aufmerksamkeit schenkten.<\/p>\n<p>Zu vorger\u00fcckter Stunde verbreitete dann das Duo Contraviento lateinamerikanisches Flair und schaffte es spielend, das Publikum zum Mitsingen und Mitmusizieren zu bewegen. Einige wollten gar nicht mehr aufh\u00f6ren. Sie holten die eigene Gitarre heraus und machten bis zum Morgen weiter. Nur wenige G\u00e4ste fanden zeitiger ins Bett. Die meisten sa\u00dfen noch beisammen und diskutierten.<\/p>\n<p>Viele junge Leute waren gekommen, vor allem aus dem Umfeld des Leipziger Libert\u00e4ren Zentrums Libelle. Diese hatten besonders eifrig f\u00fcr das Fest plakatiert. An dieser Stelle noch mal ein besonderer Dank daf\u00fcr. Diese JungaktivistInnen trafen mit ganz alten Graswurzeln zusammen.<\/p>\n<p>Was kommt nach dem Kapitalismus? Die Frage war allgegenw\u00e4rtig.<\/p>\n<p>Vor dem Fest waren wir zwei Wochen lang mit Aufr\u00e4um- und Putzarbeiten besch\u00e4ftigt. Dennoch gab es am Donnerstag und Freitag noch Etliches zu erledigen. Die ersten G\u00e4ste, Andreas und Helmut aus Bielefeld, packten tatkr\u00e4ftig mit an und managten das Einschecken und den Kiosk. Andere bereiteten die Schlafr\u00e4ume vor. Imponierend, wie Helga und Wolfgang Weber-Zucht unseren Abstellraum in ein dem Auge schmeichelndes B\u00fccherzimmer verwandelten, in welchem gern verweilt wurde. W\u00e4hrend der drei Tage klappte die Selbstorganisation hervorragend. Das ging beim Kaffee kochen los, beim Bereitlegen von trockenen Handt\u00fcchern in den B\u00e4dern weiter und h\u00f6rte beim Abwaschen nicht auf. Auch wenn einige Seminare sich zeitlich verz\u00f6gerten bzw. in anderen R\u00e4umlichkeiten stattfanden &#8211; es gab keine N\u00f6rgelei. Die Stimmung war rundum freundlich und heiter.<\/p>\n<p>Sicherlich hatte daran auch die hervorragende Sorge f\u00fcr das leibliche Wohl Anteil. Was Katrin und Max aus Schortewitz, einem Dorf unweit von K\u00f6nnern, da in ihrem Zelt zauberten und servierten, verdient zu Recht den Namen Essthetik. Die beiden von &#8220; Himmel und Erde&#8220; und ihre Helferin Doro erhielten deshalb auch \u00fcberschw\u00e4ngliches Lob von allen Seiten.<\/p>\n<p>Beim Thema Essen sollten unbedingt auch unsere unerm\u00fcdlichen Pflaumenkuchenb\u00e4ckerInnen und M\u00e4nner bzw. M\u00e4dchen f\u00fcr alles Erw\u00e4hnung finden. Amanda, Andre&#8216; und Hartmut &#8211; das war lecker! Au\u00dferdem haben die drei noch so ganz nebenbei jede Menge Interviews und Mitschnitte f\u00fcrs Freie Radio gemacht, die auch herunter geladen werden k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Ein herzlicher Dank gilt unserem Hausherrn Fritz und seiner Monika. Sie unterst\u00fctzen unsere Villa nicht nur finanziell, sondern legen selbst mit Hand an. F\u00fcr alle G\u00e4ste, die bis Sonntagnachmittag geblieben waren, gab es au\u00dferdem noch eine gef\u00fchrte Wanderung in das wundersch\u00f6ne Saaletal.<\/p>\n<p>Nicht zuletzt m\u00f6chte ich hier Richards Anteil am Gelingen des Festes hervorheben. Ich habe miterlebt, wie er zwei Monate lang herumtelefoniert hat und logistische Probleme l\u00f6sen musste.<\/p>\n<p>Wo bekommen wir die Technik her? Und dann: Wo den Techniker? Wie kriegen wir das mit dem Kulturhaus hin, obwohl Samstag Einschulung ist? Wo bringen wir die Leute unter? Was machen wir, wenn es mehr als zweihundert werden? Und was machen wir, wenn weniger als hundert kommen?<\/p>\n<p>Es kamen \u00fcber 150, aber viele von ihnen konnten nicht den vollen Beitrag zahlen. Am Samstag zog es etliche Menschen aus der n\u00e4heren Umgebung nach K\u00f6nnern. Nicht nur die Frauen vom Hallischen Chor MissKlang, welche uns mit ihrem Auftritt erfreuten, \u00e4u\u00dferten sich euphorisch \u00fcber die Atmosph\u00e4re.<\/p>\n<p>Klein aber fein. Essen, Seminare und Workshops (insbesondere die Kletterer aus Berlin!) und die kulturellen Beitr\u00e4ge boten was f\u00fcr Leib und Seele. Das war Luxus. Allerdings hat dieser, wie fast alles Sch\u00f6ne, seinen Preis. Und so kommt es, dass das 35. Geburtstagsfest doch etwas teurer ausgefallen ist. Einziger Nachteil im Osten: Die Stiftungen hier sind nicht so spendabel wie andernorts.<\/p>\n<p>Ein negatives Ergebnis des 35 Jahre GWR-Festes ist nun ein Minus von 3.000 Euro. Um diese Verluste zu reduzieren, bitten wir herzlich um Spenden. \u00dcberweist sie bitte mit dem Betreff &#8222;GWR-Fest&#8220; auf das GWR-Konto: Kto. Nr. 266 57-207, BLZ 20010020, Postbank Hamburg.<\/p>\n<p>Vielen Dank daf\u00fcr von allen G\u00e4sten, den auftretenden K\u00fcnstlerinnen und K\u00fcnstlern, der Redaktion und dem HerausgeberInnenkreis der Graswurzelrevolution.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Allerdings ist der Weg in den Osten f\u00fcr viele AnarchistInnen doch noch zu weit und die LeserInnenschaft im Raum Halle nicht eben zahlreich. Also ging das Redaktionskollektiv davon aus, dass die TeilnehmerInnenzahl vom 30. Geburtstagsfest (2002 in M\u00fcnster mit \u00fcber 300 zahlenden G\u00e4sten) nicht erreicht werden k\u00f6nnte. 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