{"id":8515,"date":"2008-01-01T00:00:38","date_gmt":"2007-12-31T22:00:38","guid":{"rendered":"http:\/\/test.graswurzel.net\/gwr\/?p=8515"},"modified":"2022-07-26T14:24:16","modified_gmt":"2022-07-26T12:24:16","slug":"die-privatisierung-der-atmosphare","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/2008\/01\/die-privatisierung-der-atmosphare\/","title":{"rendered":"Die Privatisierung der Atmosph\u00e4re"},"content":{"rendered":"<p>Es ist selten, dass ein Politiker so unverbl\u00fcmt die Wahrheit                 \u00fcber staatlich-kapitalistische Klimapolitik ausspricht. Die kapitalistischen                 Industriestaaten und die Grundlagen der kapitalistischen Marktwirtschaft                 sind wachstumsorientiert. Damit ist eine wirksame Klimapolitik                 von staatlicher oder unternehmerischer Seite von vorneherein ausgeschlossen.                 Dennoch: 95 Prozent aller Klimainitiativen vertrauen voller Illusionen                 auf Einsicht und Reformf\u00e4higkeit ihrer KlimapolitikerInnen und                 der an die Klimapolitik angeschlossenen Wirtschaftslobby. Nichts                 k\u00f6nnte sch\u00e4dlicher f\u00fcr eine sozialrevolution\u00e4re Bek\u00e4mpfung des                 Klimawandels sein.<\/p>\n<p>Wirksame Klimapolitik, d.h. eine politische und wirtschaftliche                 Ver\u00e4nderung, die der aktuellen Bedrohung durch Erderw\u00e4rmung, Treibhausgase                 und Klimaver\u00e4nderung angemessen w\u00e4re, m\u00fcsste mindestens zwei Grundlagen                 kapitalistischer Industrieproduktion in Frage stellen. <\/p>\n<p>Kritische, f\u00fcr soziale Bewegungen arbeitende KlimaforscherInnen                 wissen, dass alle jetzt noch vorhandenen fossilen Brennstoffe,                 die unter der Erde sind, dort belassen werden m\u00fcssten und nicht                 durch F\u00f6rderung und dabei entstehende Emissionen die Atmosph\u00e4re                 verschmutzen d\u00fcrfen. <\/p>\n<p>So formuliert z.B. der britische Klimaforscher Larry Lohmann,                 Autor der bislang umfassendsten kritischen Studie \u00fcber den weltweiten                 Emissionshandel: &#8222;Vor allem geht es darum, die F\u00f6rderung fossiler                 Brennstoffe zu verlangsamen und zu einem Halt zu bringen.&#8220; ((2))               <\/p>\n<p>Dazu w\u00e4re jedoch eine gesamtgesellschaftliche Ausrichtung n\u00f6tig,                 in der das Wachstum schrumpft, eine Perspektive etwa, die franz\u00f6sische                 \u00d6ko-AnarchistInnen seit einigen Monaten als &#8222;D\u00e9croissance&#8220; (Wachstumsr\u00fcckgang\/Minus-Wachstum)                 diskutieren ((3)) und die an                 die Diskussionen um Null-Wachstum oder die Kritik der Wachstumsgesellschaft                 in der radikalen westdeutschen \u00d6kologiebewegung nach dem ersten                 &#8222;\u00d6l-Schock&#8220; 1973 erinnert. Die Umsetzung beider Forderungen, Beendigung                 der F\u00f6rderung fossiler Brennstoffe und Null-Wachstum, ist &#8211; daran                 sei mit dem Eingangszitat Tony Blairs erinnert &#8211; mit der kapitalistischen                 Industriegesellschaft unvereinbar und erfordert eine revolution\u00e4re                 Umgestaltung gegen den Willen von Staat und Konzernen.<\/p>\n<h3>Das kapitalistische Marktrecht auf Verschmutzung<\/h3>\n<p>Was aber ist der Inhalt der vielzitierten Klimapolitik von Kyoto,                 der die EU folgt und wor\u00fcber die Medien verbreiten, das einzige                 Problem dabei sei, die USA mit &#8222;ins Boot&#8220; zu holen?<\/p>\n<p>Es ist der Versuch, dem Problem dieser aktuellen Form der Umweltverschmutzung,                 das eine Verschmutzung der Atmosph\u00e4re ist (Erderw\u00e4rmung und Treibhauseffekt                 sind prim\u00e4r eine Luftverschmutzung), mit den Mitteln des kapitalistischen                 Marktes beizukommen. <\/p>\n<p>Auf die Idee muss man\/frau erst einmal kommen. Und g\u00e4be es den                 kapitalistischen Markt nicht schon seit langem, w\u00fcrde es wohl                 niemandem auch nur im Traum einfallen, auf Luftverschmutzung quasi                 Aktien auszugeben, damit zu handeln und dann auch noch \u00fcber alle                 Kan\u00e4le verlauten zu lassen, dieser aberwitzige Quatsch, dieser                 \u00fcberdimensionale Bluff, sei die L\u00f6sung der Klimakrise. <\/p>\n<p>Was beim Handel mit Emissionsrechten als praktisches Ergebnis                 herauskommt, ist bestenfalls die zeitliche Verschiebung, schlimmstenfalls                 die aktive Verhinderung von Emissionsreduktionen bei Kohlendioxid,                 Methan und vergleichbaren Abfallstoffen aus der F\u00f6rderung und                 Verarbeitung fossiler Brennstoffe (siehe dazu den Artikel: &#8222;Was                 ist Emissionshandel?&#8220; in dieser GWR). Die Message ist klar: Das                 &#8222;langfristige Umweltproblem&#8220; Klimawandel ist f\u00fcr Staat und Industrie                 nur eine weitere Chance, Profite zu machen und selbst substantiell                 nichts an der eigenen Produktionsweise zu \u00e4ndern.<\/p>\n<p>Viele NGOs, die heute interessiert auf die Pressekonferenzen                 von Gipfeln und Klimakonferenzen der Industriestaaten starren                 und lediglich bedauern, dass die USA das Protokoll von Kyoto nicht                 ratifiziert, sollten sich daran erinnern, dass der Inhalt des                 Emissionshandels, das den Kern des Kyoto-Protokolls darstellt,                 von neoliberalen \u00d6konomen der &#8222;Think Tanks&#8220; in den USA entwickelt                 wurde. <\/p>\n<p>An vorderster Front ist hier der neoliberale \u00d6konom Ronald Coase                 von der Universit\u00e4t von Chicago zu nennen.<\/p>\n<p>Er formulierte schon in einflussreichen Artikeln Mitte des 20.                 Jahrhunderts die Grundlagen heutiger internationaler Klimapolitik                 und kann als eine Art Gro\u00dfvater des Handels mit Verschmutzungs-Zertifikaten                 angesehen werden. <\/p>\n<p>Zentrale These seiner Wirtschaftstheorie ist das marktwirtschaftlich                 begr\u00fcndete &#8222;Recht auf Verschmutzung&#8220;. <\/p>\n<p>Ein industrieller Verschmutzer, so Coase, soll &#8222;nicht als jemand                 betrachtet werden, der etwas Schlechtes tut und dem Einhalt geboten                 werden muss.&#8220; ((4))<\/p>\n<p>So f\u00e4ngt die neoliberale Ideologie an, das &#8222;Recht auf Verschmutzung&#8220;                 ist ihre Grundlage! Nach Coase ist n\u00e4mlich &#8222;Verschmutzung zugleich                 etwas Gutes und etwas Schlechtes. <\/p>\n<p>Die Leute verschmutzen ja nicht, weil sie es prima finden, zu                 verschmutzen. Sondern sie verschmutzen, weil sie so billiger andere                 G\u00fcter herstellen k\u00f6nnen. Die billigere Herstellung anderer G\u00fcter                 ist das Gute; der Wertverlust durch die Verschmutzung ist das                 Schlechte. Beides muss verglichen werden. Und so muss die Sache                 betrachtet werden.&#8220; ((5))<\/p>\n<p>Sein Wort ward zum kapitalistischen Credo. F\u00fcr Coase ist eine                 M\u00fcllhalde (oder ein Haufen Verschmutzungspartikel in der Atmosph\u00e4re)                 nur ein Gut oder eine Ressource auf einem Markt von unz\u00e4hligen                 G\u00fctern oder Ressourcen. Das Recht auf Verschmutzung ist f\u00fcr ihn                 ein Produktionsfaktor, wie zum Beispiel das Recht auf Landnutzung.                 Die Aus\u00fcbung dieses Rechtes bringt nat\u00fcrlich in beiden F\u00e4llen                 auch Nachteile mit sich, die andere erleiden oder die anderswo                 erlitten werden. Die Frage ist, ob diese Nachteile oder Verluste                 bedeutend sind.<\/p>\n<p>Um das zu messen, wird die M\u00fcllhalde einfach in Teilchen aufgeteilt                 und auf den kapitalistischen Markt geworfen, so wie das auch mit                 anderen G\u00fctern und Ressourcen geschieht, mit Grundeigentum etwa,                 mit Wasser, Arbeit, Reis, W\u00e4ldern, Flugzeuge oder Mobil-Telefonen.                 Alle werden mit derselben Elle gemessen und alle werden gleich                 behandelt. Wenn der Markt perfekt funktioniert und alle Marktteilnehmer                 gleich informiert sind &#8211; eine zentrale Voraussetzung kapitalistischer                 Wirtschaftstheorie, die in Wirklichkeit nie vorhanden ist -, dann                 wird auch eine M\u00fcllhalde oder eine Luftverschmutzung so genutzt                 werden, dass sie zum gesellschaftlichen Gesamtprodukt optimal                 beitr\u00e4gt. <\/p>\n<p>Wenn das, so Coase weiter, eine gro\u00dfe Verschmutzungsrate bedeutet,                 dann ist das eben so. Aber keine Angst &#8211; beruhigt Coase die Gem\u00fcter                 -, es k\u00f6nne gar nicht zuviel Verschmutzung geben, denn wenn die                 Gesellschaft zu sehr verschmutzt werde, w\u00fcrde sie nicht den besten                 Wert aus den anderen G\u00fctern erwirtschaften k\u00f6nnen &#8211; die ArbeiterInnen                 etwa k\u00f6nnten sterben, und das wollen wir doch alle nicht, denn                 dadurch w\u00fcrde das wirtschaftliche Gesamtprodukt sinken. Die Selbstheilungskr\u00e4fte                 des kapitalistischen Marktes also, so schlie\u00dft Coase, w\u00fcrden die                 Verschmutzung automatisch &#8222;optimieren&#8220;, so dass es weder zuviel                 noch zuwenig an Verschmutzung in einer Volkswirtschaft gibt.<\/p>\n<h3>Der Holzweg nach Kyoto<\/h3>\n<p>Eine von dieser Ideologie gepr\u00e4gte Gesellschaft, in der Verschmutzung                 sozusagen &#8222;neutral&#8220; bewertet wird &#8211; ja eigentlich sogar positiv                 als &#8222;Recht&#8220; &#8211; kann strukturell gar nicht zum \u00f6kologischen Verursacherprinzip                 durchdringen, weil das die Anerkennung eines negativen, rein sch\u00e4dlichen                 Charakters der Verschmutzung bedingen w\u00fcrde. Alle Reformstrategien,                 die den Kapitalismus also auf das Verursacherprinzip festlegen                 wollen, m\u00fcssen strukturell fehlschlagen. Was nach Coase allenfalls                 m\u00f6glich w\u00e4re, sei eine rechtliche &#8211; und finanzielle &#8211; Verantwortung                 sowohl von Verschmutzern wie auch von den Opfern der Verschmutzung,                 denn beide sind in seiner Logik gleich verantwortlich f\u00fcr erlittene                 Verluste am andernfalls optimalen wirtschaftlichen Gesamtprodukt.<\/p>\n<p>Weltweit f\u00fchrt diese Logik zu folgendem Zynismus: 1991 publizierte                 Larry Summers, seines Zeichens Chef-\u00d6konom der Weltbank (fr\u00fcher                 US-Schatzmeister, noch fr\u00fcher Pr\u00e4sident der Harvard Universit\u00e4t)                 ein Wirtschafts-Memorandum, das auf den Theorien von Coase basiert                 und folgerte, indem er Coase&#8217;s Theorie sozusagen auf das weltweite                 Gesamtprodukt ausweitete: &#8222;An der \u00f6konomischen Logik, eine Ladung                 giftigen Abfalls in Billiglohnl\u00e4ndern abzulagern, ist nichts auszusetzen,                 und wir sollten dieser M\u00f6glichkeit ins Gesicht blicken. Es gibt                 unterbev\u00f6lkerte L\u00e4nder in Afrika, die stark unter-verschmutzt                 sind.&#8220; ((6))<\/p>\n<p>Damit ist die kapitalistische Wirklichkeit auf den Kopf gestellt:                 die Industriel\u00e4nder als die eigentlichen Verursacher von Schadstoff-Emissionen                 werfen den L\u00e4ndern des S\u00fcdens vor, &#8222;unter-verschmutzt&#8220; zu sein.<\/p>\n<p>So denken sie, dieselben Leute von der Weltbank, die innerhalb                 des internationalen Emissionshandelssystems f\u00fcr angeblich \u00f6kologische                 Projekte in der s\u00fcdlichen Hemisph\u00e4re &#8222;Gutschriften&#8220; ausstellen,                 mit denen verschmutzende Industriebetriebe in den n\u00f6rdlichen Industriel\u00e4ndern                 Reduktionsauflagen des Kyoto-Protokolls bequem umgehen und sogar                 noch in Kostenersparnis, sprich: Profite, umwandeln k\u00f6nnen (siehe                 Artikel: Was ist Emissionshandel?).<\/p>\n<p>Ein weiterer Coase-Nachfolger, J.H. Dales, hielt zwar an Coase&#8217;s                 &#8222;Recht auf Verschmutzung&#8220; fest, entwickelte dessen Theorie aber                 dahin weiter, dass nun nicht mehr ein imagin\u00e4rer idealer Markt                 die Verschmutzung &#8222;optimiert&#8220;, sondern dass der Staat allgemeine                 Obergrenzen der Verschmutzung setzt. Der Handel mit den Verschmutzungs-Zertifikaten                 und Emissionsberechtigungen ist dann nichts anderes als ein kosten-effizientes                 Spiel, um bereits vorab bekannte Emissionsziele durch Handel und                 Kauf von Projekt-Gutscheinen in der &#8222;Dritten Welt&#8220; gesamtgesellschaftlich                 zu erreichen.<\/p>\n<p>Das erste gro\u00dfangelegte Programm f\u00fcr Emissionshandel wurde 1976                 von der US-Agentur f\u00fcr Umweltschutz angenommen. In der Praxis                 f\u00fchrte es dazu, dass in den USA im Austausch f\u00fcr Projekt-Gutschriften                 aus der &#8222;Dritten Welt&#8220; sogar neue Verschmutzungs-Industrien entstehen                 konnten. <\/p>\n<p>In den 80er und 90er Jahren wurde die neoliberale Ideologie pr\u00e4gend                 f\u00fcr das \u00f6konomische Denken in den USA und so reihte sich ein Emissionshandels-Programm                 an das n\u00e4chste. Die zwischenzeitlich an die Macht gekommene Clinton-Administration                 geh\u00f6rte in der Diskussion um die Frage, ob der Klimawandel menschengemacht                 oder ganz einfach eine nat\u00fcrliche Naturentwicklung darstellt,                 schon sozusagen zum linken Fl\u00fcgel und \u00fcberredete die EU zur Annahme                 des Kyoto-Protokolls von 1997 und damit zu einer internationalen                 Vereinbarung \u00fcber Emissionshandel, das die Industrienationen auf                 dem Weg von Marktmechanismen dazu verpflichten soll, ihre Schadstoffemissionen                 bis zum Jahr 2012 auf 95 Prozent des Standes von 1990 zu reduzieren.                 In dieser Zeit ging die Federf\u00fchrung des Emissionshandels ebenso                 wie der Klimaforschung von der US-amerikanischen Innenpolitik                 in die H\u00e4nde von UN-Institutionen und auch der Weltbank \u00fcber,                 was besonders im letzteren Falle absurd ist, weil die Weltbank                 gro\u00dfe Teile ihrer Mittel zugleich in die F\u00f6rderung fossiler Brennstoffe                 investiert. <\/p>\n<p>Doch manche UN-Forschungsinstitutionen, wie etwa der schon 1988                 gegr\u00fcndete &#8222;Intergovernmental Panel on Climate Change&#8220; (IPCC),                 der auch den viel beachteten UN-Klimabericht von 2007 herausgab,                 gingen dann der konservativeren Bush-Administration bereits zu                 weit (denn die Bush-Regierung symbolisiert die bisher engste Verflechtung                 von \u00d6l-Industrie und Administration in der US-Geschichte), so                 dass die USA &#8211; eine der ideologischen Drahtzieher von Kyoto &#8211;                 f\u00fcr alle \u00fcberraschend im Jahre 2001 vom Kyoto-Protokoll zur\u00fccktrat,                 das in seiner heutigen Form erst am 16.2.2005 in Kraft trat und                 von 127 Staaten ratifiziert wurde. ((7))<\/p>\n<h3>Absurdit\u00e4ten des europ\u00e4ischen Emissionshandelssystems: Die EU                 und das \u00f6kologische Wunderkind Russland<\/h3>\n<p>So waren die EU-Staaten und die anderen Unterzeichner-L\u00e4nder                 nach 2005 \u00fcberraschend auf sich allein gestellt, als die USA sich                 noch immer weigerte, das Kyoto-Protokoll zu ratifizieren. Das                 EU-Emissionshandelssystem begann 2005 mit 25 Teilnehmer-L\u00e4ndern                 (European Union Emissions Trading System\/EU-ETS). <\/p>\n<p>Es gibt zwei Phasen: Phase I von 2005-2007; Phase II von 2008-2012.               <\/p>\n<p>Der globale Emissionshandels-Markt wird 2008 er\u00f6ffnet. Jedes                 Teilnehmerland im EU-ETS musste eine Emissions-Obergrenze f\u00fcr                 rund 12.000 betroffene Anlagen festlegen (Kohlekraftwerke, \u00d6lraffinerien,                 Zementwerke, Eisen- und Stahlproduzenten, Glas- und Keramikhersteller,                 Papier- und Zellulosehersteller). <\/p>\n<p>Jeder Anlage wurden nach einem &#8222;Nationalen Allokationsplan&#8220; (NAP)                 Emissionsberechtigungen f\u00fcr ein Jahr zugeteilt. Dann konnte der                 Handel losgehen.<\/p>\n<p>Bereits f\u00fcr das erste Jahr f\u00fchrte die Lobbyarbeit der Gro\u00dfunternehmen                 dazu, dass die Regierungen gerade den gr\u00f6\u00dften Verschmutzern zu                 viele Berechtigungen zuteilten. <\/p>\n<p>&#8222;Das f\u00fchrte zu Windfall-Profiten bei einigen der gr\u00f6\u00dften Verschmutzer,                 die, nachdem sie erfolgreich ihren Bedarf an Emissionsberechtigungen                 \u00fcbertrieben hatten, riesige Mengen Berechtigungen erhielten, die                 sie gewinnbringend weiterverkaufen konnten. <\/p>\n<p>Zudem erzielten die Unternehmen Eink\u00fcnfte, indem sie die \u201anominellen&#8216;                 Marktkosten der Berechtigungen, die sie kostenlos erhielten, an                 die Verbraucher weitergaben.&#8220; ((8))<\/p>\n<p>Die vier gr\u00f6\u00dften deutschen Energiekonzerne (E.ON, RWE, Vattenfall,                 EnBW) haben aus dem ersten EU-ETS-Handelsjahr Gewinne zwischen                 6 und 8 Milliarden US-Dollar gemacht. &#8222;Berichte von der gewaltigen                 \u00dcberallokation f\u00fchrten zu einem Verfall beim Kohlendioxidpreis                 um mehr als 60 Prozent, von 30 auf 8,6 Euro pro Tonne. <\/p>\n<p>Damit gab es f\u00fcr die Industrien nicht den geringsten Anreiz,                 den Kohlendioxidaussto\u00df an der Quelle zu verringern.&#8220; ((9))<\/p>\n<p>Kurz, das vollkommene Fiasko, das Gegenteil aller Verlautbarungen:                 mehr Verschmutzung statt weniger. So geht das, wenn der neoliberale                 Kapitalismus nicht als Ursache, sondern als L\u00f6sung der Klimakrise                 pr\u00e4sentiert wird. Und es wird wohl so weiter gehen: schon Ende                 2006 wurde deutlich, dass von den 25 NAPs f\u00fcr das zweite Jahr                 18 zu gro\u00dfz\u00fcgig bemessen waren, was die Aussch\u00fcttung von Emissionsberechtigungen                 betrifft.<\/p>\n<p>Ganz besonders abstrus wird das Kyoto-System im Falle Russlands.               <\/p>\n<p>Denn nach dem Kyoto-Protokoll ist Russland mit weitem Abstand                 das \u00f6kologisch am weitesten entwickelte Land mit den geringsten                 Schadstoffemissionen! <\/p>\n<p>Das liegt daran, dass als Grundlage von Kyoto das Schadstoffniveau                 aus dem Jahr 1990 ausgew\u00e4hlt wurde. <\/p>\n<p>1990 war aber gerade die Wirtschaft der UdSSR zusammengebrochen,                 viele Industrien produzierten gar nicht mehr und der Schadstoffaussto\u00df                 lag um 40 % unter dem weltweiten Durchschnittsniveau. <\/p>\n<p>Durch diesen historischen &#8222;Gl\u00fccksfall&#8220; besitzt Russland, das                 Kyoto 2004 unterzeichnete, einen riesigen \u00dcberschuss an Emissionsberechtigungen,                 das es zum Verkauf anbieten kann, wenn der weltweite Markt 2008                 er\u00f6ffnet wird. <\/p>\n<p>Unter KritikerInnen wird dieser Russland-\u00dcberschuss ziemlich                 treffend &#8222;hei\u00dfe Luft&#8220; genannt, denn das gesamte Emissionshandelsystem                 ist so haneb\u00fcchen, dass tats\u00e4chlich ein Industriesystem wie dasjenige                 Russlands, das noch niemals durch besondere \u00f6kologische Ma\u00dfnahmen                 aufgefallen ist (ganz im Gegenteil!), nun pl\u00f6tzlich am \u00f6kologisch                 besten dasteht. Russland bietet zudem ausl\u00e4ndischen Konzernen                 massenhaft Beteiligungen an Aufforstungsprojekten an, durch die                 sie Projekt-Gutschriften erwerben k\u00f6nnen. <\/p>\n<p>&#8222;Es \u00fcberrascht nicht, dass Russland angesichts seiner M\u00f6glichkeiten,                 vom Emissionshandel zu profitieren, begeistert ist. Nach Einsch\u00e4tzung                 der Weltbank k\u00f6nnten diese Profite 11 Mrd. US-Dollar betragen.&#8220;<\/p>\n<p>Putin als \u00d6ko-Kaiser und die russische Mafia als Gewinner angeblich                 \u00f6kologischer internationaler Klimapolitik. Absurder geht&#8217;s nimmer!                  ((10))<\/p>\n<p>Der Emissionshandel geh\u00f6rt international abgeschafft, und zwar                 sofort. Ohne Emissionshandel gibt es weltweit nicht mehr, eher                 weniger Verschmutzung durch Treibhausgase. <\/p>\n<p>Internationale Klimapolitik ist ohne revolution\u00e4re Gesellschaftsver\u00e4nderung                 nicht zu machen. <\/p>\n<p>Wer da auf die Kr\u00e4fte des kapitalistischen Marktes vertraut,                 ist schon verraten und verkauft.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Es ist selten, dass ein Politiker so unverbl\u00fcmt die Wahrheit \u00fcber staatlich-kapitalistische Klimapolitik ausspricht. Die kapitalistischen Industriestaaten und die Grundlagen der kapitalistischen Marktwirtschaft sind wachstumsorientiert. Damit ist eine wirksame Klimapolitik von staatlicher oder unternehmerischer Seite von vorneherein ausgeschlossen. 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