{"id":8543,"date":"2008-01-01T00:00:02","date_gmt":"2007-12-31T22:00:02","guid":{"rendered":"http:\/\/test.graswurzel.net\/gwr\/?p=8543"},"modified":"2022-07-26T14:14:49","modified_gmt":"2022-07-26T12:14:49","slug":"leute-bleibt-heiter-der-hauserkampf-geht-weiter","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/2008\/01\/leute-bleibt-heiter-der-hauserkampf-geht-weiter\/","title":{"rendered":"&#8222;Leute bleibt heiter, der H\u00e4userkampf geht weiter&#8220;"},"content":{"rendered":"<p>In M\u00fcnster studieren mehr als 50.000 Menschen an Uni und Fachhochschule.                 Vor allem im studentischen Milieu entwickelte sich eine vielf\u00e4ltige                 und bisweilen widerst\u00e4ndige Subkultur, die im Kontrast steht zur                 Tristesse der katholischen, traditionell CDU-dominierten &#8222;Westfalenmetropole&#8220;.               <\/p>\n<p>Wie in vielen Universit\u00e4tsst\u00e4dten kam es auch hier ab Anfang                 der 1970er Jahre zu zahlreichen Hausbesetzungen. <\/p>\n<p>Die Aktionen richteten sich gegen die Innenstadtumstrukturierungen,                 gegen steigende Mietpreise und spekulativen Leerstand. Sie waren                 immer auch Ausdruck eines politischen Konzepts, welches sich gegen                 den Kapitalismus richtete. Das kollektivistisch organisierte Leben                 in den besetzten H\u00e4usern galt als Gegenmodell zu der als entfremdet                 wahrgenommenen Lebensweise im kapitalistischen System. <\/p>\n<h3>35 Jahre H\u00e4userkampf in M\u00fcnster &#8211; eine unvollst\u00e4ndige Chronologie               <\/h3>\n<h3>Grevener Stra\u00dfe 31<\/h3>\n<p>Am 15. November 1972 wurde das bis dahin seit einem Jahr leer                 stehende Haus in der Grevener Stra\u00dfe 31 von Studierenden besetzt.                 Ein Hintergrund dieser Besetzung war die katastrophale Wohnsituation                 in M\u00fcnster. 25% der Erstsemester standen Ende Oktober 1972 auf                 der Stra\u00dfe, 2000 Studierende waren ohne Bleibe und \u00fcbernachteten                 zum Teil in Zelten.<\/p>\n<p>Am 18. November 1972 schloss der Allgemeine Studierenden Ausschuss                 (AStA) der Uni mit der Stadt M\u00fcnster einen Vertrag \u00fcber die weitere                 Nutzung der Grevener Stra\u00dfe 31 durch die BesetzerInnen. Seitdem                 ist das Projekt ein Symbol f\u00fcr erfolgreichen, gewaltfreien Widerstand                 gegen Abrissbagger und gegen Wohnraumpolitik als Ware. Ein kleiner                 Dorn im Fleisch des Kapitalismus. <\/p>\n<h3>Frauenstra\u00dfe 24<\/h3>\n<p>Die erfolgreiche Besetzung der Grevener Stra\u00dfe 31 wirkte sich                 positiv auf die \u00fcberwiegend studentische HausbesetzerInnenszene                 in M\u00fcnster aus.<\/p>\n<p>Wenige Wochen sp\u00e4ter wurde das abrissbedrohte Haus in der Frauenstra\u00dfe                 24 besetzt. Zuvor hatte ein Makler das Geb\u00e4ude &#8222;systematisch verkommen                 lassen&#8220; und eine Abbruchgenehmigung erreicht, &#8222;die das Grundst\u00fcck                 zum profittr\u00e4chtigen Spekulationsobjekt machte&#8220;, so die HerausgeberInnen                 der <i>Schlimmer wohnen in<\/i> <i>M\u00fcnster<\/i> &#8211; &#8222;Brosch\u00fcre gegen                 Umstrukturierung und Wohnungsnot&#8220;. Durch eine der l\u00e4ngsten Hausbesetzungen                 in der Geschichte der Bundesrepublik, konnte der Abriss verhindert                 werden. Die bis heute existierende selbstverwaltete Kneipe im                 Erdgeschoss des Wohnhauses Frauenstra\u00dfe 24 wurde von den BesetzerInnen                 als Treffpunkt und zur Finanzierung von Aktionen und Gerichtsprozessen                 betrieben.<\/p>\n<p>Nach gescheiterten R\u00e4umungsversuchen und einem versuchten Brandanschlag                 auf das Geb\u00e4ude wurde die &#8222;f24&#8220; erst 1981 legalisiert. &#8222;das haus                 wurde vorm abriss gerettet und die kneipe blieb und ist nun seit                 \u00fcber zwei jahrzehnten in tr\u00e4gerschaft des gleichnamigen vereins.                 dies bedeutet konkret: wir arbeiten nicht-kommerziell, eventuelle                 gewinne kommen der kulturarbeit zugute. und: alle wichtigen entscheidungen                 werden nicht von einem allein, sondern im verein gef\u00e4llt und umgesetzt&#8220;,                 so die f24 im April 2007.<\/p>\n<h3>Seert\u00fcrnerstra\u00dfe<\/h3>\n<p>In M\u00fcnster gr\u00fcndete sich die &#8222;Wohnraumrettungsinitiative&#8220; (WRI),                 die sich intensiv mit dem Schwerpunktthema Wohnungsnot besch\u00e4ftigte.               <\/p>\n<p>Die Besetzung am 26. Januar 1980 war entsprechend gut organisiert:                 700 Menschen besetzten mehrere H\u00e4user in der Seert\u00fcrnerstra\u00dfe.               <\/p>\n<h3>Marienthalstra\u00dfe 8<\/h3>\n<p>Am 13. Oktober 1980 wurde das gut erhaltene Haus Marienthalstra\u00dfe                 8 besetzt, welches vier Monate sp\u00e4ter, am 17. Februar 1981, durch                 ein gro\u00dfes Polizeiaufgebot ger\u00e4umt wurde.<\/p>\n<h3>Steinfurter Stra\u00dfe <\/h3>\n<p>Im Dezember 1981 besetzten wohnungssuchende StudentInnen das                 ehemalige Coca-Cola Geb\u00e4ude an der Steinfurter Stra\u00dfe. Sie forderten                 die Umwandlung des nicht mehr genutzten Verwaltungsgeb\u00e4udes in                 ein Studentenwohnheim, um die katastrophale Wohnungsnot zu lindern.<\/p>\n<p>In den folgenden Jahren kam es nur noch vereinzelt zu kurzen,                 oft eher symbolischen Besetzungen. <\/p>\n<p>1989 gr\u00fcndete sich das &#8222;B\u00fcndnis gegen Wohnungsnot und Umstrukturierung&#8220;.                 Die Mitglieder dieses B\u00fcndnisses organisierten fortan zahlreiche                 Aktionen gegen Wohnungsnot.<\/p>\n<p>Zur Unterst\u00fctzung marokkanischer Studenten wurde ab August 1990                 eine Notunterkunft in der Steinfurter Stra\u00dfe besetzt.<\/p>\n<p>&#8222;Die StudentInnenschaft hatte seit Februar 1990 einen rechten                 AStA und dieser versuchte gemeinsam mit der Uni-Verwaltung die                 Marokkaner aus der Notunterkunft zu vertreiben.<\/p>\n<p>Wider Willen mu\u00dften die BesetzerInnen monatelang stellvertretend                 die Notunterkunft besetzen&#8220;, so die autonome H\u00e4usergruppe. Die                 BesetzerInnen konnten schlie\u00dflich die Errichtung einer Notunterkunft                 an der Grevener Stra\u00dfe erreichen.<\/p>\n<p>Von September 1990 bis Herbst 1991 erschienen mit dem Untertitel                 &#8222;H\u00e4userzeitung M\u00fcnster&#8220; vier Ausgaben der <i>na warte!<\/i> Dieses                 libert\u00e4re Blatt wurde konzipiert als lokales Sprachrohr f\u00fcr alle,                 die &#8222;gegen Umstrukturierung, Spekulanten und Vermieter, f\u00fcr preiswerten                 selbstbestimmten Wohnraum und f\u00fcr besetzte H\u00e4user k\u00e4mpfen (wollen).&#8220;                 Der Titel ist eine Persiflage auf das kommerzielle M\u00fcnsteraner                 Anzeigenblatt <i>na dann&#8230;<\/i><\/p>\n<h3>Engelstra\u00dfe <\/h3>\n<p>Nach intensiver Vorbereitung wurde am 19. Oktober 1990 die Engelstra\u00dfe                 59 von AktivistInnen der libert\u00e4ren Szene besetzt. Durch die Beteiligung                 vieler Menschen konnte eine R\u00e4umung zun\u00e4chst verhindert werden.                 Die InstandbesetzerInnen erhielten Unterst\u00fctzung aus der Bev\u00f6lkerung                 und organisierten ihren kollektiven Alltag in dem gut erhaltenen                 Haus, ohne Heizung, Strom und flie\u00dfend Wasser. <\/p>\n<p>Nachdem das bundesweite BesetzerInnenzentrum in der Mainzer Stra\u00dfe                 in Ost-Berlin ger\u00e4umt worden war, kam es auch in M\u00fcnster zu Protestaktionen.<\/p>\n<p>Einige Wochen sp\u00e4ter, am 4. Dezember 1990, r\u00e4umten zwei Hundertschaften                 der Polizei und ein Mobiles Einsatzkommando (MEK) der Dortmunder                 Polizei unter Einsatz von Blendschockgranaten das Geb\u00e4ude. Die                 vier im Haus verbliebenen BesetzerInnen, &#8222;bewaffnet&#8220; mit bunten                 Wasserpistolen und &#8222;vermummt&#8220; mit roten Pappnasen, wurden festgenommen,                 erkennungsdienstlich misshandelt und verh\u00f6rt. Gegen die 50 AktivistInnen,                 die w\u00e4hrenddessen in der Engelstra\u00dfe gegen R\u00e4umung und Abriss                 des Geb\u00e4udes demonstrierten, ging die Polizei mit Gummikn\u00fcppeln                 vor.<\/p>\n<\/p>\n<h3>Breul\/Tibusstra\u00dfe<\/h3>\n<p>Die H\u00e4user Breul 32 bis 38 und Tibusstra\u00dfe 30a, b und c wurden                 1880 als Unterkunft f\u00fcr Kanalarbeiter gebaut. Diese \u00e4lteste ArbeiterInnensiedlung                 innerhalb der M\u00fcnsteraner Altstadt entwickelte sich ab 1989 zu                 einem Zentrum alternativen Lebens. <\/p>\n<p>Die Wohnbau GmbH hatte die H\u00e4user \u00fcbernommen. Ihr Chef, der CDU-Ratspolitiker                 Tono Dre\u00dfen, wollte die Geb\u00e4ude abrei\u00dfen lassen um dort lukrative                 Eigentumswohnungen zu bauen. Wohnbau-Verwalter Wilhelm Wobbe bezeichnete                 sich selbst \u00f6ffentlich als &#8222;Entmieter&#8220;. Seine Aktionen wurden                 von den BewohnerInnen als Psychoterror empfunden.<\/p>\n<p>Schlie\u00dflich musste er seinen Posten r\u00e4umen, nachdem das M\u00fcnsteraner                 <i>Stadtblatt<\/i> 1992 berichtet hatte, dass er vor den Augen                 von Bewohnern auf den Dachboden des Breul 34 gepinkelt hatte,                 um &#8222;die Substanz zu testen&#8220; (Wobbe). <\/p>\n<p>Die 57 Bewohnerinnen und Bewohner gr\u00fcndeten den bis heute aktiven                 <i>Verein zur Erhaltung preiswerten Wohnraums<\/i> (VzEpW). Schlie\u00dflich                 konnten sie den Abriss verhindern und bis 1998 ihre H\u00e4user sanieren.               <\/p>\n<p>&#8222;Zehn Jahre lang war unser Wohnprojekt abrissbedroht, die meisten                 Bewohnerinnen und Bewohner hatten &#8211; wenn \u00fcberhaupt &#8211; nur Pseudountermietvertr\u00e4ge,                 in denen uns gedroht wurde, dass die H\u00e4user abgerissen werden                 und wir innerhalb von drei Monaten wieder ausziehen m\u00fcssten. Wir                 haben uns erfolgreich gegen die Abrisspl\u00e4ne gewehrt, haben Stra\u00dfenfeste,                 Benefiz-Konzerte, Demos, direkte gewaltfreie Aktionen organisiert                 und unsere R\u00e4umungsprozesse gewonnen. Aus einer \u201aZwangsgemeinschaft&#8216;,                 die sich bilden musste, um sich gegen die Spekulanten zu stemmen,                 aus unterschiedlichsten Leuten ist eine Gemeinschaft von Freundinnen                 und Freunden gewachsen. Fr\u00fcher wurden wir von der Lokalpresse                 angegriffen als \u201aM\u00fcnsters Hafenstra\u00dfe&#8216;: \u201aDieser Schandfleck muss                 beseitigt werden.&#8216; Nach der Sanierung hat unser <i>Verein zur                 Erhaltung preiswerten Wohnraums<\/i> Preise f\u00fcr \u00f6kologisches und                 selbstverwaltetes Bauen bekommen. Von \u201aM\u00fcnsters Hafenstra\u00dfe&#8216; zum                 Vorzeigeprojekt des Landes NRW. Wir produzieren unseren eigenen                 Strom&#8220;, so ein Breul-Bewohner in dem 2006 im Berliner <i>Karin                 Kramer Verlag<\/i> erschienenen Buch &#8222;ja! Anarchismus &#8211; Gelebte                 Utopie im 21. Jahrhundert&#8220;. <\/p>\n<h3>Schulstra\u00dfe<\/h3>\n<p>In der Silvesternacht 1999\/2000 zogen zig Menschen unbemerkt                 in das ehemalige Uppenbergschulgeb\u00e4ude in der Schulstra\u00dfe ein.                 An der Au\u00dfenwand des Geb\u00e4udes wurde ein gro\u00dfes Transparent mit                 der Aufschrift &#8222;Besetzt!&#8220; platziert. <\/p>\n<p>Ein Ziel dieser Besetzung war die Schaffung eines Raumes, &#8222;in                 dem sich Menschen fernab des Konsum- und Verwertungswahns treffen                 und ihre Tr\u00e4ume und Utopien leben k\u00f6nnen&#8220;.<\/p>\n<p>Anfang 1999 hatte sich eine Initiative f\u00fcr ein <i>Libert\u00e4r Unabh\u00e4ngiges                 Zentrum<\/i> (LUZI) gebildet, die sich \u00fcber mehrere Monate traf,                 Ideen sammelte und konkretisierte. Gegen Jahresende waren einige                 Leute auf die leerstehende, ehemalige Uppenbergschule aufmerksam                 geworden. <\/p>\n<p>&#8222;Das sch\u00f6ne, 128 Jahre alte Geb\u00e4ude sollte nach den Pl\u00e4nen der                 Stadt und im Einverst\u00e4ndnis aller Ratsfraktionen abgerissen werden                 und einem Parkhaus oder einem modernen Luxuswohnkomplex weichen&#8220;,                 so eine Besetzerin in der <i>Graswurzelrevolution <\/i>Nr. 247.<\/p>\n<p>Nach einer Woche Leben in akuter R\u00e4umungsgefahr teilte die Stadtverwaltung                 den InstandbesetzerInnen mit, dass sie bis zur Ratssitzung am                 9. Februar geduldet seien und garantierten ihnen Straffreiheit.               <\/p>\n<p>Am 9. Februar 2000 beschloss der Rat der Stadt M\u00fcnster einen                 &#8222;z\u00fcgigen R\u00fcckbau&#8220; des Geb\u00e4udes. <\/p>\n<p>Am 10. Februar 2000, um 6 Uhr morgens, wurden die BesetzerInnen                 von mehr als 200 PolizistInnen ger\u00e4umt. 100 BesetzerInnen legten                 nach der R\u00e4umung spontan f\u00fcr eine Stunde den Berufsverkehr lahm                 und demonstrierten lautstark gegen die R\u00e4umung und den sofort                 vollzogenen Abriss. <\/p>\n<p>Eine Besetzerin: &#8222;Auch wenn das Geb\u00e4ude zerst\u00f6rt werden konnte,                 so werden doch die Utopien, die darin verwirklicht wurden, weiter                 leben. Weiter leben werden viele Kontakte und Freundschaften,                 die in der Uppenbergschule aufgebaut wurden. Weiter leben wird                 auch die Erinnerung an ein Zentrum, in dem sechs Wochen lang ein                 kulturelles und politisches Programm auf die Beine gestellt wurde.                 Es wurde zusammen diskutiert, gelacht, geweint, gefeiert und getanzt                 und erfahren, wie wichtig selbstbestimmte R\u00e4ume sind.&#8220;<\/p>\n<p>Um die Gem\u00fcter der BesetzerInnenszene zu beruhigen, vermietete                 die Stadt ein kleines Ladenlokal in der Grevener Stra\u00dfe an die                 BesetzerInnen. Bis heute wird das heute akut von R\u00e4umung bedrohte                 <i>Versetzt<\/i> als libert\u00e4rer Treffpunkt genutzt. <\/p>\n<p>Der Kampf f\u00fcr ein Soziales Zentrum in M\u00fcnster war damit aber                 keineswegs beendet. <\/p>\n<h3>Robert-Koch-Stra\u00dfe<\/h3>\n<p>Am 13. April 2001 wurde ein seit 1999 leerstehendes Geb\u00e4ude in                 der Robert-Koch-Stra\u00dfe besetzt. In der Presseerkl\u00e4rung der BesetzerInnen                 hei\u00dft es:<\/p>\n<p>&#8222;Seit dem heutigen Karfreitag existiert in M\u00fcnster ein neues                 soziales und kulturelles Zentrum! Das ehemalige Gesundheitsamt                 in der Robert-Koch-Stra\u00dfe wird hiermit nach mehrmonatigem Leerstand                 endlich wieder genutzt. Wie schon in der Uppenbergschule haben                 wir nun erneut einen Freiraum geschaffen, um unsere Idee von einem                 selbstverwalteten und nicht-kommerziellen Zentrum weiterzuentwickeln.                 Linkspolitische Gruppen, Infol\u00e4den, Therapiegruppen, Frauen\/Lesben-Initiativen,                 alternative MusikerInnen, Volxk\u00fcche sowie preiswerter Caf\u00e9-\/Kneipenbetrieb                 &#8211; all das wird schon zu lange von profitorientierten Entscheidungstr\u00e4gern                 in Rat &#038; Verwaltung an den Rand gedr\u00e4ngt. Diese Klientelpolitik                 setzt mit prestigetr\u00e4chtigen Millionenprojekten wie der Musikhalle                 (oder York-Center, Hafenmodernisierung, Cineplex etc.) auf die                 Kommerzialisierung von Kultur und ungebremsten Konsum, statt gewachsene                 Strukturen und alternative Initiativen zu f\u00f6rdern bzw. erhalten.&#8220;<\/p>\n<p>Am 19. April 2001 erzwangen 180 PolizistInnen im Auftrag der                 Stadtverwaltung das Ende dieses Projektes. <\/p>\n<p>Die BesetzerInnenszene beschr\u00e4nkte sich in den folgenden Jahren                 auf \u00f6ffentlichkeitswirksame Aktionen. <\/p>\n<p>F\u00fcr ein Soziales Zentrum geworben wurde fortan z.B. bei Informationsveranstaltungen                 des Infoladen Bankrott, im Umweltzentrum, bei den j\u00e4hrlich stattfindenden                 Festen der seit 1990 existierenden M\u00fcnsteraner Wagenburg, sowie                 bei den alternativen Stra\u00dfenfesten der abrissbedrohten Nieberdingstra\u00dfe,                 der Grevener Stra\u00dfe, der Frauenstra\u00dfe 24 und von Breul und Tibusstra\u00dfe.               <\/p>\n<p>Aufsehen erregen konnte die <i>Initiative f\u00fcr ein autonomes,                 selbstverwaltetes Kultur- und Kommunikationszentrum<\/i> (ask)                 als sie 2005 symbolisch eine Besetzung auf dem Aasee durchf\u00fchrte.               <\/p>\n<h3>Baracke, Scharnhorststr. 100<\/h3>\n<p>Die &#8222;B@racke&#8220; ist seit 1997 das offizielle Geb\u00e4ude der Fachschaften                 Politikwissenschaft, Soziologie und Wirtschaftspolitik an der                 Uni M\u00fcnster. 1999 \u00fcbernahm ein &#8222;B@rackennutzerInnenplenum&#8220; die                 Organisation und Verwaltung der B@racke. &#8222;Dieses Plenum war offen                 f\u00fcr alle &#8211; sowohl Gruppen wie der Infoladen Bankrott, die Konzertgruppen                 und die Fachschaften als auch Einzelpersonen sollten daran teilnehmen.                 Mit dem Barackenplenum wurde eine basisdemokratisch funktionierende                 Institution geschaffen, die einen in M\u00fcnster einzigartigen Freiraum                 erh\u00e4lt&#8220;, so die Selbstdarstellung auf <a href=\"http:\/\/www.baracke.de.ms\/\">http:\/\/www.baracke.de.ms\/<\/a><\/p>\n<p>2002 \u00e4nderte die Landesregierung Nordrhein-Westfalen die Gesetzgebung                 zur Raumvergabe der Universit\u00e4ten: Bisher geh\u00f6rten die der Uni                 zugestandenen R\u00e4ume dem Land, nun wurde der semiprivate Bau- und                 Liegenschaftsbetrieb (BLB) gegr\u00fcndet, der die R\u00e4ume an die Uni                 vermietet. Hintergrund ist die fortschreitende Privatisierung                 im Bildungsbereich: Die Hochschule sollte die M\u00f6glichkeit erhalten,                 billigere oder auch mehr R\u00e4ume anzumieten wie auch R\u00e4umlichkeiten                 abzusto\u00dfen. <\/p>\n<p>In den Semesterferien des Sommers 2002 sollten die Fachschaften                 das Geb\u00e4ude r\u00e4umen, da es gegen\u00fcber dem BLB gek\u00fcndigt werden sollte.                 Daraufhin besetzten 30 bis 40 Personen die B@racke drei Wochen                 lang. <\/p>\n<p>&#8222;Die Besetzung der B@racke ist f\u00fcr die Geschichte der Hausbesetzungen                 in M\u00fcnster relevant, weil sie erfolgreich war. W\u00e4hrend der Verhandlungen                 erkannte die Uni M\u00fcnster erstmals statt der Fachschaften das B@rackennutzerInnenplenum                 als Gespr\u00e4chspartner an&#8220;, so ein Besetzer. <\/p>\n<p>Unter Brandschutz-, L\u00e4rm- und Versicherungsauflagen akzeptierte                 die Universit\u00e4tsverwaltung die weitere kulturelle Nutzung der                 B@racke, da sie aus dem Mietvertrag mit dem BLB nicht zur\u00fccktreten                 konnte. <\/p>\n<p>Die B@racke ist bis heute ein kulturell und unkommerziell genutzter                 Ort an der Universit\u00e4t. <\/p>\n<h3>Grevener Stra\u00dfe 31-57<\/h3>\n<p>Im Dezember 2006 und Ende M\u00e4rz 2007 wurde das Haus Grevener Stra\u00dfe                 57 jeweils f\u00fcr mehrere Tage besetzt, um gegen den geplanten Abriss                 zu demonstrieren.<\/p>\n<p>Am 1. April 2007 wurde die Grevener Str. 59 besetzt. <\/p>\n<p>Die Besetzung richtete sich gegen die Pl\u00e4ne der Stadt, die H\u00e4user                 Grevener Stra\u00dfe 31 bis 59 abzurei\u00dfen und so preiswerten Wohnraum                 zu zerst\u00f6ren. <\/p>\n<p>Die BesetzerInnen forderten ein unabh\u00e4ngiges Gutachten \u00fcber den                 Zustand der Geb\u00e4ude. <\/p>\n<p>Mit der Besetzung sollte zudem der Forderung nach einem selbstverwalteten                 Sozialen Zentrum Nachdruck verliehen werden. <\/p>\n<p>Die Forderungen der BesetzerInnen wurden von der st\u00e4dtischen                 Wohn- und Stadtbau ignoriert. Stattdessen wurden Fakten geschaffen:                 Am 24. April wurde das besetzte Haus ger\u00e4umt und mit dem Abriss                 der H\u00e4user 57 und 59 begonnen. Gegen zehn Hausbesetzer wurde Strafanzeige                 gestellt.<\/p>\n<p>Nach dem Bebauungsplan soll die gesamte H\u00e4userzeile Grevener                 Stra\u00dfe 31 bis 59 abgerissen werden um dort lukrativere Geb\u00e4ude                 zu bauen. <\/p>\n<p>&#8222;Das Handeln der Wohn- und Stadtbau ist unsozial und steht im                 Kontrast zu ihrer in der Presse verk\u00fcndeten Gespr\u00e4chsbereitschaft,                 \u201aGeduld und Diplomatie&#8216;.<\/p>\n<p>Wir haben uns w\u00e4hrend der Besetzung von dem guten Zustand des                 Geb\u00e4udes in der Grevener Stra\u00dfe 59 \u00fcberzeugen k\u00f6nnen. Eine Bauf\u00e4lligkeit                 war nicht zu erkennen. <\/p>\n<p>Es ist ein Skandal, dass hier mutwillig von der Wohn- und Stadtbau                 gut erhaltener, g\u00fcnstiger Wohnraum zerst\u00f6rt wurde. <\/p>\n<p>Wir unterst\u00fctzen die Forderungen der ehemaligen BesetzerInnen                 und fordern die Wohn- und Stadtbau auf, die Strafanzeigen umgehend                 zur\u00fcckzuziehen. <\/p>\n<p>Von der Stadt M\u00fcnster fordern wir eine Bestandsgarantie f\u00fcr die                 noch immer abrissbedrohten H\u00e4user Grevener Stra\u00dfe 31 bis 55&#8243;,                 so ein offener Brief des Vereins zur Erhaltung preiswerten Wohnraums                 vom 6. Mai 2007. <\/p>\n<h3>Die aktuelle R\u00e4umungsdrohung gegen das alternative Wohnprojekt                 Grevener Stra\u00dfe 31<\/h3>\n<p>Am 6. Dezember 2007 demonstrierten FreundInnen und BewohnerInnen                 des selbstverwalteten Wohnprojekts Grevener Stra\u00dfe 31 vor und                 im Rathaus gegen den drohenden Abrissbeschluss durch den Stadtplanungsausschuss.               <\/p>\n<p>Am 1. Dezember 2007 hatte die Stadtverwaltung in einer Berichtsvorlage                 empfohlen, das Haus Grevener Stra\u00dfe 31 abzurei\u00dfen, weil die von                 dem Architekturb\u00fcro Knoche geplante Sanierung f\u00fcr 710.000 Euro                 nicht zu finanzieren sei. <\/p>\n<p>&#8222;Ich bef\u00fcrchte, dass unser selbstverwaltetes Wohnprojekt der                 konservativen Stadtregierung ein Dorn im Auge ist und die Summe                 von 710.000 Euro eine schon zuvor angestrebte Entscheidung in                 der \u00d6ffentlichkeit legitimieren soll&#8220;, so eine Bewohnerin.<\/p>\n<p>Um die Gefahr von Abriss oder Zwangs-Sanierung abzuwenden, hat                 die Hausgemeinschaft ein alternatives Instandsetzungskonzept erstellen                 lassen, welches zeigt, dass eine gemeinsam mit den BewohnerInnen                 geplante Sanierung f\u00fcr 370.000 Euro, also deutlich g\u00fcnstiger,                 m\u00f6glich ist. Zudem hat sie Interesse bekundet, das Haus selbst                 zu kaufen.<\/p>\n<p>&#8222;Das alternative Sanierungskonzept ist u.a. deswegen g\u00fcnstiger,                 weil es auf die Bed\u00fcrfnisse der BewohnerInnen abgestimmt ist und                 weil es nur notwendige Ma\u00dfnahmen umfasst. Weder wollen wir f\u00fcr                 teures Geld die sch\u00f6nen Holzfu\u00dfb\u00f6den mit Linoleum \u00fcberdecken lassen                 noch ben\u00f6tigen wir einen Briefkasten mit Gegensprechanlage oder                 neue Fensterb\u00e4nke. Fernseh- und Antennenanlagen, Baumf\u00e4llarbeiten                 und Anlegen von Gr\u00fcnfl\u00e4chen, aufw\u00e4ndige Fassadensanierung und                 Sperrm\u00fcllentsorgung sind Bestandteile des von der Stadt bezahlten                 Gutachtens.<\/p>\n<p>Daraus m\u00f6chten Verwaltung und CDU-FDP-Mehrheit nur einen Schluss                 ziehen: Zu teuer, unwirtschaftlich &#8211; also abrei\u00dfen!&#8220;<\/p>\n<p>Die Hausgemeinschaft will das sch\u00f6ne, stadtbildpr\u00e4gende Haus                 erhalten. Das Wohnprojekt soll selbstverwaltet bleiben und auch                 zuk\u00fcnftig preiswerten Wohnraum und die M\u00f6glichkeit zu alternativem                 Leben bieten. <\/p>\n<p>Im Falle des Hauskaufs soll ein Verein gegr\u00fcndet werden, um sicher                 zu stellen, dass das Haus nicht in das Privateigentum einiger,                 sondern in den gemeinsamen Besitz aller jeweiligen BewohnerInnen                 \u00fcbergeht. <\/p>\n<p>Die Vereinssatzung soll eine Selbstverpflichtung auf niedrige                 Mieten und soziale Kriterien enthalten. <\/p>\n<p>&#8222;Auch f\u00fcr die Stadt M\u00fcnster h\u00e4tte der Verkauf des Hauses an die                 Hausgemeinschaft Vorteile, denn offensichtlich w\u00fcrde er die Wirtschaftlichkeit                 gew\u00e4hrleisten. Allerdings m\u00fcsste die Stadt endlich Abstand nehmen                 von der Realisierung des \u00e4u\u00dferst umstrittenen Bebauungsplans aus                 den 1980er Jahren, der die Zerst\u00f6rung preiswerten Wohnraums f\u00fcr                 den Ausbau des Stra\u00dfenverkehrs vorsieht&#8220;, so die BewohnerInnen.<\/p>\n<p>Durch ihre \u00f6ffentlichkeitswirksamen Aktionen konnten sie erreichen,                 dass der Stadtplanungsausschuss seine Entscheidung \u00fcber das Geb\u00e4ude                 vertagte und zusagte, sich eingehend mit dem alternativen Instandsetzungskonzept                 und dem Kaufinteresse der Hausgemeinschaft auseinander zu setzen.<\/p>\n<p>&#8222;Unsere Hausgemeinschaft ist das Ergebnis von selbstbestimmten                 Wohnen. In regelm\u00e4\u00dfig stattfindenden Hausversammlungen werden                 gemeinschaftliche Aktionen, anstehende Reparaturen, Finanzen etc.                 diskutiert und Entscheidungen getroffen. \u00dcber das gemeinsame Interesse                 am Erhalt des Hauses von 19 sehr unterschiedlichen Pers\u00f6nlichkeiten                 hinaus haben sich etagen\u00fcbergreifend Freundschaften gebildet.                 Es ist ein Gemeinschaftsgef\u00fchl und gegenseitiges Interesse untereinander                 entstanden, das unserer Meinung nach Symbolcharakter hat&#8220;, so                 die BewohnerInnen.<\/p>\n<p>Das 1920 gebaute Haus in der Grevener Stra\u00dfe 31 ist seit \u00fcber                 35 Jahren ein Symbol f\u00fcr beharrlichen Widerstand gegen eine kapitalistische                 Wohnungspolitik, in der alternative Lebensformen unerw\u00fcnscht und                 H\u00e4user nur Waren sind. <\/p>\n<p>Im Jahr 2008 d\u00fcrfte sich entscheiden, ob die BewohnerInnen gemeinsam                 mit dem bundesweiten Mietsh\u00e4usersyndikat und zahlreichen Unterst\u00fctzerInnen                 das sch\u00f6ne, bunt bemalte &#8222;Drachen-Haus&#8220; retten k\u00f6nnen, oder ob                 es dem profit- und abrissgeilen Kl\u00fcngel aus CDU, FDP sowie <i>Wohn                 &#038; Stadtbau<\/i> gelingt, diesen Freiraum zu zerst\u00f6ren. <\/p>\n<p>Die aktuellen Auseinandersetzungen um die H\u00e4user in der Grevener                 Stra\u00dfe, in der 1972 der H\u00e4userkampf in M\u00fcnster seinen Anfang nahm,                 zeigen, dass die Geschichte des H\u00e4userkampfs auch in dieser Stadt                 noch lange nicht zu Ende ist. <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>In M\u00fcnster studieren mehr als 50.000 Menschen an Uni und Fachhochschule. 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