{"id":8649,"date":"2008-03-01T00:00:48","date_gmt":"2008-02-29T22:00:48","guid":{"rendered":"http:\/\/test.graswurzel.net\/gwr\/?p=8649"},"modified":"2022-07-26T13:05:59","modified_gmt":"2022-07-26T11:05:59","slug":"block-08","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/2008\/03\/block-08\/","title":{"rendered":"Block 08"},"content":{"rendered":"<p>R\u00fcckblende: Die Bilder von den fr\u00f6hlichen und bunten Menschenmassen, die durch die Getreidefelder rund um Heiligendamm zogen und sich dabei von der Polizei nicht aufhalten lie\u00dfen, gingen im Juni 2007 um die Welt. Der G8-Gipfel wurde von seiner Infrastruktur abgeschnitten. Etwa 12.000 Aktive drangen trotz eines der gr\u00f6\u00dften Polizeieins\u00e4tze in der Geschichte der Republik in die Verbotszone ein und blockierten 48 Stunden lang die Zufahrtsstra\u00dfen zum Tagungsort. Ein deutliches Zeichen: Die Legitimit\u00e4t des Gipfels wurde ganz praktisch in Frage gestellt. F\u00fcr die globalisierungskritische Bewegung und alle Beteiligten aus anderen Bewegungen war das ein gro\u00dfer Erfolg.<\/p>\n<p>Rainer Metzger kommentierte unter der \u00dcberschrift &#8222;Illegal, aber richtig &#8230;&#8220; in der taz: &#8222;Die Blockaden der Zufahrtswege zur Gipfelzone in Heiligendamm zeigen, wie Protest auch funktionieren kann. Es geht um den gro\u00dfen Unterschied zwischen zivilem Ungehorsam und Steinewerfen auf Massendemos.<\/p>\n<p>(\u2026) So wurde wieder \u00fcber Inhalte diskutiert und nicht \u00fcber Sicherheit. Wer Steine wirft, \u00fcberl\u00e4sst den Scharfmachern das Feld und zwingt die Protestseite in eine Diskussion, die sie nicht gewinnen kann. Bei einem solchen Gro\u00dfereignis geht es auch darum, die politische Gegenseite im Ringen um die Mehrheitsmeinung in der Gesellschaft in die Defensive zu bringen. Mit friedlichen Blockaden gelingt das den Gipfelkritikern eher.&#8220;<\/p>\n<p>Mal davon abgesehen, dass ich das Wort &#8222;friedlich&#8220; nicht ausstehen kann, weil es mir zu defensiv und brav klingt, hat Metzger Recht: Ziviler Ungehorsam hat sich in den Tagen von Heiligendamm als klar effektiver und politisch wirkungsm\u00e4chtiger gezeigt als alle Massenmilitanz-Rituale.<\/p>\n<p>Und das Besondere: Beteiligt an der Organisation der Blockaden durch die Kampagne &#8222;Block G8&#8220; waren ja nicht nur die \u00fcblichen AktivistInnen aus der gewaltfreien Bewegung, sondern auch autonome und postautonome Gruppen wie Avanti, Fels und die Antifaschistische Linke Berlin. Und die haben erstaunt feststellen k\u00f6nnen, dass die Konzepte der Gewaltfreien Aktion manchmal sogar &#8222;milit\u00e4risch&#8220; die besseren sind, wenn es beispielsweise darum geht, Polizeiketten ohne Eskalation zu \u00fcberwinden.<\/p>\n<p>Das noch im vorher ausgehandelten Aktionskonsens von &#8222;Block G8&#8220; als M\u00f6glichkeit aufgeschriebene &#8222;Dr\u00e4ngeln und Schubsen&#8220;, um eben auch Gruppen die Teilnahme zu erleichtern, die nicht aus einer gewaltfreien Aktionskultur kommen, fand praktisch nicht statt. Etwa 4.000 Menschen haben in den Wochen vor Heiligendamm an Trainings teilgenommen und dabei beispielsweise gelernt, wie die &#8222;5-Finger-Taktik&#8220; den Weg zum Aktionsort \u00f6ffnet oder wie mensch sich bei einer R\u00e4umung verhalten kann, um zu vermeiden, dass es knallt. Es kann also gut sein, dass &#8222;Block G8&#8220; aus einer ganzen Reihe &#8222;Postautonomer&#8220; nun zumindest &#8222;Pr\u00e4gewaltfreie&#8220; gemacht hat.<\/p>\n<p>Die Blockaden von Heiligendamm haben vielen Mut gemacht, auch in anderen politischen Auseinandersetzungen auf die Kraft des gemeinsamen Zivilen Ungehorsams zu setzen. Politische Vermittelbarkeit, Vermeidung von Eskalation und direktes Eingreifen in Missst\u00e4nde sind dabei wesentliche Kriterien. Nicht alle, die sich nach dem G8-Protest auf Zivilen Ungehorsam beziehen, sehen darin ein Konzept des Gewaltfreien Widerstandes. Dabei spielt aber auch viel Unwissen \u00fcber die Begr\u00fcndungszusammenh\u00e4nge und die historische Entwicklung des Begriffs eine Rolle. Die Vermittlung der Konzepte von Gewaltfreier Aktion und Zivilen Ungehorsams sind also in der n\u00e4chsten Zeit wichtige Aufgaben gewaltfreier Bewegung.<\/p>\n<p>Im diesem Jahr wird dazu viel Gelegenheit sein. Wenn die Mehrzahl der Aktionspl\u00e4ne, die in den letzten Wochen und Monaten f\u00fcr dieses Jahr entwickelt wurden, umgesetzt wird, so wird 2008 zu einem Jahr des massenhaften Zivilen Ungehorsams. Der Widerstands-Kalender ist voll und bietet f\u00fcr jede\/n etwas:<\/p>\n<p>Los geht es im benachbarten Ausland: Unter dem Motto &#8222;NATO-Game over &#8211; Gegen die milit\u00e4rische Globalisierung&#8220; (vgl. GWR 326) werden am 22. M\u00e4rz, f\u00fcnf Jahre nach dem Beginn des Irak-Krieges, AktivistInnen aus ganz Europa gewaltfrei in das NATO-Hauptquartier in Br\u00fcssel eindringen, um gegen weitere Kriegsverbrechen und milit\u00e4rische Besetzungen zu demonstrieren. Ein Vorbereitungs- und Aktionstraining findet vom 20. bis 21. M\u00e4rz statt. An den darauf folgenden zwei Tagen (23.-24. M\u00e4rz) organisieren Bombspotting und War Resisters&#8216; International (WRI) gemeinsam eine Konferenz, wie der andauernden milit\u00e4rischen Globalisierung mit Gewaltfreiem Widerstand begegnet werden kann.<strong> <\/strong>((1))<strong> <\/strong><\/p>\n<p>Die n\u00e4chste Station wird Mannheim sein. \u00dcberall in der Republik entsteht derzeit eine neue Anti-KKW-Bewegung, wobei das K\u00fcrzel f\u00fcr Kohlekraftwerke steht. Mehr als 20 dieser Klimakiller sollen gebaut werden, eines davon als Block 9 des Mannheimer Gro\u00dfkraftwerks.<\/p>\n<p>Um f\u00fcr die vielen Initiativen an den geplanten Neubauten eine Aktionsperspektive \u00fcber Demonstrationen hinaus zu entwickeln, veranstalten attac, \u00f6rtliche Initiativen gegen Kohlekraft und das Netzwerk ZUGABe (siehe Kasten) am 24. Mai einen Aktionstag, der auch direkte gewaltfreie Aktionen mit einschlie\u00dft. Eingerahmt wird dieser Tag von der attac-Aktionsakademie vom 21. bis 25. Mai in Heidelberg, bei der es u.a. um die Organisation von Gro\u00dfaktionen gehen soll.<\/p>\n<p>Die verschiedenen Arbeitsbereiche des neugegr\u00fcndeten Netzwerks ZUGABe stellen sich vor und laden zur Mitarbeit ein, auch \u00fcber die Aktion in Mannheim hinaus.<\/p>\n<p>Ende Mai, Anfang Juni wird mit der Wiederinbetriebnahme des AKW Kr\u00fcmmel bei Hamburg gerechnet. Der Reaktor steht seit einem Brand im Trafo und einer ziemlich missgl\u00fcckten Schnellabschaltung Ende Juni vergangenen Jahres still.<\/p>\n<p>Jetzt soll es wieder losgehen. Norddeutsche Anti-AKW-Initiativen planen unter dem Motto &#8222;Kr\u00fcmmel bleibt aus&#8220; eine Blockade des Kraftwerks. ((2))<\/p>\n<p>Die Kampagne &#8222;Gendreck weg&#8220; hat mit bisher drei \u00f6ffentlich angek\u00fcndigten &#8222;freiwilligen Feldbefreiungen&#8220; mit jeweils mehreren hundert AktivistInnen gegen den Anbau von gentechnisch ver\u00e4ndertem Mais agiert. In diesem Jahr sollen das gentechnikfreie Camp und die gro\u00dfe Feldbefreiungs-Aktion vom 27. bis 29. Juni bei W\u00fcrzburg stattfinden. Dort wird erstmals in Bayern in gr\u00f6\u00dferem Stil Genmais angebaut. ((3))<\/p>\n<p>Vom 5. bis 13. Juli ist bei Hanau das KlimaAktionsCamp.<\/p>\n<p>Nach britischem Vorbild hat sich ein breites Spektrum von Gruppen weit \u00fcber die \u00d6kologiebewegung hinaus zusammengetan, um unter der inhaltlichen Klammer des Klimathemas systemkritische Schlussfolgerungen zu ziehen. Geplant ist auch eine Gro\u00dfaktion Zivilen Ungehorsams, wahrscheinlich gegen die Erweiterungspl\u00e4ne am Kohlekraftwerk Staudinger.<\/p>\n<p>Weitere Aktionsziele im Rhein-Main-Raum bieten sich an: der Frankfurter Flughafen, die Autobahnen und Autoindustrie, Atomanlagen, B\u00f6rse und Banken etc. ((4))<\/p>\n<p>Das Aktionsb\u00fcndnis Rosa Heide ruft f\u00fcr den 18.-22. Juli 2008 zu einem<\/p>\n<p>Aktionscamp gegen das Bombodrom in der Kyritz-Ruppiner Heide auf. Eine weitere Aktion auf dem Gel\u00e4nde ist f\u00fcr den 11. August geplant. ((5))<\/p>\n<p>Die &#8222;Lebenslaute&#8220; ist eine offene bundesweite Aktionsgruppe von MusikerInnen, die seit 22 Jahren mit Zivilem Ungehorsam gegen Milit\u00e4r, Atomkraft, Rassismus und Gentechnik agiert. In diesem Jahr wird es eine Aktion im Rahmen des antirassistischen Camps in Hamburg geben, evtl. aber auch in L\u00fcbeck, wo in einer Kaserne der Bundespolizei Lehrg\u00e4nge zur Abschottung der EU-Au\u00dfengrenzen angeboten werden. Noch steht der Termin nicht hundertprozentig fest, derzeitiger Planungsstand ist der 22. bis 24. August. ((6))<\/p>\n<p>F\u00fcr den 23. August bis 1. September ist ein Aktionscamp am deutschen Fliegerhorst B\u00fcchel in der Eifel angek\u00fcndigt.<\/p>\n<p>H\u00f6hepunkt ist am 30. August eine gewaltfreie Aktion des Zivilen Ungehorsams unter dem Motto &#8222;bye-bye nuclear bombs&#8220;.<\/p>\n<p>Die Kampagne der Gewaltfreien Aktion Atomwaffen abschaffen (GAAA) verfolgt das Ziel der Beendigung der deutschen nuklearen Teilhabe innerhalb der NATO hin zu einer atomwaffenfreien Bundesrepublik und Welt. ((7))<\/p>\n<p>Bleibt in diesem Aktionskalender des massenhaften Zivilen Ungehorsams noch der November. Dann steht der n\u00e4chste Castor-Transport nach Gorleben an, und &#8222;X-tausendmal quer&#8220; bereitet eine gro\u00dfe Blockadeaktion vor. ((8))<\/p>\n<p>Wie viele Menschen ins Wendland kommen, h\u00e4ngt stark davon ab, wie die zahlreichen Aktionen im Sommer verlaufen.<\/p>\n<p>Entweder es sind viele Aktive v\u00f6llig ausgepowert, oder sie haben Kraft und Energie und neue MitstreiterInnen gewonnen.<\/p>\n<p>Dann kann Gorleben zum kr\u00f6nenden Abschluss dieses Ungehorsams-Jahres werden. Ich bin gespannt darauf\u2026<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>R\u00fcckblende: Die Bilder von den fr\u00f6hlichen und bunten Menschenmassen, die durch die Getreidefelder rund um Heiligendamm zogen und sich dabei von der Polizei nicht aufhalten lie\u00dfen, gingen im Juni 2007 um die Welt. Der G8-Gipfel wurde von seiner Infrastruktur abgeschnitten. 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