{"id":8875,"date":"2008-09-01T00:00:26","date_gmt":"2008-08-31T22:00:26","guid":{"rendered":"http:\/\/test.graswurzel.net\/gwr\/?p=8875"},"modified":"2012-08-08T20:11:05","modified_gmt":"2012-08-08T18:11:05","slug":"im-krieg-gibt-es-fast-keine-gewinner","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/2008\/09\/im-krieg-gibt-es-fast-keine-gewinner\/","title":{"rendered":"Im Krieg gibt es (fast) keine Gewinner"},"content":{"rendered":"<p>Liebe Leserinnen und Leser,<\/p>\n<p>der provokant-ironische Titel des GWR 331-Leitartikels sorgt hoffentlich f\u00fcr Irritationen und Aufruhr auch an den Bahnhofskiosken. &#8222;Georgien siegt &#8211; \u00fcberraschend&#8220;, das ist eine gelungene Persiflage auf die Kriegberichterstattung in der Mainstreampresse. Dass es in einem Krieg, abgesehen von den Herrschenden und der (R\u00fcstungs-)Industrie, nur VerliererInnen gibt, sollte eigentlich allen klar sein. Ist es aber nicht. Das zumindest zeigt die Kriegsberichterstattung in vielen Medien. Christian Axnick demaskiert mit seinem Text die NATO-Propaganda insbesondere der taz. Seine Schlussfolgerung, dass Georgien gesiegt habe, ist eine pointierte \u00dcberspitzung als Gegenpol zur herrschenden Meinung.<\/p>\n<p>Der Kriegsjournalismus, wie er z.B. von der taz und dem US-Nachrichtenmagazin TIME betrieben wird, verkauft dagegen Kriege als L\u00f6sung von Problemen. Er teilt die Welt in b\u00f6se (Russen) und gute (Georgier) Kriegsparteien ein. Er entlarvt die Unwahrheiten der GegnerInnen bzw. der Anderen, fokussiert Leiden einseitig, benennt nur gegnerisches Unrecht, ist elite- und siegorientiert.<\/p>\n<p>Mit der eindimensionalen Sichtweise vieler Linker, die sich bedingungslos entweder hinter die russische oder hinter die NATO-Kriegspolitik stellen, besch\u00e4ftigt sich der nebenstehende Kommentar.<\/p>\n<p>Wir orientieren uns an den Graswurzelbewegungen weltweit und lassen deshalb auch AntimilitaristInnen aus Georgien und Russland zu Wort kommen (siehe Seite 7).<\/p>\n<p>Ein anderer Schwerpunkt dieser Ausgabe ist die Lage im Nahen Osten, wobei wir auch die Situation gewaltfreier und anarchistischer Bewegungen in Israel, in Jordanien, im Libanon, im Irak und im Iran vorstellen.<\/p>\n<p>In dieser GWR findet Ihr u.a. eine neue Ausgabe der gewaltfrei-anarchistischen Jugendzeitung Utopia und einen weiteren Diskussionsbeitrag zum Thema &#8222;Bedingungsloses Grundeinkommen&#8220;. Henning Melber beschreibt den &#8222;Schacher um Simbabwe&#8220;, Sliding Stuhlfauth erinnert an den am 23. Mai verstorbenen Folks\u00e4nger und Anarchisten Utah Phillips und C\u00e9cile Lecompte berichtet \u00fcber St\u00f6rf\u00e4lle, Milit\u00e4rgeheimnisse und den Zivilen Ungehorsam im Atomland Frankreich.<\/p>\n<p><strong> Solidarit\u00e4t mit GWR-Autorin C\u00e9cile Lecomte!<\/strong><\/p>\n<p>C\u00e9cile wurde am 14. November 2007 zu 5 Euro Bu\u00dfgeld verurteilt, weil sie sich 2006 an einer Demo gegen den bevorstehenden Castortransport auf der Schiene im Wendland beteiligt hatte. Sie weigert sich dieses Bu\u00dfgeld zu zahlen. Gegen sie wurde am Amtsgericht Hannover Erzwingungshaft verh\u00e4ngt. Am 19. August sollte die 26-j\u00e4hrige Aktivistin die Haft in der Justizvollzugsanstalt Vechta antreten.<\/p>\n<p>Dies hat sie nicht getan. In einem offenen Brief an das Gericht erkl\u00e4rt sie ihre Beweggr\u00fcnde. &#8222;Gehorsam kann man nicht erzwingen&#8220;, so die L\u00fcneburgerin Graswurzelrevolution\u00e4rin. &#8222;Ich wei\u00df wof\u00fcr ich stehe. Ich halte den gewaltfreien Protest gegen eine menschenverachtende Technologie wie die Atomenergie f\u00fcr legitim und notwendig &#8211; auch wenn nicht legal.&#8220; C\u00e9cile ist bereits auf Grund von zahlreichen politischen (Kletter)Aktionen des zivilen Ungehorsams bekannt (die GWR berichtete) und sie nimmt dabei die Folgen bewusst in Kauf. Freilich nicht, ohne sich dagegen zu wehren: &#8222;Nicht bezahlen, nicht freiwillig kommen, das ist mein Weg, meine Handlung politisch zu verteidigen, dazu zu stehen.&#8220;<\/p>\n<p>Wann die Aktivistin verhaftet und nach Hildesheim gebracht wird, ist unklar. Ein Strafbefehl soll vermutlich in den kommenden Tagen erlassen werden.<\/p>\n<p>Neben Graswurzelrevolution und Utopia haben mehr als 30 Gruppen und Organisationen, so wie \u00fcber 90 Personen aus verschiedenen L\u00e4ndern sich mit dem Vorgehen der franz\u00f6sischen Aktivistin solidarisch erkl\u00e4rt, einige haben bereits Protestschreiben an das Gericht verschickt. Auf Grund der Unverh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfigkeit der Erzwingungshaft f\u00fcr 5 Euro Bu\u00dfgeld hat C\u00e9cile Verfassungsbeschwerde eingereicht. Mehr dazu in der n\u00e4chsten GWR.<\/p>\n<p><strong>Neue Uniarbeit besch\u00e4ftigt sich auch mit der Graswurzelrevolution<\/strong><\/p>\n<p>Mittlerweile gibt es etliche wissenschaftliche Arbeiten, die sich auch mit den Inhalten der Graswurzelrevolution besch\u00e4ftigen. Einige davon findet Ihr auf: <a href=\"\/331\/nilin.shtml\">www.graswurzel.net\/ueberuns<\/a><\/p>\n<p>Am Germanistischen Institut &#8211; Abteilung f\u00fcr Sprachwissenschaft der Uni M\u00fcnster hat Kerstin Wilhelms im Wintersemester 2007\/08 im Hauptseminar &#8222;Sprachkritik&#8220; eine mit 1,0 bewertete Hausarbeit zum Thema &#8222;Richtlinien zum geschlechtergerechten Sprachgebrauch &#8211; Ein Beitrag zum Sprachwandel oder reine Stil\u00fcbung?&#8220; vorgelegt. Darin wird auch die Graswurzelrevolution analysiert. Eine Kostprobe: &#8222;Die Z\u00fcrcher Wochenzeitung (WoZ) war die erste deutschsprachige Zeitung, die 1983 das Binnen-I einf\u00fchrte. Danach \u00fcbernahm es 1986 die taz. Heute muss schon etwas tiefer im Dschungel der Presselandschaft gew\u00fchlt werden, um eine Zeitung zu finden, die noch konsequent das Binnen-I, sowie Splitting und Neutralisierung verwendet. (&#8230;) Eine Zeitung, die versucht konsequent geschlechtergerecht zu formulieren, ist die Graswurzelrevolution, ein linkes Blatt, deren Redaktion in M\u00fcnster beheimatet ist. In den Ausgaben von Februar und M\u00e4rz 2008 tauchen durchschnittlich 6,7 Binnen-Is pro Seite auf. Hinzu kommen diverse Splittings und Neutralisierungen. Nach eigenen Angaben wurde bereits in den 80er Jahren, also kurz nach WoZ und taz, das gro\u00dfe I in der Graswurzelrevolution Standard. Ziel der geschlechtergerechten Schreibweise (&#8230;) sei es, Frauen sprachlich sichtbar zu machen, um eine Unterdr\u00fcckung durch patriarchalische Schreibweisen zu verhindern.&#8220; (S. 16)<\/p>\n<p>Die sehr lesenswerte, 24-seitige Uniarbeit haben wir f\u00fcr Euch dokumentiert unter:<br \/>\n<a href=\"\/ueberuns\/sprachgerechtigkeit.pdf\">www.graswurzel.net\/ueberuns\/sprachgerechtigkeit.pdf<\/a><\/p>\n<p>Viel Spa\u00df beim Lesen, Anarchie und Gl\u00fcck,<br \/>\n<strong> <\/strong><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Liebe Leserinnen und Leser, der provokant-ironische Titel des GWR 331-Leitartikels sorgt hoffentlich f\u00fcr Irritationen und Aufruhr auch an den Bahnhofskiosken. &#8222;Georgien siegt &#8211; \u00fcberraschend&#8220;, das ist eine gelungene Persiflage auf die Kriegberichterstattung in der Mainstreampresse. Dass es in einem Krieg, abgesehen von den Herrschenden und der (R\u00fcstungs-)Industrie, nur VerliererInnen gibt, sollte eigentlich allen klar sein. &hellip; <a href=\"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/2008\/09\/im-krieg-gibt-es-fast-keine-gewinner\/\">Weiterlesen<\/a><\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"slim_seo":{"title":"Im Krieg gibt es (fast) keine Gewinner - graswurzelrevolution","description":"Liebe Leserinnen und Leser, der provokant-ironische Titel des GWR 331-Leitartikels sorgt hoffentlich f\u00fcr Irritationen und Aufruhr auch an den Bahnhofskiosken. \""},"footnotes":""},"categories":[3,59],"tags":[],"class_list":["post-8875","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-331-september-2008","category-graswurzelrevolution"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/8875","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=8875"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/8875\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=8875"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=8875"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=8875"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}