{"id":8892,"date":"2008-09-01T00:00:14","date_gmt":"2008-08-31T22:00:14","guid":{"rendered":"http:\/\/test.graswurzel.net\/gwr\/?p=8892"},"modified":"2022-07-26T14:24:14","modified_gmt":"2022-07-26T12:24:14","slug":"der-neue-kaukasuskrieg","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/2008\/09\/der-neue-kaukasuskrieg\/","title":{"rendered":"Der neue Kaukasuskrieg"},"content":{"rendered":"<p><b>August 2008.<\/b> Es war der von US-Milit\u00e4rberatern umgebene                 georgische Staatschef, der durch einen milit\u00e4rischen \u00dcberfall                 auf S\u00fcdossetien den neuen Kaukasuskrieg begonnen hat. Saakashvili                 hat versucht, die nach Unabh\u00e4ngigkeit strebende Bev\u00f6lkerung S\u00fcdossetiens                 durch milit\u00e4rischen Terror zu vertreiben. Das ist offensichtlich,                 auch wenn das von NATO-nahen Medien (wie z.B. der taz) oft ausgeblendet                 wird. <\/p>\n<h3>Die &#8222;gr\u00fcn-alternativen&#8220; NATO-Fans<\/h3>\n<p>Wer die taz-Berichterstattung zum Kaukasus-Krieg im August 2008                 verfolgt hat, kann sich \u00fcber die dort betriebene Desinformationskampagne,                 die Hetze gegen den vermeintlich einzigen Aggressor Russland und                 die &#8222;Georgien muss in die NATO&#8220;-Rufe (taz, 18.8.08) nur \u00e4rgern.                 Die NATO als Friedensbringer? &#8222;Russlands \u00c4ngste vor der NATO sind                 unbegr\u00fcndet&#8220;, so taz-Redakteur Donath am 18. August. Vergessen                 sind all die Bomben, die die NATO-&#8222;Friedens&#8220;-Staffeln z.B. \u00fcber                 dem ehemaligen Jugoslawien, \u00fcber Afghanistan und dem Irak abgeworfen                 haben. Dass die taz sich als undifferenziertes Kriegspropagandablatt                 geb\u00e4rdet, weckt Erinnerungen an den Jugoslawienkrieg 1999. Schon                 im Vorfeld und w\u00e4hrend der NATO-Bombardements gegen die Menschen                 in Jugoslawien trat die taz damals vehement f\u00fcr diesen v\u00f6lkerrechtswidrigen                 Angriffskrieg ein. Bis auf zwei RedakteurInnen stand die gesamte                 Redaktion stramm hinter Joseph Fischer und dem von ihm und seiner                 gr\u00fcnen Partei &#8222;zur Verhinderung eines zweiten Ausschwitz&#8220; mitgef\u00fchrten                 Krieg. <\/p>\n<p>Wer sich an diesen kriegstreiberischen Journalismus der taz nicht                 erinnern kann, lese bitte die Studie des Duisburger Instituts                 f\u00fcr Sprach- und Sozialforschung: Margret J\u00e4ger \/ Siegfried J\u00e4ger                 (Hg.): Medien im Krieg. Der Anteil der Printmedien an der Erzeugung                 von Ohnmachts- und Zerrissenheitsgef\u00fchlen (ISBN 978-3927388796).<\/p>\n<p>Aber nicht nur das &#8222;gr\u00fcn-alternative&#8220; taz-Spektrum leidet an                 Realit\u00e4tsverlust:<\/p>\n<h3>Die marxistischen Russland-Fans<\/h3>\n<p>Mitte August besuchte eine Bundestagsabgeordnete der Linkspartei                 die GWR-Redaktion. Es kam zu einer kontroversen Diskussion u.a.                 \u00fcber den Kaukasus-Krieg, wobei sie Position f\u00fcr das &#8222;antiimperialistische&#8220;                 Russland einnahm, Putin lobte, den Untergang der Sowjetunion und                 die verbrecherische Politik der NATO beklagte. Mit dieser Position                 steht die ansonsten durchaus sympathische Politikerin nicht allein                 da. \u00c4hnliches wird von vielen Alt-MarxistInnen, sowie AutorInnen                 und LeserInnen der Tageszeitung &#8222;junge Welt&#8220; vertreten. <\/p>\n<p>Es ist ern\u00fcchternd, wie viele Linke diesen Hang zum eindimensionalen                 Denken haben. Putin, der z.B. f\u00fcr den immer noch andauernden V\u00f6lkermord                 in Tschetschenien mitverantwortlich ist, ein Friedensengel? <\/p>\n<p>Russland macht in Georgien im Prinzip nichts anderes als der                 imperiale Konkurrent NATO z.B. im Kosovo. Es betreibt Gro\u00dfmacht-                 und Kriegspolitik. Russlands milit\u00e4risches Eingreifen dient nur                 vordergr\u00fcndig den Menschen in S\u00fcdossetien. <\/p>\n<p>Menschen sind dem Staat und seinen F\u00fchrern naturgem\u00e4\u00df egal. Das                 hat Putin nicht zuletzt mit seinem Krieg gegen die nach Unabh\u00e4ngigkeit                 von Russland strebenden Menschen in Tschetschenien bewiesen. Putin                 und Medwedew streben nach &#8222;H\u00f6herem&#8220;, sie wollen &#8222;Ruhm und Ehre&#8220;                 f\u00fcr sich und ihren Staat. Russland r\u00fcstet auf, es soll wieder                 eine starke Nation sein, eine Supermacht wie einst die Sowjetunion.                 Es will seine Vorherrschaft im Kaukasus und in den ehemaligen                 &#8222;Bruderstaaten&#8220; absichern beziehungsweise zur\u00fcckerobern. <\/p>\n<p>F\u00fcr MarxistInnen, die dem untergegangenen Staatskapitalismus                 sowjetischer Pr\u00e4gung nachtrauern, die die kriegerische Politik                 Moskaus leugnen oder besch\u00f6nigen, waren DDR und Sowjetunion die                 Arbeiter- und Bauernparadiese, wie sie sonst nur noch in den Cartoons                 des Satiremagazins Titanic existieren. <\/p>\n<p>Dass die Ostblockstaaten repressive, militaristische Diktaturen                 waren, die die Menschenrechte mit F\u00fc\u00dfen getreten haben, ist f\u00fcr                 sie kein Thema. Die Niederschlagung des Prager Fr\u00fchlings 1968                 durch Truppen des Wahrschauer Pakts, der Krieg der Sowjetunion,                 durch den die Menschen in Afghanistan schon in den 1980er Jahren                 in die Steinzeit zur\u00fcckgebombt wurden,&#8230; all das war aus Sicht                 vieler DKP- und heutiger Linkspartei-Anh\u00e4ngerInnen nichts weiter                 als &#8222;antiimperialistischer Kampf&#8220; gegen den b\u00f6sen Satan USA. <\/p>\n<h3>Fazit<\/h3>\n<p>Jeder Krieg ist ein Verbrechen an der Menschheit, und wer Kriege                 f\u00fchrt, wie z.B. Bush, Schr\u00f6der, Putin und Saakashvili, wird zum                 Verbrecher gegen die Menschheit.<\/p>\n<p>Unsere Aufgabe ist es nicht, uns mit einer der Kriegsparteien                 gemein zu machen. Stattdessen m\u00fcssen wir global Verb\u00fcndete aus                 den sozialen Bewegungen suchen, die wir unterst\u00fctzen k\u00f6nnen. Dabei                 denke ich an Menschen, die sich der nationalistischen Kriegspropaganda                 und dem Militarismus widersetzen, KriegsdienstverweigererInnen,                 DeserteurInnen, PazifistInnen, FeministInnen, AnarchistInnen,&#8230;                 Und die gibt es \u00fcberall auf der Welt, auch wenn sie in den hiesigen                 Massenmedien kaum Geh\u00f6r finden. <\/p>\n<p>Unser Traum ist nicht &#8222;nationale Gr\u00f6\u00dfe&#8220;, sondern eine gewaltfreie,                 herrschaftslose Gesellschaft, eine grenzenlose Welt, ohne Staat,                 Krieg und Milit\u00e4r, eine Welt in der alle Menschen unter menschenw\u00fcrdigen                 Bedingungen leben k\u00f6nnen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>August 2008. Es war der von US-Milit\u00e4rberatern umgebene georgische Staatschef, der durch einen milit\u00e4rischen \u00dcberfall auf S\u00fcdossetien den neuen Kaukasuskrieg begonnen hat. 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