{"id":8939,"date":"2008-10-01T00:00:44","date_gmt":"2008-09-30T22:00:44","guid":{"rendered":"http:\/\/test.graswurzel.net\/gwr\/?p=8939"},"modified":"2022-07-26T14:24:13","modified_gmt":"2022-07-26T12:24:13","slug":"nato-raus-aus-afghanistan","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/2008\/10\/nato-raus-aus-afghanistan\/","title":{"rendered":"NATO raus aus Afghanistan!"},"content":{"rendered":"<p>Deutschland ist im Krieg und kaum eineR kriegt&#8217;s mit?<\/p>\n<p>Das w\u00e4re nicht verwunderlich angesichts der Berichterstattung \u00fcber den oft als humanit\u00e4re Br\u00fcckenbauinitiative verkl\u00e4rten Kriegseinsatz der jetzt auf 4.500 aufgestockten deutschen SoldatInnen in Afghanistan. Wenn es darum geht, die Menschen einzulullen, spielt die gr\u00fcn-nahe taz eine herausragende Rolle. Als vermeintlich <em>alternative<\/em> Tageszeitung wird sie von vielen tats\u00e4chlichen oder potentiellen BewegungsaktivistInnen gelesen.<\/p>\n<p>Und was wir da zu lesen bekommen, ist am Tag der bundesweiten Antikriegsdemo Volksverdummung.<\/p>\n<p>&#8222;Sind wir schon im Krieg?&#8220;, fragt Ulrike Winkelmann im Titel ihres Leitkommentars.<\/p>\n<p>Sie ist die Parlamentsredakteurin der taz, und der dauerhafte Besuch im Raumschiff Bundestag hat offensichtlich dazu gef\u00fchrt, dass sie einen beachtlichen Realit\u00e4tsverlust vorzuweisen hat.<\/p>\n<p>Ulrike Winkelmann trifft sich mit den Verantwortlichen im Reichstag. Sie setzt ihre Hoffnungen nicht auf soziale Bewegungen, auf antimilitaristische und feministische Initiativen von unten, wie mensch es fr\u00fcher zumindest von Redakteurinnen alternativer Zeitungen erwarten konnte.<\/p>\n<p>&#8222;Jetzt ruht die Hoffnung auf Sicherheit auf der afghanischen Armee&#8220;, so Frau Winkelmann, und im n\u00e4chsten Satz informiert sie uns, wer ihre wahren Hoffnungstr\u00e4ger sind. Nat\u00fcrlich diejenigen, die diese &#8211; \u00fcbrigens durch und durch korrupte &#8211; afghanische S\u00f6ldnertruppe finanzieren. &#8222;Sie wird \u00fcbrigens von den USA ausgebildet, ausger\u00fcstet und bezahlt&#8220;, so die f\u00fcr gew\u00f6hnlich gut unterrichtete Redakteurin.<\/p>\n<p>Wie beantwortet Frau Winkelmann nun ihre oben schon erw\u00e4hnte Frage?<\/p>\n<p>So: &#8222;Alles in allem verweist die Rede vom &#8218;Krieg&#8216; vor allem auf die eigene Unsicherheit, und sie f\u00fchrt weg von der eigentlichen Verantwortung der internationalen Gemeinschaft. Die Betonung auf &#8218;Krieg&#8216; verhindert, dass \u00fcber den Aufbau eines halbwegs sicheren, halbwegs funktionierenden Staates Afghanistan gesprochen wird. Dabei ist doch klar, dass es kein &#8218;Raus&#8216; geben kann, ohne dass das &#8218;Wie&#8216; beantwortet wird.&#8220;<\/p>\n<p>Och n\u00f6, Ihr b\u00f6sen Pazifisten, nun sagt doch bitte nicht, dass das Krieg ist, was die Bundeswehr und die anderen NATO-Friedenstruppen in Afghanistan machen. Die dauerbekifften, afghanischen Barbaren m\u00fcssen doch von unseren olivgr\u00fcnen Jungs erst mal richtig zu m\u00fcndigen Staatsb\u00fcrgern erzogen werden, damit sie auch so einen sch\u00f6nen, ordentlichen Staat aufbauen k\u00f6nnen wie wir.<\/p>\n<p>Frau Winkelmann erw\u00e4hnt nicht, dass allein im Jahr 2007 nach Angaben der Informationsstelle Militarisierung (IMI) mehr als 8000 AfghanInnen durch die NATO-Truppen und -Bomber get\u00f6tet wurden. Die bewaffneten Auseinandersetzungen, an denen die NATO-SoldatInnen beteiligt sind, stiegen von 1.755 im Jahr 2005 auf \u00fcber 6.000 im Jahr 2007 an. Laut Entwicklungsprogramm der Vereinten Nationen (UNDP) hat sich die Lage der afghanischen Bev\u00f6lkerung seit Beginn des NATO-Einsatzes weiter verschlechtert: 61% der AfghanInnen sind chronisch unterern\u00e4hrt, 68% verf\u00fcgen \u00fcber keinen Zugang zu Trinkwasser.<\/p>\n<p>Das d\u00fcrfte der taz-Redakteurin ziemlich egal sein. Als Elitejournalistin vertritt sie die neokoloniale Sichtweise der PolitikerInnen, mit denen sie bei ihrer t\u00e4glichen Arbeit als Hofberichterstatterin im Bundestag zu tun hat. Und die stehen &#8222;in Treue fest&#8220; hinter der imperialen Supermacht USA und dem sakrosankten NATO-Kriegsb\u00fcndnis.<\/p>\n<p>Wie viele Menschen bisher direkt durch BundeswehrsoldatInnen oder durch die geheim in Afghanistan agierende KSK-Eliteeinheit get\u00f6tet wurden, ist nicht bekannt. Die deutsche Armee gibt offiziell zu, im August 2008 einen Sch\u00e4fer get\u00f6tet zu haben, weil er Bundeswehrsoldaten angegriffen habe, die er f\u00fcr Viehdiebe hielt.<\/p>\n<p>Ebenfalls im August durchsiebten Bundeswehrsoldaten an einem Checkpoint ein Auto. Die Insassinnen, eine Frau und zwei Kinder, hatten keine \u00dcberlebenschance.<\/p>\n<p>Solche &#8222;fahrl\u00e4ssigen T\u00f6tungen&#8220; verdeutlichen den AfghanInnen, was vielen ohnehin schon bewusst sein d\u00fcrfte: Die Bundeswehr ist Teil einer Besatzungsmacht, die das Land vergewaltigt und versucht, es in die Moderne zu bomben.<\/p>\n<p>Weltweit gibt es viele Menschen, die sich nicht verdummen lassen. Eine Mehrheit auch der Bev\u00f6lkerung Deutschlands lehnt den Krieg in Afghanistan und die Verl\u00e4ngerung des Bundeswehrmandats ab.<\/p>\n<p>Nicht nur in Stuttgart und Berlin gab es am 20. September Aktionen und Demos gegen den Krieg. Tausende protestierten auch in Frankreich, Britannien, Griechenland, Italien, Belgien und beim Europ\u00e4ischen Sozialforum in Malm\u00f6.<\/p>\n<p>In Manchester forderten die DemonstrantInnen den R\u00fcckzug der Truppen aus Afghanistan und dem Irak. In einer Botschaft an Berlin und Stuttgart hie\u00df es: &#8222;&#8230; unterdessen wird uns erz\u00e4hlt, Afghanistan sei &#8211; im Gegensatz zum Irak &#8211; der gute Krieg. Die Fakten zeigen, dass das nicht stimmt: Hilfsorganisationen haben im August darauf hingewiesen, dass Gewalt so verbreitet ist wie seit 2001 nicht mehr. Die Zahl der zivilen Opfer nimmt mit jedem Bombenangriff zu. Es gibt keinen Wiederaufbau mehr. Mehr und mehr britische Soldaten sterben mit dem Anstieg des Widerstands. Es ist eine Schande, dass New Labour diesen Krieg immer noch unterst\u00fctzt.&#8220;<\/p>\n<p>Aus Belgien wurde in Berlin folgende Botschaft verlesen: &#8222;Es ist gut, dass in verschiedenen L\u00e4ndern der EU dieselben Demonstrationen stattfinden und dieselben Forderungen erhoben werden. In Belgien wird mehr und mehr Menschen bewusst, dass die Armee in Afghanistan keine humanit\u00e4re Hilfe leistet, sondern einen kriminellen Krieg f\u00fchrt und tausende von Zivilisten get\u00f6tet hat. (&#8230;) Nato raus aus Afghanistan!&#8220;<\/p>\n<p>Wer eine menschengerechte Welt will, muss soziale, antimilitaristische Bewegungen unterst\u00fctzen, anstatt sich gemein zu machen mit den Herrschenden. Der Krieg der NATO ist keine Entwicklungshilfe f\u00fcr Afghanistan. Er ist ein Verbrechen an der Menschheit.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Deutschland ist im Krieg und kaum eineR kriegt&#8217;s mit? 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