{"id":8986,"date":"2008-10-01T00:00:39","date_gmt":"2008-09-30T22:00:39","guid":{"rendered":"http:\/\/test.graswurzel.net\/gwr\/?p=8986"},"modified":"2022-07-26T14:24:13","modified_gmt":"2022-07-26T12:24:13","slug":"frauen-und-kriege-in-afrika","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/2008\/10\/frauen-und-kriege-in-afrika\/","title":{"rendered":"Frauen und Kriege in Afrika"},"content":{"rendered":"<p>Die Ethnologin Rita Sch\u00e4fer ist besonders bekannt durch ihr Buch &#8222;Im Schatten der Apartheid&#8220; (2005). Sie erforschte Genderverh\u00e4ltnisse in Sierra Leone, Simbabwe, Namibia und S\u00fcdafrika. Ihre neue sozialwissenschaftliche Studie thematisiert die soziokulturellen Hintergr\u00fcnde der antikolonialen Befreiungskriege im s\u00fcdlichen Afrika.<\/p>\n<p>Sie richtet au\u00dferdem ihren Focus auf die B\u00fcrgerkriege und die Nachkriegsentwicklungen in West-, Zentral- und Ostafrika sowie am Horn von Afrika.<\/p>\n<p>Welche psychosozialen und politischen Folgen haben die Rekrutierungen sowie die Teilhabe von Frauen und M\u00e4dchen an milit\u00e4rischen Interaktionen?<\/p>\n<p>&#8222;Gender&#8220; impliziert in Rita Sch\u00e4fers Studie so etwas wie &#8222;den Faktor&#8220; der radikaleren Ver\u00e4nderungen in den gesellschaftlich konstruierten Geschlechterverh\u00e4ltnissen und der Transformationen der bestehenden Geschlechterhierarchien.<\/p>\n<p>Das ist ein ziemlich dynamisches Begriffsverst\u00e4ndnis von &#8222;Gender&#8220;: die Autorin beleuchtet das jeweils gesellschaftlich konstruierte Verst\u00e4ndnis von Geschlecht, Frau, Mann, M\u00e4dchen, Junge &#8211; zudem kritisch in Bezug auf die neuen (Zwangs-)rollen der Verhaltensweisen in Situationen von B\u00fcrgerkriegen, gewalthaltigen K\u00e4mpfen und sogenannten Befreiungskriegen.<\/p>\n<p>Herrschende Maskulinit\u00e4tskonzepte werden kritisch durchleuchtet, z. B. in Bezug auf die martialisch und hierarchisch-autorit\u00e4r ausgerichteten Guerillaorganisationen. Die Studie verharrt nicht bei der Kritik der durchgehenden patriarchalischen Lebensverh\u00e4ltnisse, sondern verweist zugleich auf die Tatsache der Adaption ausge\u00fcbter maskuliner Rollen, wie: Chief, F\u00fchrer, Held, Soldat, Kommandant, Offizier, Herrscher, allm\u00e4chtige Autorit\u00e4t &#8211; von Frauen, die sich als Kommandantin, Soldatin, Offizierin in das Raster der vorgegebenen Gewaltstrukturen einordnen m\u00fcssen. In diesem Zusammenhang verweist Rita Sch\u00e4fer zudem auf die Tatsache der Zwangsrekrutierungen, insbesondere auch von Kindern und Jugendlichen.<\/p>\n<p>Sie schildert pr\u00e4zise und mit empirischen Quellen belegt die menschenunw\u00fcrdigen, \u00fcberaus harten und oft unentrinnbar brutalen Bedingungen, unter denen die KindersoldatInnen &#8222;ihr Leben&#8220; fristen m\u00fcssen.<\/p>\n<p>Liest mensch diese umfangreiche, gr\u00fcndlich mit Literaturangaben versehene, empirische Studie, bleiben doch zu guter Letzt &#8211; viele Fragen offen. Die Option der Wahrnehmung von &#8222;Gender&#8220; als innovativer Faktor in Bezug auf &#8222;die Friedenssicherung&#8220;, wie des \u00f6fteren argumentiert wird, erscheint mir zu vage.<\/p>\n<p>Welche Art von Frieden ist hier gemeint?<\/p>\n<p>Die Studie von Rita Sch\u00e4fer pl\u00e4diert keineswegs f\u00fcr eine Fortpflanzung und Tradierung der gewalthaltigen milit\u00e4rischen, kriegerischen Interaktionen.<\/p>\n<p>Im Gegenteil: deutlich zeigt sie in ihren Analysen die Ursachen der t\u00f6dlichen Macht und der Gewaltspiralen auf.<\/p>\n<p>Es ist jedoch zus\u00e4tzlich dringend an der Zeit, das Hauptaugenmerk (weiterhin) auf die aktiv-gewaltlose Bek\u00e4mpfung von Kriegen zu richten.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Ethnologin Rita Sch\u00e4fer ist besonders bekannt durch ihr Buch &#8222;Im Schatten der Apartheid&#8220; (2005). Sie erforschte Genderverh\u00e4ltnisse in Sierra Leone, Simbabwe, Namibia und S\u00fcdafrika. 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