{"id":9010,"date":"2008-11-01T00:00:10","date_gmt":"2008-10-31T22:00:10","guid":{"rendered":"http:\/\/test.graswurzel.net\/gwr\/?p=9010"},"modified":"2022-07-26T13:31:18","modified_gmt":"2022-07-26T11:31:18","slug":"streit-um-ein-plakat","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/2008\/11\/streit-um-ein-plakat\/","title":{"rendered":"Streit um ein Plakat"},"content":{"rendered":"<p>Es zeigt drei Soldaten, die neben einem Sarg hergehen mit dem                 Text: <i>&#8222;Die Bundeswehr \/ Schritt zur Abr\u00fcstung \/ Wieder einer                 weniger \/ Wir begr\u00fc\u00dfen diese konkrete Ma\u00dfnahme, den Umfang der                 Bundeswehr nach und nach zu reduzieren. \/ www.bamm.de&#8220;<\/i> (siehe                 Abb. auf Seite 9). Produziert wurde das Plakat anl\u00e4sslich der                 Aktionen gegen das \u00f6ffentliche Gel\u00f6bnis der Bundeswehr in Berlin                 am 20. Juli 2003. Auf der gemeinsamen Homepage von BamM und DFG-VK                 Berlin-Brandenburg war es noch zug\u00e4nglich. <\/p>\n<h3>Exhumierung eines Plakats<\/h3>\n<p>Am 1. September 2008 wurde das Plakat in einem rechtsextremen                 Internetforum attackiert, einen Tag danach widmete die <i>Welt<\/i>                 in einem Artikel \u00fcber Gefahren f\u00fcr Bundeswehrsoldaten in Afghanistan                 dem Plakat eine Randbemerkung zwecks Diskreditierung der Demonstrationen                 am 20. September in Stuttgart und Berlin f\u00fcr den Abzug der Bundeswehr                 aus Afghanistan. <\/p>\n<p>Der Verfasser des Artikels, Ansgar Graw, war durch Aktivit\u00e4ten                 in rechtsextremen Organisationen und als Autor f\u00fcr Bl\u00e4tter wie                 <i>Junge Freiheit<\/i> und <i>Ostpreu\u00dfenblatt<\/i> bekannt geworden.               <\/p>\n<p>Auch die <i>Junge Freiheit<\/i> griff das Thema auf. <\/p>\n<p>Prompt ereiferte man sich auf rechten Homepages wie <i>Politically                 Incorrect <\/i>und dem <i>Patriotischen Forum S\u00fcddeutschland<\/i>                 und w\u00fcnschte AntimilitaristInnen den Tod: &#8222;<i>F\u00fcr jeden, der einen                 solchen Linken aus dem Leben bombt, bin ich dankbar<\/i>&#8220; oder:                 &#8222;<i>Dem Verfasser w\u00fcnsche ich vom ganzen Herzen, zum Mordopfer                 zu werden.<\/i>&#8220; <\/p>\n<p>Manchmal wurde es auch f\u00e4kal: Bei <i>Politically Incorrect<\/i>                 (PI) fragte jemand: &#8222;<i>Kann nicht mal ein Frankfurter Pi-ler                 seinen Darm kr\u00e4ftig vor den R\u00e4umen dieses Packs entleeren und                 damit zeigen was wir von ihnen halten?<\/i>&#8220; <\/p>\n<h3>&#8222;Der Zynismus des Plakates ist f\u00fcr uns schwer ertr\u00e4glich&#8220; <\/h3>\n<p>Die DFG-VK Berlin-Brandenburg machte in einer Pressemitteilung                 auf die massiven Drohungen von Rechts aufmerksam und verteidigte                 sich:<\/p>\n<p><i>&#8222;Unser Plakat soll die notwendige Emp\u00f6rung \u00fcber den Krieg                 bef\u00f6rdern. Es soll einer Gesellschaft, die den permanenten Krieg                 nach au\u00dfen als Normalit\u00e4t hinnimmt, den Spiegel vorhalten. Es                 soll die moralische Unterst\u00fctzung der Heimatfront f\u00fcr die Truppe                 ersch\u00fcttern.&#8220;<\/i><\/p>\n<p>Auch der Bundessprecherkreis (BSK) der DFG-VK reagierte:<\/p>\n<p><i>&#8222;Der Bundessprecherkreis der DFG-VK h\u00e4lt das satirische Plakat                 f\u00fcr eine unangemessene Form der Auseinandersetzung mit der Problematik                 deutscher Kriegsbeteiligung und deren Folgen. Der Zynismus des                 Plakates ist f\u00fcr uns schwer ertr\u00e4glich. Unser humanistisches Weltbild                 verbietet uns die Genugtuung \u00fcber den Tod eines jeden Menschen                 &#8211; auch in Form einer satirischen Darstellung. Allerdings stellt                 das Plakat kein Verbrechen dar, sondern der Krieg, in dem der                 Tod von Soldaten und unschuldigen Zivilisten bewusst in Kauf genommen                 wird.&#8220; <\/i><\/p>\n<p>Er verwies au\u00dferdem darauf, dass das inkriminierte Plakat nicht                 von der DFG-VK, sondern vom BamM stamme und dass es in der pluralistischen                 DFG-VK ausschlie\u00dflich Entscheidung des Landesverbands sei, mit                 BamM zusammenzuarbeiten. Der BSK verurteilte die Hasstiraden von                 Rechts und rief zu den Demonstrationen f\u00fcr den Abzug der Bundeswehr                 aus Afghanistan auf.<\/p>\n<p>Der Friedensratschlag erkl\u00e4rte: &#8222;<i>Das Plakat ist zynisch, dumm                 und sch\u00e4dlich<\/i>.&#8220; Auch Politiker der Linkspartei distanzierten                 sich vom Plakat.<\/p>\n<h3>Skandalisierung und Instrumentalisierung durch <i>BILD<\/i><\/h3>\n<p><i>&#8222;Bundeswehr ist entsetzt. Tote deutsche Soldaten verh\u00f6hnt.&#8220;<\/i>                 Mit diesem 20 cm hohen Aufmacher st\u00fcrzte sich die <i>BILD<\/i>                 am 4. September auf das Plakat, allerdings mit einer neuen Sto\u00dfrichtung.                 Sie konstruierte eine abenteuerliche Indizienkette vom Berliner                 Plakat zur Linkspartei in Hessen, namentlich zum Fraktionsvorsitzenden                 Willi van Ooyen. Er sei in den 70er Jahren Vorstandsmitglied der                 DFG-VK gewesen. <i>BILD<\/i> dichtete ihm an, Landesgesch\u00e4ftsf\u00fchrer                 der DFG-VK gewesen zu sein. <\/p>\n<p>Am Ende der Emp\u00f6rungsorgie lie\u00df das Springerblatt den als brutalstm\u00f6glich                 beleumundeten Noch-Ministerpr\u00e4sidenten Roland Koch schlussfolgern,                 die Verbindung zwischen Linkspartei und DFG-VK <i>&#8222;m\u00fcsse alle                 Sozialdemokraten und B\u00fcndnisgr\u00fcne davor abschrecken mit ihr zusammenzuarbeiten.&#8220;<\/i>               <\/p>\n<p>Um die DFG-VK besser anprangern zu k\u00f6nnen, hatte <i>BILD<\/i>                 bei der Abbildung des corpus delicti den unteren Rand des Plakats                 mit der Aufschrift www.bamm.de wohlweislich weggelassen. <\/p>\n<p>Danach h\u00e4uften sich bundesweit Hassmails an DFG-VK-Adressen,                 z.B.: <i>&#8222;Sollte das Plakat wirklich von euch sein geh\u00f6rt ihr                 alle an die Wand gestellt und entsorgt.&#8220;<\/i> <\/p>\n<p>Das Hotel und Restaurant Otterberg in Otterberg bei Kaiserslautern                 teilte sowohl der DFG-VK per Mail als auch <i>BILD<\/i>-LeserInnen                 per Leserbrief mit, dass dort die DFG-VK nun Hausverbot habe.                 Sogar auf der Homepage eines Kaiserslauterer Fu\u00dfballvereins ereiferte                 man sich einerseits \u00fcber das Plakat und die DFG-VK, andererseits                 auch \u00fcber die Scheinheiligkeit von Roland Koch und seinesgleichen.<\/p>\n<h3>Rechte Vielfalt<\/h3>\n<p>Die Attacken von Rechts kamen \u00fcbrigens nicht so sehr von Nazis                 im engeren Sinn, sondern vorwiegend von BILD, CDU und aus der                 breiten \u00dcbergangszone von CDU zum eher b\u00fcrgerlichen Faschismus,                 der sich gerne als rechtskonservativ etikettiert. Die besonders                 rabiate Homepage <i>Politically Incorrect<\/i> nennt sich selbst                 &#8222;<i>proamerikanisch<\/i>&#8220; und &#8222;<i>proisraelisch<\/i>&#8222;, was nicht                 gerade typisch f\u00fcr Nazis ist. Auf der Nazi-Homepage Altermedia,                 wo man die <i>Junge Freiheit<\/i> auch <i>&#8222;Junge Feigheit&#8220;<\/i>                 nennt, gab es zwar auch die \u00fcblichen Hassausbr\u00fcche, doch stimmte                 man keineswegs geschlossen in den Chor der Emp\u00f6rung ein. \u00dcber                 Bundeswehrsoldaten in Afghanistan hie\u00df es dort: &#8222;\u2026<i> j\u00fcdische                 S\u00f6ldnertruppe<\/i>&#8222;. &#8222;<i>Solange die Soldaten in Afghanistan und                 sonstwo stehen, wo sie f\u00fcr USrael k\u00e4mpfen, sind es BRDDR-S\u00f6ldner.<\/i>&#8220;                 &#8222;<i>F\u00fcr die amiarschkriechenden Interessen des Holzkopfes Jung                 darf kein Tropfen deutschen Blutes vergossen werden.<\/i>&#8220; &#8222;\u2026 <i>den                 Dreck den die Amis f\u00fcr sich angerichtet haben, sollen sie dann                 bitte selber wegmachen, wer das anders sie kann sich ja melden                 und tr\u00e4gt dann das Risiko, da gebe ich der DFG-VK schon recht                 obwohl ich ihren Pazifismus f\u00fcr abwegig halte und das Plakat f\u00fcr                 arg missraten.<\/i>&#8220; &#8222;<i>Das Plakat ist doch einladend, so als                 wenn endlich die BRd zu Grabe getragen w\u00fcrde. Wer unter schwarz-rot-senf-Farben                 k\u00e4mpft f\u00fcr einen Judaslohn hat eben Pech gehabt wenn die einheimischen                 Freiheitsk\u00e4mpfer es dem Wehrwolf nachtun und den Besatzer angreifen.<\/i>&#8222;<\/p>\n<h3>&#8222;Auch die sch\u00f6nste Kampagne geht einmal zu Ende&#8220;<\/h3>\n<p>Mittlerweile ist das Plakat auf der Homepage von BamM und DFG-VK                 Berlin-Brandenburg nicht mehr zu sehen: Dort hei\u00dft es: <i>&#8222;Auch                 die sch\u00f6nste Kampagne geht einmal zu Ende &#8211; bzw. wird \u00fcbertroffen                 von einer noch sch\u00f6neren. Um also noch eins draufzusetzen, versammelte                 sich die vaterlandsverr\u00e4terische Truppe um BamM und \u00c4hnlichgesinnten                 vor dem Verteidigungsministerium, mit dabei ein Sarg mit Bundesflagge                 &#8211; und vollf\u00fchrte den beliebten &#8218;Schritt zur Abr\u00fcstung&#8216;, indem                 sie den Sarg kurzerhand in die tr\u00fcbe Br\u00fche des Kanals kippte.&#8220;<\/i><\/p>\n<h3>CDU Hessen: Der Amoklauf geht weiter<\/h3>\n<p>Bei einem DFG-VK-Infostand in Frankfurt\/M. am 6. September sahen                 sich die Aktiven mit negativen Reaktionen auf das Plakat konfrontiert.                 \u00c4hnliches bef\u00fcrchtend hatte die DFG-VK Mainz f\u00fcr ihre Infost\u00e4nde                 am 13. und 14. September eigens f\u00fcr solche Leute eine Stellungnahme                 vorbereitet. Doch was eine Woche zuvor noch die Gem\u00fcter erregt                 hatte, interessierte nicht mehr. Nur ein Infostandbesucher in                 zwei Tagen sprach das Plakat an. Begeistert lobte er das Plakat,                 das schon seit Jahren in seiner Wohnung h\u00e4nge. Nachdem die mediale                 Aufmerksamkeit abgeklungen war, hielten viele in der DFG-VK das                 Thema f\u00fcr erledigt. <\/p>\n<p>Doch f\u00fcr die traditionell rechte CDU Hessen geht der Kampf weiter.                 Mit Stimmungsmache gegen die Linkspartei versucht sie verzweifelt,                 die Bildung einer neuen rot-gr\u00fcnen, von der Linkspartei unterst\u00fctzten                 Regierung zu verhindern. Immer wieder prangert sie die Linkspartei-typischen                 politischen Werdeg\u00e4nge der Abgeordneten an, zwischendurch skandalisierte                 sie das Linkspartei-Fraktionsb\u00fcro im besetzten Waldst\u00fcck in Kelsterbach,                 wo gegen den Ausbau des Frankfurter Flughafens Widerstand geleistet                 wird, und sie pflegt regelm\u00e4\u00dfig die Kunst der Erregung, wenn z.B.                 der linke Fraktionschef die CDU wegen ihrer Kriegspolitik schie\u00dfw\u00fctig                 nennt. Der <i>BILD<\/i>-Artikel war keine Eintagsfliege, sondern                 Auftakt zu einer Kampagne der CDU, die nun einen Entschlie\u00dfungsantrag                 in den Hessischen Landtag eingebracht hat, der im November behandelt                 werden soll. Der Landtag m\u00f6ge die &#8222;<i>unertr\u00e4gliche Verh\u00f6hnung                 von Bundeswehrsoldaten<\/i>&#8220; auf dem besagten Plakat verurteilen,                 &#8222;<i>sich gegen jede Form der Zusammenarbeit mit der DFG-VK<\/i>&#8220;                 aussprechen und allen Landtagsabgeordneten, die Mitglied der DFG-VK                 sind, soll empfohlen werden, ihre Mitgliedschaft zu beenden. <\/p>\n<p>Die DFG-VK war lange beschuldigt worden, von DKP oder PDS beeinflusst                 zu sein &#8211; selbst dann wenn sie den Sowjetmilitarismus kritisiert                 hatte. Jetzt erleben wir eine kuriose Wendung. Jetzt soll sich                 die Linkspartei von der DFG-VK distanzieren. Ist f\u00fcr die CDU Pazifismus                 schlimmer als Postkommunismus? <\/p>\n<h3>Interne Debatte<\/h3>\n<p>Innerhalb der Friedensbewegung wird das Plakat diskutiert. Das                 Meinungsspektrum reicht von vehementer Verdammung bis zur entschiedenen                 Solidarisierung mit der DFG-VK Berlin-Brandenburg. Zur Polarisierung                 tr\u00e4gt bei, dass das Plakat &#8222;Schritt zur Abr\u00fcstung&#8220; auch eine Spitze                 gegen die bundesweite DFG-VK-Kampagne &#8222;Schritte zur Abr\u00fcstung&#8220;                 enth\u00e4lt, die als zu brav, zu zur\u00fcckhaltend und zu inkonsequent                 kritisiert wurde. <\/p>\n<p>Ein Streitpunkt ist, ob das Plakat \u00fcberhaupt als Satire anzusehen                 sei. Es sei keine Satire, sondern &#8222;<i>hirnrissig bl\u00f6d<\/i>&#8222;, &#8222;<i>verbandssch\u00e4digen<\/i>d&#8220;,                 &#8222;<i>eine Steilvorlage f\u00fcr die CDU<\/i>&#8222;. <\/p>\n<p>Andere wiederum bestreiten nicht, dass es sich um Satire handelt,                 halten sie aber f\u00fcr die eigene politische Arbeit f\u00fcr ungeeignet.                 Die DFG-VK Mainz erkl\u00e4rte: <\/p>\n<p><i>&#8222;Wir von der DFG-VK Gruppe Mainz haben das Plakat nie in unserer                 Arbeit eingesetzt, da es uns damals schon zu zynisch erschien,                 und wir die Satire f\u00fcr misslungen halten. <\/i><\/p>\n<p><i>Das ist besonders bedauerlich, weil das Plakat mit einem anderen                 Text durchaus brauchbar gewesen w\u00e4re. H\u00e4tte man geschrieben: &#8218;Abr\u00fcstung                 ja, aber doch nicht so! Kriegsdienstverweigerung statt Soldatentod!&#8216;,                 h\u00e4tte das Plakat immer noch eine bissige satirische Pointe gehabt,                 und unser Anliegen h\u00e4tte nicht missverstanden werden k\u00f6nnen.<\/i><\/p>\n<p><i>\u2026 Wir haben schon vor f\u00fcnf Jahren das uns angebotene Plakat                 als kontraproduktiv eingestuft und nicht bestellt. Aber wir stehen                 zur Meinungsfreiheit! <\/i>(\u2026)<i> Unsere streitbare Demokratie                 muss in der Lage sein, dieses St\u00fcck Papier auszuhalten. Gerade                 diejenigen, die immerhin bereit sind, massenm\u00f6rderische kriegerische                 Gewalt zu rechtfertigen oder sogar selbst anzuwenden, sollten                 vielleicht etwas weniger sensibel reagieren, wenn ihr t\u00f6dliches                 Treiben kritisiert wird. <\/i>(\u2026)<i> Die Gewalt gegen\u00fcber der Bundeswehr                 ist gestiegen. Nicht die DFG-VK ist daf\u00fcr verantwortlich, sondern                 die Politiker, die die Bundeswehr nach Afghanistan entsenden.<\/i><\/p>\n<p><i>Menschenverachtend ist nicht ein satirisches misslungenes                 Plakat, sondern der Krieg!<\/i><\/p>\n<p><i>Menschenverachtend sind diejenigen, die f\u00fcr wirtschaftliche                 und machtpolitische Interessen Soldaten in alle Welt und oft auch                 in den Tod schicken, nicht diejenigen, die auf diese Todesgefahr                 aufmerksam machen.&#8220;<\/i><\/p>\n<h3>Entt\u00e4uschung \u00fcber Distanzierung<\/h3>\n<p>Die Erkl\u00e4rung des BSK rief entschiedenen Widerspruch hervor.                 In einem, am 11. September in der <i>jungen Welt<\/i> erschienenen                 Leserbrief beklagte der DFG-VK-Aktivist Felix Oekentorp aus Nordrhein-Westfalen                 die mangelnde innerverbandliche Solidarit\u00e4t: <\/p>\n<p><i>&#8222;Schade, dass sich in diesem Bundessprecherkreis offensichtlich                 niemand Gedanken macht, warum gerade jetzt dieses Plakat von den                 Bef\u00fcrwortern des Bundeswehreinsatzes in Afghanistan thematisiert                 wird. Glaubt denn jemand allen Ernstes, der Verfassungsschutz                 habe uns etwa nicht st\u00e4ndig unter Beobachtung?<\/i><\/p>\n<p><i>Sollte dieser ausgerechnet ein solches Plakat nicht l\u00e4ngst                 den entsprechenden Stellen gemeldet haben? \u2026 Nein, die Legitimation                 des Afghanistan-Einsatzes ist derzeit so gewaltig im Keller, dass                 von Seiten der Bef\u00fcrworter eine Attacke gegen die Friedensbewegung                 notwendig erschien. Da war jeder denkbare Skandal willkommen,                 und sei es, dass ein solcher konstruiert werden musste.&#8220;<\/i><\/p>\n<p>Er bedauerte, dass es gelang, &#8222;<i>einen Keil in die Antikriegsbewegung                 zu treiben, indem leider nicht nur der Bundessprecherkreis der                 DFG-VK reflexartig nach dem hingehaltenen St\u00f6ckchen schnappte                 und sich flugs von dem Plakat distanzierte. Billiger konnte die                 Bewegung es den Kriegstreibern wirklich nicht machen.<\/i> (\u2026)                 <i>Die Gelegenheit w\u00e4re da gewesen, nun mit unseren Positionen                 offensiv in die \u00d6ffentlichkeit zu gehen, die wirklichen Skandale                 zu benennen und vor allem Geschlossenheit zu demonstrieren. (\u2026)                 Wir brauchen uns nicht zu beschweren, wenn wir wirkungslos bleiben,                 wenn jeder Depp \u00f6ffentlich hergeht und MitstreiterInnen in die                 Pfanne haut.&#8220; <\/i><\/p>\n<p>Auch andere \u00e4u\u00dferten und \u00e4u\u00dfern sich \u00e4hnlich und bedauern, dass                 die DFG-VK die ihr pl\u00f6tzlich zugefallene, ansonsten so schmerzlich                 vermisste mediale Aufmerksamkeit nicht offensiv nutzt.<\/p>\n<h3>Was ist und darf Satire?<\/h3>\n<p>Was als Satire eingestuft wird, ist hochgradig abh\u00e4ngig vom individuell                 unterschiedlichen Geschmack und dem Umfeld, in dem man sich bewegt.                 Was die einen erheitert, st\u00f6\u00dft bei anderen auf Unverst\u00e4ndnis oder                 sogar Emp\u00f6rung. Manche haben \u00fcberhaupt keine Ader f\u00fcr Ironie oder                 schwarzen Humor. <\/p>\n<p>Pers\u00f6nliche Betroffenheit kann auch dazu f\u00fchren, dass man nicht                 mitlacht. Und wenn es um Tod geht, wird es noch kritischer. Bis                 vor kurzem hatten alle, die in meinem Beisein das Plakat kennen                 lernten, erst einmal gelacht, selbst wenn sie anschlie\u00dfend entschieden,                 es angesichts der zu erwartenden Humorlosigkeit der breiteren                 \u00d6ffentlichkeit f\u00fcr ihre politische Arbeit nicht zu verwenden.               <\/p>\n<p>Drastische Karikaturen, die in franz\u00f6sischen Zeitschriften, auch                 in pazifistischen, keinerlei Ansto\u00df erregen, abgesehen von gelegentlichen                 Blasphemieklagen, die gew\u00f6hnlich abgeschmettert werden, sind in                 wesentlich zarter besaiteten deutschen linken und antimilitaristischen                 Zeitschriften und auch in der <i>Graswurzelrevolution<\/i> selten                 zu finden. <\/p>\n<p>Die DFG-VK ist nun auch selbst Gegenstand von Satire geworden.                 So schreibt das Satiremagazin <i>Titanic <\/i>(Oktober 2008)<i>                 <\/i>in der Rubrik<i> Briefe an die Leser:<\/i><\/p>\n<p><i>&#8222;&#8218;Schritt zur Abr\u00fcstung &#8211; wieder einer weniger&#8216; steht v\u00f6llig                 zutreffend auf einem Plakat Deines Landesverbands Berlin-Brandenburg,                 das drei lebende Bundeswehrsoldaten mit dem Sarg eines toten Kameraden                 zeigt. <\/i><\/p>\n<p><i>Warum aber distanziert Du Dich nun davon und schimpfst &#8218;Zynismus&#8216;?                 <\/i><\/p>\n<p><i>Weil Du dem Zynismus der deutschen Politikerbagage aus SPD                 und CDU auf den Leim gegangen bist: einen &#8218;Schlag ins Gesicht                 unserer Soldaten, die ihr Leben f\u00fcr die Freiheit Deutschlands                 einsetzen&#8216;, meint Kriegsminister Jung (CDU) in dem Plakat zu erkennen,                 Wehrbeauftragter Reinhold Robbe (SPD) ist der Ansicht, es sei                 &#8218;eine menschenverachtende Geschmacklosigkeit, die nicht mehr zu                 \u00fcberbieten ist&#8216;, und der lebende Gegenbeweis f\u00fcr diese These,                 Roland Koch (Hessen), versteigt sich zu der Behauptung, das Plakat                 zeige &#8218;ein Ausma\u00df an Unmenschlichkeit, ja Menschenverachtung,                 wie ich es nicht f\u00fcr m\u00f6glich gehalten h\u00e4tte.&#8216;<\/i><\/p>\n<p><i>Nun ist die Tatsache, dass Staaten in einer kapitalistisch                 verfa\u00dften Welt st\u00e4ndig Menschen zum T\u00f6ten anderer Menschen ausbilden                 und diese dann, unter welchem Vorwand auch immer, in irgendwelche                 Kriege um Einflu\u00dfsph\u00e4ren und Rohstoffe schicken, f\u00fcr sich genommen                 auch nicht gerade menschenfreundlich und su-pernett und so; aber                 um das zu erkennen, darf man halt weder ein deutscher Politiker                 noch ein Sprecher der DFG-VK sein, nicht wahr?<\/i><\/p>\n<p><i>Dein Schlag ins Gesicht,<br \/>                 <\/i><i>Titanic&#8220;<\/i><\/p>\n<h3>Wie weiter?<\/h3>\n<p><i>&#8222;Unsere streitbare Demokratie muss in der Lage sein, dieses                 St\u00fcck Papier auszuhalten&#8220; <\/i>schrieb die DFG-VK Mainz. Der DFG-VK                 und der Friedensbewegung ist zu w\u00fcnschen, dass sie es ebenso aushalten                 kann und das Beste aus der Situation macht. <\/p>\n<p>Ein durchaus berechtigter interner Diskussionsbedarf sollte nicht                 dazu f\u00fchren, dass man sich, wie so oft, mit sich selbst besch\u00e4ftigt,                 statt sich gegen Krieg und Militarismus zu engagieren. <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Es zeigt drei Soldaten, die neben einem Sarg hergehen mit dem Text: &#8222;Die Bundeswehr \/ Schritt zur Abr\u00fcstung \/ Wieder einer weniger \/ Wir begr\u00fc\u00dfen diese konkrete Ma\u00dfnahme, den Umfang der Bundeswehr nach und nach zu reduzieren. \/ www.bamm.de&#8220; (siehe Abb. auf Seite 9). Produziert wurde das Plakat anl\u00e4sslich der Aktionen gegen das \u00f6ffentliche Gel\u00f6bnis &hellip; <a href=\"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/2008\/11\/streit-um-ein-plakat\/\">Weiterlesen<\/a><\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"slim_seo":{"title":"Streit um ein Plakat - graswurzelrevolution","description":"Es zeigt drei Soldaten, die neben einem Sarg hergehen mit dem Text: \"Die Bundeswehr \/ Schritt zur Abr\u00fcstung \/ Wieder einer weniger \/ Wir begr\u00fc\u00dfen diese konkrete"},"footnotes":""},"categories":[525,1025],"tags":[],"class_list":["post-9010","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-333-november-2008","category-die-waffen-nieder"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/9010","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=9010"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/9010\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=9010"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=9010"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=9010"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}