{"id":9041,"date":"2008-11-01T00:00:44","date_gmt":"2008-10-31T22:00:44","guid":{"rendered":"http:\/\/test.graswurzel.net\/gwr\/?p=9041"},"modified":"2012-08-09T18:12:06","modified_gmt":"2012-08-09T16:12:06","slug":"wer-genmais-sat-wird-widerstand-ernten","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/2008\/11\/wer-genmais-sat-wird-widerstand-ernten\/","title":{"rendered":"Wer Genmais s\u00e4t, wird Widerstand ernten"},"content":{"rendered":"<p><b>Graswurzelrevolution (GWR): Michael, Du hast 2005 mit anderen                 gewaltfreien Aktivistinnen und Aktivisten die Initiative <i>Gendreck                 weg &#8211; Freiwillige Feldbefreiung<\/i> gegr\u00fcndet. Was waren Eure                 Beweggr\u00fcnde?<\/b><\/p>\n<p><i>Michael Grolm:<\/i> Wenn wir zur\u00fcckgucken auf die Geschichte                 der Anti-Gentechnik-Bewegung, dann gab es auf EU-Ebene Anfang                 der 90er Jahre ein Moratorium f\u00fcr einen f\u00fcnfj\u00e4hrigen Anbaustopp.                 Daraufhin sind s\u00e4mtliche Aktivit\u00e4ten eingeschlafen. <\/p>\n<p>Dann haben die US-Amerikaner \u00fcber die WTO Druck gemacht auf die                 Europ\u00e4ische Union, dass die die Genpflanzen zulassen sollen. Das                 ist noch unter Renate K\u00fcnast in ein Gesetz gem\u00fcndet. Einerseits                 wurde eine Kennzeichnungspflicht eingef\u00fchrt, sprich, man kann                 auf der Verpackung lesen, ob dort zum Beispiel gentechnisch ver\u00e4ndertes                 Soja eingesetzt wird oder nicht. Dabei ist es ein Problem, dass                 das bei tierischen Produkten nicht der Fall ist. <\/p>\n<p>Auf der anderen Seite wurde erstmals kommerzieller Genanbau in                 Deutschland zugelassen. <\/p>\n<p>Wir haben im Vorfeld diverse Sachen gemacht, von Unterschriften                 sammeln bis zur bundesweiten Gro\u00dfdemo in Stuttgart mit 10.000                 Menschen und 300 Treckern. Wir haben Bundestagsabgeordnete aller                 Parteien aufgesucht. Schlie\u00dflich sindwir zu der Erkenntnis gelangt,                 dass die Politik nicht einlenken m\u00f6chte. Daraus ist die <i>Initiative                 Gendreck weg &#8211; Freiwillige Feldbefreiung<\/i> entstanden. <\/p>\n<p><b>GWR: Was ist denn eine Feldbefreiung? <\/b><\/p>\n<p><i>Michael Grolm:<\/i> Es gibt mehrere Feldbefreiungen. Feldbefreiung                 hei\u00dft, dass danach keine gentechnisch ver\u00e4nderten Pflanzen mehr                 auf dem Feld stehen. Die k\u00f6nnen sich dann auch nicht mehr ausbreiten                 und die Umwelt verseuchen. Das ist f\u00fcr uns ein Akt der Bewahrung                 der Umwelt. In der Natur gibt es keine Grenzen, die Natur h\u00e4lt                 sich nicht an die Gesetze, die der Mensch macht. <\/p>\n<p>Als Imker wei\u00df ich, dass eine Biene f\u00fcr den Pollenflug sieben                 Kilometer in jede Richtung fliegt. Das ist ein Gebiet, ungef\u00e4hr                 so gro\u00df wie K\u00f6ln. <\/p>\n<p>Die Bienen haben nichts anderes im Sinn, als Pollen zu ernten,                 und damit schleppen sie die Pollen von einem herk\u00f6mmlichen zu                 einem gentechnisch ver\u00e4nderten Feld. Oder umgekehrt. Dort kommt                 es zur Auskreuzung. <\/p>\n<p>Dieses Ammenm\u00e4rchen der Konzerne von der Koexistenz, das ist                 nichts anderes als K.O.-Existenz. Da muss man sich vorstellen,                 wir sperren Schaf und Wolf zusammen und schauen mal, was dann                 \u00fcbrig bleibt. <\/p>\n<p>Weil das jeder Mensch wei\u00df, hat das dazu gef\u00fchrt, dass wir in                 Stuttgart Strategiegespr\u00e4che gef\u00fchrt und analysiert haben: &#8222;Wie                 entsteht Geschichte, wie sind die Anti-Atom-Bewegung und die Friedensbewegung                 gro\u00df geworden, was waren Kristallisationspunkte?&#8220;<\/p>\n<p>Bei einer Feldbefreiung l\u00e4uft das dann so ab, dass man im Vorfeld                 seine Unterschrift abgibt, daf\u00fcr, dass man an einem bestimmten                 Tag, zu einer bestimmten Zeit zu dem Feld kommt und dort friedlich                 Pflanzen rausrei\u00dft. <\/p>\n<p>Das Ganze wird begleitet von Solidarit\u00e4tserkl\u00e4rungen, von Menschen,                 die sagen, wir wollen diesen Schritt noch nicht gehen, aber wir                 finden das toll, dass Menschen das machen. Die spenden 5 bis 5.000                 Euro und stellen sich \u00f6ffentlich mit ihrem Namen hinter diese                 Aktion. Dadurch, dass es bekannt ist, kommen wir jedes Mal mit                 unseren Aktionen in die bundesweite Medienlandschaft. Es ist immer                 viel Polizei da, die aber oft nicht so motiviert ist, uns vom                 Maisacker fern zu halten, weil da auch viele sind, die das Zeug                 nicht auf ihrem Teller haben wollen. So haben wir es bisher immer                 wieder geschafft, auf die Felder zu gelangen und dort Pflanzen                 unsch\u00e4dlich zu machen.<\/p>\n<p><b>GWR: Gegen wen konkret richten sich Eure Aktionen Zivilen                 Ungehorsams?<\/b><\/p>\n<p><i>Michael Grolm:<\/i> Einerseits gegen Konzerne wie Monsanto,                 Syngenta Bayer CropScience und KWS, die Patente auf Leben angemeldet                 haben, die Lizenzen verlangen, die mit aller Gewalt diese Technik                 weltweit einf\u00fchren. Die schrecken auch nicht davor zur\u00fcck, Leute                 einzusch\u00fcchtern oder Beamte zu bestechen. In Indonesien ist Monsanto                 zu einer Geldstrafe von 1,5 Millionen Dollar verurteilt worden                 wegen Beamtenbestechung. Das ist ein Bestechungsfall, wo das rausgekommen                 ist. In den USA ist bekannt geworden, dass dort Monsanto-Mitarbeiter                 f\u00fcr drei Monate in den Staatsdienst gehen, dann Gentechnikgesetze                 machen, bevor sie wieder zu den Konzernen wechseln. Es gibt jetzt                 auch einen Film \u00fcber Monsanto, der zeigt das gut. <\/p>\n<p>In Deutschland ist es auch nicht viel anders. Monitor hat vor                 ein paar Jahren herausgefunden, dass der oberste Mensch, der in                 Deutschland die Freisetzungsversuche genehmigt auf Kongressen                 der Gentechnikfirmen die neuen Pflanzen angepriesen hat. Soviel                 zur &#8222;Neutralit\u00e4t&#8220;. <\/p>\n<p>Und Horst Seehofer, seit 2005 Bundesminister f\u00fcr Ern\u00e4hrung, Landwirtschaft                 und Verbraucherschutz, ist auch so ein Kandidat, den k\u00f6nnen wir                 eigentlich nur noch GENhofer nennen. Der reist dann im Wahlkampf                 durch Bayern und sagt, man k\u00f6nne die Regionen selber abstimmen                 lassen, und auf Bundestagsebene, wo die SPD genau das eingebracht                 hat, blockiert er. Das ist haneb\u00fcchen. <\/p>\n<p>Da ist soviel Ungerechtigkeit, so dass es viele Menschen gibt,                 die sagen, wenn hier die Grenze \u00fcberschritten wird, dass es in                 Zukunft keine Lebensmittel mehr gibt, die gentechnikfrei sind,                 dann achten sie auch nicht mehr die Grenze und gehen auf die Felder,                 was eine Straftat ist. Und die Prozesse, die nutzen wir dann wieder.                 Es gibt wundersch\u00f6ne Prozesse, wenn dann die Richterinnen und                 Richter ins Schleudern kommen und einem Berufsimker erz\u00e4hlen,                 er k\u00f6nne ja mit jedem Bauern Gespr\u00e4che f\u00fchren, damit sie es nicht                 anbauen. Die stottern dann eigentlich nur noch rum und kommen                 irgendwann dazu, dass sie sagen: &#8222;Wir sind auch gegen Gentechnik,                 aber wir m\u00fcssen den Staat vertreten und sie jetzt verurteilen.&#8220;               <\/p>\n<p>Dazu muss man sagen, dass die Abgeordneten ein Gentechnikgesetz                 verabschiedet haben, in dem explizit steht, dass man gegen dieses                 Gesetz nicht klagen darf. Und das nennt sich dann Demokratie.               <\/p>\n<p><b>GWR: Du hast gerade schon Monsanto erw\u00e4hnt. Der Konzern hat                 erkl\u00e4rt, in Nordrhein-Westfalen keine Freilandversuche machen                 zu wollen, weil der Widerstand dagegen zu gro\u00df sei. Wie sieht                 denn die Politik dieses Gentechnikkonzerns generell aus? <\/b><\/p>\n<p><i>Michael Grolm:<\/i> Es ist eine Politik der schleichenden Verunreinigung.                 Man wei\u00df, dass diese Pflanzen sich auskreuzen. Da braucht man                 nur nach Kanada gucken. Dort gibt es kein genfreies Soja mehr,                 keinen genfreien Raps und der Mais ist kurz davor. <\/p>\n<p>Auch in Deutschland tauchen jetzt immer mehr Proben auf.<\/p>\n<p>Gerade beim Mais, der hier im Anbau ist, wo herk\u00f6mmlicher Mais                 untersucht wird und wo auf einmal dann festgestellt wird, dass                 da Gentechnik drin ist, teilweise dann auch von Freisetzungsversuchen,                 die \u00fcberhaupt nicht bis zur Zulassung gekommen sind. Das wissen                 die genau und darauf setzen die. Irgendwann wird man uns dann                 sagen: &#8222;Na ja, dann m\u00fcssen wir halt die Grenzwerte hoch setzen.&#8220;<\/p>\n<p>Im Moment liegt der Grenzwert bei 0,9 %. Das muss man sich mal                 vorstellen, auf dem Acker darf dann jede 100. Pflanze gentechnisch                 ver\u00e4ndert sein und trotzdem gilt das dann noch als genfrei. Irgendwann                 wird man dann diesen Grenzwert erh\u00f6hen und sagen: &#8222;Das haben wir                 nicht gewusst und jetzt ist es halt so, aber nicht so schlimm,                 wir haben ja so sch\u00f6ne Turbosorten, dann baut die mal sch\u00f6n an                 und zahlt uns die Lizenz.&#8220; Das ist die Politik der Konzerne. Es                 hilft nichts, zu sagen: &#8222;Ich kauf jetzt nur im Bioladen ein oder                 bau mir das Zeug selber an, dann wird das schon nicht kommen.&#8220;                 Erstens werden wir nicht alle Verbraucherinnen und Verbraucher                 dazu kriegen, nur gentechnikfreie Produkte zu kaufen, die es im                 Moment auch noch nicht auf dem Markt gibt, au\u00dfer in Form von tierischen                 Produkten, wo das dann \u00fcber die Futtermittel in die Tiere gelangt                 und damit auf den Teller. Zu glauben, wenn wir alle gentechnikfrei                 essen, dass wir dann keine Gentechnik bekommen, das haut nicht                 hin, weil es schon Gesetze gibt, dass der Raps oder der Mais dann                 in Diesel zugef\u00fcllt wird. Da kann ich dann gar nicht mehr entscheiden,                 ob ich das haben will oder nicht. So gibt es eine schleichende                 Verunreinigung. Und irgendwann kann man nicht mehr zur\u00fcck. <\/p>\n<p><b>GWR: Im Rahmen der Kampagne <i>Gendreck weg &#8211; Freiwillige                 Feldbefreiung<\/i> habt Ihr in den letzten Jahren Aufsehen erregende                 Aktionen gemacht. Kannst Du die beschreiben und dabei darauf eingehen,                 wie genau Ihr dabei vorgeht?<\/b><\/p>\n<p><i>Michael Grolm:<\/i> Wir haben jetzt vier \u00f6ffentlich angek\u00fcndigte                 Feldbefreiungen durchgef\u00fchrt, wo dann jedes Mal bis zu 700 Menschen                 gekommen sind. <\/p>\n<p>Das Ganze ist eingebunden in ein gentechnikfreies Wochenende,                 das ist ein Camp, in dem es gentechnikfreies Essen gibt, wo es                 viele Vortr\u00e4ge zum Thema gibt, Podiumsdiskussionen, Filme, einen                 Austausch, eine M\u00f6glichkeit, sich mit dem Thema vertraut zu machen.                 Da gibt es auch ein Handreichen an die \u00f6rtliche Bev\u00f6lkerung, um                 zu zeigen, dass wir Menschen sind, die wissen, was sie tun. Viele                 Leute kommen wie ich aus der Landwirtschaft, Imker, Bauern und                 G\u00e4rtnerinnen. Das machen wir sichtbar. <\/p>\n<p>Dar\u00fcber hinaus gibt es Aktionen, die die Gerichtsprozesse begleiten,                 wo wir z.B. mal eine Klagemauer aufgebaut haben aus Bienenk\u00e4sten                 und Monsanto anklagen, wo wir den Spie\u00df umdrehen, wo ich selber                 z.B. mal Bienen mit in den Prozesssaal genommen oder eine Honigprobe                 im Gerichtssaal gemacht habe. Dann gibt es Aktionen, bei denen                 wir in D\u00fcsseldorf vor der Monsanto-Zentrale schon mal einen Fuder                 Mist abgekippt haben.<\/p>\n<p>2008 gab es auch eine gro\u00dfe Aktion zur Genbank in Gadersleben.                 Das ist die weltgr\u00f6\u00dfte Genbank f\u00fcr Weizen, dort wird Weizen aufbewahrt,                 den Bauern in Jahrhunderten gez\u00fcchtet haben. Diesen kann man nur                 aufbewahren, indem man ihn alle paar Jahre wieder neu auss\u00e4t,                 um dann wieder Saatgut zu haben, das konserviert und in den n\u00e4chsten                 drei Jahren wieder ausges\u00e4t wird. <\/p>\n<p>Ausgerechnet dort ist ein Freisetzungsversuch gemacht worden                 mit genmanipuliertem Weizen im Abstand von 500 Metern. Neben einem                 kulturellem Schatz der Menschheit macht man einen Genversuch,                 also meiner Meinung nach ist das ein Frontalangriff gegen die                 Menschheit. Diesen Versuch haben wir zunichte gemacht. <\/p>\n<p>Dort werden im kommenden Jahr gro\u00dfe Prozesse gef\u00fchrt. Das waren                 sechs Menschen, die das gemacht und sich auch gestellt haben.                 Wir von der Freiwilligen Feldbefreiung stehen zu unseren Taten.                 Wir stellen uns. Wir begr\u00fc\u00dfen aber auch jede andere Feldbefreiung,                 die es gibt, bei Nacht und Nebel, weil das Resultat das gleiche                 ist, dass die Pflanzen unsch\u00e4dlich gemacht werden. <\/p>\n<p><b>GWR: Die Einsch\u00fcchterungsversuche von staatlicher Seite sind                 offensichtlich. Wer selbst gentechnisch ver\u00e4nderte Pflanzen ausrei\u00dft,                 wird mit mindestens zehn Tagess\u00e4tzen Gef\u00e4ngnis bedroht. <\/b><\/p>\n<p><i>Michael Grolm:<\/i> Ja, zehn Tagess\u00e4tze, das hei\u00dft, wenn man                 das nicht bezahlt, dann muss man zehn Tage ins Gef\u00e4ngnis. Die                 Tagess\u00e4tze schwanken von 5 bis 35 Euro. Jemand, der studiert,                 ist vielleicht mit 10 bis 15 Euro dabei, das sind dann bei zehn                 Tagess\u00e4tzen 150 Euro. Das ist nicht die Welt. <\/p>\n<p>Wir haben eine Rechtshilfegruppe, die sich um die Prozesse k\u00fcmmert,                 die Prozesstrainings anbietet, wo man das durchspielt, um die                 Angst vor einem Richter zu verlieren. Das ist ja auch nur ein                 Mensch, der sich mit dieser Materie in der Regel \u00fcberhaupt nicht                 auskennt, sonst w\u00fcrde er nicht so urteilen. Die Leute, die das                 durchgestanden haben, sind da gest\u00e4rkt herausgegangen und freuen                 sich auf die n\u00e4chste Feldbefreiung.<\/p>\n<p><b>GWR: Du zum Beispiel auch. Wie war das bei Dir konkret?<\/b><\/p>\n<p><i>Michael Grolm:<\/i> Ich habe schon diverse Verfahren, weil                 ich Mitbegr\u00fcnder und auch ein Sprecher bin. Da versucht man mich                 nat\u00fcrlich mundtot zu machen auf verschiedene Art und Weise. Einmal,                 indem mir vorgeworfen wird, dass ich zu Straftaten aufrufe. Ein                 Verfahren ist jetzt vom Oberlandesgericht best\u00e4tigt worden. Da                 habe ich zehn Tagess\u00e4tze bekommen.<\/p>\n<p>Dann gibt es einstweilige Verf\u00fcgungen, das hei\u00dft, dass der Firmenanwalt                 von Monsanto, der immer die jeweiligen Anbauer vertritt, mir eine                 einstweilige Verf\u00fcgung reindr\u00fcckt. Mir wird dann angedroht, dass                 ich, wenn ich auf den Acker gehe, bis zu 250.000 Euro zahlen oder                 ein halbes Jahr ins Gef\u00e4ngnis gehen soll. <\/p>\n<p>Vor zwei Jahren war ich dann auf dem Acker. Das kann man sich                 bei uns auf der Internetseite angucken. Daraus ist dann geworden,                 dass ich 1.000 Euro Strafe zahlen oder zwei Tage ins Gef\u00e4ngnis                 gehen soll. Ich hatte mit mehr gerechnet. <\/p>\n<p>Dann gibt es noch ein Verfahren, da habe ich 20 Tagess\u00e4tze gekriegt.                 Da geht man dann davon aus, das ist der R\u00e4delsf\u00fchrer und der kriegt                 dann gleich mehr. Ich bereite mich jetzt darauf vor, dass ich                 demn\u00e4chst diese zwei Tagess\u00e4tze im Gef\u00e4ngnis absitzen werde. <\/p>\n<p>Das Ganze werden wir dann begleiten. Diesmal wollen wir eine                 gro\u00dfe Demo machen, auch mit Treckern, Imkerfahrzeugen, Imkern                 und Promis. Dar\u00fcber versuchen wir wieder Druck aufzubauen, dass                 jeder sich fragt, wieso geht denn ein Berufsimker daf\u00fcr ins Gef\u00e4ngnis,                 dass er ein paar Maiskolben abbricht. <\/p>\n<p><b>GWR: Die <i>tagezeitung<\/i> hat Dich als &#8222;Vork\u00e4mpfer f\u00fcr eine                 Welt, in der Bienen weiterhin die Chance haben, gesunden Honig                 zu produzieren&#8220; beschrieben: &#8222;Michael Grolm w\u00fcrde f\u00fcr seine Bienen                 ins Gef\u00e4ngnis gehen, wenn er sie damit vor genmanipulierten Honigpflanzen                 bewahren k\u00f6nnte.&#8220; F\u00fcr Dein Engagement hat die taz Dir nun den                 mit 5.000 Euro dotierten Panter-Preis verliehen. Herzlichen Gl\u00fcckwunsch!<\/b>               <\/p>\n<p><i>Michael Grolm:<\/i> Danke. Ich muss dazu sagen, dass ich diesen                 Preis nur stellvertretend f\u00fcr die Bewegung <i>Freiwillige Feldbefreiung                 &#8211; Gendreck weg<\/i> in Empfang genommen habe. Das Geld geht komplett                 wieder in den Widerstand. Ich bin nur ein Gesicht nach au\u00dfen,                 eins von vielen.<\/p>\n<p><b>GWR: Meinst Du, dass diese Auszeichnung auch einen gewissen                 Schutz vor der Repression bedeuten k\u00f6nnte?<\/b><\/p>\n<p><i>Michael Grolm:<\/i> Das wei\u00df ich noch nicht. Aber ich freue                 mich auf die n\u00e4chsten Gerichtsverfahren, wo ich dem Richter oder                 der Richterin dann um die Ohren hauen kann, dass man mit Feldbefreiungen                 sogar Preise gewinnen kann. <\/p>\n<p>Wir haben noch mehr solche Schutzmechanismen, auf unserer Internetseite                 finden sich viele alternative Nobelpreistr\u00e4ger und Prominente,                 die sich solidarisieren, z.B. Vandana Shiva aus Indien, Jose Bove                 aus Frankreich und Percey Schmeiser aus Kanada. <\/p>\n<p>Damit wollen wir verhindern, in die kriminelle Ecke gedr\u00fcckt                 zu werden. Das machen wir auch deutlich bei den Aktionen, wo es                 immer bunt zugeht und wo wir uns nicht verstecken vor der Polizei.                 Somit ist es f\u00fcr die Gegenseite schwierig, uns zu kriminalisieren.                 Da kommt dieser Preis gerade recht. <\/p>\n<p><b>GWR: W\u00fcrdest Du die bisherige Arbeit von <i>Gendreck weg<\/i>                 als erfolgreich einsch\u00e4tzen?<\/b><\/p>\n<p><i>Michael Grolm:<\/i> Ich halte sie f\u00fcr erfolgreich, weil es                 vorher \u00fcberhaupt keine Bewegung in dem Sinne wie <i>Gendreck weg<\/i>                 gab. Wir sind eine Bewegung von vielen, die zu dem Thema arbeiten.               <\/p>\n<p>Nat\u00fcrlich gibt es immer noch Gentechnik, aber wenn man sich an                 das Gerede der Konzerne vor 15 Jahren erinnert, da hie\u00df es dann,                 dass in 10 Jahren das Zeug \u00fcberall steht. <\/p>\n<p>Auch Herr Seehofer wollte es zu seinem Antritt als Verbraucherminister                 2005 einf\u00fchren und das ist ihm nicht gelungen.<\/p>\n<p>Unter anderem auch aufgrund der vielen anderen Initiativen, die                 zu diesem Thema arbeiten. Aber wir sind ein Teil davon und wir                 hoffen, dass wir uns in Zukunft noch mehr mit anderen gesellschaftlichen                 Gruppen vernetzen, so dass es eine breite Bewegung wird, die es                 der Politik schwer macht, Gendreck durchzusetzen.<\/p>\n<p><b>GWR: Anders als etwa die Anti-Atom-Bewegung ist die Anti-Gentechnik-Bewegung                 noch relativ klein. Welche Perspektiven des gewaltfreien Widerstands                 im Allgemeinen und im konkreten Fall gegen die Gentechnik-Industrie                 siehst Du?<\/b><\/p>\n<p><i>Michael Grolm:<\/i> Na ja, das konnte man in diesem Jahr schon                 sehr sch\u00f6n sehen, dass es sozusagen wie beim Schneeballeffekt                 weiter rollt, dass sich Leute gefunden haben, die sagen: &#8222;Ja,                 das Thema ist wichtig, wir wollen das machen.&#8220; <\/p>\n<p>Es gab 2008 viele Besetzungen, also, bevor das Zeug ausges\u00e4t                 worden ist, was dazu gef\u00fchrt hat, dass Hessen gentechnikfrei geworden                 ist. Es gab viele Feldbefreiungen, die bei Nacht und Nebel stattgefunden                 haben. <\/p>\n<p>Also, es geht dar\u00fcber hinaus und es gibt anscheinend viele Leute,                 unabh\u00e4ngig von uns, die jetzt dieses Thema aufgegriffen haben                 und zu ihrem machen und mit ihren Mitteln vorgehen. Das finde                 ich begr\u00fc\u00dfenswert und ich hoffe, dass das n\u00e4chstes Jahr dann noch                 mehr wird.<\/p>\n<p><b>GWR: Das hoffe ich auch. Zur internationalen Vernetzung: Es                 gibt ja auch in anderen L\u00e4ndern Bewegungen gegen die Gentechnikindustrie.                 Wie seid Ihr vernetzt?<\/b><\/p>\n<p><i>Michael Grolm:<\/i> Wir haben von Anfang an die internationale                 Vernetzung gesucht und auch gefunden. Es gibt eine Partnerorganisation                 von uns in Frankreich, die hei\u00dft \u00fcbersetzt &#8222;Die Freiwilligen mehr&#8220;,                 was eine starke Bewegung ist, die da auch gro\u00dfe Fl\u00e4chen befreit.                 Auch bei unseren Aktionen gibt es immer eine internationale Beteiligung,                 wo wir Leute haben, die dann berichten, was bei ihnen stattfindet.                 Und umgekehrt waren wir auch schon bei Aktionen in anderen L\u00e4ndern                 dabei und haben dort von unseren Aktionen berichtet. Diese Vernetzung                 gibt es, und wir wollen das noch st\u00e4rker ausbauen. <\/p>\n<p>Wir hatten z.B. 2007 den Treck von &#8222;nature&#8220; zu unserer Feldbefreiung.                 Dort sind dann Bauern und B\u00e4uerinnen von Stra\u00dfburg losgefahren                 mit ihren Treckern und haben eine Art Staffellauf gemacht von                 Station zu Station durch Baden-W\u00fcrttemberg, wo dann bis zu 100                 Trecker zusammengekommen sind. Das war eine l\u00e4nder\u00fcbergreifende                 Treckerdemonstration. <\/p>\n<p><b>GWR: Was w\u00fcnscht Du Dir f\u00fcr die Zukunft?<\/b><\/p>\n<p><i>Michael Grolm:<\/i> Ich w\u00fcnsche mir f\u00fcr die Zukunft, dass ich                 noch Honig verkaufen darf. <\/p>\n<p>Ein Kollege von mir, der direkt neben einem Freisetzungsversuch                 des Freistaats Bayern seine Bienenv\u00f6lker hat, der ist dagegen                 vorgegangen. Dem wurde dann gesagt, er solle mit seinen Bienen                 wegwandern. Weil, wenn er diese genmanipulierten Pollen &#8222;Mon 810&#8220;                 in seinem Honig hat, dann ist das Sonderm\u00fcll. Der ist dann weggewandert.                 Danach wurden Proben genommen und man hat trotzdem genmanipulierte                 Pollen in seinem Honig gefunden. Da fragt man sich dann, wie die                 da reinkommen. Also fliegen Bienen wohl sehr weit und die lagern                 ja auch die Pollen in den Waben. Der hat seine gesamte Ernte dann                 zur M\u00fcllverbrennungsanlage gebracht. Jetzt wei\u00df kein Mensch, ob                 er Schadensersatz bekommt oder nicht. Fakt ist, wenn jetzt demn\u00e4chst                 \u00fcberall Gendreck steht, wohin sollen wir dann noch ausweichen?               <\/p>\n<p>Das ist existenzbedrohend f\u00fcr Tausende von Imkern. Das wird dann                 seine Kreise ziehen, dahin gehend, dass es weniger Bienen geben                 wird, weniger Best\u00e4ubungen. Und das wird den ganzen Naturhaushalt                 durcheinander bringen. Das ist eine Katastrophe. Das ist ein konkretes                 Ding, was mir massiv an den Kragen geht, weil ich dann meinen                 Honig nicht mehr verkaufen kann.<\/p>\n<p>Dar\u00fcber hinaus w\u00fcnsche ich mir, dass die Menschen, die einen                 gesunden Menschenverstand haben, ihren Arsch hoch kriegen und                 handeln. Das w\u00fcnsche ich mir in der Politik und auch in der Zivilgesellschaft.               <\/p>\n<p><b>GWR: Herzlichen Dank.<\/b><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Graswurzelrevolution (GWR): Michael, Du hast 2005 mit anderen gewaltfreien Aktivistinnen und Aktivisten die Initiative Gendreck weg &#8211; Freiwillige Feldbefreiung gegr\u00fcndet. Was waren Eure Beweggr\u00fcnde? Michael Grolm: Wenn wir zur\u00fcckgucken auf die Geschichte der Anti-Gentechnik-Bewegung, dann gab es auf EU-Ebene Anfang der 90er Jahre ein Moratorium f\u00fcr einen f\u00fcnfj\u00e4hrigen Anbaustopp. Daraufhin sind s\u00e4mtliche Aktivit\u00e4ten eingeschlafen. 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