{"id":9089,"date":"2008-12-01T00:00:58","date_gmt":"2008-11-30T22:00:58","guid":{"rendered":"http:\/\/test.graswurzel.net\/gwr\/?p=9089"},"modified":"2022-07-26T13:11:42","modified_gmt":"2022-07-26T11:11:42","slug":"wachsender-widerstand","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/2008\/12\/wachsender-widerstand\/","title":{"rendered":"Wachsender Widerstand"},"content":{"rendered":"<p>Die Zahnb\u00fcrste, eine Notration Wasser, der eiserne Vorrat an                 Schokolade, die kleine Hausapotheke, warme Unterw\u00e4sche und nat\u00fcrlich                 der Pass der <i>Republik Freies Wendland<\/i> sollten immer dabei                 sein. <\/p>\n<p>Da ich mich an diese Weisheit gehalten hatte, war ich gut vorbereitet,                 als am Samstag, den 8.11. w\u00e4hrend der Auftaktdemo \u00fcber den SprecherInnenrat                 von X-tausendmal quer entschieden wurde, die Blockade nicht erst                 am Sonntag und in Gorleben, sondern gleich im Anschluss an die                 Demo und direkt vor dem Zwischenlager zu beginnen.<\/p>\n<p>Als sich am sp\u00e4ten Samstag Nachmittag ca. 500 Menschen auf der                 Stra\u00dfe vor dem Zwischenlager niederlie\u00dfen, begann die D\u00e4mmerung                 schon herein zu brechen. Eine Nacht auf der Stra\u00dfe, f\u00fcr viele                 ganz spontan, ohne Isomatten, Schlafs\u00e4cke oder gar Zelte? <\/p>\n<p>Alles kein Problem, denn die Aktionsunterst\u00fctzung von X-tausendmal                 quer \u00fcbertraf sich diesmal selbst. In k\u00fcrzester Zeit wurden hunderte                 von Strohs\u00e4cken gebracht, Rampenplan baute neben der Blockade                 eine K\u00fcche auf, eh man sich&#8217;s versah standen mobile Kloh\u00e4uschen                 am Stra\u00dfenrand, und als die ersten ans Schlafen gehen dachten,                 wurden auch schon hunderte von hauchd\u00fcnnen, goldfarbenen Rettungsdecken                 verteilt. <\/p>\n<p>Die Frage, wann die Aktion beginnen soll, war bei fr\u00fcheren Blockaden                 von X-tausendmal quer oft hei\u00df diskutiert. <\/p>\n<p>Sollen wir bald anfangen, so lange es noch nicht so schwer ist                 auf die Stra\u00dfe zu kommen? Oder warten wir noch auf Leute, die                 auf dem Weg zu uns sind? <\/p>\n<p>Sollten wir erst kurz vor dem Castor auf die Stra\u00dfe, um ihn &#8222;wirklich&#8220;                 zu stoppen? Ich fand es sehr erfrischend, diesmal bei einer Aktion                 zu sein, wo diese Frage so \u00fcberhaupt keine Rolle spielte. Zu einer                 Zeit, wo wir sonst noch diskutierten, sa\u00dfen wir hier einfach schon                 auf der Stra\u00dfe, und wer dazu kommen wollte, konnte das tun. So                 entstand eine ganz andere Stimmung als sonst &#8211; entspannter, kreativer,                 fr\u00f6hlicher. Wir konnten einen Ort schaffen und halten, an dem                 die ganze Zeit des Transports hindurch unser Widerstand sichtbar                 war und wuchs. F\u00fcr die \u00dcberraschungsaktionen kurz vor der Abfahrt                 des Stra\u00dfentransports sorgten Greenpeace und die B\u00e4uerliche Notgemeinschaft.<\/p>\n<p>Ohne den Dauerregen am Sonntag Vormittag w\u00e4re sicher nicht passiert,                 was f\u00fcr mich eine der eindrucksvollsten Entwicklungen beim diesj\u00e4hrigen                 Castor war: Die Entstehung eines H\u00fcttendorfes mitten auf der Stra\u00dfe                 vor dem Zwischenlager. Waren es zuerst noch einzelne Planen, die                 als Schutz vor Regen gespannt wurde, so setzte nach und nach ein                 reges Bauen der verschiedenen Bezugsgruppen ein. Bis Sonntag Abend                 war aus Planen, Schn\u00fcren und Holz aus dem angrenzenden Wald ein                 eindrucksvolles Dorf aus vielen miteinander verwobenen Unterst\u00e4nden                 und H\u00fctten gewachsen, in dem jede Bezugsgruppe unter &#8222;ihrem&#8220; Dach                 schlief. <\/p>\n<p>Am Sonntag morgen lagen \u00fcberall zwischen und hinter den H\u00fctten                 weitere Menschen, die zuvor an der Schiene aktiv und nun \u00fcber                 Nacht eingetroffen waren. <\/p>\n<p>W\u00e4hrend der gesamten Blockade waren wir von Rampenplan rundum                 mit warmem Essen und Getr\u00e4nken versorgt. Aus zwei Lautsprecherwagen                 kamen Musik und Infos, oft wurde Radio Freies Wendland \u00fcbertragen,                 das umfassend \u00fcber die vielen Aktionen auf Schiene und Stra\u00dfe                 informierte. So bekamen wir von unserem Platz vor dem Zwischenlager                 einen guten \u00dcberblick, was sich alles bewegte in diesen Tagen                 des Widerstands. <\/p>\n<p>Dabei wurde klar: Es sind wieder viel mehr Leute unterwegs als                 in den letzten Jahren. Es fehlt nicht an tollen Aktionsideen.                 Und w\u00e4hrend es sonst auch nach gelungenen Aktionen doch immer                 ein emotionaler Tiefpunkt war, wenn der Castor schlie\u00dflich doch                 ins Zwischenlager Einfuhr, war diesmal selbst in dem Moment die                 Stimmung gelassen und fr\u00f6hlich.<\/p>\n<p>Schlie\u00dflich hatte schon Stunden vorher Radio Freies Wendland                 verk\u00fcndet: &#8222;Den Punktsieg haben wir schon. Wir spielen jetzt nur                 noch auf Tore.&#8220;<\/p>\n<p>Nach solch befl\u00fcgelnden Tagen werden manche es vielleicht kaum                 abwarten k\u00f6nnen, bis im Herbst 2010 das n\u00e4chste Mal im Wendland                 die f\u00fcnfte Jahreszeit heran bricht. <\/p>\n<p>Aber so lange sollten wir ohnehin nicht warten: Zu tun gibt es                 auch zwischendurch genug, um den Atomausstieg voran zu treiben.                 Zum Beispiel die &#8222;argumentative Umzingelung&#8220; der Wintertagung                 des Deutschen Atomforums in Berlin Anfang Februar. <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Zahnb\u00fcrste, eine Notration Wasser, der eiserne Vorrat an Schokolade, die kleine Hausapotheke, warme Unterw\u00e4sche und nat\u00fcrlich der Pass der Republik Freies Wendland sollten immer dabei sein. 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