{"id":9158,"date":"2009-01-01T00:00:07","date_gmt":"2008-12-31T22:00:07","guid":{"rendered":"http:\/\/test.graswurzel.net\/gwr\/?p=9158"},"modified":"2022-07-26T14:14:44","modified_gmt":"2022-07-26T12:14:44","slug":"wir-sind-alle-so-winzig-aber-wir-haben-so-viel-potenzial","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/2009\/01\/wir-sind-alle-so-winzig-aber-wir-haben-so-viel-potenzial\/","title":{"rendered":"&#8222;Wir sind alle so winzig, aber wir haben so viel Potenzial!&#8220;"},"content":{"rendered":"<p><strong>Graswurzelrevolution (GWR): Dies ist ein Interview f\u00fcr eine anarchistische Zeitung. Deswegen m\u00f6chte ich dich gleich zu Beginn fragen, was der Begriff &#8222;Anarchie&#8220; f\u00fcr dich bedeutet. Inwiefern w\u00fcrdest du dich selbst als Anarchistin bezeichnen?<\/strong><\/p>\n<p><em>Tracey Curtis<\/em>: Ich mag es eigentlich nicht, mich als irgendetwas zu etikettieren, aber ich nehme an, dass das Wort &#8222;Anarchistin&#8220; mich politisch am besten beschreiben w\u00fcrde. Ich w\u00fcnschte mir, in einer Welt zu leben, wo niemand Macht \u00fcber irgendjemand anderen hat; wo alle gleich sind und Menschen- und Tierrechte respektiert werden.<\/p>\n<p><strong>GWR: In deinem Lied <em>Miners Against Fascism<\/em> (&#8222;Bergleute gegen Faschismus&#8220;) feierst du die Solidarit\u00e4t unter sozialistischen, kommunistischen und anarchistischen ArbeiterInnen im <em>Amman Valley<\/em>, wo du lebst. Gibt es denn heute eine nennenswerte anarchistische Bewegung in dieser Region, oder allgemeiner, in Wales? Und hat dich diese ArbeiterInnenbewegung bei der Entwicklung deines politischen Bewusstseins beeinflusst?<\/strong><\/p>\n<p><em>Tracey Curtis<\/em>: Ich w\u00fcnschte, ich k\u00f6nnte sagen, dass es heutzutage eine nennenswerte anarchistische Bewegung im <em>Amman Valley<\/em> g\u00e4be, aber leider ist dem nicht so. Es gibt hier so viel Apathie! Ich bin sicher: Die M\u00e4nner und Frauen, die so schwer f\u00fcr die ArbeiterInnenrechte gek\u00e4mpft haben und die in den spanischen B\u00fcrgerkrieg gezogen sind, um die Faschisten zu bek\u00e4mpfen, w\u00e4ren am Boden zerst\u00f6rt, wenn sie sehen k\u00f6nnten, wie die Dinge jetzt liegen.<\/p>\n<p>Wenn wir jedoch Wales im Ganzen betrachten, sieht es nicht so schlecht aus. Es gibt einige gro\u00dfartige AktivistInnen und anarchistische Gruppen rund um Cardiff und Newport, und Aberystwyth ist ebenfalls eine ziemlich aktive Gegend.<\/p>\n<p>Ich bin sicher, dass es auch noch kleinere Gruppen von Gleichgesinnten \u00fcberall in Wales gibt.<\/p>\n<p>Die ArbeiterInnenbewegung im Amman Valley hat meine politische Bewusstseinsentwicklung nicht beeinflusst, weil ich hier erst seit elf Jahren lebe. Als Kind habe ich den Bergarbeiterstreik mitbekommen, aber ich war zu der Zeit ziemlich jung und das meiste ging \u00fcber meinen Verstand. Aber ich hatte als Kind und Heranwachsende immer einen starken Sinn f\u00fcr Gerechtigkeit, und ich merkte intuitiv, dass bestimmte Dinge falsch oder sinnlos waren &#8211; z.B. die Todesstrafe oder das T\u00f6ten und Essen von Tieren -, aber erst als ich \u00e4lter war, formten sich diese Gedanken und Gef\u00fchle zu festen politischen \u00dcberzeugungen.<\/p>\n<p><strong>GWR: Glaubst du, es gibt eine besondere anarchistische Herangehensweise an die Musik? Zum Beispiel meine ich, dass der amerikanische Avantgarde-Komponist John Cage die Musik von allen Regeln befreien wollte, die sie bis dahin strukturiert hatten. Verglichen mit solchen avantgardistischen Ans\u00e4tzen klingt deine eigene Musik ziemlich konventionell bez\u00fcglich der Harmonie, Rhythmik usw.<\/strong><\/p>\n<p><em>Tracey Curtis<\/em>: Kann sein, dass meine Musik konventionell klingt, aber ich habe tats\u00e4chlich eine anarchistische Herangehensweise an die Musik. Ich bin nicht klassisch ausgebildet und ich folge nicht irgendwelchen besonderen Regeln, was das Schreiben betrifft. Ich sage immer, was ich sagen will, und ich versuche, lyrische Klischees zu vermeiden. Und bez\u00fcglich der Musik: Einige meiner Songs haben keinen \u201arichtigen&#8216; Refrain (<em>Letters to Mr Bush<\/em>, <em>Rosa&#8217;s Happy Song<\/em>, <em>Bristol Museum<\/em> &#8230;), und ich greife nie auf bew\u00e4hrte Akkord-Strukturen zur\u00fcck.<\/p>\n<p>Vielleicht klingt es nicht so, aber ich versuche immer mich anzustrengen, um musikalisch etwas Neues auszuprobieren. Harmonien verwende ich, weil ich sie liebe, und ich liebe die Art, wie sie Teile eines Songs abheben.<\/p>\n<p>F\u00fcr mich ist Musik-Schreiben wie Malerei. Als ich j\u00fcnger war, habe ich eine Kunsthochschule besucht, und da hatte ich einen gro\u00dfartigen Lehrer.<\/p>\n<p>Eine der Sachen, die er mir beibrachte, war: &#8222;Jeder Strich, den du mit deinem Pinsel machst, sollte wohl\u00fcberlegt sein.&#8220; So gehe ich auch ans Songschreiben heran. Wenn meine Lieder einfach und konventionell klingen, dann ist das vielleicht gut, denn schlie\u00dflich l\u00e4sst ein guter Akrobat das Laufen hoch oben auf dem Seil m\u00fchelos aussehen!<\/p>\n<p><strong>GWR: Deine musikalische Karriere hast du als S\u00e4ngerin der Punk-Band <em>Shelley&#8217;s Children<\/em> begonnen. Nach deiner &#8222;Baby-Pause&#8220;, die du ein paar Jahre genommen hast, um deine vier T\u00f6chter gro\u00dfzuziehen, hast du als Folk-S\u00e4ngerin weitergemacht. Vom Punk zum Folk &#8211; das scheint die Entwicklung von <em>Chumbawamba<\/em> widerzuspiegeln (die unseren LeserInnen recht vertraut sind und mit denen du auch schon auf verschiedene Weise zusammengearbeitet hast).<\/strong><\/p>\n<p><strong>L\u00e4sst sich daran ein Trend in der linken Agit-Prop-Musik in Gro\u00dfbritannien ablesen? Deutet sich darin ein Wechsel der Zielgruppen an? Oder ist das, in deinem Fall, Ausdruck der Ver\u00e4nderungen in deiner Familien-Situation &#8211; mit anderen Worten: Ist deine Rolle als Mutter unvereinbar mit Punk?<\/strong><\/p>\n<p><em>Tracey Curtis<\/em>: Als erstes muss ich sagen, dass ich tats\u00e4chlich eine zehnj\u00e4hrige Baby-Pause genommen habe, nicht nur &#8222;ein paar Jahre&#8220;. Was diese Punk-Folk-Geschichte betrifft: Ich habe nie irgendetwas mit einem besonderen Genre im Kopf geschrieben.<\/p>\n<p>Ich schreibe einfach. Solange ich in einer Punk-Band war, schrieb ich Songs trotzdem auf meine Art &#8211; die einzige Art, wie ich schreiben kann. Wenn diese Songs dann von einer Punk-Band gespielt wurden, h\u00f6rten die Leute sie und nahmen sie als &#8222;Punk-Songs&#8220; wahr. Meine Art, Songs zu schreiben, hat sich nur insoweit ver\u00e4ndert, wie sich jedeR K\u00fcnstlerIn im Lauf der Zeit ver\u00e4ndert &#8211; ein allm\u00e4hliches Reifen, das Jahre des Lernens \u00fcber sich selbst und \u00fcber die Welt widerspiegelt.<\/p>\n<p>Ich glaube, heute werden meine Lieder &#8222;Folk-Songs&#8220; genannt, weil ich sie mit einem akustischen Instrument spiele.<\/p>\n<p>Auf gar keinen Fall w\u00fcrde ich sagen, dass meine Rolle als Mutter unvereinbar mit Punk ist. Und \u00fcberhaupt: Punk ist eine Art geistiger Verfassung und hat nicht unbedingt was mit den Klamotten zu tun, die du tr\u00e4gst, oder mit der Musik, die du spielst.<\/p>\n<p>Ich spiele heute akustische Musik, teils weil ich eine akustische Gitarre besitze. Als ich vor ein paar Jahren wieder anfing zu schreiben und zu spielen, habe ich immer nur gedacht, das sei etwas f\u00fcr die Freizeit; ich hatte keine Ahnung, dass ich dabei landen w\u00fcrde, Gigs zu spielen Britannien rauf und runter, und sogar in Europa! Wenn ich eine Punk-Band im Haus h\u00e4tte, dann w\u00fcrde ich vielleicht Punk spielen! Aber ich muss sagen, ich mag die Dinge so, wie sie jetzt sind; ich finde es gut, wenn ich beim Schreiben und beim Touren nur auf mich selbst R\u00fccksicht nehmen muss. Ich habe die Freiheit, meine eigene Auswahl und meine eigenen Entscheidungen zu treffen.<\/p>\n<p><strong>GWR: Wie beeinflussen denn deine Kinder deine politische und musikalische Agenda? Und gibt es heutzutage f\u00fcr dich eine Grenze zwischen der privaten und der politischen Sph\u00e4re?<\/strong><\/p>\n<p><em>Tracey Curtis<\/em>: Ich glaube nicht, dass es meine politische Agenda besonders beeinflusst hat, dass ich Kinder habe. Obwohl ich sagen w\u00fcrde, Kinder zu haben, hat mir eine intensivere Aufmerksamkeit f\u00fcr das Leiden anderer vermittelt. Wenn ich jetzt Bilder von Kindern, M\u00fcttern und V\u00e4tern sehe, die leiden, kann ich mir meine eigenen Kinder leidend vorstellen und kann mich in die Eltern einf\u00fchlen.<\/p>\n<p>Wenn du Kinder hast, bist du nat\u00fcrlich besorgt \u00fcber die Welt, in der sie leben, aber ich war schon immer besorgt \u00fcber die Welt und \u00fcber die Art, wie Menschen sie langsam zerst\u00f6ren.<\/p>\n<p>Was die Musik betrifft, glaube ich, mit Kindern habe ich mehr, wor\u00fcber ich schreiben kann, und andererseits weniger Zeit, es zu schreiben. Kinder stellen einem die ganze Zeit Fragen, und es gibt Dinge, die habe ich immer als selbstverst\u00e4ndlich genommen, und pl\u00f6tzlich muss ich dar\u00fcber nachdenken. Ich lerne die Welt noch mal ganz neu durch die Augen meiner Kinder kennen.<\/p>\n<p>Ich glaube, f\u00fcr mich gibt es keine Grenze zwischen der privaten und der politischen Sph\u00e4re. Ich schreibe die Songs, die ich schreibe, weil ich an sie glaube, und so versuche ich auch, mein Leben zu leben.<\/p>\n<p><strong>GWR: Lass uns \u00fcber einige Besonderheiten deiner Texte sprechen. In deinem Lied \u00fcber Erziehung, <em>I should have kept it simple<\/em>, illustrierst du die Schwierigkeiten beim Versuch, Kinder gut zu lehren, mit astronomischem Lernstoff.<\/strong><\/p>\n<p><strong>Auch in <em>If the Moon could talk<\/em> taucht wieder eine kosmologische Perspektive auf. Ist dies nur konventionelle (&#8222;abgedroschene&#8220;, wie ein Kritiker geschrieben hat) poetische Bildsprache, oder &#8222;dezentrierst&#8220; du die Erde, um Machtzentren zu delegitimieren? Oder was bedeutet es sonst?<\/strong><\/p>\n<p><em>Tracey Curtis<\/em>: Als ich <em>I should&#8217;ve Kept It Simple<\/em> und <em>If The Moon Could Talk<\/em> schrieb, benutzte ich ganz sicher keine konventionelle poetische Bildsprache!<\/p>\n<p>Die kosmische Perspektive zu verwenden, ist eine effektive Art, sich selbst daran zu erinnern, wie winzig wir in dem gro\u00dfen Ganzen sind und wie leicht wir uns in Sachen verheddern, die eigentlich nicht wichtig sind. Deshalb, auf einer Ebene: Ja, dies ist ein Song f\u00fcr meine Kinder, \u00fcber die Schwierigkeiten, die mir als Mutter begegnen, wenn ich mich bem\u00fche &#8211; manchmal vergeblich -, alle ihre Fragen zu beantworten, die auftauchen, w\u00e4hrend sie ihren Weg in die Welt finden.<\/p>\n<p>Aber auf einer anderen Ebene ist es ein Song f\u00fcr uns alle. Die Welt ist ein Ort, in dem es manchmal sehr schwer ist zu leben, aber sie hat auch eine bewundernswerte Einfachheit: die Sonne auf- oder untergehen sehen; Herbstlaub betrachten, wie es die Farben \u00e4ndert und f\u00e4llt; die Luft nach einem Regenschauer riechen oder den Schneefall beobachten.<\/p>\n<p>Wie oft halten wir inne und nehmen uns die Zeit, all diese Dinge wertzusch\u00e4tzen?<\/p>\n<p>Wenn ich zum Himmel hochschaue und den Mond sehe, erinnert es mich immer daran, wie winzig ich bin und wie unermesslich das Universum ist, und ich frage mich dann wirklich, was der Mond sagen w\u00fcrde, wenn er sprechen k\u00f6nnte. Wir sind alle so winzig, aber wir haben so viel Potenzial. Wenn wir zur Kenntnis nehmen, wie klein wir sind, hei\u00dft das nicht, dass wir nichts tun sollten!<\/p>\n<p><strong>GWR: In deiner hervorragenden Anti-Nationalhymne <em>I Won&#8217;t Wear the Union Jack<\/em> hast du den Ausdruck gepr\u00e4gt: &#8222;Die meisten Leute haben gute Sachen zu sagen \/ Aber sie haben aufgegeben zu versuchen, geh\u00f6rt zu werden&#8220;. Nun, ich habe so viele Leute so viel dummes Zeug reden h\u00f6ren, dass ich dich fragen muss, ob diese optimistische Einsch\u00e4tzung speziell f\u00fcr Wales gilt, oder f\u00fcr Gro\u00dfbritannien? Oder andernfalls: Wie k\u00f6nnen Menschen gelehrt werden, in sich selbst jene guten Dinge zu finden, die sie zu sagen haben? So dass sie nicht l\u00e4nger Mist von sich geben m\u00fcssen?<\/strong><\/p>\n<p><em>Tracey Curtis<\/em>: Diese Frage liebe ich, sie bringt mich zum Lachen! Du hast v\u00f6llig Recht; viele Leute geben Mist von sich! Was ich meinte, als ich <em>I Won&#8217;t Wear The Union Jack<\/em> schrieb, war die elementare G\u00fcte und das elementare Verlangen, gerecht zu handeln, die alle Menschen, wie ich glaube, in sich haben, auch wenn das tief versch\u00fcttet sein kann. Und dann gibt es auch die Leute, die nicht so tief in sich graben m\u00fcssen, die sich bewusst sind, was in ihrer Gegend und auf der Welt passiert, aber die sich nicht l\u00e4nger abm\u00fchen, viel dar\u00fcber zu sagen oder dagegen zu tun, entweder weil sie glauben, dass man sie nicht h\u00f6rt, oder aufgrund der allgemeinen Apathie, inmitten derer sie aufgewachsen und in der sie nun versunken sind. Ich hoffe, dass das Sinn ergibt.<\/p>\n<p><strong>GWR: Ich glaube, es gibt einen Punkt auf deiner Agenda, wo du nicht auf die Zustimmung von jedem einzelnen Anarchisten \/ jeder einzelnen Anarchistin rechnen kannst. Das ist der Punkt des Vegetarismus und des Veganismus, den du ja schon angesprochen hast. Viele Menschen (auch ich selbst) glauben, dass &#8211; obwohl es notwendig ist, Grausamkeit gegen\u00fcber Tieren zu bek\u00e4mpfen &#8211; dies nicht bedeutet, dass man keine essen darf. Nichtsdestoweniger hat mich dein Vegetarier-Song <em>Leonardo, Percy, Leo and Albert<\/em> beeindruckt. Aber dann machst du in <em>The Vegan Police<\/em> den \u00fcbertriebenen Eifer mancher VeganerInnen zum Gegenstand deiner Ironie. Inwieweit ist Vegetarismus grundlegend f\u00fcr dein politisches Denken?<\/strong><\/p>\n<p><em>Tracey Curtis<\/em>: Tierrechte sind ein komisches Thema, nicht? Ich singe ziemlich gl\u00fccklich vor jedem Publikum \u00fcber Menschenrechte, aber wenn es um die Rechte von Tieren geht, finde ich mich selbst manchmal gehemmt und dar\u00fcber besorgt, ob das Publikum denkt, dass ich predige, oder ob ich selbstgerecht r\u00fcberkomme. Ich sollte mich dar\u00fcber nicht sorgen, das ist l\u00e4cherlich, und ich frage mich, warum ich es trotzdem tue.<\/p>\n<p>Wenn jemand RassistIn ist oder sich an der Ausbeutung von Menschen beteiligt, sage ich sofort meine Meinung, aber wenn ich mit jemand zusammen bin, der Fleisch kauft oder isst, respektiere ich aus irgendeinem Grund dessen Entscheidung und sage nichts; und doch sind die Rechte von Tieren etwas, wor\u00fcber ich leidenschaftlich empfinde. Um ehrlich zu sein: Ich versuche immer noch, das zu kapieren.<\/p>\n<p>Mit 15 wurde ich Vegetarierin, und heute bin ich Veganerin. Ich sehe keinen gro\u00dfen Unterschied zwischen Leiden und Ausbeutung von Menschen und von Tieren. Fleisch zu essen und Milch zu trinken, verursacht Elend, Schmerz und Tod. Welches Recht habe ich, das Leben eines anderen Wesens, egal welcher Spezies, wegen des Fleischs zu nehmen, wenn ich ohne dieses ges\u00fcnder leben kann? T\u00f6ten macht f\u00fcr mich einfach keinen Sinn.<\/p>\n<p><strong>GWR: Ich verstehe, was du meinst. Aber singst du nicht auch <em>I Used to Want to Be the Cat<\/em>? Ich liebe diesen Text sehr! Als Katze w\u00fcrdest du aber vermutlich dabei landen, M\u00e4use zu essen. Geh\u00f6rt das nicht auch zur Natur?<\/strong><\/p>\n<p><em>Tracey Curtis<\/em>: Ja, ich singe <em>I Used To Want To Be The Cat<\/em>, aber zu der Zeit, als ich die Katze sein wollte, war ich erst ungef\u00e4hr acht Jahre alt und habe vermutlich wenig Aufmerksamkeit auf die Frage des Speisezettels der Katze verwandt.<\/p>\n<p>Selbstverst\u00e4ndlich liegt es in der Natur der Katze zu t\u00f6ten, und das gilt auch f\u00fcr viele andere Tiere. Das ist Instinkt.<\/p>\n<p>Als menschliche Wesen haben wir das gro\u00dfe Gl\u00fcck, dass wir die F\u00e4higkeit besitzen, Vernunft, Voraussicht und Mitgef\u00fchl zu gebrauchen.<\/p>\n<p>Wir m\u00fcssen nicht impulsiv handeln &#8211; wir haben die Wahl. Ich glaube nicht, dass es zu unseren Instinkten geh\u00f6rt, Vieh zu t\u00f6ten und zu essen. Wir k\u00f6nnen alle Eiwei\u00dfe, die wir brauchen, von anderen Quellen bekommen, und au\u00dferdem ist die Umweltbelastung durch die ausgedehnte landwirtschaftliche Tierhaltung enorm.<\/p>\n<p><strong>GWR: Im August hast du auf dem &#8222;Fest der leisen T\u00f6ne&#8220; in einem Wald in der N\u00e4he von Kassel gespielt. Was f\u00fcr eine Erfahrung ist es f\u00fcr eine walisische radikale Folk-K\u00fcnstlerin, in Deutschland aufzutreten?<\/strong><\/p>\n<p><em>Tracey Curtis<\/em>: Ich bin nicht wirklich walisisch. Ich komme aus England, aber ich lebe seit elf Jahren in Wales, und drei meiner Kinder sind Waliserinnen.<\/p>\n<p>Ich habe es genossen, diesen Sommer in Deutschland zu spielen. Das Land ist sch\u00f6n, und ich fand die Leute so freundlich. Es bedeutet mir eine Menge, gebeten zu werden, meine Songs in einem anderen Land zu spielen, und es ist ermutigend, das Publikum bei offen politischen Songs wie <em>If the Death Penalty Were an Olympic Sport<\/em> oder <em>Letters to Mr Bush<\/em> jubeln zu h\u00f6ren. Das zeigt mir, dass es \u00fcberall auf der Welt gleichgesinnte Leute gibt.<\/p>\n<p>Dasselbe Gef\u00fchl habe ich bei MySpace, wenn Menschen aus der ganzen Welt Kontakt aufnehmen. Ich hoffe, in der Zukunft \u00f6fter in Europa spielen zu k\u00f6nnen. Tats\u00e4chlich bin ich gebeten worden, n\u00e4chstes Jahr wieder beim &#8222;Fest der leisen T\u00f6ne&#8220; aufzutreten, darauf freue ich mich schon.<\/p>\n<p><strong>GWR: Ist ein neues Album in Sicht? Auf der Glastonwick-2008-Internet-Seite hei\u00dft es, du h\u00e4ttest gerade einen &#8222;gro\u00dfen Plattenvertrag&#8220; unterzeichnet. Was wird der uns &#8211; musikalisch und poetisch &#8211; bringen?<\/strong><\/p>\n<p><em>Tracey Curtis<\/em>: Es wird ein neues Album geben, aber im Moment wei\u00df ich nicht genau, wann. Ich habe ziemlich viele neue Songs, die noch nicht aufgenommen sind, aber ich habe auch ein neues Album, das fr\u00fcher in diesem Jahr aufgenommen wurde und das von Boff und Neil von Chumbawamba produziert wurde; es enth\u00e4lt die besten Lieder von meinen vorigen beiden Alben.<\/p>\n<p>Der Grund, dieses Album zu machen, liegt darin &#8211; wie du in deiner Frage erw\u00e4hnt hast -, dass ich vor ungef\u00e4hr einem Jahr dabei war, einen Vertrag mit einem gro\u00dfen Plattenlabel zu unterschreiben. Dieses Label wollte meine besten Songs auf einem neuen Album zusammenfassen und in ganz Europa vermarkten. Wie sich herausstellte, war der Deal nicht wirklich angemessen f\u00fcr mich. Ich glaube, ich w\u00e4re nicht gl\u00fccklich geworden mit dem, was man von mir verlangte. Dummerweise bedeutet das, dass ich noch immer ein wunderbar produziertes Album habe, das auf seine Ver\u00f6ffentlichung wartet &#8211; aber keine Plattenfirma. Aber davon lass ich mich nicht beunruhigen; ich bin sicher, das richtige Label wird eines Tages vorbeikommen, und bis dahin ist die wichtigste Sache f\u00fcr mich, weiter Songs zu schreiben und Gigs zu spielen.<\/p>\n<h3>I won&#8217;t wear the Union Jack<\/h3>\n<p>I&#8217;d like to say I&#8217;m proud to be British, but I&#8217;m not<br \/>\nBut I love the town I come from and the place that I grew up<br \/>\nMost of the people have good things to say<br \/>\nBut they&#8217;ve given up trying to be heard<\/p>\n<p>I&#8217;ve been reading John Pilger in the Morning Star<br \/>\nIt doesn&#8217;t matter where you&#8217;re from, but who you are<br \/>\nAnd I can&#8217;t be proud of a country that&#8217;s causing pain<br \/>\nAnd we&#8217;ve done it again and again<\/p>\n<p>I love our rivers, our coastline, what&#8217;s left of our green<br \/>\nBut I won&#8217;t wear the Union Jack or sing &#8222;God save the queen&#8220;<\/p>\n<p>I&#8217;d like to say I&#8217;m proud to be human, but I&#8217;m not<br \/>\nCause all that we discover, we destroy<br \/>\nAnd I know if we found life on Mars, we&#8217;d take that too<br \/>\nAnd we do it again and again<\/p>\n<p>I&#8217;d like to say I&#8217;m proud to be British, but I&#8217;m not<br \/>\nBut I love the town I live in now<br \/>\nMost of the people have good things to say<br \/>\nBut they&#8217;ve given up trying to be heard<\/p>\n<p>I love our rivers, our coastline, what&#8217;s left of our green<br \/>\nBut I won&#8217;t wear the Union Jack or sing &#8222;God save the queen&#8220;<br \/>\nI love our rivers, our coastline, what&#8217;s left of our green<br \/>\nBut I won&#8217;t wear the Union Jack or sing &#8222;God save the queen&#8220;<\/p>\n<p>I love our rivers, our coastline, what&#8217;s left of our green<br \/>\nBut I won&#8217;t wear the Union Jack or sing &#8222;God save the queen&#8220;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Graswurzelrevolution (GWR): Dies ist ein Interview f\u00fcr eine anarchistische Zeitung. Deswegen m\u00f6chte ich dich gleich zu Beginn fragen, was der Begriff &#8222;Anarchie&#8220; f\u00fcr dich bedeutet. Inwiefern w\u00fcrdest du dich selbst als Anarchistin bezeichnen? Tracey Curtis: Ich mag es eigentlich nicht, mich als irgendetwas zu etikettieren, aber ich nehme an, dass das Wort &#8222;Anarchistin&#8220; mich politisch &hellip; <a href=\"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/2009\/01\/wir-sind-alle-so-winzig-aber-wir-haben-so-viel-potenzial\/\">Weiterlesen<\/a><\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"slim_seo":{"title":"\"Wir sind alle so winzig, aber wir haben so viel Potenzial!\" - graswurzelrevolution","description":"Graswurzelrevolution (GWR): Dies ist ein Interview f\u00fcr eine anarchistische Zeitung. 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