{"id":9276,"date":"2009-03-01T00:00:51","date_gmt":"2009-02-28T22:00:51","guid":{"rendered":"http:\/\/test.graswurzel.net\/gwr\/?p=9276"},"modified":"2012-08-14T20:59:56","modified_gmt":"2012-08-14T18:59:56","slug":"wir-arbeiten-alle-auf-gleicher-augenhohe","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/2009\/03\/wir-arbeiten-alle-auf-gleicher-augenhohe\/","title":{"rendered":"&#8222;Wir arbeiten alle auf gleicher Augenh\u00f6he&#8220;"},"content":{"rendered":"<p><b>Graswurzelrevolution (GWR): Welche Idee steckt hinter &#8222;La                 Resistance&#8220;? Was hat euch zu diesem Zusammenschluss bewegt?<\/b><\/p>\n<p><i>Asya:<\/i> &#8222;Chaoze One&#8220;, &#8222;Lotta C&#8220;, &#8222;Microphone Mafia&#8220; und                 &#8222;Anarchist Academy&#8220; sind momentan in der linken Szene die einflussreichsten                 HipHop-Crews. <\/p>\n<p>Wir haben viele Auftritte miteinander gespielt und unser Programm                 mit der Zeit zu einem Paket vermischt. Da hatte &#8222;Signore Rossi&#8220;                 von der &#8222;Microphone Mafia&#8220; die Idee, ein gemeinsames Album rauszubringen.                 Dann haben wir uns mit &#8222;Meditias&#8220; zwei sehr gute K\u00fcnstlerinnen                 und mit &#8222;Callya&#8220; einen talentierten Newcomer an Bord geholt. Die                 Idee f\u00fcr den Namen hatte ebenfalls der kleine Italiener von der                 &#8222;Mafia&#8220;.<\/p>\n<p><i>Lotta C:<\/i> Im Laufe der Zeit haben sich aus unserer musikalischen                 Zusammenarbeit auch Freundschaften ergeben. <\/p>\n<p>Da uns die Musik verbindet ist es logisch, dass wir nicht zusammen                 in Urlaub fahren, sondern eine Platte aufnehmen und dann auf Tour                 gehen. Unsere gemeinsame Zeit im Studio und bei Auftritten machte                 so viel Spa\u00df, dass wir das einfach ausweiten wollten. Mich pers\u00f6nlich                 hat es zudem gereizt, mit so unterschiedlichen K\u00fcnstlerinnen und                 K\u00fcnstlern zu arbeiten. <\/p>\n<p><b>GWR: Ihr seid ein \u00fcberregionaler Zusammenschluss und lebt                 \u00fcber weite Strecken verteilt. Nur dreimal konntet ihr euch mit                 kompletter Besetzung im Studio treffen. Wie schafft ihr es trotzdem,                 eine gemeinsame Platte einzuspielen? <\/b><\/p>\n<p><i>Chaoze One: <\/i>Vorbereitung und Logistik wurden \u00fcber ein                 Internetforum koordiniert. Dar\u00fcber haben wir uns gegenseitig Beats                 zugespielt. Haben Ideen und Texte besprochen. Zum Einspielen der                 Platte haben wir uns in K\u00f6ln getroffen. Das lag in der Mitte und                 uns stand ein Studio mit K\u00fcche und Schlafm\u00f6glichkeiten zu Verf\u00fcgung,                 das w\u00e4hrend der Aufnahmen unsere zweite Wohnung wurde. Wegen der                 vielen Arbeit blieb aber kaum Zeit zum Durchatmen. Es ist auch                 nicht jeder an jedem Lied beteiligt. Das w\u00e4re bei elf Leuten einfach                 nicht m\u00f6glich. Wer Luft hatte, einen Beat einzuspielen, hat ihn                 ins Internet gestellt, wo er von den anderen aufgegriffen werden                 konnte.<\/p>\n<p><i>Lotta:<\/i> F\u00fcr mich ist die Nutzung des Internets eine besondere                 Facette. Du nutzt die Technik, um gemeinsam Musik entstehen zu                 lassen. Ganz ohne pers\u00f6nlichen Kontakt geht das nat\u00fcrlich alles                 nicht und es entfallen auch einige kreative Prozesse wie sie zum                 Beispiel beim Jammen im Bandkeller entstehen. Aber es ist eine                 interessante Art der Kommunikation und der Kreativit\u00e4t und ich                 bin mir sicher, dass wir ohne dieses Medium nie eine Platte eingespielt                 h\u00e4tten. So viele Menschen zu einem Zeitpunkt in einen Raum zu                 bringen, ist unter Umst\u00e4nden verdammt schwer. <\/p>\n<p><b>GWR: &#8222;La Resistance&#8220; besteht aus eigenst\u00e4ndigen Bands und                 Solok\u00fcnstlerInnen. Wie ist die Rollenverteilung innerhalb der                 Gruppe?<\/b><\/p>\n<p><i>Lotta C:<\/i> Die \u00fcblichen Bandstrukturen werden ein bisschen                 durcheinander gemischt und jeder kann mal mit ganz anderen K\u00fcnstlerInnen                 zusammen kommen, als er oder sie es gewohnt ist.<\/p>\n<p>Ich fand es faszinierend, wie die einzelnen St\u00fccke dadurch entstanden                 sind. Wie jeder K\u00fcnstler seine oder ihre Ideen eingebracht hat                 und der Ausrichtung des St\u00fccks eine weitere Komponente oder eine                 andere Richtung gegeben hat. Das ist spannend, weil es auch die                 eigene Kreativit\u00e4t belebt.<\/p>\n<p><i>Chaoze One:<\/i> Wir arbeiten alle auf gleicher Augenh\u00f6he und                 verteilen die Arbeit m\u00f6glichst untereinander. Doch nicht jeder                 macht die gleiche Arbeit. Es gibt drei, vier Leute, die St\u00fccke                 abmischen und arrangieren. An denen bleibt ein gr\u00f6\u00dferer Teil der                 Arbeit h\u00e4ngen. Das ist nicht weiter tragisch. Die Aufgabenteilung                 ergibt sich eben aus der Sache selbst. Daf\u00fcr z\u00e4hlt bei uns jedes                 Wort und jede Stimme gleich. Der Fotograf hat bei uns genau soviel                 zu melden wie der DJ oder S\u00e4nger.<\/p>\n<p><b>GWR: Das Album soll eine Mischung aus &#8222;Old-&#8220; und &#8222;New School&#8220;                 werden. Wer vertritt die alte, wer die neue Schule?<\/b><\/p>\n<p><i>Chaoze One: <\/i>&#8222;Anarchist Academy&#8220; vertritt die alte Schule                 des HipHop. &#8222;Microphone Mafia&#8220; kommen aus der &#8222;Old School&#8220;, haben                 sich aber \u00fcber zwanzig Jahre gehalten und sind nun in der &#8222;New                 School&#8220; angekommen. Es ist schwer, klare Grenzen zu ziehen. Im                 Geiste bin auch ich eher von der alten, in meinen Reimen tendiere                 ich zur neuen Schule. Einen reinen &#8222;New Schooler&#8220; gibt es bei                 uns eigentlich nicht, aber gerade das verleiht uns die Kraft beide                 Schulen zu verbinden. <\/p>\n<p><b>GWR: Seht ihr in dieser generations\u00fcbergreifenden Kooperation                 auch eine politische Bedeutung? <\/b><\/p>\n<p><i>Chaoze One: <\/i>Ich gebe zu, &#8222;Asya&#8220; sieht zwar etwas \u00e4lter                 aus, doch mein Vater k\u00f6nnte er noch nicht sein. (lacht) Spa\u00df beiseite.               <\/p>\n<p><i>Asya:<\/i> Dabei geht es weniger um das Politische. Es gibt                 in jeder Generation Menschen, die unkritisch und unpolitisch sind.                 Das hat mehr mit der Auffassung gegen\u00fcber der Musik zu tun. Unser                 gemeinsamer Standpunkt ist, politischen Rap zu machen. Das Album                 soll aber f\u00fcr jeden etwas bereit halten. Das kann sich der Punker                 ebenso anh\u00f6ren wie der Student oder der Hans Peter von nebenan.               <\/p>\n<p><b>GWR: Hat das Projekt auch eine Wiederbelebung der lange Zeit                 abgetauchten &#8222;Anarchist Academy&#8220; bewirkt?<\/b><\/p>\n<p><i>Chaoze One: <\/i>Ja. Es bahnt sich ein eigenes &#8222;Anarchist Academy&#8220;-Revival                 an. Im Augenblick liegt das noch auf Eis, wegen der Arbeit am                 &#8222;La Resistance&#8220;-Album. Ist aber nicht vergessen und wird f\u00fcr n\u00e4chstes                 Jahr angepeilt. Es kommt eben alles wieder.<\/p>\n<p><b>GWR: Ihr beschreibt eure Musik als &#8222;Conscious Rap&#8220;. <\/b><b>Kannst                 du das kurz erl\u00e4utern? <\/b><\/p>\n<p><i>Asya:<\/i> Es bedeutet, sich seiner Botschaft bewusst zu sein                 und flache sexistische, homophobe oder rassistische Attit\u00fcden                 zu meiden. Sich beispielsweise nicht unter dem Deckmantel zu verstecken,                 man sei selber kein Rassist, aber gleichzeitig das Problem zu                 verharmlosen. Man gibt eine Lebenseinstellung wieder und versucht                 dabei die Menschen zu bewegen. Nicht nur auf den &#8222;Style&#8220; zu achten.                 Nicht Hauptsache Doppelreime und schei\u00df auf den Inhalt. Das sollte                 beides passen.<\/p>\n<p><b>GWR: &#8222;Chaoze One&#8220; adaptiert gerne diverse Musikrichtungen                 in seinen HipHop. Wird das auch auf euerem Album so sein?<\/b><\/p>\n<p><i>Asya:<\/i> Ja, nur weniger ausgepr\u00e4gt. Wir haben unter anderem                 t\u00fcrkische und tschechische &#8222;Samples&#8220; eingebaut. Doch alles in                 allem wird es mehr eine geradlinige HipHop-Platte. Wir haben uns                 nicht gewollt anderer Musikrichtungen bedient. Wir alle h\u00f6ren                 nicht nur Rap, sondern jegliche Musik. <\/p>\n<p>Das flie\u00dft mit ein, wenn wir zusammen sitzen und ein Brainstorming                 machen.<\/p>\n<p><i>Chaoze One:<\/i> &#8222;Callya&#8220; zum Beispiel hat sich in seinen eigenen                 Projekten st\u00e4rker dem Reggae zugewandt. F\u00fcr ihn war das ein Ausflug                 zur\u00fcck zur Rapmusik. Es gibt bei uns keine HipHop Puristen. HipHop                 ist entstanden, weil er sich immer von anderer Musik hat inspirieren                 lassen.<\/p>\n<p><b>GWR: Welche Themen werden auf dem Album behandelt?<\/b><\/p>\n<p><i>Asya:<\/i> In einem Song werden wir uns selbst und die Intention                 hinter &#8222;La Resistance&#8220; pr\u00e4sentieren.<\/p>\n<p>Die Platte deckt ein riesiges Spektrum ab. Sie handelt von Leben                 und Tod, von Revolution und Verlust. Und davon, dass die Menschen                 endlich ihren Arsch bewegen sollen.<\/p>\n<p>Dass sie aufstehen, ihre Meinung sagen und nicht die Schafe spielen                 sollen.<\/p>\n<p><i>Lotta C:<\/i> Wir wollten nicht nur Texte auf die Platte bringen,                 die beschreiben, wie schlimm und ungerecht alles ist, sondern                 haben versucht, unserem Bandnamen gerecht zu werden. Wir sind                 &#8222;La Resistance&#8220;, der Widerstand. Es ist eine k\u00e4mpferische, eine                 politische Platte, [\u2026] die das Gef\u00fchl von &#8222;Du bist nicht allein&#8220;                 entstehen lassen und vermitteln soll, dass es sich trotz allem                 lohnt zu k\u00e4mpfen. Es gibt also durchaus auch positive Texte. <\/p>\n<p><i>Chaoze One:<\/i> Es finden sich ebenso abstrakte, nachdenkliche                 Lieder. Zum Beispiel das St\u00fcck &#8222;One Love&#8220; \u00fcber Menschen, die wir                 auf dem Weg verloren haben. In politischen und pers\u00f6nlichen Zusammenhang.                 Lotta C etwa hat eine sehr pers\u00f6nliche Strophe \u00fcber ein M\u00e4dchen                 geschrieben, deren Platz auf dem Plenum eines Tages leer blieb,                 w\u00e4hrend ich den Tod Carlo Giulianis aufarbeite. Es geht um ein                 lebenswertes Dasein vor der Revolution und wir machen uns Gedanken                 \u00fcber ein Leben danach.<\/p>\n<p><i>Asya:<\/i> In dem Lied &#8222;I who have no One&#8220; haben wir verschiedene                 Facetten der allt\u00e4glichen Verzweiflung vieler Menschen aufgegriffen.                 Die Verzweiflung etwa von einem Sch\u00fcler dem Lehrer gegen\u00fcber oder                 des B\u00fcroangestellten, der sein Leben verloren gibt, weil es so                 eint\u00f6nig ist. <\/p>\n<p><b>GWR: Werdet ihr auf der Platte andere K\u00fcnstlerinnen und K\u00fcnstler                 featuren?<\/b><\/p>\n<p><i>Chaoze One:<\/i> Auf unserem ersten Album wollten wir erst                 mal nur uns vorstellen. Wir sind ja schon elf Leute. &#8222;La Resistance&#8220;                 ist jedoch ein offenes Projekt.<\/p>\n<p><i>Asya:<\/i> Bei der gro\u00dfen Anzahl von K\u00fcnstlern mussten wir                 zuerst einmal uns selber und eine Arbeitsweise miteinander finden,                 die effektiv ist. <\/p>\n<p><b>GWR: Wie sch\u00e4tzt ihr, jetzt wo ihr euch gefunden habt, die                 Zukunft von &#8222;La Resistance&#8220; ein? Wird sich dieses offene Projekt                 weiter festigen? <\/b><\/p>\n<p><i>Chaoze One: <\/i>Klar, wir m\u00fcssen noch mindestens zwei Platten                 machen. Ich habe noch nicht genug Geld f\u00fcr meinen 3&#8217;er BMW. (lacht)<\/p>\n<p>Nein, mal im Ernst. Ich denke, dass die Arbeit uns motiviert                 hat. Es wird auf jeden Fall ein zweites Album geben. F\u00fcr mich                 war ein Punkt erreicht, an dem ich dachte, jetzt habe ich lange                 genug alleine Musik gemacht. Bei der Arbeit in einer gr\u00f6\u00dferen                 Gruppe findet eine soziale Auseinandersetzung statt. Jeder hat                 eine eigene Meinung und sagt dir auch mal: &#8222;So w\u00fcrde ich das nicht                 machen.&#8220;<\/p>\n<p><i>Asya: <\/i>Es ist gut m\u00f6glich, dass aus der &#8222;La Resistance-Familie&#8220;                 weitere Ableger hervorgehen. Drei, vier Leute die mal ohne die                 gesamte Gruppe ein kleineres Projekt verwirklichen. Wir bleiben                 aber als geschlossene Band bestehen. <\/p>\n<p><i>Lotta C:<\/i> Wir haben gerade erst losgelegt und ich bin gespannt,                 in welche Richtung unsere Zusammenarbeit noch gehen wird. Ich                 freue mich vor allem auf die Tour, die am 30. April beginnt und                 quer durch Deutschland geht. Vielleicht entsteht da auch schon                 die Idee f\u00fcr unser n\u00e4chstes Album.<\/p>\n<p><b>GWR: Rechnet sich ein solches Projekt, bei dem Aufwand, den                 es mit sich bringt?<\/b><\/p>\n<p><i>Chaoze One: <\/i>Das ist nicht die Frage. Rechnet es sich,                 freue ich mich. Rechnet es sich nicht, zahle ich drauf. Ich will                 mich aber von Faktoren, wie Gewinnaussichten, nicht in der Planung                 beeinflussen lassen. Wir haben das jetzt durchgezogen und nat\u00fcrlich                 schreibt man, bis das Album raus ist, ordentlich rote Zahlen.                 Gerade wegen des vielen Herumreisens. Aber davon lassen wir uns                 nicht aufhalten.<\/p>\n<p><i>Asya:<\/i> Ob wir nun tausend oder zwanzigtausend Platten vom                 ersten Album verkaufen, wird f\u00fcr die Fortsetzung des Projekts                 nicht ausschlaggebend sein. Hier ist eine Struktur gewachsen,                 die es uns erlaubt, unabh\u00e4ngig miteinander zu arbeiten. <\/p>\n<p><i>Lotta C:<\/i> Nat\u00fcrlich rechnet sich die Platte! Ich mache                 Musik ja nicht f\u00fcr die Kohle, sondern weil es mir eine innere                 Befriedigung gibt. Weil es mich gl\u00fccklich macht, weil ich etwas                 sagen kann und man mir zuh\u00f6rt. Wer kann das schon von sich behaupten?                 Ich habe die Gelegenheit, mit wunderbaren, talentierten Menschen                 zusammenzuarbeiten, mit ihnen Zeit zu verbringen und kreativ zu                 sein. <\/p>\n<p>Ich feiere au\u00dferdem zusammen mit mehreren Hundert Menschen auf                 unseren Konzerten, die meine Texte singen. Ich bekomme jedes Mal                 eine G\u00e4nsehaut, weil ich wei\u00df, da sind Hunderte, die sehen das                 wie du. <\/p>\n<p>Das ist der Gewinn, den ich aus der Platte ziehe. <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Graswurzelrevolution (GWR): Welche Idee steckt hinter &#8222;La Resistance&#8220;? Was hat euch zu diesem Zusammenschluss bewegt? Asya: &#8222;Chaoze One&#8220;, &#8222;Lotta C&#8220;, &#8222;Microphone Mafia&#8220; und &#8222;Anarchist Academy&#8220; sind momentan in der linken Szene die einflussreichsten HipHop-Crews. Wir haben viele Auftritte miteinander gespielt und unser Programm mit der Zeit zu einem Paket vermischt. 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