{"id":9395,"date":"2009-05-01T00:00:02","date_gmt":"2009-04-30T22:00:02","guid":{"rendered":"http:\/\/test.graswurzel.net\/gwr\/?p=9395"},"modified":"2022-07-26T13:31:16","modified_gmt":"2022-07-26T11:31:16","slug":"gewaltfrei-gegen-die-nato","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/2009\/05\/gewaltfrei-gegen-die-nato\/","title":{"rendered":"Gewaltfrei gegen die NATO"},"content":{"rendered":"<p>Alle drei Blockaden blieben dort bis etwa 12 Uhr, als die SprecherInnenr\u00e4te                 beschlossen, sie aufzuheben und sich der Demo anzuschlie\u00dfen.<\/p>\n<p>W\u00e4hrend die beiden Innenstadtblockaden anfangs von der Polizei                 mit Tr\u00e4nengas angegriffen wurden, beruhigte sich die Lage nach                 einiger Zeit und die Polizei entspannte sich ebenfalls.<\/p>\n<p>Die gewaltfreien Blockaden von Block-NATO und NATO-ZU zeigen,                 dass es sogar in solch einer eskalierten Situation m\u00f6glich war,                 gewaltfrei zu blockieren und den Nato-Gipfel mit dieser Aktion                 Zivilen Ungehorsams zu st\u00f6ren. Nach einem Bericht in der Badener                 Zeitung f\u00fchrten die Blockaden zur Umleitung des Konvois der Staats-                 und Regierungschefs und st\u00f6rten die JournalistInnen, die den Gipfel                 beobachten wollten. W\u00e4hrend sp\u00e4ter am Tag die Gewalt im Bereich                 des Stra\u00dfburger Hafens ausbrach, wo die internationale Demonstration                 stattfand, stellte die sorgf\u00e4ltige Vorbereitung der Blockaden                 sicher, dass es keine Gewalt von Seiten der AktivistInnen gab.<\/p>\n<h3>Vorbereitung im Camp<\/h3>\n<p>Die Schlussvorbereitung f\u00fcr die Blockaden begann im Camp in der                 Rue de la Ganzau, im S\u00fcden Stra\u00dfburgs. Das Camp war die Basis                 f\u00fcr eine gro\u00dfe Bandbreite von AktivistInnen, von PazifistInnen                 zum sogenannten &#8222;Schwarzen Block&#8220; (eine keinesfalls homogene Gruppierung)                 und vielen Leuten, die keine klare Zugeh\u00f6rigkeit hatten. Im Camp                 hatten Block-Nato und NATO-ZU ihr eigenes &#8222;barrio&#8220; (Viertel),                 wo jeden Tag mindestens drei Einheiten Training in gewaltfreier                 Aktion stattfanden, wo Bezugsgruppen gebildet wurden, die VertreterInnen                 der Bezugsgruppen sich im SprecherInnenrat trafen und die Planung                 und Vorbereitung f\u00fcr die Blockade stattfand.<\/p>\n<p>Am 1. April trafen sich VertreterInnen von Block-NATO und NATO-ZU                 auch mit der Polizei, um die geplanten Aktionen Zivilen Ungehorsams,                 die Grunds\u00e4tze der Gewaltfreiheit und die Rolle der Polizei-Kontaktpersonen                 als Kommunikationskanal zwischen der Polizei und dem SprecherInnenrat                 zu erl\u00e4utern. W\u00e4hrend die Polizei mit Interesse zuh\u00f6rte, verpflichtete                 sie sich selbst nicht zu Gewaltfreiheit und bestand darauf, alle                 &#8222;angemessenen Mittel&#8220; f\u00fcr die Aufl\u00f6sung von Blockaden zu nutzen,                 was den Gebrauch von Tr\u00e4nengas nicht ausschloss.<\/p>\n<p>Die Polizei machte auch klar, dass es ihre Arbeit sei, uns von                 unseren geplanten Aktionen abzuschrecken.<\/p>\n<p>Daher schloss das Training in Gewaltfreiheit nicht nur Arbeit                 in Bezugsgruppen, Konsensfindung, Blockadetechniken und allgemeine                 Aspekte der Gewaltfreiheit ein, sondern auch eine Diskussion,                 wie mit Tr\u00e4nengas umzugehen sei, was f\u00fcr viele der TeilnehmerInnen                 etwas war, das sie vorher noch nicht erfahren hatten und das viele                 als be\u00e4ngstigend empfanden.<\/p>\n<p>Am Freitag, dem letzten Tag vor der Aktion, ging die Diskussion                 in den Bezugsgruppen und dem SprecherInnenrat hin zu Taktiken                 f\u00fcr die Aktion. Wir diskutierten die verschiedenen m\u00f6glichen Blockadepunkte                 in unserer Gegend, ob die Bezugsgruppen sich mit einer, zwei oder                 drei Blockadepunkten gut f\u00fchlen w\u00fcrden und &#8211; vor allem &#8211; wie wir                 zu unserem Blockadebereich gelangen sollten. Zur selben Zeit gab                 es weitere Trainings, und neue Bezugsgruppen stie\u00dfen zur Aktion                 und dem SprecherInnenrat hinzu. <\/p>\n<p>W\u00e4hrend des Nachmittags und am Abend verlie\u00dfen die meisten Gruppen                 von NATO-ZU das Camp und verbrachten die Nacht an verschiedenen                 Pl\u00e4tzen im Norden von Stra\u00dfburg.<\/p>\n<h3>Die Blockaden<\/h3>\n<p>Fr\u00fch am Morgen um 3 Uhr verlie\u00dfen die \u00fcbrigen Gruppen von Block-NATO                 das Lager und versuchten, den \u00f6ffentlich angek\u00fcndigten Treffpunkt                 an der Universit\u00e4t im S\u00fcden der Stadt zu erreichen. Ohne Warnung                 wurden sie von der Polizei mit Tr\u00e4nengas angegriffen, aber sie                 schafften es, sich zur\u00fcckzuziehen und die Polizei zu umgehen,                 wobei sie deutlich jede Konfrontation vermieden. <\/p>\n<p>Andere Gruppen gingen direkt zur Uni, wo sie ebenfalls von der                 Polizei mit Tr\u00e4nengas angegriffen wurden, als sie versuchten wegzugehen.<\/p>\n<p>Die Bezugsgruppen von NATO-ZU hatten eine andere Taktik. Wir                 hatten keinen \u00f6ffentlichen Treffpunkt, sondern hatten entschieden,                 dass jede Bezugsgruppe ihren eigenen Weg zum Blockadepunkt suchen                 solle, um dort p\u00fcnktlich um 7 Uhr in der Fr\u00fche einzutreffen. <\/p>\n<p>Der Plan funktionierte. Wir stie\u00dfen auf keine Polizei in der                 Gegend und erreichten nicht nur ohne Probleme den Blockadepunkt                 an der Avenue Pierre Mendes France, wir konnten auch die Blockade                 ohne Eingreifen der Polizei einrichten. Um 7.05 Uhr verbreitete                 sich die Nachricht, dass NATO-ZU die n\u00f6rdliche Zugangsstra\u00dfe zum                 NATO-Gipfel blockierte.<\/p>\n<p>Sp\u00e4ter am Morgen schafften es die \u00fcbrigen Gruppen von Block-NATO                 auch, ihre gewaltfreien Blockaden einzurichten. <\/p>\n<p>Die Atmosph\u00e4re bei den Blockaden war entspannt und fr\u00f6hlich.                 Wir hatten es geschafft! Nach all den Diskussionen der vorangegangenen                 Tage hatten wir nicht wirklich erwartet, Blockaden einrichten                 zu k\u00f6nnen, und noch weniger, stundenlang zu blockieren. Jeder                 und jede war darauf vorbereitet, innerhalb von Minuten von der                 Polizei mit Hilfe von Tr\u00e4nengas ger\u00e4umt zu werden, aber am Ende                 entschieden die BlockiererInnen selbst, die Blockade aufzuheben                 und sich der Demonstration anzuschlie\u00dfen. Auf diese Weise bewiesen                 wir unsere Autonomie \u00fcber unsere Aktionsform und \u00fcberlie\u00dfen die                 Entscheidung nicht der Polizei. NATO-ZU beendete ihre Blockade                 gegen Mittag mit einem kleinen Ritual.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Alle drei Blockaden blieben dort bis etwa 12 Uhr, als die SprecherInnenr\u00e4te beschlossen, sie aufzuheben und sich der Demo anzuschlie\u00dfen. W\u00e4hrend die beiden Innenstadtblockaden anfangs von der Polizei mit Tr\u00e4nengas angegriffen wurden, beruhigte sich die Lage nach einiger Zeit und die Polizei entspannte sich ebenfalls. 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