{"id":9518,"date":"2009-09-01T00:00:20","date_gmt":"2009-08-31T22:00:20","guid":{"rendered":"http:\/\/test.graswurzel.net\/gwr\/?p=9518"},"modified":"2022-07-26T13:31:15","modified_gmt":"2022-07-26T11:31:15","slug":"die-heide-ist-frei","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/2009\/09\/die-heide-ist-frei\/","title":{"rendered":"Die Heide ist frei!"},"content":{"rendered":"<p>Wie kommt es, dass die Bundeswehr so pl\u00f6tzlich auf den Platz                 verzichtet hat, nachdem sie noch vor kurzem behauptet hat, es                 gebe keine Alternative?<\/p>\n<p>Wir denken, dass es die gute Mischung von Protesten, Lobbyarbeit,                 Prozessen und direkten Aktionen war, die zu diesem Erfolg gef\u00fchrt                 hat. <\/p>\n<p>Auf der juristischen Ebene wurde der entscheidende Erfolg am                 27.3. errungen: Das Oberverwaltungsgericht Berlin best\u00e4tigte,                 dass die Bundeswehr in der Kyitz-Ruppiner Heide nicht \u00fcben darf,                 weil sie die Beeintr\u00e4chtigungen f\u00fcr die Anlieger_innen bei ihren                 Planungen nicht ausreichend ber\u00fccksichtigt hat. Bis zu diesem                 Zeitpunkt hatten die Bundeswehr-Juristen offensichtlich geglaubt,                 sich auf Sonderrechte wie das Landbeschaffungsgesetz aus dem Jahr                 1935 berufen zu k\u00f6nnen, mit dessen Hilfe das Milit\u00e4r jederzeit                 Land f\u00fcr sich reklamieren kann. Das Gericht meldete jedoch Zweifel                 an, ob ein solches Gesetz heute noch verfassungskonform ist. <\/p>\n<p>F\u00fcr den Fall einer Revision stellte der Vorsitzende Richter in                 Aussicht, vor dem Bundesverwaltungsgericht w\u00fcrde die Bundeswehr                 noch deutlicher ins Stammbuch geschrieben bekommen, dass auch                 sie sich an Recht und Gesetz halten muss. So \u00fcberrascht es nicht,                 dass die Bundeswehr auf die Revision verzichtet hat.<\/p>\n<p>Aber Herr Jung h\u00e4tte durchaus jetzt auf die Revision verzichten                 und es nach den Wahlen dann mit einem neuen Beschluss zur Inbetriebnahme                 nochmal versuchen k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Warum gleich ganz auf den Luft-Boden-Schie\u00dfplatz verzichten?                 Am 2. Juli hat der Bundestag entschieden, die Petitionen gegen                 die milit\u00e4rischen Nutzungspl\u00e4ne der Kyritz-Ruppiner Heide der                 Bundesregierung &#8222;zur Erw\u00e4gung&#8220; zu \u00fcberweisen. Dabei fehlt es in                 den Fraktionen von SPD, FDP und CDU\/CSU weiterhin nicht an Abgeordneten,                 die Luftkriegs\u00fcbungen f\u00fcr n\u00f6tig und das Bombodrom f\u00fcr den geeignetsten                 Ort daf\u00fcr halten. Aber so kurz vor der Wahl wollten sie das wohl                 nicht mehr vertreten. (Da sind Wahlen also doch mal zu was gut!)               <\/p>\n<p>Hierf\u00fcr d\u00fcrfen sich alle auf die Schulter klopfen, die in den                 letzten 17 Jahren immer wieder mit Unterschriftenlisten, Briefen,                 Demonstrationen, Mails und zuletzt der Online-Protestkampagne                 von Campact Druck auf die Politiker_innen gemacht haben. Ein dickes                 Dankesch\u00f6n muss in dem Zusammenhang aber auch an das Kriegsministerium                 gehen, das den Petitionsausschuss des Bundestages immer wieder                 durch Zur\u00fcckhalten von Informationen verprellt hat. Im letzten                 November wollte der Petitionsausschuss gerade eine Beschlussempfehlung                 f\u00fcr das Bombodrom abgeben, als bekannt wurde, dass es von der                 Bundesluftwaffe schon seit August ein neues, geheimes Konzept                 f\u00fcr den Betrieb der Luft-Boden-Schie\u00dfpl\u00e4tze in Deutschland gab.                 Der Ausschuss hatte daraufhin seine Sitzung vertagt und mehr Informationen                 verlangt.<\/p>\n<p>Nicht zu untersch\u00e4tzen ist der Anteil der direkten Aktionen Zivilen                 Ungehorsams, die seit 1993 immer wieder auf dem Bombodrom-Gel\u00e4nde                 stattgefunden haben. Die Bundeswehr konnte sich ausrechnen, dass                 der Widerstand mit der Inbetriebnahme des Bombodroms nicht in                 sich zusammenbrechen, sondern im Gegenteil st\u00e4rker werden w\u00fcrde.                 \u00dcber 2.000 Menschen hatten im Rahmen der Kampagne &#8222;Bomben nein                 &#8211; wir gehen rein&#8220; angek\u00fcndigt, dass sie \u00dcbungen mit ihrer Anwesenheit                 behindern w\u00fcrden.<\/p>\n<p>Dass wir als Sichelschmiede die Pl\u00e4ne f\u00fcr \u00dcbungen zum Atombombenabwurf                 und die genauen dazugeh\u00f6rigen Flugfiguren bekannt gemacht haben,                 d\u00fcrfte den Jungs bei der Luftwaffe bewusst gemacht haben, dass                 solche \u00dcbungen in der Kyritz-Ruppiner Heide nicht geheim bleiben                 w\u00fcrden. Die Aktivit\u00e4ten des &#8222;B\u00fcndnisses Rosa Heide&#8220; und seine                 internationale Vernetzung d\u00fcrften den Platz f\u00fcr die Milit\u00e4rs auch                 etwas weniger attraktiv gemacht haben.<\/p>\n<p>Wir d\u00fcrfen uns gratulieren. Es ist uns gelungen, ein zentrales                 Milit\u00e4rprojekt zu verhindern.<\/p>\n<p>Larzac, Vieques und jetzt das Bombodrom &#8211; es geht voran!<\/p>\n<h3>FREIe HEIDe &#8211; was nun?<\/h3>\n<p>Jetzt ist sie frei, die Kyritz-Ruppiner Heide. So frei, wie sie                 noch nie war und vermutlich auch nie wieder sein wird. Wann gibt                 es das schon &#8211; ein 120 qkm gro\u00dfes Gel\u00e4nde mitten in Deutschland,                 f\u00fcr das es \u00fcberhaupt keine festgeschriebenen Pl\u00e4ne gibt? <\/p>\n<p>Wie es aussieht, hat noch nicht mal die Bundeswehr bislang f\u00fcr                 sich gekl\u00e4rt, ob sie an dem Gel\u00e4nde noch Interesse hat. Dar\u00fcber                 wird im Kriegsministerium erstmals beraten, w\u00e4hrend diese Zeilen                 geschrieben werden, in der Woche vom 17.-23. August. <\/p>\n<p>Doch auf anderer Ebene ist die Entscheidung schon getroffen:                 Die Menschen in der Region, die seit 17 Jahren um die Heide gek\u00e4mpft                 haben, gehen fest davon aus, dass es nun ihr gutes Recht ist,                 gemeinsam \u00fcber die Zukunft des Gel\u00e4ndes zu entscheiden. Die Ideen                 zur Nutzung schie\u00dfen wie die Pilze in der Heide bei Regenwetter.                 Die einen wollen das Gel\u00e4nde ganz der Natur \u00fcberlassen, d.h. wieder                 zu Wald werden lassen.<\/p>\n<p>Andere wollen die Heidelandschaft erhalten. Das setzt Bewirtschaftung                 (z.B. mit Schafen) voraus. Auch die Einrichtung eines Naturparks                 mit Wildpferden und Wisenten ist im Gespr\u00e4ch. Eine Solarfirma                 macht den Vorschlag, einen gro\u00dfen Photovoltaik-Park zu errichten                 und von den Gewinnen die Munitionsr\u00e4umung zu finanzieren. Tourismusverb\u00e4nde                 denken \u00fcber das Anlegen von Radwegen nach.<\/p>\n<p>Ein Kernproblem bei allen Pl\u00e4nen ist die R\u00e4umung der Munitionsreste.                 Hierf\u00fcr ist die Bundesregierung in der Pflicht, hat aber die daf\u00fcr                 im Haushalt vorgesehenen Gelder noch nicht freigegeben. <\/p>\n<p>Die Bombodromgegner_innen sind in einem Dilemma: So gut wie jetzt                 vor der Wahl werden sich die Politiker_innen nicht so bald wieder                 beeinflussen lassen. W\u00fcrde man jetzt die sofortige R\u00fcck\u00fcbertragung                 des Gel\u00e4ndes an die Gemeinden fordern, k\u00f6nnte diese Forderung                 eventuell erfolgreich sein. Aber die meisten Menschen in den Initiativen                 und Rath\u00e4usern der Region wollen jetzt in aller Ruhe \u00fcberlegen,                 wie es mit dem Gel\u00e4nde weitergehen soll. <\/p>\n<p>Soll es an die einzelnen Gemeinden gehen oder als zusammenh\u00e4ngendes                 Gebiet bestehen bleiben? Wie kann gew\u00e4hrleistet werden, dass die                 Bundesregierung f\u00fcr die Munitionsr\u00e4umung aufkommt? <\/p>\n<p>Zu schnelle Entscheidungen in dieser Phase k\u00f6nnten sich r\u00e4chen.                 So ist die Devise der B\u00fcrgerinitiative FREIe HEIDe: &#8222;Nichts \u00fcbers                 Knie brechen&#8220;. Nach der Wahl soll es einen runden Tisch mit Vertreter_innen                 aller gesellschaftlichen Gruppen geben, um \u00fcber die Zukunft des                 Gel\u00e4ndes zu beraten. <\/p>\n<h3>Hier nicht und nirgendwo!<\/h3>\n<p>F\u00fcr Antimilitarist_innen ist jetzt die spannende Frage: Wo werden                 die deutsche Luftwaffe, die NATO und die EU Battle Groups in Zukunft                 die \u00dcbungen abhalten, die sie in der Kyritz-Ruppiner Heide machen                 wollten? Kriegsminister Jung hat von einem \u00dcbungsplatz in Polen                 gesprochen &#8211; wir von der Sichelschmiede versuchen gerade, herauszufinden,                 um welchen es sich handelt und ob es dort Widerstand gibt. <\/p>\n<p>Doch auch f\u00fcr andere Meldungen von Luftwaffenman\u00f6vern halten                 wir die Augen und Ohren offen (siehe Anmerkung). <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wie kommt es, dass die Bundeswehr so pl\u00f6tzlich auf den Platz verzichtet hat, nachdem sie noch vor kurzem behauptet hat, es gebe keine Alternative? Wir denken, dass es die gute Mischung von Protesten, Lobbyarbeit, Prozessen und direkten Aktionen war, die zu diesem Erfolg gef\u00fchrt hat. 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