{"id":9529,"date":"2009-09-01T00:00:08","date_gmt":"2009-08-31T22:00:08","guid":{"rendered":"http:\/\/test.graswurzel.net\/gwr\/?p=9529"},"modified":"2022-07-26T14:14:41","modified_gmt":"2022-07-26T12:14:41","slug":"ist-gewaltfreie-kommunikation-gelebte-anarchie","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/2009\/09\/ist-gewaltfreie-kommunikation-gelebte-anarchie\/","title":{"rendered":"Ist Gewaltfreie Kommunikation gelebte Anarchie?"},"content":{"rendered":"<p>Dennoch waren es oft Einfl\u00fcsse vom Rande anarchistischer Bewegungen                 oder aus nicht anarchistisch identifizierten Theorien und vor                 allem Praxen, die meine Vorstellungen von Anarchie konkretisiert                 und meine Begeisterung immer wieder neu best\u00e4tigt haben. Einfl\u00fcsse                 aus Punk, politischen Kommunen, Gestalttherapie, Queertheorie,                 Mehrfachbeziehungen, Kunst im \u00f6ffentlichen Raum, Antip\u00e4dagogik,                 soziologischen Organisationskonzepten wie Buddy-Systemen und in                 letzter Zeit besonders Gewaltfreier Kommunikation (GFK) best\u00e4tigen                 mich nicht nur darin, dass die Grundkonzepte des Anarchismus f\u00fcr                 mich der Weg und das Ziel sind. <\/p>\n<p>Sie helfen mir zudem zu verstehen, worin die Entt\u00e4uschungen meiner                 Erwartungen an anarchistische Bewegung begr\u00fcndet liegen (welche                 meiner Bed\u00fcrfnisse sind z.B. bei Dominanzverhalten oder Zynismus                 einzelner &#8222;Anarchist_innen&#8220; nicht erf\u00fcllt?) und wie ich mir anarchistische                 Praxis vorstellen und aneignen kann.<\/p>\n<p>&#8222;Gewaltfreie Kommunikation ist doch eigentlich der wahre Anarchismus&#8220;,                 sagte ein von mir gesch\u00e4tzter Kenner der Gewaltfreien Kommunikation                 halb scherzhaft in einer Diskussion um die Gefahr von &#8222;Ismen&#8220;.<\/p>\n<p>Marshall B. Rosenberg, der Entwickler der GFK, benutzt das Wort                 Anarchie nie in diesem Kontext, wohl auch weil er Zuschreibungen                 und Bezeichnungen wie &#8222;du bist Frau, Anarchist_in, \u2026 wir sind                 \u2026, das ist anarchistisch, ungerecht &#8230;&#8220; ablehnt, da sie es erschweren,                 mit anderen Menschen in Verbindung zu kommen. Trotzdem gibt es                 viele interessante Parallelen.<\/p>\n<p>Was sagt also GFK zu anarchistischen Konzepten wie Herrschaftsfreiheit,                 Bed\u00fcrfnisorientierung und Konsens und wie konkretisiert sie diese                 Prinzipien zu m\u00f6glichen Handlungsoptionen, um <i>jetzt<\/i> weitgehend                 anarchistisch zu leben? <\/p>\n<h3>GFK ist gelebte Anarchie? <\/h3>\n<p>Rosenberg sieht Wolfssprache, d.h. bed\u00fcrfnisentfremdete (oder                 &#8222;lebensentfremdete&#8220; in GFK-Ausdrucksweise) Sprache, als ein Herrschaftsinstrument.                 In dieser Sprache gibt es statt des Bewusstseins f\u00fcr Bed\u00fcrfnisse                 ein von fremdbestimmten Autorit\u00e4ten festgelegtes &#8222;gut&#8220; und &#8222;b\u00f6se&#8220;.               <\/p>\n<p>Dies und durch Amtssprache ausgedr\u00fcckte, Verantwortung verschleiernde                 angebliche Sachzw\u00e4nge tragen dazu bei, Herrschaftsstrukturen weiter                 zu verfestigen. (Trotz dieser Analyse und Herrschaftskritik kooperiert                 Rosenberg mit Instanzen der Herrschaft und baut im Sinne der GFK                 eigene Feindbilder gegen\u00fcber Funktionstr\u00e4ger_innen ab, um z.B.                 Unterst\u00fctzung f\u00fcr Schulen nach seinem Konzept oder die Erlaubnis                 zur Arbeit mit Gefangenen zu bekommen.) <\/p>\n<p>Weiterhin stellt Rosenberg fest, dass neben dem &#8222;du sollst&#8220; auch                 das &#8222;ich sollte&#8220; (&#8222;Wolf nach innen&#8220;) nicht nachhaltig funktioniert,                 da &#8222;der Mensch nicht als Sklave geeignet ist&#8220;. <\/p>\n<p>Organisationen beurteilt er danach, ob sie &#8222;dem Leben dienen&#8220;,                 das hei\u00dft, bed\u00fcrfnisorientiert sind. Um zu vermeiden, dass Treffen                 von (Polit-)Gruppen im Nachhinein als wenig effektiv wahrgenommen                 werden, regt Rosenberg an, dass jede Person, die einen Punkt einbringt,                 zugleich sagt, was ihr daran wichtig ist, also welches Bed\u00fcrfnis                 sie damit erf\u00fcllen m\u00f6chte. <\/p>\n<p>Bed\u00fcrfnisse sind Kern und Schl\u00fcssel der GFK, die Gewalt als das                 Erf\u00fcllen eigener Bed\u00fcrfnisse auf Kosten anderer definiert. Die                 Art und Weise, wie \u00fcber Bed\u00fcrfnisse kommuniziert wird und Gef\u00fchle                 als wichtige Signale f\u00fcr diese Bed\u00fcrfnisse gesch\u00e4tzt werden, hilft                 mir, eine konkrete Vorstellung von bed\u00fcrfnisorientiertem anarchistischem                 Leben zu bekommen. <\/p>\n<p>Die im Rahmen der GFK angewandten Techniken wie aktives, empathisches                 Zuh\u00f6ren, Pr\u00e4senz in der Kommunikation mit den Teilnehmenden im                 Jetzt (statt beispielsweise bei vergangenen schlechten Erfahrungen)                 und die Frage &#8222;was ist in Dir lebendig?&#8220; k\u00f6nnen anarchistische                 Konzepte von Solidarit\u00e4t, Konsensprinzip und Bezugsgruppen, bei                 denen ebenfalls die Bed\u00fcrfnisse einzelner Geh\u00f6r finden, bereichern.<\/p>\n<p>Auch das positive Menschenbild anarchistischer Bewegungen konkretisiert                 sich f\u00fcr mich in dem der GFK: &#8222;Was immer ein Mensch getan hat,                 es erschien dieser Person als die aktuell beste Strategie der                 Bed\u00fcrfnisbefriedigung.&#8220; <\/p>\n<p>Das bedeutet, davon auszugehen, dass Menschen nicht aus b\u00f6ser                 Absicht, sondern nur aus der Unkenntnis einer Handlungsoption,                 die ihre Bed\u00fcrfnisse erf\u00fcllt und gleichzeitig meine nicht verletzt,                 so handeln wie es meinen Bed\u00fcrfnissen zuwider l\u00e4uft. Daraus folgt,                 wie in anarchistischen Ans\u00e4tzen, dass nicht Strafe, sondern gemeinsames                 Lernen und Aneignen von F\u00e4higkeiten weiter hilft. Wenn bei unerf\u00fcllten                 Bed\u00fcrfnissen akute Gefahr besteht (z.B. Bed\u00fcrfnis nach Sicherheit                 f\u00fcr eine_n Mitreisende_n, die_der k\u00f6rperlich angegriffen wird)                 und keine M\u00f6glichkeit zur Kommunikation besteht, so ist nach GFK                 der &#8222;sch\u00fctzende Einsatz von Macht&#8220;, der auch mit k\u00f6rperlicher                 Gewalt verbunden sein kann, m\u00f6glich. Die Unterscheidung dieser                 Macht von solcher, die mit der gewaltfreien Grundhaltung nicht                 vereinbar ist, erfolgt analog zur Unterscheidung defensiver und                 aggressiver Grenzen in der von anarchistischen Kreisen rezipierten                 Antip\u00e4dagogik. <\/p>\n<p>Durch das &#8222;Beobachten statt Bewerten&#8220; und die Wertsch\u00e4tzung der                 Bed\u00fcrfnisse aller Beteiligten in der GFK wird ein allgemeing\u00fcltiges,                 von oben gesetztes &#8222;richtig&#8220;-&#8222;falsch&#8220;, &#8222;legal&#8220;-&#8222;illegal&#8220; widersinnig.                 Die logische Folge davon sind aus meiner Sicht anarchistische                 freie Vereinbarungen. <\/p>\n<p>Was nicht auf diese Weise beschlossen oder durch Bed\u00fcrfnisse                 begr\u00fcndet ist, kann so leicht als ein angeblicher Sachzwang und                 Versuch der Aus\u00fcbung von Herrschaft entlarvt werden. Sachzw\u00e4nge                 gibt es in der GFK nicht. <\/p>\n<p>Sie geht davon aus, dass jede Person immer mehrere Entscheidungsm\u00f6glichkeiten                 (z.B. die &#8222;vier Ohren&#8220;, also Giraffenohren nach innen, Giraffenohren                 nach au\u00dfen, Wolfsohren nach innen, Wolfsohren nach au\u00dfen) hat                 und daher selbstbestimmt entscheiden kann, wie sie re_agieren                 m\u00f6chte. W\u00e4hrend mir in anarchistischer Literatur nie so ganz klar                 wurde, wie &#8222;Verantwortung&#8220; darin konkret gedacht wird, bietet                 GFK ein relativ klares Konzept an: Verantwortung kann ich nur                 f\u00fcr das \u00fcbernehmen, auf das ich antworten kann (im Englischen:                 response-able). <\/p>\n<p>Ich \u00fcbernehme also Verantwortung f\u00fcr meine Gef\u00fchle und Bed\u00fcrfnisse,                 f\u00fcr die ich selbstbewusst eintrete, und damit f\u00fcr mein Handeln.                 GFK verhindert es, mein Handeln anderen anzulasten und es damit                 zu entschuldigen. Es ist nicht die &#8222;Schuld&#8220; einer Autorit\u00e4t, wenn                 ich mich arrangiere, sondern es ist mein Bed\u00fcrfnis z.B. meinen                 Lebensunterhalt zu sichern.<\/p>\n<p>Diese Anerkennung meiner Verantwortung f\u00fcr mein Handeln ist Bedingung,                 um es zu \u00e4ndern. Amtssprache ist das Gegenteil. <\/p>\n<p>Trotz des Interesses an der Befindlichkeit der mich umgebenden                 Menschen, empathischen Verbindungsaufbaus und Gewaltfreier Kommunikation                 kann ich jedoch nie endg\u00fcltig beeinflussen, wie das von mir Gesagte                 beim Gegen\u00fcber ankommt. <\/p>\n<p>Es kann also nicht meine Verantwortung sein, f\u00fcr das Wohlbefinden                 anderer zu sorgen. <\/p>\n<p>Bed\u00fcrfnisse sind laut GFK nicht personengebunden (ich kann ein                 Bed\u00fcrfnis nach Unterst\u00fctzung haben, der Wunsch nach Unterst\u00fctzung                 durch Person X ist jedoch eine Strategie). <\/p>\n<p>Dies im Bewusstsein zu verankern, vermindert die Gefahr emotionaler                 Sklaverei und des Entscheidens \u00fcber andere. Bitten sind in der                 GFK Geschenke, weil sie der Empf\u00e4ngerin der Bitte erm\u00f6glichen,                 das Leben der Bittenden etwas sch\u00f6ner zu gestalten. Das Geschenk                 kann nat\u00fcrlich auch abgelehnt werden. Ein &#8222;Nein&#8220; als Antwort auf                 eine Bitte hei\u00dft, dass in der Person, die die Bitte geh\u00f6rt hat,                 gerade ein starkes Bed\u00fcrfnis aktiv ist, das sie hindert, das Geschenk                 anzunehmen. Damit ist das &#8222;Nein&#8220; wieder ein Geschenk an die Bittende,                 die nun wiederum die Chance hat, das Bed\u00fcrfnis des Gegen\u00fcbers                 zu erf\u00fcllen. <\/p>\n<p>Der\/die GFKler_in ist dabei immer darauf bedacht, dass Bitten                 nicht aus Schuldgef\u00fchlen, Gefallen Wollen, Unterordnung, Angst                 oder \u00e4hnlichem erf\u00fcllt werden, sondern nur, weil die erf\u00fcllende                 Person dies wirklich selbst will. In dieser Haltung entsteht eine                 &#8222;jeder nach ihren Bed\u00fcrfnissen&#8220;-Atmosph\u00e4re, in der nicht mehr                 aufgerechnet werden muss und die Unterschiede zwischen Geben und                 Nehmen zunehmend verschwinden. <\/p>\n<h3>Kritik annehmen und voneinander lernen? <\/h3>\n<p>Aus anarchistischer Sicht besteht bei Teilen der GFK-Aktivit\u00e4ten                 die Gefahr, vermittelnde statt akzeptierende Konfliktanalyse zu                 betreiben. Unter &#8222;vermittelnd&#8220; verstehe ich hier nicht nur die                 Vermittlung zwischen zwei Konfliktparteien, sondern h\u00e4ufig damit                 verbunden auch die Vermittlung von Herrschaft als legitimer Struktur.                 Akzeptierende Konfliktanalyse dagegen anerkennt stark widerspr\u00fcchliche                 und im System un\u00fcberwindbare Gegens\u00e4tze in Herrschaftsstrukturen,                 f\u00fcr die sie keine gemeinsame Bed\u00fcrfnisebene finden will. <\/p>\n<p>Die GFK geht davon aus, dass \u00fcber den Schl\u00fcssel der Bed\u00fcrfnisse                 auch zu Menschen auf h\u00f6heren Herrschaftsebenen Verbindung aufgebaut                 werden kann. Selbst wenn dies gelingt, be\u00e4ngstigt mich dieser                 Ansatz aus unterschiedlichen Gr\u00fcnden: Zum einen kommt bei diesem                 auf die Person und deren Bed\u00fcrfnisse beschr\u00e4nkte Sicht der Blick                 auf die dahinter liegenden strukturellen Ursachen und Herrschaftsverh\u00e4ltnisse,                 die \u00e4hnliche Konflikte immer wieder hervorbringen werden, zu kurz.                 Zum Anderen ist das Herstellen von Verbindung mit einer Person                 in h\u00f6heren Herrschaftsebenen in der Regel ein Akt der Akzeptanz                 der Legitimit\u00e4t dieser Position. <\/p>\n<p>\u00c4hnliches kann, denke ich, zur Selbstkl\u00e4rung nach GFK gesagt                 werden, wenn sie das Eingebundensein in Herrschafts- und Unterdr\u00fcckungssysteme                 nicht mitdenkt und damit die Schwierigkeit bis Unm\u00f6glichkeit des                 &#8222;zuerst mit sich selbst klar Werdens&#8220; in einer umgebenden, in                 sich widerspr\u00fcchlichen Struktur nicht sieht. F\u00fcr bedenklich halte                 ich auch das bei einigen GFKler_innen beobachtete &#8222;da m\u00fcssen noch                 viele Feindbilder abgebaut werden&#8220; gegen\u00fcber Menschen, die starke                 Unterdr\u00fcckungs- oder Gewalterfahrungen haben, denn das Nicht-Anerkennen                 der individuell erlebten Gewalt kann schlimmstenfalls zu Retraumatisierung                 f\u00fchren. <\/p>\n<h3>Was k\u00f6nnen Anarch@s von der GFK-Bewegung lernen? <\/h3>\n<p>Neben Anregungen aus den oben genannten konkreten Realisierungen                 anarchistischer Prinzipien ist dies meiner Meinung nach vor allem                 die Anerkennung des sich im Prozess Befindens, des noch nicht                 perfekt und schon gar nicht &#8222;im Recht&#8220; Seins. Obwohl das &#8222;Fragend                 schreiten wir voran&#8220; schon weite Verbreitung gefunden hat, gibt                 es meiner Beobachtung nach noch gen\u00fcgend Situationen, in denen                 &#8222;man das so nicht sehen kann&#8220;, mit &#8222;wer so was macht, ist entweder                 verwirrt oder b\u00fcrgerliche Linke&#8220; beurteilt wird oder mensch lieber                 gar nichts sagt, aus Angst, sich &#8222;falsch&#8220; oder &#8222;not pc&#8220; zu verhalten.               <\/p>\n<p>Obwohl die Diskurse um das postanarchistische &#8222;Fallenlassen der                 Repressionshypothese&#8220; (Herrschaft wird nicht nur durch Repressionsorgane                 ausge\u00fcbt, sie ist vielfach verinnerlicht) und Definitionsmacht                 im Antisexismuskontext dazu beigetragen haben die dichotome T\u00e4ter_in\/Opfer-Aufteilung                 zu hinterfragen, hat sich dies aus meiner Sicht nur in einigen                 Teilen der anarchistischen Bewegung durchgesetzt.<\/p>\n<p>Dies mag an der Angst, &#8222;nicht im Recht zu sein&#8220;, dem Unwillen,                 sich mit den Beweggr\u00fcnden der &#8222;Feindbilder&#8220; auseinander zu setzen,                 oder dem Fehlen von &#8222;safer spaces&#8220;, also R\u00e4umen und Menschen in                 bzw. mit denen respektvolle und empathische Kommunikation \u00fcblich                 ist, liegen. Die Haltung der GFK erm\u00f6glicht durch &#8222;Beobachten                 statt Bewerten&#8220; empathisches Zuh\u00f6ren und Kommunikation \u00fcber Gef\u00fchle                 und Bed\u00fcrfnisse das Abbauen von Feindbildern, in Kontakt Kommen                 und Verst\u00e4ndigen mit Personen, die eine Grenze verletzt oder ein                 Bed\u00fcrfnis missachtet haben, ohne die eigenen Gef\u00fchle und Bed\u00fcrfnisse                 zu missachten und ohne weiter Feindbildern zu huldigen. <\/p>\n<p>GFK-Treffen enden gew\u00f6hnlich mit einer &#8222;Feiern und Trauern&#8220;-Runde                 in der jede_r Teilnehmer_in sagt, wie es ihm\/ihr mit dem Treffen                 (oder was anderes Bewegendes aus dem Leben) gegangen ist. In den                 anarchistischen Gruppen, die ich kennen gelernt habe, kommen die                 Reflexionen der gemeinsamen T\u00e4tigkeit und die damit verbundenen                 Gef\u00fchle zu kurz, was die gemeinsame Weiterentwicklung erheblich                 erschwert. Statt Trauer (&#8222;ich bin genervt, weil ich Unterst\u00fctzung                 bei &#8230; brauche&#8220;) ist Zynismus und Jammern (&#8222;Da passiert ja doch                 nichts&#8220;), also das Zur\u00fcckfallen in die eigentlich zu dekonstruierende                 passive Opferrolle zu beobachten. <\/p>\n<p>Anarch@s danken nicht. Danken erinnert oft an das manipulative                 &#8222;Das hast Du aber sch\u00f6n gemacht&#8220; aus entfremdeten Zusammenh\u00e4ngen                 und erscheint bei selbstbestimmter T\u00e4tigkeit nicht angebracht.<\/p>\n<p>Was dabei verloren geht, ist die gegenseitige Wertsch\u00e4tzung f\u00fcr                 das, was die einzelnen tun. Die GFKler_innen dr\u00fccken Wertsch\u00e4tzung                 und Anerkennung routiniert mit Hilfe einer Variante der vier Schritte                 aus: &#8222;Du hast \u2026 getan. Das l\u00f6st Freude\/Erleichterung\/&#8230; in mir                 aus, weil mir \u2026 wichtig ist&#8220;. <\/p>\n<h3>Perspektiven f\u00fcr anarchistische Praxis? <\/h3>\n<p>Die nicht unumstrittene Sapir-Whorf-Hypothese besagt, dass Sprache                 Einfluss auf das Denken und damit das Handeln hat. Unabh\u00e4ngig                 davon k\u00f6nnen die beschriebenen Ans\u00e4tze der GFK anarchistische                 Praxis bereichern, f\u00fcr die &#8222;Anwesenheit des Ziels in den Mitteln&#8220;                 sorgen. Es erscheint mir wichtig, sich jetzt emanzipatorische                 F\u00e4higkeiten anzueignen und herrschaftsfreie Kulturen und Strukturen                 aufzubauen, weil ich jetzt ein Bed\u00fcrfnis nach Selbstbestimmung,                 Gemeinschaft, Gesehen Werden, Beitragen k\u00f6nnen und Unterst\u00fctzung                 habe und nicht in der Haltung des Opfers auf eine ferne Revolution,                 in der sich Herrschaftsverhalten m\u00f6glicherweise wiederholen wird,                 warten will. <\/p>\n<p>In Aldous Huxleys &#8222;Sch\u00f6ne neue Welt&#8220; werden Gef\u00fchle als systemgef\u00e4hrdend                 von den Herrschenden m\u00f6glichst unterbunden. Viele Techniken anarchistischer                 Praxis wie Mitbestimmung, flache Hierarchien und Kooperation in                 kleinen Projektgruppen haben ihren Weg in den Mainstream des Kapitalismus                 gefunden.<\/p>\n<p>Vielleicht ist die gewaltfreie bed\u00fcrfnisorientierte Aufrichtigkeit                 der GFK etwas, was nicht nur die Kommunikation in herrschaftsfreien                 Kontexten bereichern kann, sondern beim Versuch der Aneignung                 durch Herrschaftsstrukturen zur Erzielung eines angenehmeren Betriebsklimas                 dessen eigene tiefe Widerspr\u00fcchlichkeit zu Tage f\u00f6rdern k\u00f6nnte. <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Dennoch waren es oft Einfl\u00fcsse vom Rande anarchistischer Bewegungen oder aus nicht anarchistisch identifizierten Theorien und vor allem Praxen, die meine Vorstellungen von Anarchie konkretisiert und meine Begeisterung immer wieder neu best\u00e4tigt haben. Einfl\u00fcsse aus Punk, politischen Kommunen, Gestalttherapie, Queertheorie, Mehrfachbeziehungen, Kunst im \u00f6ffentlichen Raum, Antip\u00e4dagogik, soziologischen Organisationskonzepten wie Buddy-Systemen und in letzter Zeit besonders &hellip; <a href=\"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/2009\/09\/ist-gewaltfreie-kommunikation-gelebte-anarchie\/\">Weiterlesen<\/a><\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"slim_seo":{"title":"Ist Gewaltfreie Kommunikation gelebte Anarchie? - graswurzelrevolution","description":"Dennoch waren es oft Einfl\u00fcsse vom Rande anarchistischer Bewegungen oder aus nicht anarchistisch identifizierten Theorien und vor allem Praxen, die meine Vorste"},"footnotes":""},"categories":[546,1030,1042],"tags":[],"class_list":["post-9529","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-341-september-2009","category-es-wird-ein-laecheln-sein","category-ohne-chef-und-staat"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/9529","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=9529"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/9529\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=9529"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=9529"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=9529"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}