{"id":9551,"date":"2009-10-01T00:00:35","date_gmt":"2009-09-30T22:00:35","guid":{"rendered":"http:\/\/test.graswurzel.net\/gwr\/?p=9551"},"modified":"2022-07-26T13:11:42","modified_gmt":"2022-07-26T11:11:42","slug":"bitte-wenden","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/2009\/10\/bitte-wenden\/","title":{"rendered":"Bitte Wenden!"},"content":{"rendered":"<p>Schon Stunden vor Demobeginn waren im Berliner Hauptbahnhof an                 allen Ecken und Enden Buttons und Fahnen mit roten Sonnen auf                 gelbem Grund zu sehen. In der Eingangshalle empfingen die Lebenslaute                 die Ankommenden, drau\u00dfen spielte eine Samba-Band. Als der erste                 Sonderzug auf der oberen Ebene einrollte, winkten aus den Fenstern                 Menschen mit Wendlandfahnen und Anti-Atom-Sonnen &#8211; und unten in                 der Halle standen Hunderte und winkten zur\u00fcck.<\/p>\n<p>Kanzlerin Merkel hielt sich dem Vernehmen nach zum Zeitpunkt                 der Demo in Stralsund auf &#8211; sonst h\u00e4tte sie von einem Fenster                 des Bundeskanzleramtes aus stundenlang zusehen k\u00f6nnen, wie sich                 immer mehr Menschen in den Demonstrationszug einreihten. <\/p>\n<p>Stunden dauerte es, bis alle von dort losgegangen waren; erst                 gegen 16 Uhr kamen die letzten Demonstrant_innen am Ende der ca.                 4 km langen Strecke an. Schade, dass nur 50 Traktoren im Demonstrationszug                 mitfahren konnten. Der wirklich eindrucksvolle Zug von weiteren                 300 Traktoren fuhr direkt vom Camp in Gatow (zwischen Berlin und                 Potsdam) zum Brandenburger Tor und war f\u00fcr die meisten Demonstrant_innen                 nur im Ruhezustand zu sehen.<\/p>\n<p>Ein breites B\u00fcndnis hatte zu dieser Demo mobilisiert. Am Anfang                 stand ein Nicht-Ereignis: Da f\u00fcr die neuen Transportbeh\u00e4lter noch                 keine Genehmigung vorliegt, rollt dieses Jahr erstmals seit 2001                 kein Castor-Transport nach Gorleben. Zeit f\u00fcr eine Pause? Denkste.               <\/p>\n<p>Die BI Umweltschutz L\u00fcchow-Dannenberg und die B\u00e4uerliche Notgemeinschaft                 haben sich etwas einfallen lassen, um die freiwerdenden Ressourcen                 sinnvoll zu nutzen. Der Treck der B\u00e4uerinnen und Bauern aus dem                 Wendland nach Berlin sorgte schon vor der Demo f\u00fcr t\u00e4gliche Schlagzeilen                 und wirkte als Sympathietr\u00e4ger und Motivator. Zeitgleich begab                 sich campact vom virtuellen Raum des Internets direkt auf die                 Stra\u00dfe und suchte mit einem nachgebauten Atomm\u00fcllbeh\u00e4lter in verschiedenen                 St\u00e4dten nach einem Endlager. Greenpeace h\u00e4ngte wenige Tage vor                 der Demo ein Transparent ans Brandenburger Tor: &#8222;Dem deutschen                 Volke\u2026 eine Zukunft ohne Atomkraft&#8220;. Was die Parteien angeht,                 so waren neben der Linkspartei nun auch die B\u00fcndnisgr\u00fcnen und                 die SPD wieder mit von der Partie, weil sie ihren bisher nur auf                 dem Papier vollzogenen &#8222;Atomausstieg&#8220; in Gefahr sehen. Wie viel                 Wert sie so kurz vor der Wahl darauf legten, bei der Demo gesehen                 zu werden, zeigten die vielen Parteifahnen. <\/p>\n<p>Mobilisiert hatte auch die IG-Metall &#8211; die Belegschaft des VW-Werkes                 Salzgitter hatte dem Treck der Bauern bereits einen vergoldeten                 Motor als zus\u00e4tzlichen Antrieb mitgegeben. Mit von der Partie                 waren au\u00dferdem die Gr\u00fcne Liga, die Naturfreunde, contratom, das                 Berliner Anti-Atom-Plenum und viele mehr. Besonders ausgefallene                 Mobilisierungsideen hatte .ausgestrahlt: Postkarten mit Bildern                 aus fast 40 Jahren Anti-Atom-Widerstand regten dazu an, alte Anti-Atom-FreundInnen                 einzuladen; Bonbons mit dem Datum der Demo lie\u00dfen sich auch an                 Leute verteilen, die bei Flyern grunds\u00e4tzlich sagen &#8222;hab ich schon&#8220;;                 mit Blogs und Twitter wurden auch die neuesten Medien genutzt                 und besonders junge Leute erreicht. Dementsprechend war das Bild                 der Demo: vom S\u00e4ugling bis zur Oma, von bieder bis punkig, von                 Gundremmingen im S\u00fcden bis Kr\u00fcmmel im Norden waren viele verschiedene                 Menschen und Gruppen dabei. Eine deutliche Mehrheit stellten die                 Jugendlichen &#8211; diejenigen, die bei den gro\u00dfen Demos nach der Katastrophe                 von Tschernobyl 1986 noch nicht geboren waren. <\/p>\n<p>Die BI Umweltschutz L\u00fcchow-Dannenberg zieht nach dem Wochentreck                 und der Abschlussveranstaltung in Berlin eine positive Bilanz:                 &#8222;Wir schreiben Geschichte, Anti-Atom-Geschichte! Wer geglaubt                 hat, dass mit dem Thema Energiepolitik und Atom niemand mehr hinter                 dem Ofen hervorzulocken ist, der wurde heute eines Besseren belehrt.&#8220;<\/p>\n<p>Das politische Konzept, als au\u00dferparlamentarische Kraft im Schulterschluss                 mit Umweltinitiativen daf\u00fcr zu sorgen, dass sich die politischen                 Parteien zum Thema Atomausstieg, zu Gorleben und f\u00fcr den massiven                 Ausbau der Erneuerbaren Energien positionieren, sei voll aufgegangen.                 &#8222;Vielen Menschen wird klar, die Atomkraft behindert den forcierten                 Ausbau der Erneuerbaren Energien. Und die Katastrophenmeldungen                 aus der Asse und Morsleben graben sich ins Ged\u00e4chtnis ein, es                 gibt weltweit kein sicheres Endlager. Die Wahrheit zu Gorleben                 setzt sich nach 30 Jahren beharrlicher Arbeit der Umweltbewegung                 endlich durch, dieser Standort ist geologisch unm\u00f6glich und politisch                 verbrannt. Reaktorrisiko plus Entsorgungsl\u00fcge gleich Sofortausstieg&#8220;,                 hei\u00dft es in einer Presseerkl\u00e4rung der BI.<\/p>\n<p>Eine gro\u00dfe Demo macht noch keinen Ausstieg, aber sie ist ein                 wichtiger Schritt dahin. Eine Funktion hat die Demo vom 5. September                 erf\u00fcllt: der \u00d6ffentlichkeit zu zeigen, dass die Anti-Atom-Bewegung                 stark und pr\u00e4sent ist. Ob sie auch ihre zweite Funktion erf\u00fcllen                 kann, wird sich in den n\u00e4chsten Wochen zeigen: Hat sie die vielen,                 die dabei waren, motiviert, auch weiter f\u00fcr die Stilllegung aller                 Atomanlagen aktiv zu sein? Egal wie die Wahl ausgeht, in den Koalitionsverhandlungen                 danach werden Weichen gestellt f\u00fcr die zuk\u00fcnftige (Anti-?)Atom-Politik                 in diesem Land. Ideen, wie wir den politischen Druck f\u00fcr einen                 Ausstieg verst\u00e4rken k\u00f6nnen, hat .ausgestrahlt w\u00e4hrend der Demo                 in einem &#8222;Hausaufgabenheft&#8220; verteilt (zu finden auch unter www.ausgestrahlt.de).<\/p>\n<p>BI-Sprecher Wolfgang Ehmke zitierte in seiner Abschlussrede die                 alte Sponti-Parole &#8222;Wir haben keine Chance. Nutzen wir sie&#8220; &#8211;                 und wandelte sie ab: &#8222;Heute sage ich: Wir haben eine Chance. Nutzen                 wir sie!&#8220;<\/p>\n<p>F\u00fcr alle, die bis zum Schluss ausgeharrt hatten, gab es am Ende                 der Demo noch zwei Schmankerl: Erst leuchtete ein doppelter Regenbogen                 \u00fcber den Traktorkolonnen, dann war die eindrucksvolle Abfahrt                 der 350 geschm\u00fcckten Trecker zu sehen. Auf einem stand eine Mahnung,                 die sich die Politiker_innen f\u00fcr den Wahlkampf gut merken sollten:                 &#8222;Wer l\u00fcgt, hat die Wenden am Hals.&#8220; <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Schon Stunden vor Demobeginn waren im Berliner Hauptbahnhof an allen Ecken und Enden Buttons und Fahnen mit roten Sonnen auf gelbem Grund zu sehen. In der Eingangshalle empfingen die Lebenslaute die Ankommenden, drau\u00dfen spielte eine Samba-Band. Als der erste Sonderzug auf der oberen Ebene einrollte, winkten aus den Fenstern Menschen mit Wendlandfahnen und Anti-Atom-Sonnen &#8211; &hellip; <a href=\"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/2009\/10\/bitte-wenden\/\">Weiterlesen<\/a><\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"slim_seo":{"title":"Bitte Wenden! - graswurzelrevolution","description":"Schon Stunden vor Demobeginn waren im Berliner Hauptbahnhof an allen Ecken und Enden Buttons und Fahnen mit roten Sonnen auf gelbem Grund zu sehen. 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