{"id":9599,"date":"2009-10-01T00:00:00","date_gmt":"2009-09-30T22:00:00","guid":{"rendered":"http:\/\/test.graswurzel.net\/gwr\/?p=9599"},"modified":"2022-07-26T14:14:41","modified_gmt":"2022-07-26T12:14:41","slug":"den-alltag-widerstandig-gestalten","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/2009\/10\/den-alltag-widerstandig-gestalten\/","title":{"rendered":"&#8222;Den Alltag widerst\u00e4ndig gestalten&#8220;"},"content":{"rendered":"<p><b>Graswurzelrevolution (GWR): Ihr lebt beide ungew\u00f6hnlich und                 habt B\u00fccher dar\u00fcber verfasst. Wer hat euch auf die Idee gebracht?<\/b><\/p>\n<\/p>\n<p> <i>Hanna: <\/i>Ich kam nicht selber auf die Idee zu schreiben,                 sondern wurde vom Verlag darauf angesprochen. Zuvor bin ich in                 einer Dokumentation des WDR portr\u00e4tiert worden. Daraufhin nahm                 der Rotbuch-Verlag Kontakt zu mir auf. Ich war mir am Anfang nicht                 so sicher, ob ich mir zutraue zu schreiben, aber der Gedanke,                 \u00fcber ein Buch Menschen zu erreichen und ihnen politischen Aktivismus                 n\u00e4her zu bringen, hat mich gereizt.<\/p>\n<p><i>Silvia: <\/i>Bei mir war es auch eine Dokumentation. &#8222;Ich war                 das perfekte Kind&#8220; hie\u00df das Portr\u00e4t, das mich als Punkerin mit                 Abitur, meine Gedichte, Gedanken, mein politisches und k\u00fcnstlerisches                 Engagement beleuchtete. Die &#8222;Deutsche Verlagsanstalt&#8220; &#8211; damals                 noch nicht in der Hand des Bertelsmann-Konzerns &#8211; nahm daraufhin                 Kontakt zu mir auf. Ich fand die Idee super, da ich den Film als                 zu unpolitisch empfand und im Buch noch mehr auf diesen Aspekt                 eingehen wollte. <\/p>\n<p><b>GWR: Es geht ja um Dinge, die ihr erlebt habt. W\u00fcrdet ihr                 eure B\u00fccher als &#8222;autobiografisch&#8220; bezeichnen?<\/b><\/p>\n<\/p>\n<p> <i>Hanna:<\/i> Ich erz\u00e4hle in dem Buch von Aktionen, an denen                 ich beteiligt war &#8211; insofern hat das Buch autobiografische Z\u00fcge.                 Es ist aber keine Biografie im engeren Sinne, es ist mehr so etwas                 wie eine Anleitung f\u00fcr kreativen Stra\u00dfenprotest, verpackt in kurze                 Geschichten aus meinem Leben. Es geht in dem Buch nicht darum,                 wie ich aufgewachsen bin, wo ich herkomme, wer mich gepr\u00e4gt hat                 oder wo ich gewohnt habe. Dar\u00fcber wollte ich nicht schreiben.<\/p>\n<\/p>\n<p> <i>Silvia:<\/i> Ich habe ein Jahr lang an einem politischen Roman                 geschrieben, in dem meine eigenen Erlebnisse, die meiner Freunde,                 aber auch viel Fantasie im Spiel waren. Ich war von der Idee,                 mein Leben und meine intimsten Gedanken pl\u00f6tzlich als Biografie                 &#8222;verkaufen&#8220; zu m\u00fcssen daher \u00fcberhaupt nicht angetan. Letztlich                 habe ich Mittel und Wege gefunden, eine authentische Autobiografie                 zu schreiben, in der ich m.E. meiner Identit\u00e4t und der meiner                 WeggenossInnen ausreichend Privatsph\u00e4re bieten konnte.<\/p>\n<\/p>\n<p><b>GWR: Worum geht es in den B\u00fcchern? Wen m\u00f6chtet ihr erreichen?                 Was m\u00f6chtet ihr euren LeserInnen zeigen?<\/b><\/p>\n<\/p>\n<p> <i>Hanna:<\/i> Ich hoffe, dass Menschen ihr eigenes Verhalten                 kritisch reflektieren und sich nach der Lekt\u00fcre weniger ohnm\u00e4chtig                 f\u00fchlen. Ich glaube, dass es m\u00f6glich ist, den eigenen Alltag widerst\u00e4ndig                 zu gestalten. Und ich hoffe, dass sich mehr Menschen zutrauen,                 Normalit\u00e4ten zu hinterfragen und aus Gewohnheiten auszubrechen.                 Wie das dann konkret aussieht, muss jede_r f\u00fcr sich entscheiden.               <\/p>\n<\/p>\n<p> <i>Silvia: <\/i>Bislang politisch unbedarfte LeserInnen bekommen                 Infos, wie es um Fl\u00fcchtlingsrechte und um die angeblich freiheitlich-demokratische                 Grundordnung bestellt ist. Au\u00dferdem werden gelebte Alternativen                 zum Bestehenden dargestellt. &#8222;Szeneangeh\u00f6rige&#8220; wiederum d\u00fcrften                 sich mit einer geh\u00f6rigen Portion Ironie und Kritik an der eigenen                 Praxis konfrontiert sehen, sich aber auch hier und da selbst wiedererkennen.                 Eine Art alternative Geschichtsschreibung, die sich auch f\u00fcr Eltern                 von &#8222;rebellierenden&#8220; Teenies eignet, genauso wie als Anregung                 zum widerst\u00e4ndigen Leben und dem kritischen Hinterfragen. <\/p>\n<\/p>\n<p><b>GWR: Wollt ihr in Zukunft weiter schreiben? Wenn ja, \u00fcber                 welche Themen?<\/b><\/p>\n<\/p>\n<p> <i>Hanna:<\/i> Ich habe v.a. im Winter geschrieben. Da war es                 kalt und eklig drau\u00dfen. Das ist die Zeit im Jahr, wo Aktionen                 drau\u00dfen weniger Spa\u00df machen, ideal also f\u00fcr Schreibtischkram.                 Aber jetzt mache ich wieder mehr Aktionen. Ich bin und bleibe                 in erster Linie Aktivistin, nicht Buchautorin.<\/p>\n<\/p>\n<p> <i>Silvia:<\/i> Ich will auf jeden Fall ein weiteres Buch schreiben.                 Es wird sich um den Komplex Schwangerschaft, Geburt und Babyzeit                 in unserer Kultur drehen. Ferner wird es um Schulzwang, Antip\u00e4dagogik                 und politische Aktivit\u00e4ten mit Kindern gehen. Da ich eine 14 Monate                 alte Tochter habe, liegt mein Fokus gerade auf diesen Themen.<\/p>\n<\/p>\n<p><b>GWR: Wie geht ihr mit der gesellschaftlichen Aufmerksamkeit                 um, die auf euch zukommt?<\/b><\/p>\n<\/p>\n<p> <i>Hanna: <\/i>Ich glaube, dass jedes Interview auch eine Chance                 bedeutet, f\u00fcr mich wichtige Inhalte und meine Art zu leben Menschen                 n\u00e4her zu bringen, mit denen ich nicht direkt zu tun habe. Ich                 bem\u00fche mich, dabei nicht so sehr von mir als Person, sondern mehr                 von meinen Aktionen zu reden. Das ist schwer in einer Medienlandschaft,                 die pers\u00f6nliche Storys erz\u00e4hlen, aber keine widerst\u00e4ndigen Perspektiven                 aufzeigen m\u00f6chte. Wenn ich irgendwann vor Arroganz abhebe, werden                 mich hoffentlich nette Leute aus meinem Umfeld kidnappen und f\u00fcr                 ein Jahr auf einem Bauwagenplatz ans Lagerfeuer setzen und zum                 Rumgammeln anstiften.<\/p>\n<\/p>\n<p> <i>Silvia:<\/i> Mir geht es da anders. Ich rede zwar auch von                 Aktionen und Projekten, aber meist mit pers\u00f6nlichem Bezug. Kann                 schon sein, dass da die Medien mehr drauf abfahren, aber solange                 ich meine Message r\u00fcber bekomme, gebe ich gerne auch etwas Preis                 von mir. Ich entscheide frei, was genau ich mit der \u00d6ffentlichkeit                 teilen will, auch wenn es scheint, als w\u00fcrde ich mit Buch, Blog                 (www.mutig-mutig.org) und Interviews mein ganzes Leben ausplaudern.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Graswurzelrevolution (GWR): Ihr lebt beide ungew\u00f6hnlich und habt B\u00fccher dar\u00fcber verfasst. 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