{"id":9673,"date":"2009-11-01T00:00:09","date_gmt":"2009-10-31T22:00:09","guid":{"rendered":"http:\/\/test.graswurzel.net\/gwr\/?p=9673"},"modified":"2022-07-26T13:18:07","modified_gmt":"2022-07-26T11:18:07","slug":"sklavenhandler-hast-du-arbeit-fur-mich","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/2009\/11\/sklavenhandler-hast-du-arbeit-fur-mich\/","title":{"rendered":"Sklavenh\u00e4ndler, hast du Arbeit f\u00fcr mich?"},"content":{"rendered":"<p>Den gab es damals zwar schon &#8211; seit 1971, vorher war Leiharbeit                 in der BRD verboten &#8211; aber noch nicht in dem Ausma\u00df, wie sie heute                 betrieben wird. Konkret: Seit der \u00c4nderung des Arbeitnehmer\u00fcberlassungsgesetzes                 im Rahmen der Hartz-Gesetze eskaliert das Ph\u00e4nomen Leiharbeit                 &#8211; vor allem mit Unterst\u00fctzung der Arbeitsagenturen.<\/p>\n<p>&#8222;Leiharbeit abschaffen!&#8220; war das Motto einer Kampagnenwoche vom                 18. bis 25. September. Ma\u00dfgeblich organisiert von der anarchosyndikalistischen                 Freien ArbeiterInnen Union (FAU) waren bei der Kampagnenwoche                 auch Organisationen und Gruppen wie labournet, chefduzen und vor                 allen Dingen auch Initiativen von LeiharbeiterInnen beteiligt.               <\/p>\n<p>Aktionen fanden in \u00fcber 30 Orten statt, vor allem Stadtrundg\u00e4nge                 zu den Leiharbeitsfirmen und Arbeitsagenturen und \u00f6ffentliche                 Informationsveranstaltungen. <\/p>\n<p>In Berlin und Hamburg wurde bei den jeweils dort stattfindenden                 &#8222;Karrieremessen&#8220; protestiert, in Darmstadt gegen eine Leiharbeitsmesse.                 Gegen Leiharbeitsmessen hatte die FAU auch fr\u00fcher mehrfach protestiert,                 z.B. in Kiel, Hannover oder M\u00fcnster.<\/p>\n<p>Hintergrund der Kampagne ist unter anderem ein Urteil des Berliner                 Arbeitsgerichts aus dem Fr\u00fchjahr 2009. <\/p>\n<p>Das Berliner Amtsgericht hat der Tarifgemeinschaft Christlicher                 Gewerkschaften (CGZP) die Tariff\u00e4higkeit abgesprochen, weil diese                 keine personelle Basis habe und nicht im Sinne der LeiharbeiterInnen                 verhandele. Damit ist einer der Dumping-Lohn-Tarifvertr\u00e4ge vom                 Tisch, mit dem die Gleichbehandlung von LeiharbeiterInnen mit                 den Besch\u00e4ftigten in den Entleihbetrieben umgangen werden konnte.               <\/p>\n<p>Andere solcher Tarifvertr\u00e4ge gibt es zwischen den Dachverb\u00e4nden                 IGZ (Interessenverband Deutscher Zeitarbeitsunternehmen) und BZA                 (Bundesverband Zeitarbeit) und dem DGB. <\/p>\n<p>Begr\u00fcndung des DGB, \u00fcberhaupt mit der Branche zu verhandeln,                 waren immer die christlichen Dumping-Tarife. Dabei lagen allerdings                 die DGB-Tarife nur im Cent-Bereich \u00fcber denen der christlichen                 Gewerkschaften. <\/p>\n<p>Die FAU ist nun der Auffassung, dass es f\u00fcr den DGB keinen Grund                 mehr gibt, Tarifvertr\u00e4ge in der Leiharbeitsbranche zu verhandeln.                 Tats\u00e4chlich sind die Tarifvertr\u00e4ge mit IGZ und BZA momentan gek\u00fcndigt,                 die Leiharbeitsunternehmen berufen sich in allen F\u00e4llen (auch                 den christlichen) auf eine Nachwirkung der bisherigen Tarifvertr\u00e4ge.<\/p>\n<p>Und das m\u00fcssen sie auch.<\/p>\n<p>Denn ohne Tarifvertrag w\u00fcrde der europ\u00e4ische Gleichbehandlungsgrundsatz                 (equal pay and equal treatment) greifen.<\/p>\n<p>Die Leiharbeitsverb\u00e4nde verhandeln mit den Gewerkschaften, weil                 sie Tarifvertr\u00e4ge brauchen, um das Prinzip des gleichen Lohns                 f\u00fcr gleiche Arbeit zu unterwandern: &#8222;Die Tarifvertr\u00e4ge wurden                 auch deshalb notwendig, weil Kundenbetriebe infolge des Gleichbehandlungsgrundsatzes                 auf den Einsatz von Zeitarbeitnehmern verzichtet h\u00e4tten. Die Dienstleistung                 Zeitarbeit w\u00e4re zu teuer geworden [&#8230;]&#8220;, betont etwa der Dachverband                 BZA auf seiner Homepage.<\/p>\n<p>Protestiert wurde nicht nur gegen die Leiharbeitsbranche, sondern                 auch gegen das Vorgehen der Arbeitsagenturen.<\/p>\n<p>Durch den Zwang, jede noch so miserabel entlohnte Arbeit anzunehmen,                 unterst\u00fctzen sie den Trend zu Dumping-L\u00f6hnen. Es ist vor allem                 den Hartz-Gesetzen zu verdanken, dass die Leiharbeit von 2003                 bis 2008 von 300.000 auf 800.000 LeiharbeiterInnen angewachsen                 ist. Aktuell ist diese Zahl wieder auf 500.000 gesunken &#8211; 300.000                 waren die &#8222;Bauernopfer&#8220; der Wirtschaftskrise.<\/p>\n<p>Gerade diese aktuelle Situation macht eine Kampagne gegen Leiharbeit                 notwendig. Die FAU fordert die \u00dcbernahme der LeiharbeiterInnen                 in die Entleihbetriebe bei gleichem Lohn und die Nachzahlung der                 L\u00f6hne nach dem Grundsatz des equal pay. Die Kampagne beginnt gerade                 erst und soll im Fr\u00fchjahr 2010 europaweit ausgeweitet werden.                 Aktuelle Infos findet ihr auf der Homepage www.leiharbeit-abschaffen.de.<\/p>\n<p>Dort k\u00f6nnen interessierte Gruppen auch nach wie vor als Unterst\u00fctzerInnen                 auftreten und eigene Aktionen bekannt machen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Den gab es damals zwar schon &#8211; seit 1971, vorher war Leiharbeit in der BRD verboten &#8211; aber noch nicht in dem Ausma\u00df, wie sie heute betrieben wird. 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