{"id":9700,"date":"2009-10-01T00:00:08","date_gmt":"2009-09-30T22:00:08","guid":{"rendered":"http:\/\/test.graswurzel.net\/gwr\/?p=9700"},"modified":"2022-07-26T13:11:42","modified_gmt":"2022-07-26T11:11:42","slug":"blankoscheck-fur-die-atomindustrie-nix-da","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/2009\/10\/blankoscheck-fur-die-atomindustrie-nix-da\/","title":{"rendered":"Blankoscheck f\u00fcr die Atomindustrie? Nix da!"},"content":{"rendered":"<p>Am 15. November gingen 150 AtomkraftgegnerInnen in Ahaus gegen                 die Einlagerungsgenehmigung der Bezirksregierung M\u00fcnster vom 11.                 November auf die Stra\u00dfe. Laut Genehmigung sollen u.a. &#8222;Bauschutt,                 Papier, Putzlappen, Metallschrott und ausgebaute Anlagenteile&#8220;                 aus dem &#8222;Betrieb und der Stilllegung deutscher Kernkraftwerke&#8220;                 nach Ahaus. <\/p>\n<p>Das radioaktive Zeugs soll in Beton, Guss und Stahl oder aber                 &#8222;unverpackt oder in Folie verpackt&#8220; f\u00fcr 10 Jahre nach Ahaus gebracht                 werden. <\/p>\n<p>Laut Presseberichten sollen &#8222;mehrere Transporte pro Woche&#8220; per                 Bahn und LKW rollen, die Verpressung erfolgt u.a. in der bisher                 fast unbekannten GNS-Konditionierungsanlage in Duisburg-Wahnheim.               <\/p>\n<h3>Die ersten Transporte k\u00f6nnen laut GNS (Gesellschaft f\u00fcr Nuklear-Service                 mbH) noch vor Weihnachten rollen<\/h3>\n<p>Das Genehmigungsverfahren lief seit 2006 unter Ausschluss der                 \u00d6ffentlichkeit. Die Bezirksregierung M\u00fcnster teilt nicht einmal                 mit, woher der Atomm\u00fcll kommen soll, wie viele Transporte anfallen                 sollen oder wie hoch die Strahlenbelastung tats\u00e4chlich ist. Auch                 ist unklar, warum f\u00fcr den vergleichsweise kurzen Genehmigungszeitraum                 von 10 Jahren \u00fcberhaupt Transporte notwendig sind. Klar ist allerdings,                 dass die Bezirksregierung plant, den radioaktiven M\u00fcll sp\u00e4ter                 von Ahaus im Schacht Konrad einzulagern, das &#8222;voraussichtlich                 ab 2014 zur Verf\u00fcgung steht&#8220;. Ahaus soll zum oberirdischen Vorflutbecken                 f\u00fcr den Schacht Konrad werden.<\/p>\n<p>Ein wahrscheinlicher Absender des Atomm\u00fclls ist das Kernforschungszentrum                 J\u00fclich, wo nach Angaben des Bundesamtes f\u00fcr Strahlenschutz (BfS)                 &#8222;aktivierte sperrige Abf\u00e4lle&#8220; und &#8222;vernachl\u00e4ssigbar w\u00e4rmeentwickelnde                 Abf\u00e4lle&#8220; lagern &#8211; also genau wie in der Ahaus-Genehmigung beschrieben.<\/p>\n<p>Weitere Kandidaten sind die oben genannte GNS-Konditionierungsanlage                 in Duisburg, die selbst laut Medienberichten &#8222;f\u00fcr zwei bis vier                 Jahre&#8220; Atomm\u00fcll lagern darf, sowie die stillgelegten AKWs W\u00fcrgassen                 und M\u00fclheim-K\u00e4rlich.<\/p>\n<p>So weit, so schlecht. Doch im Hintergrund warten schon 152 Castor-Beh\u00e4lter                 aus dem Kernforschungszentrum J\u00fclich mit Brennelement-Kugeln aus                 dem stillgelegten AVR-Reaktor auf eine Transport-Genehmigung nach                 Ahaus. Laut Ahaus-Betreiber k\u00f6nnte auch diese Genehmigung noch                 2009 erteilt werden. F\u00fcr den Transport vom Niederrhein ins M\u00fcnsterland                 h\u00e4lt man sich ebenfalls den Schienen- und Stra\u00dfenweg offen.<\/p>\n<p>Bereits seit 2006 l\u00e4uft zudem ein drittes Genehmigungsverfahren                 beim Bundesamt f\u00fcr Strahlenschutz. Dabei geht es um 150 Castor-\u00e4hnliche                 Gro\u00dfbeh\u00e4lter mit &#8222;mittelaktiven&#8220; Brennelement-Strukturteilen und                 -H\u00fclsen aus der Plutoniumfabrik La Hague.<\/p>\n<h3>Warum jetzt neuer Atomm\u00fcll nach Ahaus? <\/h3>\n<p>Darauf gibt es mehrere Antworten. Erstens: Gerade weil eine sichere                 Endlagerung in den Sternen steht, m\u00fcssen die untauglichen Zwischenl\u00f6sungen                 unbedingt voll ausgesch\u00f6pft werden. <\/p>\n<p>Zweitens will man mit den Transporten in Zusammenhang mit den                 anstehenden Laufzeitverl\u00e4ngerungen den Anschein erwecken, in Deutschland                 sei die Entsorgung von Atomm\u00fcll kein Problem. So versuchte der                 neue Bundesumweltminister Norbert R\u00f6ttgen just an dem Tag, als                 die Ahaus-Genehmigung ver\u00f6ffentlicht wurde, das reale Atomm\u00fcllproblem                 klein zu reden. Das ist kein Zufall &#8211; ohne \u00f6ffentlich verkaufbare                 Atomm\u00fcllentsorgung wird es schwerer, die Laufzeitverl\u00e4ngerungen                 politisch zu rechtfertigen. <\/p>\n<p>Und drittens verl\u00e4ngert jeder neue Transport nach Ahaus die Betriebsdauer                 des Zwischenlagers nach hinten. CDU und FDP verschaffen mit dieser                 staatlichen Atomm\u00fcllverschieberei der Atomindustrie also wieder                 mal mehrere Jahre Luft (wie gro\u00df das Atomm\u00fcllproblem ist, zeigt                 sich schon im benachbarten Gronau, wo ab 2011 ein Zwischenlager                 f\u00fcr 60.000 Tonnen Uranoxid gebaut werden soll).<\/p>\n<p>Aber noch ist die Sache nicht gelaufen. Wenn in Ahaus, in Duisburg,                 in J\u00fclich und entlang der Transportstrecke der Widerstand in den                 kommenden Wochen und Monaten sp\u00fcrbar zunimmt, werden die geplanten                 Atomtransporte kein Selbstl\u00e4ufer. Angesichts der Masse an Beh\u00e4ltern                 und Castoren ist mit zahlreichen Einzel- und Gro\u00dftransporten zu                 rechnen. <\/p>\n<p>2005 zeigte sich bei den Rossendorf-Castoren nach Ahaus, dass                 der Widerstand sich dort von Woche zu Woche deutlich steigerte.<\/p>\n<p>F\u00fcr die Anti-Atom-Bewegung wird Ahaus eine Herausforderung werden.                 Gro\u00dfe Proteste k\u00f6nnen den Zeitplan f\u00fcr die Atomtransporte durcheinanderwirbeln                 und haben Auswirkungen auf die Debatte um die AKW-Laufzeitverl\u00e4ngerungen.                 Zudem wird in NRW im Mai 2010 gew\u00e4hlt, EON und RWE haben ihre                 Konzernzentralen quasi direkt an der Transportstrecke von J\u00fclich                 nach Ahaus. <\/p>\n<p>Den Anti-Atomkraft-Initiativen geht es nicht nur um Ahaus, sondern                 um die gesamte Atompolitik, die von Schwarz-Gelb und RWE\/EON betrieben                 wird. Gerade deshalb ist es wichtig, dass m\u00f6glichst viele Menschen                 am 20. Dezember am Zwischenlager in Ahaus auf die Stra\u00dfe gehen. <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Am 15. November gingen 150 AtomkraftgegnerInnen in Ahaus gegen die Einlagerungsgenehmigung der Bezirksregierung M\u00fcnster vom 11. November auf die Stra\u00dfe. Laut Genehmigung sollen u.a. &#8222;Bauschutt, Papier, Putzlappen, Metallschrott und ausgebaute Anlagenteile&#8220; aus dem &#8222;Betrieb und der Stilllegung deutscher Kernkraftwerke&#8220; nach Ahaus. 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