{"id":9770,"date":"2010-01-01T00:00:49","date_gmt":"2009-12-31T22:00:49","guid":{"rendered":"http:\/\/test.graswurzel.net\/gwr\/?p=9770"},"modified":"2012-08-19T19:13:05","modified_gmt":"2012-08-19T17:13:05","slug":"der-protest-erreicht-eine-neue-qualitat","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/2010\/01\/der-protest-erreicht-eine-neue-qualitat\/","title":{"rendered":"Der Protest erreicht eine neue Qualit\u00e4t"},"content":{"rendered":"<p>Nach einzelnen Solidarit\u00e4tsaktionen, Demos und Flashmobs fingen                 auch die Studis an den deutschen Unis Feuer. <\/p>\n<p>Am Abend des 2. November 2009 besetzten Heidelberger Studierende                 ihren Audimax. Innerhalb k\u00fcrzester Zeit folgten viele weitere                 Hochschulen.<\/p>\n<h3>Einen Schritt weiter<\/h3>\n<p>Mit den ersten Besetzungen kam die Protestwelle auch in Deutschland                 an. Innerhalb von zwei Wochen wurden circa 40 Hochschulen besetzt.                 Die Besetzungen waren die notwendige Konsequenz aus den Erfahrungen                 im Sommer: Das alleinige Demonstrieren und Fordern hat seinen                 Zweck nicht erf\u00fcllt. Die Verantwortlichen, PolitikerInnen und                 Unileitungen machten zwar Zugest\u00e4ndnisse, delegierten aber gleichfalls                 die Verantwortung f\u00fcr die Misere hin und her. <\/p>\n<p>Die Reaktionen der Unileitungen fielen dabei unterschiedlich                 aus: Noch am selben Tag, als in M\u00fcnster das Audimax besetzt wurde,                 besuchte Pr\u00e4sidentin Nelles ihren gr\u00f6\u00dften H\u00f6rsaal und setzte den                 dort Anwesenden ein Ultimatum. <\/p>\n<p>Als darauf nicht eingegangen wurde, lie\u00df sie den Raum am \u00fcbern\u00e4chsten                 Morgen durch die Polizei r\u00e4umen.<\/p>\n<p>Unbeeindruckt von dieser Machtdemonstration wurde kurze Zeit                 sp\u00e4ter ein neuer Raum besetzt. Auch diesmal wich das Rektorat                 einer Diskussion aus und antwortete mit psychischem Druck. Es                 stellte den Strom im Geb\u00e4ude ab und lie\u00df im H\u00f6rsaal einen St\u00f6rton                 laufen. Au\u00dferdem versuchte das Rektorat mit gezielten T\u00e4uschungen                 die Studierenden zur Aufgabe zu bringen. Als auch das nicht half,                 wurde ein zweites Mal die Polizei geschickt.<\/p>\n<p>Dagegen gab sich der Osnabr\u00fccker Pr\u00e4sident Rollinger anfangs                 entgegenkommend. <\/p>\n<p>Er verwies auf die konstruktive Arbeit der Studis in den zahlreichen                 Arbeitskreisen und Diskussionsrunden und beteuerte, dass man doch                 an einem Strang ziehe. Schlie\u00dflich bot er den BesetzerInnen dauerhaft                 einen eigenen Raum an, wenn sie den gr\u00f6\u00dften Seminarsaal der Uni                 Osnabr\u00fcck verlie\u00dfen.<\/p>\n<p>Hinterr\u00fccks wurde allerdings versucht, andere Studierende gegen                 ihre KommilitonInnen auszuspielen, um dann zu behaupten die Studierendenschaft                 st\u00e4nde nicht hinter dem Protest. Trotz circa 3.300 Unterschriften                 f\u00fcr die Besetzung und einer Vollversammlung, bei der mehr als                 600 Menschen (bei nur 2 Gegenstimmen) dem Protestmittel zustimmten,                 lie\u00df der Pr\u00e4sident r\u00e4umen.<\/p>\n<p>So unterschiedlich diese Herangehensweisen waren, beide verfolgten                 die Absicht, dem Protest den \u00f6ffentlichen Raum f\u00fcr Diskurse zu                 nehmen.<\/p>\n<h3>Die Forderungen<\/h3>\n<p>Zwar waren die Geschehnisse in \u00d6sterreich der Ausl\u00f6ser f\u00fcr den                 Protest, doch nicht nur aus Solidarit\u00e4t mit den \u00f6sterreichischen                 Studis kam es zu diesen direkten, gewaltfreien Aktionen. Auch                 dienten sie dazu, den eigenen Forderungen Nachdruck zu verleihen.                 Sie waren selbst eine Umsetzung der Forderung nach mehr Freiraum                 f\u00fcr ein solidarisches Miteinander.<\/p>\n<p>Ein bundesweiter Flyer gibt Auskunft \u00fcber die Forderungen der                 Studierenden: <\/p>\n<p>1) Soziale \u00d6ffnung der Unis<br \/>                 2) Abschaffung von Bachelor\/Master in der derzeitigen Form <br \/>                 3) Demokratisierung des Bildungssystems.<\/p>\n<p>Konkret bedeutet eine soziale \u00d6ffnung an Hochschulen, dass Studiengeb\u00fchren                 und Zulassungsbeschr\u00e4nkungen durch Schaffung von weiteren Studienpl\u00e4tzen                 verworfen werden.<\/p>\n<p>Am Bachelor- und Master-System kritisieren die Studis vor allem                 die Verschulung und die daraus resultierende fehlende Freiheit                 als auch den Zwang zum &#8222;Bulimie-Lernen&#8220;, also ein Lernen, welches                 auf stumpfe Akkumulation von Wissen ausgerichtet ist, das man                 dann in der Pr\u00fcfung wieder auskotzt. Demokratisierung meint schlie\u00dflich                 Mit- und Selbstbestimmung f\u00fcr Studierende, sowie den Abbau von                 wirtschaftlichen Zw\u00e4ngen im Bildungsbereich.<\/p>\n<p>Dem F\u00f6deralismus geschuldet gibt es in jedem Bundesland, selbst                 an jeder Uni spezifische Probleme, sodass dieser selbst geschaffene                 Freiraum h\u00e4ufig genutzt wurde, um einen auf die eigenen Belange                 zugeschnittenen Forderungskatalog auszuarbeiten. Auch hier zeigten                 sich die Studis gewillt, dass der Zweck sich in den Mitteln widerspiegelt:                 W\u00e4hrend Demokratie in den meisten Hochschulgremien kaum auffindbar                 ist, da Studierende hoffnungslos unterrepr\u00e4sentiert sind und ihnen                 dazu meist nur eine Beratungs- statt einer Entscheidungsrolle                 zukommt, wurde von den Besetzenden m\u00f6glichst versucht, basisdemokratische                 Entscheidungen zu treffen, um alle Teilnehmenden in den Prozess                 zu integrieren.<\/p>\n<p>Ein weiteres fundamentales Triebfeld der Bewegung sind die Studiengeb\u00fchren.                 Als sozial untragbar lehnt ein Gro\u00dfteil diese kategorisch ab.               <\/p>\n<p>Zwar gelang eine Abschaffung in Hessen auf parlamentarischem                 Weg aufgrund einer &#8222;linken&#8220; Mehrheit im Landtag, aber in b\u00fcrgerlich                 regierten L\u00e4ndern d\u00fcrfte diese Hoffnung gering sein und auch die                 Gr\u00fcnen und die SPD lehnen keinesfalls vollst\u00e4ndig die Bildungsmaut                 ab. <\/p>\n<p>Aber auch hier regt sich selbstorganisierter Widerstand. <\/p>\n<p>Gute Konzepte, wie die Errichtung eines Treuhandkontos, auf das                 Studierende ihre Geb\u00fchren risikofrei einzahlen k\u00f6nnen, scheiterten                 in der Vergangenheit an der mangelnden Teilnahme, sodass diese                 die Unis nicht unter Handlungszwang stellten. Doch von den diesj\u00e4hrigen                 Protesten befeuert, hat der f\u00fcr das folgende Jahr in NRW geplante                 Studiengeb\u00fchrenboykott gr\u00f6\u00dfere Chancen auf Erfolg.<\/p>\n<p>Auch viele Sch\u00fclerInnen beteiligten sich an den Bildungsprotesten.                 Sie forderten z.B. die Abschaffung des dreigliedrigen Schulsystems,                 Demokratisierung, mehr LehrerInnen, kleinere Klassen, die Abschaffung                 von Kopfnoten und Schulzeitverk\u00fcrzung (G8).<\/p>\n<p>Bisher fehlt den Protesten noch der gesamtgesellschaftliche Kontext,                 aber wenn weiter an den Forderungen festgehalten wird, leiten                 sie notwendig zu der Frage hin, ob sich das Bildungsideal in diesem                 System umsetzen l\u00e4sst. Ohne sich von parteilichen Organisationen                 instrumentalisieren zu lassen, sollten die Studis beginnen \u00fcber                 den Tellerrand zu schauen. Bem\u00fchungen diesbez\u00fcglich gab es nat\u00fcrlich                 schon: In Osnabr\u00fcck versuchten sie, die ArbeiterInnen der insolventen                 Automobilbaufirma Karmann f\u00fcr die Demo zu gewinnen.<\/p>\n<p>Weiterhin wurde versucht, die Besetzung sozial zu \u00f6ffnen und                 sie aus der universit\u00e4ren Nische heraus ins gesellschaftliche                 Leben zu holen. Leider blieben diese Versuche rudiment\u00e4rer Natur.                 Aber eine solche Ausrichtung ist n\u00f6tiger denn je. So weisen z.B.                 der so genannte Bologna-Prozess (vgl. GWR 344 und nebenstehenden                 Artikel) und die Agenda 2010 frappierende \u00c4hnlichkeiten auf. Beide                 haben ein negatives Menschenbild zur Grundlage, das wiederum Ma\u00dfnahmen                 wie die Beschneidung der Freiheit legitimieren soll.<\/p>\n<p>Anzeichen zu so einer Ausrichtung finden sich schon in der Kritik                 der Verdinglichung der Bildung sowie der Ablehnung der wirtschaftlichen                 Orientierung. Dies geschieht bisher aber ohne dass die gesamte                 Bewegung eine eindeutige Stellung zum herrschenden \u00f6konomischen                 System bezieht. Sicher ist die Bewegung eine heterogene, aber                 letztlich muss sich jeder Mensch, unter Ber\u00fccksichtigung seiner                 eigenen Anspr\u00fcche an das Bildungssystem, die Frage stellen, ob                 das richtige Leben im falschen m\u00f6glich ist.<\/p>\n<h3>Entzerrter Protestzeitraum<\/h3>\n<p>Unter dem Motto &#8222;Education is not for sale&#8220; fand vom 9. bis 18.                 November 2009 weltweit eine Global Week of Action gegen die \u00d6konomisierung                 der Bildung statt. Schon der Warm Up Tag, der 5. November 2009,                 war stark mit Studierendenprotesten frequentiert: 20.000 demonstrierten                 und solidarisierten sich allein in \u00d6sterreich an diesem Tag mit                 den Protesten und auch in Deutschland kam es zu vereinzelten Aktionen.               <\/p>\n<p>Der urspr\u00fcnglich vorgeschlagene Protestzeitraum des bundesweiten                 Bildungsstreiks sollte am 17. November 2009, dem internationalen                 Studententag, mit dezentralen Demonstrationen als Initialz\u00fcndung                 beginnen. Angefeuert von den zahlreichen Besetzungen demonstrierten                 bundesweit in 60 St\u00e4dten mehr als 85.000 Menschen gegen das desolate                 Bildungssystem. Vor allem in Frankreich und Italien gingen an                 diesem Tag unz\u00e4hlige Menschen f\u00fcr bessere Bildung auf die Stra\u00dfe.<\/p>\n<p>Sch\u00e4tzungsweise d\u00fcrften es in Europa circa 300.000 Demonstrierende                 gewesen sein. In Folge dessen gab es massenhaft neue Besetzungen.                 Anfang Dezember z\u00e4hlten sich europaweit circa 100 Besetzungen                 von Bildungseinrichtungen. Erstmals wurden zudem diverse Schulen                 von Sch\u00fclerInnen besetzt.<\/p>\n<p>Auch kam es in einigen St\u00e4dten w\u00e4hrend und nach den Demos zu                 v\u00f6llig unverh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfigem Verhalten seitens der Polizei. In Essen                 wurden \u00fcber 60 Sch\u00fclerinnen und Sch\u00fcler unter 16 Jahren von der                 Polizei festgenommen und mit dem Einsatz von Pfefferspray und                 Elektroschocks bedroht.<\/p>\n<p>Einen Tag vor Beginn der &#8222;Hochschulrektorenkonferenz&#8220; (HRK) in                 Leipzig besetzten circa 100 Protestierende am 23. November 2009                 den Sitzungsraum der selbsternannten &#8222;Stimme der Hochschulen&#8220;.                 &#8222;Keine Stimme ohne uns&#8220; hielten die Besetzenden dagegen und forderten                 unter anderem, dass die HRK jene Selbstbezeichnung ablegt, dass                 sie sich zur Studiengeb\u00fchrenfreiheit bekennt und fortan \u00f6ffentlich                 tagt. Eine Demo vor Ort am Tagungstag mit sch\u00e4tzungsweise 10.000                 Teilnehmenden richtete sich ebenfalls gegen die demokratisch nicht                 legitimierte Konferenz. HRK-Pr\u00e4sidentin Margret Wintermantel gestand                 zwar ein, dass manche Forderungen berechtigt seien, aber den Protest                 hielt sie insgesamt f\u00fcr unberechtigt und die Studierenden f\u00fcr                 &#8222;furchtbar ungeduldig&#8220;. <\/p>\n<p>Die Verantwortung f\u00fcr die Bildungsmisere schob sie unterdessen                 auf die L\u00e4nder, die die Hochschulen unterfinanziert lie\u00dfen.<\/p>\n<p>Vom 30. November bis zum 6. Dezember 2009 fand in vielen St\u00e4dten                 eine Aktionswoche statt. Angedacht waren \u00fcber die Woche verteilt                 dezentrale, kreative Aktionen, selbstverwaltete Veranstaltungen                 und \u00e4hnliches. Am darauf folgenden Wochenende gab es in Bochum                 einen &#8222;Alternativen Bildungsgipfel&#8220; der als Kontrastveranstaltung                 zur anstehenden &#8222;Kultusministerkonferenz&#8220; (KMK) konzipiert war.                 Neben verschiedenen Workshops wie &#8222;Traumschule&#8220; und &#8222;Wie beeinflusst                 das Bildungssystem unser Menschenbild?&#8220; war ein Ziel, ein Positionspapier                 auszuformulieren, das den KultusministerInnen auf ihrer Konferenz                 vorgelegt werden sollte. <\/p>\n<p>Damit die KMK, die am 10. Dezember in Bonn tagte, Zeit hat ihre                 Politik zu \u00fcberdenken, entschloss man sich die &#8222;KultusministerInnen                 nachsitzen&#8220; zu lassen. Im Anschluss an eine Demo mit ca. 10.000                 Teilnehmenden wurde folglich versucht, die Stra\u00dfen zum Tagungsort                 zu blockieren. <\/p>\n<p>Wie schon die Woche zuvor bei der R\u00e4umung der Frankfurter Besetzung,                 schritt die Polizei hier mit Gewalt ein, um die friedlichen DemonstantInnen                 bei ihrem Protest zu behindern. Aber Gr\u00fcnde, die MinisterInnen                 nachsitzen zu lassen gab es ausreichend, denn die beschlossene                 Reform der Reform, die im Wesentlichen die Stofff\u00fclle begrenzen,                 die Studienzeiten vereinzelnd flexibilisieren und den Hochschulwechsel                 erleichtern soll, kratzt h\u00f6chstens an der Oberfl\u00e4che des Problems.<\/p>\n<h3>Kritik<\/h3>\n<p>Bleibt zum Schluss die Frage, was die Proteste, die mit Sicherheit                 zu den gr\u00f6\u00dften Studierendenprotesten der letzten Jahrzehnte geh\u00f6rten,                 erreicht haben. Auf parlamentarischer Seite gab es diesmal ein                 paar konkretere Lippenbekenntnisse. <\/p>\n<p>So vermeldete das Land Niedersachsen, die Umsetzungen des Bologna-Prozesses                 reformieren zu wollen und Bundesministerin f\u00fcr Bildung und Forschung                 Annette Schavan (CDU) k\u00fcndigte, entgegen vorheriger Aussagen,                 am Auftakttag der Proteste spontan eine BAf\u00f6G Erh\u00f6hung an (als                 Erg\u00e4nzung des schwarz-gelben Stipendienprogramms, welches die                 Vergabe von Stipendien an die leistungsst\u00e4rksten 10% der Studierenden                 vorsieht). <\/p>\n<p>Diese Ma\u00dfnahmen zeigen deutlich, dass PolitikerInnen den Kern                 des Protestes nicht begriffen haben, denn ob das Bildungssystem                 durch solche peripheren \u00c4nderungen freier, demokratischer und                 sozial durchl\u00e4ssiger wird, ist fraglich.<\/p>\n<p>Interessanter ist es dagegen, die Entwicklung der Protestbewegung                 &#8222;Bildungsstreik&#8220; zu betrachten. Gestalteten die einzelnen B\u00fcndnisse                 im Juni noch vereinzelnd ihre Aktionen, gelang es innerhalb des                 Streikes, eine umfangreiche Vernetzung zwischen den Bildungseinrichtungen                 und Standorten aufzubauen. In der Hochzeit fand beinahe t\u00e4glich                 irgendwo ein Vernetzungstreffen statt, auf dem inhaltliche Diskussionen                 gef\u00fchrt und gemeinsame Aktionen geplant wurden. <\/p>\n<p>Gerade die Besetzungen, welche den n\u00f6tigen Raum sowie die Zeit                 f\u00fcr Debatten schafften, d\u00fcrften einen wesentlichen Beitrag dazu                 geleistet haben. <\/p>\n<p>So gab es diesmal nicht nur einen festen Platz in der Hochschul\u00f6ffentlichkeit,                 sondern auch die Medien konnten nach der massiven Ausweitung das                 Thema nicht mehr totschweigen. Diese geschaffenen Strukturen sind                 zudem eine ausgezeichnete Grundlage f\u00fcr zuk\u00fcnftige Proteste. Leider                 nutzen auch fragw\u00fcrdige Medien wie bild.de den Protest zur Selbstinszenierung                 und vielleicht auch zum Selbstschutz (die &#8217;68er wollten Springer                 bekanntlich noch enteignen) aus, als sie zusammen mit dem sozialen                 Netzwerk Studi.VZ &#8222;Deutschlands gr\u00f6\u00dfte Beschwerdeliste&#8220; der KMK                 vorlegen wollten.<\/p>\n<p>Die gro\u00dfe \u00f6ffentliche Zustimmung offenbarte auch weitere Schattenseiten,                 denn sie wurde durch einen Minimalkonsens erkauft: Die Forderungen                 wirken im Vergleich zu fr\u00fcheren, radikalen Forderungen aufgeweicht.                 Doch es liegt im Wesen eines Streiks, utopische Forderungen zu                 stellen, damit sich beide Parteien am Ende in der Mitte treffen.                 Wie sagte schon Bakunin: &#8222;Diejenigen, die immer nur das M\u00f6gliche                 fordern, erreichen gar nichts. Diejenigen, die aber das Unm\u00f6gliche                 fordern, erreichen wenigstens das M\u00f6gliche.&#8220; <\/p>\n<p>Weiterhin bleibt das Problem, dass bei den Protesten immerzu                 die Studierenden im Mittelpunkt stehen. Sch\u00fclerInnen treten meist                 nur peripher auf und die Auszubildenden sind praktisch nicht vertreten.               <\/p>\n<p>Sicher liegt es in der Natur der Sache, dass an Unis eine andere                 Protestkultur und -m\u00f6glichkeit besteht, dennoch sind auch andere                 Gruppen vom desolaten Bildungssystem betroffen und sollten daher                 in folgende Aktionen besser integriert werden.<\/p>\n<p>Trotz der Zugest\u00e4ndnisse und Ank\u00fcndigungen von Verbesserungen                 w\u00e4re es fatal, sich jetzt zufrieden zu geben und die Verantwortung                 an jene abzutreten, die es schon mal verpatzt haben. Vielmehr                 sollte dieser Streik als versp\u00e4teter Beginn einer Protestbewegung                 gesehen werden, die (nicht nur) das Bildungssystem zugunsten der                 Bed\u00fcrfnisse der Menschen ver\u00e4ndern k\u00f6nnte.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Nach einzelnen Solidarit\u00e4tsaktionen, Demos und Flashmobs fingen auch die Studis an den deutschen Unis Feuer. Am Abend des 2. November 2009 besetzten Heidelberger Studierende ihren Audimax. Innerhalb k\u00fcrzester Zeit folgten viele weitere Hochschulen. Einen Schritt weiter Mit den ersten Besetzungen kam die Protestwelle auch in Deutschland an. 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