{"id":9814,"date":"2010-02-01T00:00:34","date_gmt":"2010-01-31T22:00:34","guid":{"rendered":"http:\/\/test.graswurzel.net\/gwr\/?p=9814"},"modified":"2012-08-21T18:12:34","modified_gmt":"2012-08-21T16:12:34","slug":"studis-raus-aus-der-uni","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/2010\/02\/studis-raus-aus-der-uni\/","title":{"rendered":"&#8222;Studis raus aus der Uni!&#8220;"},"content":{"rendered":"<p>Die Unileitungen holten sich die Staatsgewalt zur Seite, um die                 eigenen Studierenden aus den besetzten H\u00f6rs\u00e4len zu bekommen und                 den dort gef\u00fchrten Diskurs \u00fcber bessere Bildungsbedingungen zu                 unterbinden. Damit demonstrierten sie anschaulich die eigene Hilflosigkeit                 gegen\u00fcber dem gescheiterten Bolognaprojekt und die Unf\u00e4higkeit,                 Konsequenzen aus dem Scheitern zu ziehen und gemeinsam mit allen                 Universit\u00e4tsmitgliedern die Uni nach deren Bed\u00fcrfnissen umzugestalten.<\/p>\n<p>Die Polizei kam selbstverst\u00e4ndlich nicht ohne Grund am Morgen,                 sondern w\u00e4hlte die Zeit des geringsten Widerstandes. Dieses Kalk\u00fcl                 ging weitgehend auf. Die meisten R\u00e4umungen liefen daher &#8222;friedlich,                 aber nicht freiwillig&#8220; ab, wie es von BesetzerInnen betont wurde,                 was bedeutet, dass sie der Aufforderung der Polizei, das Geb\u00e4ude                 zu verlassen, nachkamen. In einigen St\u00e4dten kam es dennoch zu                 einer Eskalation seitens der Polizei. Ins besetzte Frankfurter                 Casino (Uni Mensa) kam die Polizei am fr\u00fchen Abend. Die dort Anwesenden,                 die gerade an einem Seminar teilnahmen, weigerten sich, den Anweisungen                 der Polizei und des Pr\u00e4sidenten nachzukommen, und leisteten (passiven)                 gewaltfreien Widerstand. Die R\u00e4umung folgte anschlie\u00dfend brutal:                 PolizistInnen zogen die Vorh\u00e4nge zu, damit die Presse nicht dokumentieren                 konnte. Das Heraustragen wurde teils von Schl\u00e4gen und Tritten                 sowie &#8222;sexistischen \u00dcbergriffen&#8220; begleitet. Nach der R\u00e4umung berichten                 Studierende von einer &#8222;Hetzjagd&#8220;, bei der sechs Menschen (Protestierende)                 so schwer verletzt wurden, dass sie im Krankenhaus behandelt werden                 mussten. <\/p>\n<p>Diese k\u00f6rperliche Gewalt war allerdings nicht die Regel. Andere                 Rektorate gingen subtiler vor. Einige stellten im besetzten Raum                 Strom und Wasser ab, in M\u00fcnster wurde versucht, durch T\u00e4uschungen                 die Besetzung zu beenden. Besonders kritisch ist das Vorgehen                 des Pr\u00e4sidiums der Uni M\u00fcnchen zu betrachten. Als trotz der Winterferien                 die Besetzung weiterging, verweigerte die Universit\u00e4tsleitung                 den Eintritt in das besetzte Audimax sowie die Zufuhr lebensnotwendiger                 Dinge wie Nahrungsmittel. Als diese &#8222;stille R\u00e4umung&#8220; erfolglos                 blieb, kam wieder die Polizei.<\/p>\n<p>Auff\u00e4llig ist, dass ein Gros der R\u00e4umungen in Nordrhein-Westfalen                 stattfand (Bielefeld, Dortmund, Duisburg, Bochum, M\u00fcnster, D\u00fcsseldorf,                 K\u00f6ln, Bonn). Dies k\u00f6nnte mit dem so genannten &#8222;Hochschulfreiheitsgesetz&#8220;                 des Landes zusammenh\u00e4ngen. Durch dieses Gesetz entscheiden die                 Unis selbst \u00fcber die Erhebung und die H\u00f6he der Studiengeb\u00fchren.                 Somit ist der Konflikt zwischen Unileitung und Studierendenschaft                 schon \u00e4lter als an manch anderer Hochschule und die Fronten sind                 verh\u00e4rteter, was Duldung und Diskussionen erschweren d\u00fcrfte.<\/p>\n<p>Ein Problem fr\u00fcherer Studiproteste war, dass der Protest \u00fcber                 die Winterferien abebbte und sich im neuen Jahr nicht reaktivieren                 lie\u00df. Hier muss sich die Bewegung nun beweisen, wie ernst es ihr                 ist, und ob sie den Protest fortsetzt. Einige Besetzungen wurden                 \u00fcber die Ferien aufrecht erhalten und man feierte im H\u00f6rsaal,                 andere pausierten, wollten aber im neuen Jahr mit gest\u00e4rkten Kr\u00e4ften                 weitermachen. Die Hochschulleitungen hofften auf eine Schw\u00e4chung                 des Protests zur Weihnachtszeit und lie\u00dfen kurz vor oder nach                 den Feiertagen r\u00e4umen.<\/p>\n<p>Egal wann ger\u00e4umt wird, wichtig ist, es nicht als Ende und Aufl\u00f6sung                 des Konfliktes zu betrachten, sondern im Gegenteil als Zuspitzung.                 Einige Studierende der fr\u00fch ger\u00e4umten Unis wie M\u00fcnster oder Bonn                 erkannten das und besetzten gleich wieder. <\/p>\n<p>Nur durch Ausdauer, weitere Aktionen sowie der Ausweitung des                 Protests auf andere gesellschaftliche Ebenen wird es m\u00f6glich sein,                 langfristig etwas zu \u00e4ndern.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Unileitungen holten sich die Staatsgewalt zur Seite, um die eigenen Studierenden aus den besetzten H\u00f6rs\u00e4len zu bekommen und den dort gef\u00fchrten Diskurs \u00fcber bessere Bildungsbedingungen zu unterbinden. 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