{"id":9870,"date":"2010-03-01T00:00:54","date_gmt":"2010-02-28T22:00:54","guid":{"rendered":"http:\/\/test.graswurzel.net\/gwr\/?p=9870"},"modified":"2022-07-26T14:24:07","modified_gmt":"2022-07-26T12:24:07","slug":"die-gesellschaft-ist-ein-einziger-gefahrenherd","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.graswurzel.net\/gwr\/2010\/03\/die-gesellschaft-ist-ein-einziger-gefahrenherd\/","title":{"rendered":"&#8222;Die Gesellschaft ist ein einziger Gefahrenherd&#8220;"},"content":{"rendered":"<p><strong>Graswurzelrevolution (GWR): Du bist in \u00d6sterreich, in der T\u00fcrkei, in England und den USA aufgewachsen. In \u00d6sterreich und den USA hast du Philosophie studiert. Seit 2005 lebst du in Schweden. Wie bist du zum Anarchismus gekommen? <\/strong><\/p>\n<p><strong><em>Gabriel Kuhn:<\/em><\/strong> Ganz wesentlich war mein Unbehagen an dem autorit\u00e4ren und b\u00fcrokratischen Apparat Schule.<\/p>\n<p>Ich hatte das Gef\u00fchl, dass ich dort irgendwelche Regeln und Aufgaben erf\u00fcllen musste, die f\u00fcr mein Leben keine Bedeutung hatten bzw. meiner pers\u00f6nlichen Entwicklung im Wege standen. Das war also anfangs sehr stark auf individuelle Rebellion konzentriert.<\/p>\n<p>Irgendwie gesellten sich dann romantisierte Bilder von &#8222;nicht-staatlichen&#8220; indigenen Gesellschaften hinzu.<\/p>\n<p>Und als mir mit sechzehn erkl\u00e4rt wurde, dass Anarchie &#8222;Staatslosigkeit&#8220; bedeute, war ich begeistert.<\/p>\n<p>Als ich dann meine ersten B\u00fccher zum Anarchismus las, konnte ich auf diesen Grundlagen mit bedeutenden Teilen der anarchistischen Tradition wenig anfangen. Klassenkampf war damals f\u00fcr mich kein Thema. Bald jedoch begann ich, die Zusammenh\u00e4nge von individueller Freiheit und sozialer Gerechtigkeit besser zu verstehen, und in meinem letzten Schuljahr pr\u00e4sentierte ich eine, wie ich denke, recht ausgewogene 20-seitige Hausarbeit zum Anarchismus.<\/p>\n<p>Heute geht es mir vor allem darum, Br\u00fccken zwischen verschiedenen anarchistischen Str\u00f6mungen zu schlagen. Ich finde es gut, wenn Leute unterschiedliche Schwerpunkte in ihrer Arbeit setzen, der Gegner hat viele Gesichter. Zudem sind wir eine minorit\u00e4re Bewegung, Spaltungen schw\u00e4chen uns nur noch weiter.<\/p>\n<p><strong>GWR: Was bedeuten Anarchismus und Anarchie f\u00fcr dich?<\/strong><\/p>\n<p><strong><em>Gabriel Kuhn: <\/em><\/strong>Das ist nat\u00fcrlich eine riesengro\u00dfe Frage. Ich werde versuchen, stichwortartig zu antworten.<\/p>\n<p>Anarchie bedeutet f\u00fcr mich Herrschaftsfreiheit. Anarchismus bedeutet die Ideenwelt und die sozialen Bewegungen, die sich an diesem Ideal orientieren.<\/p>\n<p>Dar\u00fcber, was Herrschaft ist, l\u00e4sst sich lange diskutieren. Ich verbinde mit Herrschaft wesentlich das, was ich &#8222;institutionalisierte Autorit\u00e4t&#8220; nenne.<\/p>\n<p>Es ist in bestimmten Lebenssituationen v\u00f6llig in Ordnung, sich von anderen Leuten was sagen zu lassen. Wenn ich bei einem Segelausflug den Anspruch h\u00e4tte, Kommando zu f\u00fchren, k\u00f6nnte sich das f\u00fcr alle Beteiligten fatal auswirken. Das Problem ist, wenn gesellschaftliche Verh\u00e4ltnisse Leute in Positionen r\u00fccken, wo sie sich wichtig machen k\u00f6nnen, ohne irgendwas zu sagen zu haben oder je nach ihrer Meinung gefragt worden zu sein.<\/p>\n<p>Herrschaftslosigkeit ist meines Erachtens nicht denkbar ohne drei Bedingungen: soziale Gerechtigkeit, basisdemokratische Entscheidungsprozesse und individuelle Verantwortung f\u00fcr unser soziales und \u00f6kologisches Umfeld. Sind diese Bedingungen nicht erf\u00fcllt, bestimmen Reiche, M\u00e4chtige und\/oder St\u00e4rkere.<\/p>\n<p>Herrschaft ist im \u00dcbrigen nicht nur an den Staat gekoppelt. Der Staat mit seinem Monopol auf die drei Gewalten Legislative, Exekutive und Judikative ist das R\u00fcckgrat institutionalisierter Autorit\u00e4t; insofern ist es f\u00fcr mich stimmig, dem Anarchismus Antistaatlichkeit zuzuschreiben, aber er muss mehr sein. Die Abschaffung des Staates alleine bringt keine Herrschaftsfreiheit, viele Herrschaftsformen sind in unsere sozialen Beziehungen eingeschrieben.<\/p>\n<p>Diese abzubauen, das ist ein fortw\u00e4hrender Kampf. Deshalb tue ich mich schwer, die Frage nach einer &#8222;anarchistischen Gesellschaft&#8220; zu beantworten. Ich wei\u00df nicht genau, wie eine solche aussehen soll, ich denke, da gibt es viele M\u00f6glichkeiten. Aber ich habe eine relative klare Vorstellung von einem &#8222;anarchistischen Leben&#8220; als st\u00e4ndigem Versuch, gegen Herrschaft zu wirken und zu gesellschaftlichen Verh\u00e4ltnissen beizutragen, die auf Solidarit\u00e4t und gegenseitiger Hilfe aufbauen. Dazu k\u00f6nnen wir jeden Tag Beitr\u00e4ge leisten. Insofern bin ich ein ewiger Optimist: Revolution hin oder her, als AnarchistInnen k\u00f6nnen wir die Welt immer ein wenig besser machen.<\/p>\n<p><strong>GWR: Du bist u.a. Herausgeber des 2008 im Unrast-Verlag erschienenen Buches &#8222;\u201aNeuer Anarchismus&#8216; in den USA. Seattle und die Folgen&#8220;. Das ist ein wichtiges Werk, das einen differenzierten \u00dcberblick \u00fcber verschiedene libert\u00e4re Str\u00f6mungen in den USA erm\u00f6glicht. Offenbar sind die US-Beh\u00f6rden weniger begeistert von solch staatskritischen Sachb\u00fcchern. Weil dein Name auf einer &#8222;No-Fly-List&#8220; steht, haben sie dir jetzt die Einreise in die USA untersagt. Wie erkl\u00e4rst du dir, dass die Einreisegenehmigung f\u00fcr deine Lesereise verweigert wurde?<\/strong><\/p>\n<p><strong><em>Gabriel Kuhn: <\/em><\/strong>Ich kann hier selber nur spekulieren, weil genaue Informationen im Namen der &#8222;nationalen Sicherheit&#8220; nicht preisgegeben werden. Ich nehme an, dass es in Zusammenhang mit fr\u00fcheren Problemen steht, die ich bei der Einreise in die USA hatte. Das letzte Mal, 2005, war ich mehrere Stunden bei den Beh\u00f6rden am Flughafen, die einen FBI-Agenten riefen, um mich zu verh\u00f6ren. Der wollte mich damals schon nicht einreisen lassen, aber ich hatte zu dem Zeitpunkt noch ein g\u00fcltiges Visum, und so war es nicht ganz so einfach, mich unmittelbar nach Europa zur\u00fcckzuschicken. Allerdings wurde meine Aufenthaltsgenehmigung auf das Minimum gek\u00fcrzt und ich wurde anscheinend auf die No-Fly-List gesetzt, um weitere Einreiseversuche von vornherein zu unterbinden.<\/p>\n<p>Damals spielte meine Publikationst\u00e4tigkeit keine direkte Rolle &#8211; das von dir angesprochene Buch war beispielsweise noch gar nicht ver\u00f6ffentlicht. Ob mittlerweile wer ein Auge auf meine T\u00e4tigkeiten wirft, kann ich nicht sagen. Wenn ja, dann wird es f\u00fcr Einreisebestrebungen wenig hilfreich sein.<\/p>\n<p><strong>GWR: Du bist nicht das erste Opfer dieser &#8222;No-Fly List&#8220;-Politik. Im Jahr 2009 wurden nach Angaben von US-Sicherheitsbeh\u00f6rden 55.000 Zusammentreffen mit vermeintlichen TerroristInnen protokolliert. In 19.000 F\u00e4llen sei eine \u00dcberpr\u00fcfung gegen die &#8222;Terrorist Watch List&#8220; erfolgreich gewesen. Das &#8222;Terrorist Screening Center&#8220; hat offiziell Eintr\u00e4ge \u00fcber 400.000 Menschen gesammelt, die der Unterst\u00fctzung von TerroristInnen verd\u00e4chtigt werden. 3.400 davon stehen auch auf der &#8222;No Fly List&#8220;, weil sie als Gefahr f\u00fcr die nationale Sicherheit eingesch\u00e4tzt werden.<\/strong><\/p>\n<p><strong>Das erinnert mich an den damaligen Pr\u00e4sidenten des Bundeskriminalamtes, Horst Herold, der es 1977, auf dem H\u00f6hepunkt der &#8222;Terroristenhysterie&#8220; in der Bundesrepublik, so formuliert hat: &#8222;Die Gesellschaft ist ein einziger Gefahrenherd.&#8220; Du hast lange in den USA gelebt. W\u00fcrdest du sagen, dass die &#8222;Terroristenhysterie&#8220; dort mit der in der BRD der 1970er Jahre zu vergleichen ist?<\/strong><\/p>\n<p><strong><em>Gabriel Kuhn: <\/em><\/strong>Ich kann schlecht einsch\u00e4tzen, wie gro\u00df die Hysterie damals in der BRD war, ich war zu jung. In den USA ist sie gegenw\u00e4rtig auf jeden Fall riesig. Die absurden von dir zitierten Zahlen sprechen f\u00fcr sich. \u00c4hnlich absurd lesen sich Texte auf einschl\u00e4gigen Websites des FBI oder der Transportation Security Administration (TSA), wo mit v\u00f6lliger Selbstverst\u00e4ndlichkeit Tausende von Menschen als &#8222;Terroristen&#8220; bezeichnet werden. Wenn das keine Bedrohung f\u00fcr diese Menschen darstellen w\u00fcrde, w\u00e4re es eigentlich nur zum Lachen.<\/p>\n<p><strong>GWR: Wie hat sich die Situation in den USA unter Pr\u00e4sident Obama ver\u00e4ndert?<\/strong><\/p>\n<p><strong><em>Gabriel Kuhn: <\/em><\/strong>Von dem, was ich aus der Ferne \u00fcber die Medien und die regelm\u00e4\u00dfigen Kontakte mit FreundInnen und AktivistInnen dort beurteilen kann, hat sich sehr wenig zum Positiven ver\u00e4ndert. Obama scheint es noch nicht einmal zu gelingen, die Gesundheitsreform durchzusetzen, was die gr\u00f6\u00dfte positive Ver\u00e4nderung seiner Amtszeit h\u00e4tte sein k\u00f6nnen. Au\u00dfenpolitik, Sicherheitspolitik, Militarisierung &#8211; das ist alles eine Katastrophe. Da ist im Vergleich zu Bush nichts anders, au\u00dfer dass Obama eloquentere Reden schwingt &#8211; was in dem Fall allerdings keine besondere Kunst ist. Auch an den horrenden sozialen Problemen in den USA hat sich nichts ge\u00e4ndert, an den hohen Gef\u00e4ngnisraten oder den rassistischen Strukturen. Mittlerweile beginnt auch die unbestreitbare symbolische Bedeutung der Wahl Obamas zu verblassen.<\/p>\n<p>Pers\u00f6nlich hatte ich nie besondere Hoffnungen in Obamas Amtszeit gelegt und ich habe nie verstanden, dass viele Linke sich da Illusionen hingaben. Heute w\u00fcrde ich sagen, dass selbst die geringen Hoffnungen, die ich hatte, noch entt\u00e4uscht wurden.<\/p>\n<p><strong>GWR: Kennst du weitere AnarchistInnen oder radikale Linke, die wie du Opfer der &#8222;Terrorist Watchlist&#8220; geworden sind?<\/strong><\/p>\n<p><strong><em>Gabriel Kuhn: <\/em><\/strong>Es gibt eine Reihe von Beispielen, von lateinamerikanischen MenschenrechtsaktivistInnen \u00fcber s\u00fcdafrikanische AkademikerInnen zu kanadischen AnarchistInnen. Ein Einzelfall ist meiner sicherlich nicht, und bei dem rasanten Tempo, mit dem die Liste w\u00e4chst, werden es wohl immer mehr F\u00e4lle werden.<\/p>\n<p>Der f\u00fcr mich beunruhigendste Aspekt der Geschichte ist, dass ein v\u00f6llig intransparenter \u00dcberwachungs- und Repressionsapparat geschaffen wurde, der inhaltlich nach Belieben aufgef\u00fcllt werden kann. Wenn sich das FBI beispielsweise entschlie\u00dft, alle Leute auf die Liste zu setzen, die bei diesem oder jenem Verlag in Deutschland publizieren, dann ist das durchaus m\u00f6glich. Das muss weder gerechtfertigt werden noch ist es rechtlich anfechtbar. Das Gleiche gilt f\u00fcr GenossInnen in den USA, die dann dort in ihrer Bewegungsfreiheit eingeschr\u00e4nkt werden.<\/p>\n<p>Das Alles ist nat\u00fcrlich kein rein US-amerikanisches Ph\u00e4nomen, sondern reproduziert sich international. Das gegenw\u00e4rtige Verfahren gegen die Mitglieder der Anarcho-Syndikalistischen Initiative (ASI) in Belgrad, die wegen einer v\u00f6lligen Lappalie des &#8222;internationalen Terrorismus&#8220; angeklagt werden, ist nur ein Beispiel daf\u00fcr (siehe dazu: &#8222;Festnahmen in Belgrad&#8220;, GWR 343, S. 5). Die serbische Regierung, die auf westliche Verb\u00fcndete schielt, will beweisen, im Kampf gegen den Terrorismus ein zuverl\u00e4ssiger Partner zu sein.<\/p>\n<p><strong>GWR: Die &#8222;No-Fly List&#8220; entzieht sich der \u00f6ffentlichen Pr\u00fcfung. Sie richtet sich offiziell gegen islamistische TerroristInnen und Waffenh\u00e4ndler. Dein Fall zeigt, dass sie auch der Bek\u00e4mpfung anarchistischer AktivistInnen und sozialer Bewegungen dient. Gibt es Proteste gegen diese Praxis? <\/strong><\/p>\n<p><strong><em>Gabriel Kuhn: <\/em><\/strong>Ja und nein. Ich denke, es kommt immer wieder zu Protesten gegen zunehmende \u00dcberwachungspraxen, beispielsweise auch in Schweden, wo es den Beh\u00f6rden seit zwei Jahren per Gesetzesbeschluss erlaubt ist, die gesamte Kommunikation einzusehen, die via Telefon- und Internetkabel \u00fcber die Landesgrenzen hinaus gef\u00fchrt wird. Gleichzeitig habe ich nicht das Gef\u00fchl, dass sich hier eine wirklich breite internationale Protestbewegung entwickelt, die wohl n\u00f6tig w\u00e4re, um diesen Entwicklungen wirksam entgegenzutreten. In Zusammenhang mit dem erw\u00e4hnten Verfahren in Belgrad gibt es Ans\u00e4tze, aktivistische Netzwerke aufzubauen, die sich spezifisch mit \u00dcberwachung und Repression im Kontext des internationalen &#8222;Kampf gegen den Terrorismus&#8220; auseinandersetzen sollen. Es w\u00e4re zu w\u00fcnschen, dass sich da ein l\u00e4ngerfristiges Projekt entwickelt.<\/p>\n<p><strong>GWR: Sinnvoll w\u00e4re vielleicht auch eine internationale Protestkampagne gegen die &#8222;No-Fly List&#8220;? Und konkret auch gegen die gegen dich gerichtete Repression. Ist so etwas geplant? An wen k\u00f6nnen die GWR-LeserInnen ihre Protestbriefe schicken? Welche M\u00f6glichkeiten der Solidarit\u00e4t gibt es?<\/strong><\/p>\n<p><strong><em>Gabriel Kuhn: <\/em><\/strong>Ich denke, mein Fall ist nicht so gravierend. Es ist schade, dass ich nicht in ein Land kann, in dem ich viel Zeit verbracht habe, seit ich neun Jahre alt war, und wo einige meiner besten FreundInnen leben. Es ist auch schade, dass ich diese Lesereise, in deren Vorbereitung viel Arbeit gegangen ist, nicht antreten kann. Aber gleichzeitig bin ich existenziell in keiner Weise von Besuchen in die USA abh\u00e4ngig. Mir geht es gut in Schweden und es stehen mir nach wie vor alle m\u00f6glichen anderen Reiseziele offen.<\/p>\n<p>Was wichtiger scheint, sind tats\u00e4chlich internationale Protestkampagnen, die auf die Struktur als solche abzielen und sich jener F\u00e4lle annehmen, wo Leute von diesen besonders hart getroffen werden, wie etwa gegenw\u00e4rtig in Belgrad. Zudem d\u00fcrfen wir nicht vergessen, dass der Komplex Immigration und Terrorismusbek\u00e4mpfung jene am allerh\u00e4rtesten trifft, die ohnehin schon sozial und \u00f6konomisch unterprivilegiert sind. Millionen von Menschen d\u00fcrfen alleine deshalb nicht in die USA &#8211; oder in andere Industriel\u00e4nder, Deutschland inklusive &#8211; weil sie arm sind. Das ist ein noch viel grundlegenderer Skandal. Wenn Leute sich engagieren wollen, dann sollten sie das meines Erachtens im Rahmen von Soli-Kampagnen wie jene f\u00fcr die Belgrader GenossInnen ((*)) tun bzw. im Rahmen der Versuche, Netzwerke gegen den Immigration\/Terrorismus-Komplex aufzubauen und die Grenzregime zu bek\u00e4mpfen.<\/p>\n<p><strong>GWR: Wie sch\u00e4tzt du die aktuelle Situation und die Perspektiven des Anarchismus und der sozialen Bewegungen in den USA ein?<\/strong><\/p>\n<p><strong><em>Gabriel Kuhn: <\/em><\/strong>Wie gesagt, ich bin immer Optimist. Solange es Widerstand gibt, gibt es Gegenkultur und Hoffnung. Und in den USA gibt es einiges an Widerstand, auch wenn das massenmedial nicht so vermittelt wird. Die USA sind mehr als Hollywood, McDonalds und bescheuerte PolitikerInnen. Der Anarchismus spielt seit zehn Jahren eine tragende Rolle im radikalen Widerstand des Landes und ich denke, das wird sich fortsetzen. Zum Sturz des Systems mag es nicht reichen, aber was die Verteidigung und den m\u00f6glichen Ausbau eines &#8222;anderen Amerika&#8220; betrifft, da bin ich sehr zuversichtlich.<\/p>\n<p><strong>GWR: Siehst du eine Chance, bald wieder in die USA einreisen zu k\u00f6nnen? <\/strong><\/p>\n<p><strong><em>Gabriel Kuhn: <\/em><\/strong>Es handelt sich hier um kafkaeske B\u00fcrokratie mit allen m\u00f6glichen Feinheiten. Aber um eine kurze Antwort zu geben: Nein, ich werde wohl solange nicht einreisen k\u00f6nnen, bis es zu einer generellen Reform des Einreisesystems kommt. Das scheint zwar auf der einen Seite unwahrscheinlich, aber auf der anderen ist das momentane System so aufgeblasen und uneffektiv, dass es durchaus irgendwann zu einer drastischen Reform kommen kann. Wir werden sehen.<\/p>\n<p><strong>GWR: Herzlichen Dank.<\/strong><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Graswurzelrevolution (GWR): Du bist in \u00d6sterreich, in der T\u00fcrkei, in England und den USA aufgewachsen. In \u00d6sterreich und den USA hast du Philosophie studiert. Seit 2005 lebst du in Schweden. Wie bist du zum Anarchismus gekommen? Gabriel Kuhn: Ganz wesentlich war mein Unbehagen an dem autorit\u00e4ren und b\u00fcrokratischen Apparat Schule. 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