graswurzelrevolution
308 april 2006
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stern / zerbrochenes gewehr
editorial

the times they are a-changin'

Liebe Leserinnen und Leser,

die Stromausfälle im November 2005 (vgl. GWR 305) brachten es ans Licht: In Zeiten neoliberaler Schlamperei lassen Atomkonzerne ihre Anlagen verrotten und marode Strommasten fallen unter der Schneelast in sich zusammen.

Das war vor 20 Jahren anders. Ab April 1986 sägten radikale Anti-Atom-AktivistInnen in wenigen Monaten mehr als 100 Strommasten um, ohne dass Menschen dabei zu Schaden gekommen wären. Aufgrund des in der GWR Nr. 110 (Dezember 1986) abgedruckten Artikels unter der Überschrift "Wenn der Strommast fällt ... - Überlegungen zu Sabotage als direkte gewaltfreie Aktion" wurde damals ein Ermittlungsverfahren wegen "öffentlicher Aufforderung zu Straftaten" (§111 StGB) gegen die GWR eingeleitet. In dem inkriminierten Text hatte der Graswurzelrevolutionär "G. Waltfrei" seine Erfahrungen beim Aufbau einer der - nach der Reaktorkatastrophe von Tschernobyl in vielen Orten entstandenen - "Sägefisch"-Gruppen beschrieben: "Wir haben einen Hochspannungsmasten umgesägt. Ich verstehe diese Aktion als gewaltfrei und will von meiner Erfahrung ausgehend eine Einschätzung des Verhältnisses von persönlichem Risiko zum Nutzen geben." Mit dem Artikel wolle er u.a. die Frage der "Perspektive von Sabotage" diskutieren, für eine Einbettung von Sabotageaktionen als Unterstützung von gewaltfrei-libertären Kampagnen Zivilen Ungehorsams plädieren und die für die Widerstandsperspektiven problematischen und fruchtbaren Seiten von Sabotage benennen. Im Juli 1987 wurde das Ermittlungsverfahren eingestellt.

Nachdem bei einer Strommastsprengung 1988 eine Aktivistin schwer verletzt wurde, kam das "Strommastfällen" zu Recht aus der Mode.

Es hat neben vielen anderen Aktionen die Kosten für den Atomstaat in die Höhe getrieben. Der Bau der Plutoniumfabrik WAA in Wackersdorf wurde 1989 gestoppt, von der Atomindustrie offiziell begründet mit "gestiegenen Kosten".

Die Zeiten ändern sich. Wo steht die internationale Anti-Atom-Bewegung heute, 20 Jahre nach Tschernobyl? Das ist eine der Fragen, mit denen sich drei Artikel zum Schwerpunkt Tschernobyl beschäftigen.

Weitere Themen dieser GWR sind z.B. die militaristische EU-Politik (S. 1, 13 f.), die rassistische deutsche Anti-MigrantInnenpolitik und der realsatirische "Einbürgerungstest" (S. 1-3). Die in GWR 307 begonnene Diskussion um den "Karikaturenstreit" wird in dieser Ausgabe fortgesetzt. Weitere Diskussionsbeiträge zum Thema sind erwünscht.

Li(e)bertäre Grüße,

Bernd Drücke (GWR-Koordinationsredakteur)

P.S.: Der Verlag Graswurzelrevolution nimmt mit dem Buch "Krieg ist der Mord auf Kommando" an dem Online-Wettbewerb des Bertha-von-Suttner-Kunst- und Medienpreises "Die Waffen nieder!" teil:

www.bertha-von-suttner-preis.de

Dort kann jedeR noch bis 15. April 2006 mit abstimmen.

 

inhalt
aktuelles

Ohne Hitler nix deutsch

Brüh' im Lichte dieses Glückes

"Friedlicht"
>> 50 Ausgaben - 25 Jahre

Durch gewaltfreien Widerstand Naziaufmarsch gestoppt
>> Let's do it again!

Mehr als fünf Monate Arbeitskampf
>> ...bei Gate Gourmet

Mehmet Tarhan aus der Haft entlassen
>> Erfolg der internationalen Kampagne für den Kriegsdienstverweigerer


antimilitarismus

Neoliberale Geopolitik
>> Die Europäische Union und die militärische Absicherung der Globalisierung


anti-atom

20 Jahre nach Tschernobyl
>> Vergesslich in die Zukunft?

Tschernobyl
>> 20 Years After: Wo steht die Anti-Atom-Bewegung?

Die Katastrophe wächst
>> 20 Jahre Tschernobyl


kommentar

"Gouvernement au Karscher!"
>> Kommentar zur sozialen Massenbewegung in Frankreich


häuserkampf

Barris und Bauzäune
>> Ein aktueller Bericht aus der Ex-Steffi


anarchismus

Eine "anarchistische Dezentrale"
>> Anarchismus in Berlin. Ein Interview mit Ralf G. Landmesser

Für eine libertäre Vermischung der Kulturen
>> Ein gewaltfrei-libertärer Diskussionsbeitrag zum Karikaturenstreit


gewaltfreiheit

Der Frieden beginnt im Alltag
>> Über die Arbeit der Nonviolent Peaceforce in Sri Lanka


bücher

Lebendige Protestpraxis
>> Schwarzbuch Hartz IV

Hybridkulturen im Stellungskrieg
>> Zwei neue Bücher zu Fragen kollektiver Identität

Maschinengewehre hinter der Front
>> Zur Geschichte der deutschen Militärpsychiatrie


film

Pocahontas im Männerland
>> Noch ein Kommentar zu Terrence Malicks Film "The New World", USA 2005

Gambit, Al Anfal, 1000 Frauen und ein Traum
>> Historische Paradigmen in dokumentarischen Filmen


aktion

Asyl für Kriegsdienstverweigerer und Deserteure
>> Internationaler Tag der Kriegsdienstverweigerung


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