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422 oktober 2017
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Anarchismus und Russische Revolution

Philippe Kellermann (Hg.): Anarchismus und Russische Revolution, Dietz Verlag, Berlin 2017, 414 Seiten, 29,90 Euro, ISBN 978320023287

Aus den Reihen des organisierten Anarchismus kam frühzeitig eine Kritik an der Politik des Bolschewismus und am Niedergang der Russischen Revolution. Bereits in den 20er Jahren entstanden mit Emma Goldmans "Die Ursachen des Niedergangs der Russischen Revolution", Alexander Berkmans "Der bolschewistische Mythos" und Rudolf Rockers "Bankrott des russischen Staatssozialismus" wichtige, bis heute aktuelle Texte.

Gleichzeitig faszinierte die Revolution auch etliche Anarchist*innen, die sich im Zuge dessen dem Staatskommunismus zuwendeten. Das wohl bekannteste Beispiel dürfte die von Ken Loach glorifizierte, marxistische Kleinpartei POUM in Spanien gewesen sein. An deren Gründung waren maßgeblich sowohl ehemalige Genoss*innen der anarchosyndikalistischen CNT, als auch die Kommunistische Partei Spaniens selbst, beteiligt.

Der Sammelband von Philippe Kellermann nähert sich dem Verhältnis von Anarchist*innen zur Russischen Revolution auf unterschiedlichen Ebenen. Die Beiträge von Dimitri Rublew, Alexander Schubin, Lutz Häfner und Vadim Damier behandeln die Situation der Anarchist*innen in Russland und der Ukraine (Machno-Bewegung). Weitere Beiträge beleuchten u.a. die Sicht des französischen Individualisten Victor Serge (Mitchel Abidor), die Auswirkungen auf den Anarchismus in der Schweiz (Werner Portmann) und in Italien (Franco Bertoulucci) sowie Angel Pestanas Kritik an der Russischen Revolution (Martin Baxmeyer). Die Situation in Deutschland wird in zwei Beiträgen vom Herausgeber und von Siegbert Wolf behandelt.

Insgesamt umfasst der Sammelband 13 Texte, von denen mehrere für das Buch eigens ins Deutsche übersetzt wurden.

Die Autoren - Autorinnen vermisst man in dem Band - sind teilweise universitär eingebundene Wissenschaftler, teilweise freie Publizisten - alle aber ausgewiesene Experten auf ihrem Forschungsfeld

Inhaltlich ist es ein hochkarätiger Band, der auch im deutschsprachigen Raum wenig bekannte bzw. beachtete Aspekte aufgreift. Vorkenntnisse sind daher für die Lektüre unumgänglich.

Hierzu zählt u.a. die Auseinandersetzung mit der Situation und Position von russischen Migrant*innen in Berlin.

Der Klappentext des Verlages, auf dem es heißt: "(Es) kommt eine neue Generation von Autoren zu Wort", ist allerdings fehlerhaft. Die Autoren haben alle bereits einschlägig zum Themenkomplex publiziert. Der Band erscheint nun im Rahmen der Gedenkveranstaltungen zum 100. Jahrestag der Oktoberrevolution, von der Rosa Luxemburg Stiftung unterstützt, beim Dietz Verlag.

Diesbezüglich schreibt Philippe Kellermann im Vorwort: "Ich bin froh, dass ein Buch wie das vorliegende in einem Verlag mit einer (politischen) Geschichte wie dem Dietz Verlag erscheinen konnte, dazu noch mit einem sich dem Anarchismus verpflichtet fühlenden Herausgeber." (S. 9) Insgesamt ein lesenswerter, wenn auch sehr akademischer, daher streckenweise etwas fader Sammelband.

Maurice Schuhmann
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