editorial

Unsichtbar oder nicht vorhanden?

Zum 8. März schreiben fast 50% Autorinnen* in der Graswurzelrevolution – Und zum 8. April?

| GWR-Redaktion

Liebe Leser*innen,

eines unserer Ziele als Redaktion ist es, Autorinnen* mehr Platz in der Graswurzelrevolution zu geben. In dieser Ausgabe ist es uns gelungen! Hoffentlich nicht nur wegen des Schwerpunkts „Unsichtbare Frauen“. Mit diesem Thema möchten wir die besondere Situation von Frauen in unterschiedlichen Bereichen in den Vordergrund rücken und Einblicke in die gegenwärtige Frauenbewegung geben. Tinet Elmgren schreibt über unsichtbare Arbeit von Frauen und ihre Auswirkungen. Die AG Feministische Kämpfe aus Dresden stellt sich vor und gibt uns Einblicke in ihre gewerkschaftlichen Aktivitäten. Cécile Lecomte interviewt Brigitte Faber und Martina Puschke von Weibernetz e.V., um die Lebenssituation von FrauenLesben und Mädchen mit Beeinträchtigung sowie den anhaltenden Ableismus in der Gesellschaft sichtbar zu machen. Antje Schrupp schreibt in ihrem Essay „Sichtbarkeit und Geschlecht“ über die reproduktive Differenz und das Schwangerwerdenkönnen. Katja Einsfeld schließt den Schwerpunkt durch ein Interview mit Grace von Women in Exile & Friends, in dem sie die Lebenssituation und Selbstorganisierung von Frauen im deutschen Asyl-System sichtbar macht.

Dem Schwerpunkt aus der Frauenbewegung folgt der Text „An der Grenze“ über die Soli-Küche Kesha Niya, die an der italienisch-französischen Grenze Geflüchtete versorgt. Matthias Eickhoff schreibt zum 10. Jahrestag von Fukushima über eine Renaissance der Atomkraft; Antonia Greco trägt ein „AktivistInnen-Tagebuch“ aus Lützerath und dem Hambacher Forst mit interessanten Fotos zum aktuellen Widerstand gegen den Braunkohleabbau bei.

Ungleich gefährlicher ist der Widerstand in anderen Ländern. In Myanmar wehrt sich die Bevölkerung mit Protesten, zivilem Ungehorsam und einem Generalstreik gegen den Staatsstreich des Militärs. Dieses droht mit „tödlichen Konsequenzen“. Zwei Mitglieder der Initiative „German Solidarity with Myanmar Democracy“ berichten über die Umstände des Putsches und die Proteste vor Ort. Während die Situation in Myanmar weltweites Aufsehen erregt, erscheint die bedrohliche Lage der Sahrauis nicht in den Nachrichten. Jakob Reimann analysiert die Rolle der EU, speziell deutscher Konzerne, im wieder aufflammenden Konflikt in der von Marokko besetzten Westsahara.

„Widerstand“ leisteten in ihren Augen auch die Anhänger*innen Donald Trumps bei ihrem Sturm auf das Capitol. In unserem USA-Artikel analysiert Johann Bauer die Wut der weißen, männlichen Trump-Anhänger. Thomas Tews berichtet hingegen über den Kampf der Lakota gegen die US-Fracking-Energiekonzerne. Während der Rechtsnationalismus in den USA Macht eingebüßt hat, sitzen Bolsonaro, Erdoğan, Modi, Netanjahu, Orban u.a. fest im Sattel. Ralf Dreis schildert die aktuellen Entwicklungen in Griechenland, wo während der Corona-Pandemie der autoritäre Staat ausgebaut wird.

Covid-19 lässt uns nicht los. Lou Marin kommentiert den Einsatz der Bundeswehr im „Kampf gegen das Virus“. Von unten links kommt die Kampagne #ZeroCovid. Ist ein Shutdown aller nicht lebensnotwendigen Wirtschaftsbereiche die richtige Antwort auf die Pandemie? Welche Auswirkungen hätte diese Strategie? In den Pro&Contra-Diskussionsbeiträgen um die #ZeroCovid-Kampagne stellen einerseits Antje Schrupp, andererseits Britta Rabe und Michèle Winkler vom Komitee für Grundrechte und Demokratie e.V. ihre Meinung dar.

„Alles in Ordnung“ heißt es wieder in der Glosse von Mathias Schmidt. Hinter der Frage nach dem zweiten Kind versteckt sich allerhand. Nichts in Ordnung ist nach wie vor in der Fleischindustrie. Sebastian Schubert schreibt über die Arbeitsbedingungen bei Tönnies & Co nach der Protestwelle vom Frühjahr und Sommer 2020.

Zum 150-jährigen Jubiläum der Pariser Commune von 1871 arbeitet Felip Equy die Commune-Bewegung in Marseille auf, die bisher im Schatten der Pariser Commune stand. Zum Abschluss gibt es das bewegende Vorwort „Kämpfen heißt Erinnern“ von Konstantin Wecker zum Buch ‚Ich lehre euch Gedächtnis.‘ Paul Wulf: NS-Opfer – Antifaschist – Aufklärer, das zum 100. Geburtstag von Paul Wulf erscheint.

Wir bedanken uns herzlich bei unseren Autor*innen und Herausgeber*innen für ihre Unterstützung und super Zusammenarbeit!

Viel Spaß beim Lesen und bleibt gesund!
GWR-Redaktion

Monika Kupczyk und Daniel Korth

 

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