nie wieder faschismus

Eine neue Phase des Widerstands

Vom Schockzustand zum Beginn massenhafter Aktionen: Die jüngsten Entwicklungen der antiautoritären Kämpfe in den USA

| Daniel Hunter, 26. November 2025

BeitragTrump
Am 5. November 2025 demonstrierten sieben Millionen Menschen gegen das Trump-Regime. Foto: Instagram/@andrew.spellman, Bildquelle: https://wagingnonviolence.org/wp-content/uploads/2025/11/581173073_18538033045025191_412850717478645907_n.jpg

Die Nachrichten überschlagen sich so schnell, dass es schwer ist, mit all den Wendungen Schritt zu halten. Innerhalb von 24 Stunden kehrte die Grenzpolizei der Stadt Charlotte den Rücken, die Republikanerin Marjorie Taylor Greene kündigte ihren Rücktritt an, und der neue Bürgermeister von New York City (NYC), Mamdani, nannte Trump einen Faschisten und brachte ihn zugleich dazu, zu sagen, dass er gerne unter einem Bürgermeister Mamdani in New York City leben würde.

Wir befinden uns in einer neuen Phase des Kampfes gegen den Autoritarismus in den USA – und es ist hilfreich, einen Moment innezuhalten, um zu sehen, wo wir stehen und uns entsprechend neu zu orientieren. Wir haben die ersten Monate des Schocks und die vernichtenden Niederlagen hinter uns gelassen. Jetzt zeigen wir, dass wir uns manchmal verteidigen und sogar in die Offensive gehen können.
In geringem Maße wird diese Veränderung auch in den traditionellen Medien verfolgt. Sie stellen fest, dass wir endlich einige Obergrenzen für die blinde Gefolgschaft der Republikanischen Partei gegenüber Donald Trump gesetzt haben. Die Republikaner in Indiana widersetzen sich seiner Forderung nach einer Neugliederung der Wahlbezirke. Die Epstein-Akten sind endlich zugänglich, was Trump zu einem öffentlichen Rückzug zwang und „erlaubte”, für die Freigabe der Akten zu stimmen – etwas, gegen das er sich vehement gewehrt hatte.
Wie üblich verfolgen die Medien die Ursachen für all dies nur sehr spärlich. Sie sprechen über die Wahlergebnisse und darüber, wie der Erdrutschsieg der Demokratischen Partei eine dramatische Veränderung offenbart hat, die als Volksabstimmung über Trump interpretiert werden kann. Dabei übersehen sie jedoch weitgehend, wie sehr die Wahlen von der wohl größten Einzelprotestaktion in der Geschichte der USA profitiert haben, dem „No Kings”-Protest – und sie negieren auch die Tatsache, dass sich der Widerstand tief in das sogenannte Trump-Land ausbreitet.
Diese neue Phase ist eine positive Nachricht. Sie bringt aber auch neue Kämpfe mit sich und wird wahrscheinlich zu einer Zunahme der Gewalt führen, da die Opposition befürchtet, dass ihre Seite schwächer wird.
Unter Nutzung der Organisationsstruktur von Freedom Trainers, einem Netzwerk, das Menschen in ganz Amerika über gemeinsame Nichtbefolgung von (staatlichen) Anordnungen und massenhafte Nichtzusammenarbeit aufklärt, hier eine aktuelle Einschätzung, wo wir uns in den „Phasen des antiautoritären Kampfes” befinden.

Phase 0: Schock und Chaos

Wir erinnern uns an diese schmerzhafte Phase. Organisationen zogen sich zurück oder gerieten völlig durcheinander. Menschen schalteten die Nachrichten aus oder fühlten sich gelähmt, wenn sie doch zuhörten. Es herrschte Chaos, da Angriffe von allen Seiten kamen.
In dieser Phase übte der Ober-Diktator seine Macht scheinbar unangefochten aus. Bundesbehörden wie das Justizministerium, das Ministerium für Gesundheit und Soziales und die Grenzpolizei wurden mit bürokratischem Gejammer übernommen, ohne dass es zu einem koordinierten, nachhaltigen Widerstand kam. Wir sahen frühe Kapitulationen: Mehrere Anwaltskanzleien gaben auf, anstatt den Kampf gegen die Regierung zu riskieren, Universitäten gaben angesichts des Drucks stillschweigend nach.
Diese Phase brachte verheerende Verluste mit sich: den Tod der US-Agentur für internationale Entwicklung; die massive Aufstockung der Mittel für die ICE (2), die als neue paramilitärische Truppe fungiert; Kürzungen bei den Programmen für Schulspeisung; Rückschritte beim Klimaschutz; Entlassungen von Wissenschaftler*innen und Forscher*innen, die sich u. a. mit Infektionskrankheiten, Wetterverhältnissen und dem Arbeitsmarkt befassen; und offene Gewalt gegen Transgender-Personen. Choose Democracy veröffentlichte eine konservative Schätzung, nach der es zu mehr als 600.000 Todesfällen weltweit kam, die auf die in diesen ersten Monaten eingeleiteten Maßnahmen zurückzuführen sind.
Aber der Schock war nicht die ganze Geschichte. Ja, es gab keine riesigen Straßenmärsche. Aber die Menschen schüttelten den Schock mit einer Vielzahl von Widerstandsstrategien ab – von Bundesbeamten, die Musks fünfzeilige E-Mail ablehnten, über den wirtschaftlichen Blackout am 28. Februar bis hin zur Vereitelung von ICE-Razzien und Politiker*innen, die Trumps Umbenennung des Denali Berges (höchstes Gebirge Nordamerikas) ablehnten. Das Chaos machte es schwierig, diese Trends zu beobachten, zu erkennen und zu verfolgen.
Die Menschen begannen gerade erst, das Ausmaß der autoritären Übergriffe zu begreifen – von Zollverordnungen über Beschlagnahmungen durch Behörden bis hin zu dreisten Machtübernahmen.
Aber innerhalb der Bewegung begannen wir, nicht nur zu handeln, sondern auch, unsere kollektive Macht aufzubauen.

50 days of protest
Tausende demonstrierten am 8. März, International Women’s Day, in Montpelier, Vermont. Foto: 50501VT/Timothy Santimore. Bildquelle: https://wagingnonviolence.org/wp-content/uploads/2025/03/50-days-of-protest.jpg

 

Phase 1: Kräfte sammeln

Im März 2025 begannen einige von uns, sich aus dem Chaos zu befreien und sich zusammenzuschließen. Die „Tesla-Proteste“, die im Februar in Ausstellungsräumen – mal hier, mal da – und mit einzelnen Aktionen, Tesla-Autos abzustoßen, begonnen hatten, wurden unter dem Namen „Tesla Takedown” (Tesla-Absturz) zu einer internationalen Kampagne, die bereits im März eine Website hatte und Aktionen in 250 Städten weltweit koordinierte.
In dieser Phase vernetzt sich die Bewegung stärker und organisiert und probiert verschiedene Ansätze und Taktiken aus.
Im März trat Rachel Cohen öffentlich aus ihrer Anwaltskanzlei aus, die sich Trumps Forderungen gebeugt hatte. Das wäre nur eine weitere kleine Aktion unter vielen chaotischen Widerstandsaktionen gewesen, hätte sie nicht anschließend dafür gesorgt, dass eine Reihe von Anwälten Trump öffentlich widersprachen. Kanzleien, die nachgaben, verloren wichtige Mandanten, Talente und Glaubwürdigkeit. In den folgenden Monaten stellten die Anwaltskanzleien ihre schamlosen Kapitulationen ein.
Eine ähnliche Dynamik entwickelte sich an den Universitäten, die wie viele andere Institutionen von unten organisiert wurde. Todd Wolfson, Präsident der Amerikanischen Assoziation der Universitäts-Professor*innen, erklärte, dass sie zusammen mit Student*innen und Alumni einen „aligned table” (Zusammenkünfte zur gemeinsamen Abstimmung über Strategien) organisiert hätten, um Kolleg*innen für die Meinungsfreiheit und die institutionelle Integrität zu mobilisieren. Auch die Studierenden wehrten sich mit Streiks, die von der Sunrise Movement (3) organisiert wurden.
Wir können die Stärke spüren, die sie aufgebaut haben, denn wie die Anwaltskanzleien kapitulieren auch die Universitätsverwaltungen und -gremien in unterschiedlichem Maße nicht mehr reflexartig. Zur Erinnerung: Harvard rannte zunächst direkt an den Verhandlungstisch, um eine der ersten Kanzleien, die nachgegeben hatte, mit der Harvard-Vertretung vor Gericht zu beauftragen. Harvard leistete nur Widerstand, weil die Forderungen der Trump-Regierung zu extrem wurden und als Reaktion auf den organisierten Druck von innen. Ihr Widerstand gegen Trumps Druckkampagne ist geblieben.
All diese Arbeit bedeutet nicht, dass nicht weiterhin enorme Verluste auftreten, aber das Organisieren führt zu Stärke, während es vorher nichts als Verluste gab.

Über das meiste aus dieser Phase wurde von den traditionellen Medien nicht berichtet. Sie ignorierten all die nächtlichen Topf- und Pfannenproteste, die von Free DC (4) organisiert wurden. In den von der Bundesregierung besetzten Städten, wie LA und Memphis, suchten sie nach jedem Anzeichen von Gewalt durch Demonstrant*innen, um eine Geschichte zu kon-struieren, ignorierten jedoch das Ausmaß des Widerstands der Gemeinschaft gegen die staatliche Gewalt, die Familien auseinanderreißt. Sie übersahen Geschworene, die Anti-ICE-Demonstrant*innen stillschweigend „nicht schuldig” sprachen. Sie übersahen Krankenschwestern, die an vorderster Front mit Transsexuellen standen und sich weigerten, Gesetze zu normalisieren, die Transphobie institutionalisieren.
In den meisten Fällen ist die Sammelphase die Phase des „stillen Aufbaus”. Eines ihrer Kennzeichen ist die Offenheit für den Aufbau neuer Koalitionen. Bewegungsgruppen und Insider fanden auf neue Weise eine gemeinsame Sache. Sowohl die Bewahrer*innen der Institutionen wie die Revolutionär*innen verstanden, dass sie Teil einer größeren Bewegung sind.

Phase 2: Umgang mit Angriffszyklen

Wo Trump auf Druck stieß, machte er einen Schwenk in andere Bereiche. Er militarisierte Städte. Er unterzeichnete unerbittlich rassistische, sexistische, transphobe, klassenfeindliche, hasserfüllte und beschämende Durchführungsverordnungen. Sein Regime übernahm die Kontrolle über Washington D.C., nahm die Nationalen Gesundheitsinstitute sowie die Agentur für Umweltschutz auseinander und verschaffte sich die Kontrolle über das Justizministerium.
Wir haben nicht einfach aufgehört, vorauseilenden Gehorsam und Kapitulation zu praktizieren – wir sind in die Phase 2 der Handhabung von Angriffszyklen eingetreten. Handhabung bedeutet hier nicht ganz, dass wir uns nach dem Motto „Angriff ist die beste Verteidigung“ wehrten – denn unsere Gemeinschaften haben stark gelitten.
Manchmal haben wir schlimme Dinge verhindert. Disneys Rückzieher bei der Suspendierung von Jimmy Kimmel folgte auf einen raschen Boykott von 1,7 Millionen Menschen. Der „Tesla Takedown“ (Absturz von Tesla) hat Elon Musk aus der Regierung verdrängt. Mit Unterstützung von Anwälten aus der Bewegung zeigten die Gerichte, dass sie viele der schlimmsten Exzesse verlangsamen oder stoppen konnten.
Gelegentlich änderten wir das Narrativ: Nach der intensiven Militarisierung zahlreicher Städte untergrub die Stadt Portland Trumps Darstellung von „gefährlichen Antifa-Anhängern und vergewaltigenden Illegalen“ durch Demonstrierende in Froschkostümen.
Bei anderen Gelegenheiten konnten wir den Schaden nicht verhindern, aber wir waren zu einer sinnvollen Verteidigung fähig. Gemeinschafts- und Einwanderergruppen verstärkten ihren Widerstand gegen ICE-Razzien (Zoll- und Einwanderungsbehörde der USA). Politiker*innen wurden gemeinsam mit Demonstrant*innen ver-
haftet, was den Bemühungen der Bewegung Glaubwürdigkeit verlieh.
In diesem Sinne bewiesen wir unseren Leuten und unserer Gemeinschaft, dass wir die Angriffe „handhaben“ konnten.
Aber das ist etwas anderes, als die Angriffe zu stoppen. Es ist immer noch defensiv.
Ein wichtiger Teil des Umgangs mit einem Angriff ist es, zu lernen, wie man ihn ins Gegenteil umkehrt. Trumps rücksichtslose Bemühungen mögen ihm zwar die Stilllegung fast aller Bundesbehörden eingebracht haben, aber sie haben ihn auch beträchtliche Unterstützung gekostet. Er hat gezeigt, dass er lieber Menschen hungern lässt und die Verkehrsinfrastruktur lahmlegt, als einer Senkung der Krankenkassenbeiträge für die meisten US-Amerikaner*innen zuzustimmen.
Eine weitere Möglichkeit, die Veränderungen zu verfolgen, besteht darin, zu beobachten, wie aktiv die Bewegung geworden ist. Nach dem ersten No-Kings-Marsch im Juni 2025 fragten viele Menschen: „Was machen wir als Nächstes?“
Nach dem zweiten No Kings-Marsch im Oktober 2025 haben viele Menschen Listen erstellt, Aktionen vorgeschlagen und auf unterschiedliche Taktiken gedrängt. Wir haben den Schock überwunden. Wir schmieden Pläne und schlagen zurück.
Die chaotischen Tage des wie von Dampfwalzen Überrolltwerdens sind vorbei. Jede Organisation und Institution im ganzen Land hat einen Plan A und einen Plan B für den Fall, dass die Schlägertrupps vor der Tür stehen. Natürlich werden nicht alle Taktiken und Bemühungen funktionieren. Einige sind von Natur aus fehlerhaft, zu vorsichtig oder basieren auf einem veralteten Spielplan.
Bei der Planung stehen die Gruppen vor der Herausforderung, die anfängliche Offenheit der früheren Phasen beizubehalten – die „Anfängermentalität“ von „wir wissen nicht, wie wir das lösen sollen“. Das ermöglichte es den Tesla-Absturz-Initiativen, unterschiedliche Menschen zu verbinden: reiche Tesla-Besitzer*innen mit Antikapitalist*innen, wütende Arbeiter*innen, die wussten, dass sie ausgebeutet wurden, mit höflichen Plakatträger*innen aus der Mittelschicht.

Die Proteste in 2025 haben bereits dazu beigetragen, die Menschen zu motivieren, gegen Trumps Autoritarismus zu stimmen. Die deutlichen Verluste bei den jüngsten Wahlen verstärken die Risse in der MAGA-Koalition.

Es ist erwähnenswert, dass es für einige Gruppen scheinbar keine Erleichterung gab. Es gibt so viele Fronten, dass es schwer ist, sie alle im Herzen zu tragen und überall Solidarität zu zeigen. In Memphis sind 1.500 Soldaten der Nationalgarde in die gewalttätigen Polizeikräfte der Stadt integriert. Migrant*innen sind mit unerbittlichen Razzien, Verhaftungen und Abschiebungen durch die Einwanderungsbehörde ICE konfrontiert. Transgender-Personen sind unverhältnismäßig stark betroffen: von der Androhung des Entzugs ihres Reisepasses, der institutionellen Verlassenheit durch Verbündete und einer extrem feindseligen Bundesregierung. Landwirtschaftliche Gemeinden wurden durch Preisverfall und Exportverschiebungen zerstört.
Dieses Modell geht also nicht davon aus, dass wir uns alle zur gleichen Zeit in genau derselben Phase befinden. Einige von uns werden Erleichterung erfahren, während andere größere Schwierigkeiten erleben. Es bleibt eine Herausforderung, mit der Solidarität im Rhythmus zu bleiben. Es ist hilfreich, sich daran zu erinnern, dass immer dann, wenn wir Erleichterung verspüren, dies wahrscheinlich der Moment ist, in dem eine andere Gruppe unter einer schweren Belastung leidet – und umgekehrt.
Tatsächlich bereitet das Modell der Freedom Trainers die Menschen darauf vor, indem es ihnen zeigt, dass es keinen einheitlichen Verlauf des Vorankommens gibt. Stattdessen gibt es viele Wechsel zwischen Phase 1 und Phase 2, da unsere Gegner sehen, wie wir Macht aufbauen und wachsen, sich davon bedroht fühlen und Vergeltungsmaßnahmen ergreifen. In Phase 2 geht es darum, mit diesen Angriffs“zyklen“ umzugehen, die unterschiedliche Ziele haben und eskalierende Gewalt einsetzen.
Aber wir bewegen uns in besseren Formationen und gehen mehr in die Offensive – und dann beginnen wir, auf Zehenspitzen, mit Massenaktionen.

Phase 3: Massenaktionen

Während wir weiterhin Kräfte sammeln und Angriffe abwehren, bereiten wir uns nun auch auf die nächste Phase vor. Es wird nicht den einen einzigen Moment des totalen Widerstands gegen die Zurückweisungen an den Grenzen oder gegen andere Angriffe bzw. nicht die eine entscheidende Massenaktion geben. Wie bei den anderen Phasen wird es auch hierbei um eine schrittweise Entwicklung gehen, um Fehler, Auswertungen, Erfolge und ums Weitermachen.
Nadine Bloch (5) hat verschiedene Taktiken der massenhaften-Nichtzusammenarbeit vorgestellt, die wir anwenden könnten: Wirtschaftsboykotte, Arbeiter-/Massenstreiks, Steuerverweigerung, soziale Nichtkooperation, Verbrüderung mit der Opposition, Aufbau alternativer Strukturen/Institutionen/Unterstützungen, juristische Annullierungen (schuldige Angeklagte für nicht schuldig befinden) sowie interne Nichtzusammenarbeit durch Beamte des Regimes.
Wir sind jetzt gelegentlich in diese Phase der Massenaktion eingetreten. Sieben Millionen aktivierte Demonstrant*innen sind nicht zu verachten. Und es ist von Forscher*innen gut dokumentiert, dass Proteste zu höheren Spendeneinnahmen, einer höheren Wahlbeteiligung und einer stärkeren Mobilisierung der Öffentlichkeit führen.
Die Proteste in 2025 haben bereits dazu beigetragen, die Menschen zu motivieren, gegen Trumps Autoritarismus zu stimmen. Die deutlichen Verluste bei den jüngsten Wahlen verstärken die Risse in der MAGA-Koalition. Wie der Sieg Mamdanis (Bürgermeister von NYC) gezeigt hat, ermöglichten es die Wahlen den Bewegungskräften auch, einen offensiven Rahmen für die Bezahlbarkeit voranzutreiben.
Um die von Nadine Bloch beschriebenen massiven Taktiken umsetzen zu können, müssen wir unsere offensive Grundposition finden. „No Kings” ist die „Nein”-Botschaft. Wir müssen die „positive” Formulierung für unsere Forderungen finden.
Ich vermute, dass wir bei einer Botschaft landen werden, die in etwa „Freiheit für alle” lautet. Wir müssen uns gegenseitig versichern, dass wir niemanden zurücklassen – dass es um uns alle geht oder um keine/n. Wir werden wahrscheinlich Massenaktionen zu Themen finden, die alle betreffen: Gesundheitsversorgung für alle, Wohnraum für alle, Sicherheit für alle, Bezahlbarkeit für alle.
Die organische Suche nach einheitlichen Forderungen wird uns helfen, uns auf massenhafte kollektive Aktionen hin zu bewegen. Auch die Entwicklung neuer Fähigkeiten wird entscheidend sein. Wir brauchen Streikschulen, Trainings für die Annullierung von Gerichtsurteilen, Wahlschutzmaßnahmen und gegenseitige Hilfe.
Auch das Organisieren ist entscheidend. Eine Massenaktion beginnt nicht allein in den sozialen Medien. Sie entsteht, wenn Beziehungen gestärkt und sogar zu Menschen aufgebaut werden, mit denen wir bisher noch nichts organisiert haben. Vertrauen muss wachsen, und die Menschen müssen bereit sein, zu improvisieren. Große Streiks finden nicht statt, weil sie per se geplant sind – sie reagieren auf unvorhergesehene Momente.

Zu guter Letzt:

Wir müssen wachsam bleiben und dürfen nicht davon ausgehen, dass wir in Sicherheit sind, nur weil diesmal die Demokraten die Wahlen gewonnen haben. Trump hat seinen Plan klar zum Ausdruck gebracht, dass er die Wahlen so lange beeinflussen wird, bis die Kontrolle durch die Republikaner unausweichlich ist. Wir müssen am Ball bleiben.
Lasst uns also aufeinander achten. Lasst uns füreinander sorgen. Lasst uns mit allem kämpfen, das wir haben. Wir können das durchstehen – und wir können etwas Besseres aufbauen.

(1) Quelle: https://wagingnonviolence.org/2025/11/we-are-entering-new-phase-resistance-trump-authoritarianism/
(2) ICE – U.S. Immigration and Customs Enforcement (US Zoll und Einwanderungsbehörde)
(3) Sunrise Movement – Klimaschutzbewegung Jugendlicher und Studenten, seit 2017, die sich als Graswurzelbewegung versteht.
(4) Free DC – Kampagne zum Schutz der kommunalen Selbstverwaltung und zur Sicherung dauerhafter Würde der örtlichen Gemeinden.
(5) Nadine Bloch ist Aktivistin, Künstlerin, Organisatorin für politische Gemeinschaften und strategische gewaltfreie Aktionen. Sie arbeitet als Trainingsdirektorin für Beautiful Trouble und plädiert für „mehr Spaß haben als die andere Seite“. Bücher: Education & Training in Nonviolent Resistance (2016, USIP) und Ko-Autorin von SNAP: An Action Guide to Synergizing Nonviolent Action and Peacebuilding (2019, USIP.)
(6) Mehr von Daniel Hunter: Was kommt nach dem historischen „No Kings”-Protest? – Wie der Disney-Boykott die Zensurbemühungen der FCC besiegte. – Sich machtlos zu fühlen bedeutet nicht, dass man machtlos ist. (alles auf Englisch)
(7) Eine Bewegung aufbauen, um den neuen Jim Crow zu beenden. Heute dient Jim Crow als Bezeichnung für das umfassende System zur Aufrechterhaltung einer Rassenhierarchie in allen Bereichen der amerikanischen Gesellschaft.

Daniel Hunter ((6)) coacht und trainiert Bewegungen auf der ganzen Welt und ist Gründer von Choose Democracy. Er hat umfangreiche Trainings mit ethnischen Minderheiten in Burma, Pastoren in Sierra Leone und Unabhängigkeitsaktivist*innen im Nordosten Indiens durchgeführt. Er hat mehrere Bücher geschrieben, darunter „What Will You Do If Trump Wins” (Was wirst du tun, wenn Trump gewinnt), „Climate Resistance Handbook” (Handbuch zum Klimawiderstand) und „Building a Movement to End the New Jim Crow” ((7)).
Übersetzung für die GWR aus dem amerikanischen Englisch: Helga Weber-Zucht

Dies ist ein Beitrag aus der aktuellen Ausgabe der Graswurzelrevolution. Schnupperabos zum Kennenlernen gibt es hier.

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