Liebe Leser*innen,
wir trauern um unseren Freund, Mitstreiter, Förderer und Autor Walther L. Bernecker (17.7.1947–18.2.2026). Der herausragende deutschsprachige Wissenschaftler zur Geschichte Spaniens im 20. Jahrhundert prägte mit seinen Büchern Generationen von Hispanist*innen und hat bis heute Einfluss auf die anarchistische Bewegung. Sein Opus Magnum „Anarchismus und Bürgerkrieg. Zur Geschichte der Sozialen Revolution in Spanien 1936–1939“ wurde im Verlag Graswurzelrevolution mehrmals neu aufgelegt, sein Buch „Geschichte und Erinnerungskultur. Spaniens anhaltender Deutungskampf um Vergangenheit und Gegenwart“ erschien 2023 bei uns. Zusammen mit Sören Brinkmann hat er 2011 das Standardwerk „Kampf der Erinnerungen. Der Spanische Bürgerkrieg in Politik und Gesellschaft 1936-2010“ im Verlag Graswurzelrevolution herausgebracht. Auch seinen letzten Artikel hat er zusammen mit Sören Brinkmann geschrieben: „Im Schatten Francos. Spaniens Geschichte vom Bürgerkrieg bis heute“ erschien im November 2025 in der GWR Nr. 503.
Bernecker verfügte über ein großes Wissen und hat begeistert durch seine Gabe, historische Zusammenhänge lebendig zu vermitteln. „Mit ihm verlieren wir einen großartigen Mittler zwischen den Kulturen und einen humorvollen und großzügigen Freund“, schreiben seine Kolleg*innen vom Instituto Cervantes treffend. In einer der nächsten Ausgaben werden wir mit einem längeren Nachruf an ihn erinnern. Ruhe in Frieden, lieber Walther L. Bernecker.
Debanking
Im Februar 2026 hat Lou Marin mit dem Artikel „Debanking. Deutsche Banken und die Anti-Antifa-Politik des Trump-Regimes“ über die Politik von Postbank, Sparkasse Göttingen und GLS-Bank aufgeklärt. Die Banken haben ohne Begründung Konten antifaschistischer Organisationen aufgekündigt. Ein Hintergrund ist offenbar die Anti-Antifa-Politik der Trump-Regierung, die Antifaschismus mit Terrorismus gleichsetzt und den Banken, bei denen antifaschistische Gruppen Konten haben, Konsequenzen androht.
Betroffen vom Debanking sind u.a. die Rote Hilfe, die Graswurzelrevolution, Anarchist Black Cross Dresden und die DKP. Bei den Recherchen zum Artikel ist Lou Marin leider ein Fehler unterlaufen. Anders als im Artikel in der Printausgabe angegeben, ist die FAU Berlin nicht vom Debanking betroffen. Siehe dazu den Kasten auf dieser Seite.
Die mittlerweile zur Deutschen Bank gehörende Postbank hat 2025 die Konten der Roten Hilfe, sowie ein Konto der Zeitschrift Graswurzelrevolution und ein Konto des Buchverlags Graswurzelrevolution gekündigt. Am 11. Februar 2026 hat die Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes / Bund der Antifaschist*innen (VVN-BdA) bekanntgegeben, dass die Postbank jetzt auch vier Vereinen der Berliner VVN-BdA zum 31. März 2026 die Konten gekündigt hat. Einer VVN-BdA-Mitteilung zufolge sei es in den letzten zwei Jahren etlichen Kreisvereinigungen sowie der Begegnungsstätte Heideruh ebenso ergangen. Die Hintergründe sind laut VVN-BdA unklar. Die Postbank werde zwar umstrukturiert, aber auch der Druck der US-Regierung sowie des Verfassungsschutzes (VS) könnten Gründe sein. Auf Bestreben des Inlandsgeheimdienstes war der VVN-BdA 2019 die Gemeinnützigkeit aberkannt worden.
Die Rolle des Antifa-Verbots in den USA hatte die Sparkasse Göttingen im Zuge eines Eilverfahrens im Januar 2026 bestätigen müssen, woraufhin ein Göttinger Gericht die Kündigung des Rote Hilfe-Sparkassenkontos als rechtswidrig verurteilt hat (vgl. GWR 506).
Am 24. Februar 2026 teilte die Rote Hilfe mit, dass sie auch ihre zehn Konten bei der GLS-Bank behalten darf. Die antifaschistische Organisation und die Bochumer Gemeinschaftsbank haben sich geeinigt. Die Proteste haben gewirkt. Großartig!
Freispruch im Kreidekomplex
Isaak Rose schreibt regelmäßig als Autor auch für die Graswurzelrevolution. In den Libertären Buchseiten dieser GWR stellt er z. B. das neue Rote-Hilfe-Buch von Silke Makowski vor.
Am 10. Februar 2026 stand der freie Journalist als Angeklagter vor dem Amtsgericht Münster. Polizisten hatten ihn angezeigt, weil er ihr brutales Vorgehen bei einer Antifa-Demo gefilmt und fotografiert und diese Dokumente auf Instagram veröffentlicht hat.
Dazu Isaak am 16. Februar im jW-Interview: „Im vergangenen Sommer sind Neonazis durch Münster marschiert. Um für die Gegendemo zu mobilisieren, hatten junge Aktivist*innen im Vorfeld mit Kreide auf den Straßen der Innenstadt auf den Termin hingewiesen. Die Polizei kontrollierte und durchsuchte die Personen. Zudem beschlagnahmte sie Kreide und drohte mit Strafanzeigen. Außerdem tauchte sie nach der Kontrolle bei zum Teil Minderjährigen vor der Haustür auf, um sogenannte Gefährderansprachen durchzuführen. In Solidarität mit den Betroffenen meldete ich eine Demo vor der Wache an, um dort demonstrativ zu kreiden. Die Polizei zog, um das zu verhindern, Pfefferspray sowie Schlagstöcke und schlug eine Person krankenhausreif. Der Grund: Durch das Kreiden sei die öffentliche Sicherheit gefährdet.“
Der Richter kritisierte die Polizei und stellte fest, dass es sich „bei der Dokumentation von Polizeigewalt selbstverständlich um Zeitgeschehen handelt“ und der Journalist sich somit durch die Veröffentlichung des Materials nicht strafbar gemacht hat. Isaaks Anwalt Wilhelm Achelpöhler stellt klar: „Die Polizei wollte offenbar verhindern, dass Bilder ihres breit diskutierten und selbst in der Lokalpresse kritisierten Einsatzes veröffentlicht werden. Insofern ist der Freispruch nicht nur ein Erfolg für den Angeklagten, sondern auch für die Meinungsfreiheit. Denn wer sich eine begründete Meinung bilden will, braucht Fakten und eben auch Bilder.“
Wir gratulieren unserem Freund und Genossen Isaak ganz herzlich zu diesem Erfolg!
Gefreut haben wir uns auch über eine Sendung von Radio Corax, in der Passagen vorgelesen wurden aus dem im Februar in der GWR 506 unter dem Titel „Die Lösung ist die Dezentralisierung der Macht“ erschienenen Interview von Robert Krieg mit der kurdischen Filmemacherin Sevînaz Evdikê über die Situation von Frauen in Rojava und das islamistische Regime in Damaskus. Nachzuhören in der Mediathek (1).
Der internationale Schwerpunkt der GWR 506 wird in dieser Ausgabe vertieft mit Beiträgen aus und über Rojava, die USA, Großbritannien, Ungarn, Bulgarien, Russland und die Ukraine.
Gisela Notz stellt uns die unbekannte Anarchistin Margarete Kubicka (S. 9) vor. Auf den Seiten 13 bis 24 findet Ihr wieder eine neue Ausgabe der Libertären Buchseiten mit vielen Rezensionen zu Büchern, die wir Euch ans Herz legen.
Freuen könnt Ihr Euch auf die Schwerpunkte Antimilitarismus und KI, die Ihr im April in der GWR 508 finden werdet.
Anarchie und Glück,
Bernd Drücke (GWR-Koordinationsredakteur)
(1) https://medienspiegel.noblogs.org/post/2026/02/17/linker-medienspiegel-im-februar-2026/
Richtigstellung
Die FAU Berlin war nicht von einer
Konto-Kündigung betroffen
Zum Artikel „Debanking“ von Lou Marin in der Februar-Ausgabe der Graswurzelrevolution (Seiten 1 und 20) erreichte uns folgende Richtigstellung des Allgemeinen Sekretärs der FAU Berlin: „Es gibt darin zwei Abschnitte zur FAU Berlin. Dabei sind die Vorgänge nicht korrekt wiedergegeben worden. Wir möchten daher um eine Korrektur des Berichtes und eine Richtigstellung bitten. (...) Richtig ist: Wir sind bei der Mittelbrandenburgischen Sparkasse. Richtig ist auch: Wir nutzen keine Lastschriften. Die FAU Berlin war zu keinem Zeitpunkt von einer Konto-Kündigung oder ähnlichem betroffen. Richtig ist vielmehr, dass wir unsererseits im Jahr 2023 die Möglichkeit, Mitgliedsbeiträge per Lastschriftverfahren zu zahlen, eingestellt haben.“
Autor und Redaktion der Graswurzelrevolution bedauern das Versehen. Die Onlineversionen des Artikels auf graswurzel.net und linksnet.de haben wir korrigiert.