Keine gute IDEE – Neuauflage einer Militärmesse in Hannover

| Gerhard Knapienski

Geplant ist eine Ausstellung moderner militärischer Ausrüstung mit dem Namen Defence Security Equipment International Germany (DSEI), die alle zwei Jahre auf dem Messegelände in Hannover stattfinden soll. Der Start ist für den 19. bis 27. Januar 2027 geplant. Im Vorfeld wird es im September 2025 in Essen die Euro Defence Expo geben. Genug Zeit, um unseren Widerstand vorzubereiten. Da lohnt sich ein Blick auf die Vorgeschichte, damit frühere Fehler nicht wiederholt werden.

Den Versuch, eine Militärmesse in Hannover zu etablieren, hatte es bereits 1982 gegeben. Die International Defence Electronics Exposition (IDEE) war zuvor durch Proteste aus Wiesbaden vertrieben worden und sollte daraufhin in Hannover eine neue Bleibe finden.
Wir hatten frühzeitig davon erfahren und trafen uns mit Friedensbüro, DFG-VK, Graswurzelgruppe und anderen Organisationen aus der Friedensbewegung regelmäßig, um Aktionen vorzubereiten.
Dann wurde auch der AStA der Uni mit einbezogen und der forderte, dass die Treffen als Plenum stattfinden sollten. Daraufhin kamen regelmäßig ca. 100 Unorganisierte zusammen.
Im Vorfeld gab es eine erste Demo gegen die IDEE. Die Polizei erklärte mittendrin, dass die Demo aufgelöst sei. Irgendjemand hatte angeblich eine Flasche oder Bierdose geworfen. Ich hatte dann vorgeschlagen, dass wir mit erhobenen Händen weitergehen, um unsere Friedfertigkeit zu beweisen. Die Demo konnte auf diese Weise gegen den Willen der Polizei fortgesetzt werden. Ein kleiner Erfolg für die Gewaltfreiheit.
Im Mai 1982 gab es zur Eröffnung der Waffenmesse eine Großdemo. 20.000 Leute waren gekommen. Darunter auch ein Schwarzer Block. Von dem wurde unterwegs die Polizei angegriffen und Geschäfte am Straßenrand demoliert. Angehörige Gewaltfreier Aktionsgruppen hatten sich daraufhin mit erhobenen Händen dazwischen gestellt. „Seht her, die PazifistInnen schützen die Polizei“, wurde uns hinterher vorgeworfen.
Ein VVN-Aktivist hatte uns bei den Treffen der Friedensbewegung gesagt, wir sollten uns wegen ein paar geworfener Steine nicht so anstellen. Als er bei der Demo dann das Verhalten von Autonomen miterlebt hat, hat er ein paar von denen verprügelt. „Seht her, das ist also die Gewaltfreiheit der Pazifisten“, wurde uns dann vorgehalten.
Soweit gekommen ist es, weil Gruppen bei den Vorbereitungen jede Diskussion über die Gewaltfrage verhindert hatten. Die Friedensbewegung würde nur die Propaganda der Polizei übernehmen, wurde verbreitet. Daraufhin sind auch junge Eltern, die sich darauf verlassen hatten, mit Kinderwagen zur Demo gekommen und haben sich anschließend bitter beschwert.
In einer späteren Dokumentation der Spontis wurde eine Erklärung von Autonomen abgedruckt, wonach es vereinbart gewesen sei, dass auf dem Weg der Demo geeignete Ziele angegriffen werden sollen. Wer hatte da wohl mit wem verhandelt, um so ein Abkommen zu treffen?
Es war in der militanten Linken damals der Übergang von der Bewegung der Spontis zur Bewegung der Autonomen. Die Intervention der Gewaltfreien Aktionsgruppen hatte die große Randale verhindern können. Das Hauptthema blieb in der Öffentlichkeit dadurch weiterhin die Militärelektronikausstellung selbst. An jedem Tag gab es eine Demo um das Messegelände herum, dazu Kundgebungen in der Innenstadt. Wir hatten eine eigene Zeitung, die wir verteilten.
In dieser Phase des Widerstands war fast alles wieder strikt gewaltfrei. Wir müssen lernen, besser aufeinander zu achten. Also, Bezugsgruppen bilden und gemeinsam zur Demo gehen.
Insgesamt waren die antimilitaristischen Aktionen gegen die IDEE erfolgreich. Das Konzept dieser Militärmesse wurde aufgegeben. Wer sich über die Vielfalt des Gewaltfreien Widerstands informieren möchte, kann sich bei Youtube das Video „Gewaltfreie Aktionen gegen die Militärelektronikausstellung IDEE Mai 1982 in Hannover“ anschauen. Unsere damalige Zeitung ist bei kulturzentrum-faust.de unter dem Stichwort „Keine gute I.D.E.E.“ als PDF verfügbar.
Aus Fehlern können wir lernen, um sie nicht zu wiederholen. Dazu gehört auch ein trauriges Ereignis aus der Nachgeschichte der IDEE. Aus dem Kreis der Spontis heraus hatte sich eine Gruppe gebildet, die Anschläge auf die Messe-AG verübte. Ein Bekannter von mir war dort hineingeraten und hat sich dann mit einem umgebauten Feuerlöscher auf dem Messegelände versehentlich selbst in die Luft gesprengt.
Zu viele, die mit einer antimilitaristischen Motivation begannen, erwischten die falsche Abzweigung und entwickelten einen eigenen Militarismus, der dann in Kampagnen wie „Waffen für El Salvador“ gipfelte.
Wichtig wäre es, sich argumentativ mit Bewegungen wie den Autonomen auseinanderzusetzen und ihnen die Leute abzuwerben. Im Hinblick auf die Waffenmesse 2027 wird das eine Bedeutung bekommen. Russland führt mit Sabotageakten einen hybriden Krieg gegen die NATO.
Wir lehnen jede Art von Krieg ab und können Frieden nur mit den Mitteln der Gewaltfreien Aktion erreichen. Die Ausgangsbedingungen sind in Hannover diesmal allerdings schlecht. DFG-VK und Graswurzelgruppe Hannover existieren nicht mehr. Das Friedensbüro läuft Sahra Wagenknecht hinterher. Nur die Autonomen sind in Bezug auf die Militärausstellung organisationsfähig.
Wir brauchen dringend wieder eine Gewaltfreie Aktionsgruppe in Hannover.