Bewegung bewahren

40 Jahre Archiv für alternatives Schrifttum (afas)

| Rudolf Mühland

Archiv für alternatives Schrifttum (Hg.): 40 Jahre afas: Zwischen Bewegung und Bewahrung, Duisburg 2025, 110 S.

Im November 2025 erschien der Band 7 der „Materialien des archivs für alternatives schrifttum“.
Auf etwas mehr als einhundert DIN-A-4-Seiten erfahren Interessierte etwas über die Geschichte und Zukunft des größten Archivs aus den Sozialen Bewegungen der Bundesrepublik: afas.
Fünf Schwerpunkte laden ein, sich mit der eigenen Bewegungsgeschichte auseinander zu setzten. Chronologisch folgerichtig macht eine kurze Betrachtung der Anfänge den Opener des Bandes. Hier erfährt man, dass es zu Beginn einer Reihe „kleiner Glücksfälle“ bedurfte, um das afas ins Leben zu rufen. Querelen in den sozialen Bewegungen führten zu Beginn zu einer bewussten Entscheidung, wer alles mitmachen und welches Material wie gesammelt werden sollte. Die ersten zehn Jahre werden ebenso geschildert wie archivarische Besonderheiten („sprechende Signaturen“ und „verrückte Broschüren“) und die Entwicklung der Systematik und der Kataloge des afas.
Besonders interessant für alle Nicht-Archivare/Archivarinnen ist die Vorstellung der Bestände. Diese Vorstellung ist sehr selektiv und vor allem unvollständig! Trotzdem ist hier ein erstaunlich interessanter Querschnitt dargestellt.
Neben umfangreichem Material zur Anti-Apartheid-Bewegung, dürfte das Internationale Frauenfriedensarchiv Fasia Jansen unter unterschiedlichsten Aspekten für viele Bewegungsaktivist_innen interessant sein. Begegnen sich in diesem Archiv doch verschiedene soziale Bewegungen, die heute kaum noch zusammengedacht werden: Frauen, Frieden, Rassismus, Emanzipation, u.a.m.
Unbedingt hinweisen möchte ich auf die Bestände „Getarnte und zensierte Medien“. Dass sie es in ein Archiv geschafft haben, ist nur den Bewegungen selbst zu verdanken. Und wer denkt, im afas gäbe es nur „Papier“, hat sich getäuscht. So gehören neben Zeitungen, Broschüren, Transparenten, Plakaten und Büchern auch Fotos, Aufkleber, Buttons und eine Audiosammlung zum Bestand.
Apropos Bestand – dieser wird weiterhin ausgebaut und nach und nach katalogisiert. Das afas hat in den letzten Jahren die Bestände anderer Bewegungsarchive aufgenommen und so für die Gegenwart und Zukunft gerettet.
Interessant auch der Einblick in den Alltag des Archivs. Dieser ist durch notwendige Innovationen, Stichwort Digitalisierung, ebenso geprägt wie Ausstellungen und die Vernetzung mit der archivarischen Fachwelt und den anderen freien Archiven der BRD.
Das afas hat sich in den letzten vierzig Jahren immer wieder neu erfunden bzw. sich an die täglichen und neuen Herausforderungen angepasst und wird dies hoffentlich auch weiterhin so erfolgreich tun.
Die Zukunft ist dabei noch ungeschrieben, wird aber im Archiv bewahrt werden!

Kontakt/Infos:
https://afas-archiv.de/