Das Genre der Kriegsromanhefte, für die das Format „Der Landser“ nach 1945 exemplarisch steht, ist dem Bereich der „Groschenhefte“ zuzuordnen. Die Landser-Hefte, die von 1957 bis September 2013 im Verlag Pabel-Moewig erschienen, blicken auf eine auflagenstarke Publikations-Geschichte zurück: mit fast 5.000 unterschiedlichen Titeln wurden mindestens 50 Millionen Exemplare gedruckt. Der folgende Beitrag untersucht Aufbau, Struktur und Inhalte und gibt einen Einblick in die Welt der Kriegspropagandaliteratur, die über Generationen hinweg das Bild des deutschen Soldaten im Zweiten Weltkrieg als heldenhaft verklärte und ein militaristisches, kriegsverherrlichendes, extrem rechtes Weltbild beförderte. (GWR-Red.)
Gesellschaftlicher und publizistischer Kontext der Kriegsromanhefte
Seit den 1950er Jahren gibt es in der Bundesrepublik Deutschland bereits (wieder) ein weit verzweigtes Netz von Buch- und Zeitschriftenverlagen mit neonazistischen, rechtsextremen, militaristischen und geschichtsrevisionistischen Inhalten, das bis heute zu einem festen Bestandteil der Buch- und Zeitschriftenkultur geworden ist (Brüdigam 1965, Jäger 1988, Lange 1993, Hunger 2016, Öden 2017). Auch wenn immer wieder einzelne Titel und Ausgaben aus den Verlagen indiziert und verboten, als verfassungsfeindlich, volksverhetzend und jugendgefährdend eingestuft wurden und einzelne Verlage dadurch auch ein Teilnahmeverbot an der Frankfurter Buchmesse erhielten, bleiben diese Druckerzeugnisse und ihre herstellenden und vertreibenden Verlage als Gesamterscheinung legal im Horizont des Grundgesetzes.
In diesem Publikationskontext nehmen die Landser-Hefte eine besondere Rolle ein, da sie über eine immense Verbreitung, über sehr hohe Auflagenzahlen und einen oft wöchentlichen Erscheinungs-Rhythmus verfügen. Es kommt hinzu, dass Landser-Hefte auf den ersten Blick auch keinem rechtsradikalen Verlagshintergrund haben. Sie sind publizistisch in einen bürgerlichen „Regenbogen-Presse“-Kontext eingebettet. Der Pabel-Moewig Verlag (Rastatt), der Landser von 1957–2013 publizierte, gab neben „Perry Rhodan“ als Verlags-Flaggschiff seit 1961, auch Frauenzeitschriften, Rätsel- und Astrologie-Zeitschriften sowie Western- und Science-Fiction-Formate heraus.
Tradition und Entwicklung der Kriegsromanhefte
Kriegsromanhefte haben in Deutschland eine über 100jährige Tradition. Im Deutschen Kaiserreich erschien von 1911 bis 1916 beispielsweise die Heft-Reihe „Unter deutscher Flagge“ mit Kriegsgeschichten aus dem Deutsch-Französischen Krieg 1870/1871, dem Deutsch-Dänischen Krieg 1864, dem Boxeraufstand in China von 1900, aus den Kolonialkriegen in Afrika und schließlich ab Heft 226 aus dem Ersten Weltkrieg. Im Nationalsozialismus erschienen in den Kriegsjahren 1939 bis 1945 die „Kriegsbücherei der deutschen Jugend“ mit 156 Ausgaben und die „Kolonial-Bücherei“ von 1940-1942 mit 88 Heften (Steiniger-Verlage Berlin). Beide Heftserien wurden von der NSDAP herausgegeben und finanziert.
In dieser Tradition entstanden in den 1950er-Jahren in der BRD eine Reihe verschiedener Kriegsromanheftformate, von denen sich ab den 1960er Jahren nur noch der Landser im Markt durchsetzen konnte.
Nach der Einstellung der Landser-Hefte im September 2013 durch den Pabel-Moewig-Verlag wird diese Form der trivialen Kriegsromanliteratur durch das Nachfolgeformat „Weltkrieg – Erlebnisberichte“ aus dem Schweizer Verlag Mediavari fast nahtlos seit Ende 2013 fortgeführt.
Weit verbreitet ist die These, dass der Nachkriegsboom an Kriegsromanheften in den 1950er Jahren mit der Diskussion um die Wiederbewaffnung und Gründung der Bundeswehr 1955 zusammenhängt (Geiger 1974, Wiechmann 2019).
Zur Rezeption der Landser-Hefte
Landser-Hefte gehören literaturhistorisch und gattungsgeschichtlich zu den Formaten „Groschenroman“, „Groschenheft“, „Heftroman“ und hier in die Rubrik „Kriegsliteratur“. Landser-Hefte werden umgangssprachlich als „Schundliteratur“ bezeichnet. Sie stilisieren Kriegsabenteuer als „authentische Erlebnisberichte“ (so der Untertitel der Landser-Hefte) und historisch wertvolle Dokumente. Als literarische Gattung sind sie in Deutschland seit Beginn des 20. Jahrhunderts bekannt (Galle 1988, 2005).
Landser werden im Rahmen der literatur- und politikwissenschaftlichen Rezeption seit vielen Jahren als „Wegbereiter für den Rechtsradikalismus“ (Brühan 1979) diskutiert, „befriedigen Leserwünsche“ (Gugel 1983) und Hajo Knebel spricht provokativ von „Bomben am Kiosk!“ (Knebel 1975).
Der Literaturwissenschaftler Matías Martínez definierte Landser-Romane als eine Literaturgattung, die „Krieg als heroisches Geschehen“ darstelle (Martínez 2019, S. 114). Kriegsromanhefte erreichen unterschiedliche Generationen sowie Milieus. Dies belegen die Millionen-Auflagenzahlen seit Jahrzehnten und verdeutlichen, dass Kriegsromanhefte seit den 1950er Jahren in der Mitte der Gesellschaft auf Akzeptanz stoßen.
Format und Verbreitung
Unter dem Label Der Landser aus dem Pabel-Moewig Verlag GmbH (Rastatt) finden sich im Laufe von 56 Jahren der Heft-Produktion verschiedene Reihen und Formate, die in unterschiedlichen Rhythmen (wöchentlich, vierzehntägig, monatlich), in unterschiedlichen Zeitfenstern, verschiedenen Herstellungsformen (Klammerheftung, Klebebindung mit Rücken) und auch wechselnden Untertiteln erschienen.
Das Flaggschiff von Anfang an war das Format „Der Landser“ mit einem Umfang von jeweils 64 bis 66 Seiten. Von 1957 bis 2013 erschienen 2.897 Ausgaben, die auch als „Kleinband“ bezeichnet wurden. Sie erschienen die meiste Zeit über im wöchentlichen Rhythmus. Hinzu kommen die Formate „Großband“, „Ritterkreuzträger“, „Sammelband“, „Fliegergeschichten aus dem Zweiten Weltkrieg“, „SOS-Schiffsschicksale auf den Meeren der Welt“ und „Landser Spezial“ (Pocketbücher).
Von 1957 bis 2013 sind insgesamt 4.620 Titel (www.romanhefte-info.de/a_verlage_pabel.htm) von allen Landser-Formaten publiziert worden. Da Angaben aus dem Verlag über Auflagenhöhen seit Jahrzehnten nicht vorliegen und seit den 1960er Jahren ein allmählicher Rückgang der Auflagenzahlen angenommen werden muss, sind valide Einschätzungen zu einer Gesamtauflagenhöhe derzeit nur wage möglich.
Landser-Hefte verbinden Militarismus mit Bürgerlichkeit, indem sie als Bestandteil von Groschenheft-Serien vertrieben und neben Arzt- und Bergromanen, Perry-Rhodan und Western-Hefte in Kiosken präsentiert werden.
Klaus F. Geiger spricht in seiner Dissertation für den Zeitraum der 1950er Jahre bis 1974 von „etwa 100 Millionen in der BRD erschienenen Kriegsheften“ (Geiger 1974, S. 9) und Hajo Knebel schätzt eine Auflagenhöhe bis 1971 in Höhe von 50 Millionen Exemplaren mit 250 Millionen Landser-Heft-Lesern (Knebel 1975, S. 1). Jüngst bezieht sich Matías Martínez auch noch auf die Zahlen von Geiger (1974) und nennt eine monatliche Druckauflage von 500.000 Hefte Ende der 1950er Jahren und für Anfang der 1970er Jahre 60.000 Exemplare pro Heft (Martínez 2019, S. 102). Dabei bleibt allerdings unklar, ob sich diese Zahl ausschließlich auf den Kleinband Der Landser bezieht oder auch alle anderen Reihen-Formate einschließt.
Der Sprach- und Literaturwissenschaftler Peter Conrady stellt 2004 eine monatliche Auflage aller vier Landser-Reihen von zusammen 320.000 Exemplaren fest (Conrady 2004, S. 132). Eine Quelle und Berechnungsgrundlage nennt Conrady nicht.
Der Vertrieb der Landser-Hefte, wie auch der meisten anderen Heftromane, erfolgt seit den 1950er Jahren nahezu ausschließlich über den Zeitschriftenhandel, über Kioske, Schreibwarenläden und Bahnhofsbuchhandlungen, ganz selten über den Sortimentsbuchhandel. Zehntausende dieser Exemplare aus den Verlagen Moewig und Pabel sind heute antiquarisch über verschiedene Online-Kanäle erhältlich.
Inhalte der Landser-Hefte
Erstaunlich ist, dass sich die Inhalte, die Struktur und die Narrative der Landser-Hefte seit den 1950er Jahren bis heute nicht verändert haben. An folgenden Parametern soll dies verdeutlicht werden:
Die Erzählperspektive ist in vielen Fällen, vor allem in den 1950er- bis 1970er Jahren, die persönlichen Kriegs-Erfahrungen der Autoren. Es gibt dabei die „Ich“-Perspektive, dominant ist jedoch die Sicht eines Erzählers, der das Geschehen „von außen“ beobachtet und gleichsam „objektiv“ mit der Kamera das Geschehen einfängt. Die Erzählperspektive soll den Eindruck einer Reportage von der Front vermitteln.
Der Krieg wird durchgängig aus der Sicht „tapferer“, mit Durchhaltewillen und dem Vaterland dienender deutscher Soldaten erzählt.
Raum und Zeit der Kriegsgeschichten werden exakt beschrieben und sollen ein authentisches historisches und geografisches Profil ergeben. Die Schauplätze der Landser-Geschichten entsprechen geografisch und zeitlich den realen Kriegskontexten 1939 – 1945.
Handlungsstrang und Dramaturgie sind oftmals eindimensional, d. h. eine überschaubare Anzahl von Soldaten agiert in einem überschaubaren Handlungs-Setting. Der Angriff auf ein russisches Dorf zu Beginn des Überfalls auf die Sowjet-union 1941 im Mittelabschnitt in der Ukraine wird aus der Sicht einer Kompanie erzählt, wobei die Personen und Perspektiven wechseln: Der Blick des Stoßtrupps, der als erster in das Dorf eindringen muss, wird flankiert von den Beobachtungen eines Maschinengewehr-Trupps, der mit seinem Maschinengewehr die Sicherung in einer gedeckten Stellung am Dorfrand übernimmt.
Dabei fließen auch immer technische Merkmale und Details der verwendeten Waffensysteme ein: Das Maschinengewehr MG 42 mit seiner schnellen Schussgeschwindigkeit deckt den Stoßtrupp, der mit der Maschinenpistole MPi 40 und Stilhandgranaten ausgerüstet ist.
Dies ist bezeichnend für die Landser-Hefte, die sowohl in der Erzählung als auch in ergänzenden und separaten Technik-Information in Wort und Bild die zum Einsatz kommenden Waffen beschreiben. Der Leser soll damit die Geschichte noch weniger als Fiktion erleben. Landser-Hefte haben in diesem Sinne auch immer wieder die Funktion einer militärtechnischen Dokumentation und spiegeln das Interesse vieler Leser an der Wirkungsweise von Waffensystemen wider.
Wenn wir die Akteure und Hauptpersonen in den Landser-Heften betrachten, dann sind dies ausschließlich Männer in Uniform. Es sind vorwiegend die Mannschafts- und Unteroffiziersdienstgrade, die im Mittelpunkt der Kampferzählungen stehen.
Offiziere sind seltener Hauptpersonen. Herausragende und mit Kriegsorden ausgezeichnete einzelne Offiziere werden jedoch nahezu in jedem Landser-Heft auf der zweiten Umschlagseite mit einer Kurzvita und einem Foto dargestellt und als „deutsche Kriegshelden“ verklärt.
Zivilist*innen sind Randfiguren in der Dramaturgie. In Heften über den Russland-Krieg kommen sie vornehmlich als eine in ärmlichen Verhältnissen lebende bäuerliche Bevölkerung vor, von der oftmals Gefahr für deutsche Soldaten ausgeht, da sie mit Partisan*innen oder Sympathisant*innen
gleichgesetzt werden.
Andererseits begegnen die deutschen Soldaten russischen Zivi-list*innen diszipliniert und anständig. Die massenhaft von den Soldaten begangenen Gräueltaten, Massenerschießungen und „Säuberungen“ kommen in den Landser-Heften nicht vor.
Eher selten stehen Soldaten anderer kriegführender Nationen im Mittelpunkt der Landser-Hefte. Hin und wieder werden jedoch auch die Kriegsschauplätze im Pazifik und im Fernen Osten mit den kriegführenden Parteien Japan auf der einen Seite und den US-Amerikanern, Briten, Australiern und Neuseeländern auf der Gegenseite beschrieben.
Eine relevante Frage bei Kriegsromanen und Kriegsromanheften ist die nach dem Freund-Feind-Schema. Der Gegner der deutschen Soldaten bleibt in der Regel anonym und unpersönlich. Die Alltagssorgen im Krieg, die Ängste, Hoffnungen und Verhaltensweisen, die einen Menschen ausmachen, werden nur beim deutschen Landser sichtbar. Der Feind, der meist in der Überzahl ist, bleibt nahezu immer unbekannt, fremd und anonym.
Das „Heldentum“ der deutschen Soldaten wird weniger mit einem kriegslüsternen und schießwütigen Verhalten beschrieben als vielmehr in einem von Kameradschaft, Treue und Opferwillen gekennzeichneten Alltag gegen eine feindliche Übermacht. Gegenüber Vorgesetzten gibt es einerseits die „gemischten Gefühle“ gegenüber jenen, die nicht im Kampf stehen und andererseits das „blinde Vertrauen“ gegenüber erfahrenen Offizieren und Unterführern, die „vorne“ bei der Truppe sind. Gehorsam wird zur Pflichterfüllung und zur obersten Tugend des deutschen Landsers, auch wenn es gegen seine eigene Überzeugung geht. Dies ist eine Kernbotschaft zum Habitus des deutschen Soldaten. Das „Heldenhafte“ zeigt sich auch im Ertragen von Entbehrungen und Gewalt sowie im Durchhalten in aussichtslosen Lagen gegen einen materiell und personell überlegenen Gegner.
Es gibt auch Tabu-Themen. Die Gräueltaten, Massaker und sogenannte „Säuberungsaktionen“ an der Zivilbevölkerung von Wehrmachts-, SS- und Polizeieinheiten, die in allen überfallenen und eroberten Gebieten Europas von Deutschen verübt und bei denen ganze Ortschaften oder Stadtteile ausgelöscht wurden, finden keine Erwähnung. Oradur in Frankreich im Juni 1944, Sant’ Anna di Stazzema in der Toskana im August 1944, Lidice in Tschechien im Juni 1942, Distomo in Griechenland im Juni 1944 oder die Vernichtung des jüdischen Ghettos in Warschau im Mai 1943 sind nur wenige markante Beispiele einer systematischen militärischen Vernichtungspolitik, die in Landser-Heften nicht auftaucht. Diese Gräueltaten, oft verübt von deutschen bewaffneten Einheiten im Zusammenwirken von Wehrmacht, SS und Polizei, an der europäischen Zivilbevölkerung, waren ein Teil des kriegerischen Alltags im Zweiten Weltkrieg, keine Einzelfälle und folgten einer übergeordneten militärisch-politischen Strategie des Nationalsozialismus.
Ein weiteres Tabu-Thema ist der Nationalsozialismus, die NSDAP und politische Kontexte. Die ideologischen Ursachen des Krieges, der Antisemitismus, der Rassismus, die verbrecherische Kriegführung sowie die Vernichtungs-, Eroberungs- und Ausbeutungspolitik der nationalsozialistischen Diktatur und der von Deutschen zielgerichtet betriebene Völkermord werden nicht thematisiert. Es wird der Eindruck erweckt, als ob der Krieg in einer unpolitischen Parallelwelt stattfindet, die mit Politik nichts zu tun hat.
Diese Trennung von Krieg und Politik, von Verbrechen und Ideologie und Krieg ist signifikant für die Landser-Geschichten.
Äußeres Erscheinungsbild und Rubriken der Landser-Hefte
Die Ausgaben erscheinen mit einem einheitlichen Reihen-Cover und einem Umfang, je nach Format (Kleinband, Großband, Ritterkreuzträger), von ca. 60 bis 100 Seiten in einem wöchentlichen (Kleinband), vierzehntägigen (Großband) oder monatlichen (Ritterkreuzträger) Rhythmus. Anders als bei vielen anderen Heftroman-Reihen stehen in den Landser-Heften jedoch keine namentlichen Serienhelden – wie etwa Perry Rhodan, Jerry Cotton oder der „Bergdoktor“ – im Mittelpunkt. Es sind „einfache Soldaten“, also „Landser“, die in jedem Heft andere (erfundene) Namen haben.
Ab Heft 554 vom November 1968 („Todeskessel Budapest“) erfolgt eine Umstellung im Layout. Von da an wurden die Landser-Formate bis zur Einstellung 2013 mit einem einheitlichen Cover-Layout ausgestattet: Etwa 1/3 des Covers machte ein großer einfarbiger Titelbalken mit Landser-Logo, Titel und Preisen aus und ca. 2/3 werden mit einer gezeichnete Kampfszene, koloriert oder schwarz-weiß ausgefüllt. Eine Zeitlang wurden stattdessen auch schwarz-weiße Dokumentarfotos verwendet. Die Farben waren bis 2013 für den Kleinband orange, für die Ritterkreuzträger-Bände blau, für die Großbände ebenfalls blau und für die Sammelbände blau, grün und selten rot.
Eine weitere Neuerung war die Verarbeitung ab Heft 554, die nicht mehr mit einer Rückstichheftung mit zwei Klammern erfolgte, sondern als Klebebindung (Lumbeck) mit einem geraden Rücken, der eine optische Aufwertung ähnlich einer Buchverarbeitung zum Ziel hatte. Schließlich wurde auch der Untertitel verändert: Statt bislang „Erlebnisberichte zur Geschichte des 2. Weltkrieges“ lautete er ab Heft 554: „Die authentischen Erlebnisberichte zur Geschichte des Zweiten Weltkrieges“. Später wurde das „authentisch“ wieder weggelassen und der Untertitel heißt bis zur Einstellung der Landser 2013 nur noch „Erlebnisberichte zur Geschichte des Zweiten Weltkrieges“.
Der Landser-Großband erschien 14-tägig und unterschied sich zum Kleinband durch einen bebilderten Magazin-Anhang zu kriegshistorischen und waffentechnischen Themen sowie mit einem Bilderdruck-Fototeil von ca. sechs Seiten, schwarz-weißen Dokumentarfotos zum Thema des Heftes.
Auf der vierten Umschlagseite (U 4) der Landser-Hefte befindet sich ab den 1970er Jahren die Abbildung oder das Foto eines Waffensystems, schwerpunktmäßig eines deutschen und alliierten aus dem Zweiten Weltkrieg und auf U 3 dazu eine Beschreibung mit Risszeichnung. In der Regel waren schwerpunktmäßig Panzer, Schiffe, Flugzeuge oder Infanteriewaffen abgebildet.
Selbstlegitimation – Pazifismus im Militarismus?
Trotz oder gerade wegen der wissenschaftlichen und öffentlichen kritischen Rezeption der Landser-Hefte, die in der Tradition militaristischer und kriegsverherrlichender Trivialliteratur in Deutschland seit Anfang des 20. Jahrhunderts gesehen wird (z. B. Brühan 1979, Knebel 1975, Kühn 1978, Gugel 1983, Martínez 2019), war der Verlag von Anfang an daran interessiert, mit redaktionellen oder Leserbrief-Statements diesem Bild gegenzusteuern und es zu relativieren.
1977 heißt es beispielsweise in einem Landser-Heft: „Kriegsgeschichtliche Werke schildern den Verlauf großer Schlachten in summarischer Form, der LANDSER jedoch die Details und die endlose Skala der Schrecken, die jeder Krieg mit sich bringt. Dadurch formt sich seine stumme Anklage gegen kriegerische Gewalt in jeder Form“ (Bergmann 1977, S. 63).
Zur Ideologie der Landser-Hefte
Seit über 60 Jahren wird mit diesen Kriegsroman-Heften eine Ideologie transportiert, die vor allem jugendliche und erwachsene Männer als Zielgruppe erreicht und soldatische Tugenden wie Tapferkeit, Treue und Entschlossenheit zelebriert.
Der Soldat als Mensch wird auf seine Rolle als „Krieger“ bzw. „Landser“ reduziert. Der Mensch als politisch denkendes und handelndes Wesen wird ausgeklammert. Gehorsam, Drill, (Todes-)Mut, Treue einem Führer und einer Nation gegenüber und Kameradschaft unter Gleichgesinnten werden als Tugenden dargestellt und ständig wiederholt. Kulturelle, politische, zeit- und militärhistorische Kontexte werden ausgeklammert. Der (einfache) Soldat wird zu einem geschichtslosen Helden mit einem individuellen Kriegs-Schicksal in einem großen Drama, das weder verstanden noch erklärt wird. Er kämpft für das „Gute“ – in Treu und Glauben an Führer und Nation – und ist ansonsten seinem soldatischen Eid verpflichtet. Es gibt, so wird suggeriert, im Kriege keine Alternative zum „Kampf“.
Fazit: Erziehung zum Krieg?
Erstaunlich ist die Kontinuität der Kriegserzählungen über die Jahrzehnte hinweg. Die hier untersuchten Kategorien weisen über alle Jahrzehnte eine hohe Konstanz auf. Die Kriegserzählungen aus den 1950er Jahren sind in Stil und Inhalt identisch mit denen aus den 2000er Jahren.
Landser-Hefte haben, was ihre Wirkung betrifft, eine intermediäre Funktion: Sie verbinden Generationen und bringen jugendliche Leser und Erwachsene bzw. ehemalige Soldaten der Wehrmacht miteinander ins Gespräch. Landser-Hefte verbinden Militarismus mit Bürgerlichkeit, indem sie als Bestandteil von Groschenheft-Serien vertrieben und neben Arzt- und Bergromanen, Perry-Rhodan und Western-Hefte in Kiosken präsentiert werden.
Eine zentrale Stereotype sind die Erzählungen vom heldenhaften Kampf deutscher Soldaten an allen Fronten, ihrer Aufrichtigkeit, Ritterlichkeit, Tapferkeit und Opferbereitschaft – insbesondere in Russland – gegen einen zahlenmäßig überlegenen Gegner.
Landser-Hefte und ebenso das Nachfolgeformat der „Weltkriegs“-Hefte ab 2013 sind literaturhistorisch ein Relikt aus der Zeit des „Kalten Krieges“ in der Tradition des deutschen Militarismus zu Beginn des 20. Jahrhunderts.
Diese Kontinuität über Jahrzehnte und über alle gesellschaftlichen Entwicklungen hinweg ist ein Markenzeichen dieser Kriegsromanhefte und transportiert ein stereotypes Soldatenbild aus vergangenen Zeiten. Dies ist gleichsam der „Heimliche Lehrplan“, den die Landser-Hefte seit fast 60 Jahren ungehindert transportieren. Der Landser ist damit zu einer informellen und beiläufigen Sozialisationsinstanz für Militarismus und Heldenverehrung geworden, die für viele Männer-Generationen die Haltung zu Krieg und Frieden mitgeprägt hat.
Auch wenn der erzieherische und propagandistische Effekt dieser Kriegsgeschichten nicht mehr so wirkmächtig sein dürfte wie zu den Zeiten des Kalten Krieges, wird aber immer noch ein
Bild des deutschen Soldaten gezeigt, das durch die Verkürzung auf Kampferzählungen eine Heroisierung erzeugt und damit Kriegsgeschichte trivialisiert.
Prof. Dr. Ulrich Klemm, Honorarprofessor für Erwachsenenbildung, ist seit 40 Jahren in Forschung, Lehre und Praxis der Erwachsenenbildung unterwegs. Herausgeber u. a. von Étienne de La Boéties „ Von der freiwilligen Knechtschaft “ und Autor von „Libertäre Pädagogik – Eine Einführung“.
Dies ist ein Beitrag aus der aktuellen Ausgabe der Graswurzelrevolution. Schnupperabos zum Kennenlernen gibt es hier.