Graswurzelrevolution statt Militärputsch

Soziale Revolution in Belarus und Staatsstreich in Mali

 451 september 2020 Bernd Drücke (GWR-Koordinationsredakteur)

Liebe Leser*innen, manchmal überschlagen sich politische Ereignisse und es entstehen sozialrevolutionäre Situationen. Ein solch historischer Wendepunkt findet momentan möglicherweise in Belarus statt. Belarus Seit Wochen demonstrieren Hunderttausende selbstorganisiert, gewaltfrei, mutig und ohne Führer gegen den weißrussischen Diktator Lukaschenko, der das zwischen der EU und Russland liegende Belarus und die 9,5 Millionen Einwohner*innen seit 1994 „mit … Weiterlesen

“Keine nazistischen Denkmäler”

Beispiele direkter gewaltfreier Aktionen gegen Denkmäler

 451 september 2020 Lou Marin

Es war eine Welle aus Südwest: In den Achtziger- und Neunzigerjahren führten gewaltfreie Aktionsgruppen teils offene, teils klandestine Aktionen gegen Nazi-Denkmäler durch, von denen hier beispielhaft drei vorgestellt werden. In den Symbolen und Erklärungen mischten sich Motive des Antirassismus, Antisexismus und Antifaschismus mit denen des Antimilitarismus. Die Aktionen verstanden sich auch als kulturelle Solidarität mit dem Kampf für die Rehabilitierung der Wehrmachtsdeserteure und gegen neue Kriege der Bundeswehr. (GWR-Red.) Weiterlesen

Schöne finstere Datenwelt

Die ökologischen Folgen der Digitalisierung

 451 september 2020 Joseph Steinbeiß

Das Duisburger Institut für Sprach- und Sozialforschung (DISS) ist dazu übergegangen, den Covid-19-Erreger in aktuellen Veröffentlichungen nur noch „das digitalisierende Virus“ zu nennen. Damit möchte die renommierte diskursanalytische Forschungseinrichtung natürlich kein Wasser auf die Mühlen von Rechtsextremen und Verschwörungsgläubigen gießen, die die Pandemie (u.a.) für eine Erfindung der Bill Gates Foundation halten. Sie möchte nur auf eine simple Tatsache hinweisen: Die Covid-19-Pandemie hat der Digitalisierung des gesellschaftlichen Lebens einen enormen Schub verpasst. Weiterlesen

Unfug bleibt!

Der Kampf um linke Frei- und Wohnräume in Lüneburg

 451 september 2020 Eichhörnchen

Das Wohnprojekt „Unabhängig, Frei und Gemeinsam Wohnen“ (kurz Unfug) wurde 2017 von einer Gruppe politisch aktiver, vornehmlich linker Menschen im Alter zwischen 20 und 60 Jahren gegründet. Ziel war es, einen Ort in Lüneburg zu schaffen, der gleichermaßen Wohnprojekt und politischer Freiraum sein sollte. Ein Ort an dem Utopien erprobt, Herrschaftsfreiheit gelebt und emanzipatorische Politik gestaltet wird. Ein Ort an dem Menschen unterschiedlicher Geschlechter, Altersgruppen, solche, die von der Gesellschaft behindert werden, sowie Menschen ohne Behinderung in einem Haus und mehreren Bauwagen gemeinschaftlich leben. Die Stadt Lüneburg will aber das Projekt los werden. Die Gruppe und Unterstützer:innen antworten mit zahlreichen wohnpolitischen Aktionen; ein Bündnis Recht auf Stadt wurde ins Leben gerufen. Weiterlesen

Corona-Leugnung und Neue Rechte

„Das Ende der Pandemie“? Von wegen, Covid19 ist real und die weltweiten Infektionszahlen steigen

 451 september 2020 Andreas Kemper

Weltweit steigen die Covid19-Infektionszahlen. Rund 22 Millionen Menschen haben sich laut John Hopkins-Institut mit dem Erreger infiziert, 800.000 sind daran gestorben. (alles Stand: 18.8.). In den USA sind bisher mehr als 170.000 Menschen an den Folgen der Pandemie gestorben, in Brasilien mehr als 105.000. Beide Länder werden von extrem rechten „Corona-Skeptikern“ regiert. In Deutschland sind bis jetzt etwa 9.200 Menschen an Covid19 gestorben. Das vergleichsweise intakte Gesundheitssystem und die von vielen eingehaltenen Abstands-, Masken- und andere Hygieneregeln konnten eine schlimmere Entwicklung hier bisher verhindern. Umso erstaunlicher ist es, dass unter dem Motto „Das Ende der Pandemie – Tag der Freiheit“ am 1. August 2020 fast 20.000 Corona-Skeptiker*innen und -Leugner*innen in Berlin demonstrierten, darunter zahlreiche Neonazis. Das antifaschistische Online-Projekt „Volksverpetzer“ kommentierte das am 9. August passend: „Man kämpft nicht mit Faschist*innen und Neonazis für die Freiheit. Das ist ein innerer Widerspruch, denn am Ende bestimmen diese Leute, was Freiheit sein soll. Leute, deren Ideologie zwangsläufig auf Ausgrenzung, Diskriminierung, Deportationen und schlimmeres hinaus läuft. Vergessen wir für einen Moment die völlige Realitätsferne hinter der gesamten Bewegung, die Fake News und die Verschwörungsmythen, die hinter der Pandemie-Leugnung stecken. Mit solchen Menschen will man friedlich demonstrieren?“(1) Eine Analyse von Andreas Kemper. (GWR-Red.) Weiterlesen

Glaubwürdigkeit wird überbewertet

Neu im Kino: Die obskuren Geschichten eines Zugreisenden

| Lukas Münich

Koprophagie ist ein Phänomen, das bei Hunden zu beobachten ist, denen es an einer ausgewogenen Ernährung mangelt. Tritt Koprophagie bei Menschen auf, kann das ein Anzeichen von Schizophrenie sein.  Ein ganz und gar schizophrenes Filmvergnügen stellt Aritz Morenos erster abendfüllender Film “Die obskuren Geschichten eines Zugreisenden” dar. (Der Originaltitel “Ventajas de viajar en tren” lässt sich mit “Von den Vorteilen, mit dem Zug zu reisen” übersetzen.) Weiterlesen