Editorial

Liebe Leserinnen und Leser,

die meisten Alternativzeitschriften erscheinen nur unregelmäßig und oft nur wenige Jahre. In der Vergangenheit wurden auch die meisten libertären Zeitschriften in der Regel schon nach wenigen Ausgaben wieder eingestellt. Und so hat im Sommer 1972, als die Nullnummer der Graswurzelrevolution das Licht der Welt erblickte, wahrscheinlich niemand zu hoffen gewagt, dass dieses gewaltfrei-anarchistische Zeitungsprojekt auch nach 40 Jahren noch quietschlebendig ist.

Kein Ende in Sicht

„Unter den Kleinen eine der Größten“, hat das auflagenstarke Neue Deutschland 2002 zum 30. Geburtstag der GWR getitelt.

Klein ist unser Organ immer noch. Und als Sprachrohr sozialer Bewegungen ist die Monatszeitung für eine gewaltfreie, herrschaftslose Gesellschaft weiterhin eine Ausnahme im alternativen Pressewald.

Der hat sich in den letzten Jahren deutlich gelichtet. Im Zeitalter des Internets verlieren Printmedien an Bedeutung. Trotzdem steigen die Abozahlen der Graswurzelrevolution – gegen den Trend. Das ist durchaus doppeldeutig zu verstehen. Die GWR war immer schon eine „Nischenzeitung“, die vor allem von Intellektuellen und AktivistInnen aus den Sozialen Bewegungen gelesen wird.

Anders als z.B. die jüngere taz hat sie sich nicht zu einem Mainstreamblatt entwickelt, sondern versucht weiterhin, basisdemokratisch organisiert, ohne Chef und Staat eine libertäre Gegenöffentlichkeit zu schaffen.

mainstream goes anarchism?

Ist der Anarchismus neuerdings Mainstream?

In einer Zeit, in der ein Anarchist wie David Graeber von Talkshow zu Talkshow gehetzt wird und seine Bücher es in die Bestsellerlisten schaffen, scheinen Teile des Establishments zumindest ihre Angst vor der Anarchie zu verlieren.

Die Anrufe, die wir nach Erscheinen jeder neuen Ausgabe bekommen, sprechen für sich. Ab und an schimpfen zwar ein paar Leute, vor allem verärgerte Soldaten und Rechte, über den „unverschämten“ Inhalt der GWR, meist aber sind die AnruferInnen LeserInnen, die sich begeistert vom oft ungewöhnlichen Inhalt der GWR zeigen.

Aber natürlich schwankt auch die Qualität unserer kleinen Zeitschrift.

Die nächste Ausgabe erscheint erst im September, nach der alljährlichen GWR-Sommerpause.

Bis dahin gibt es aber noch genug zu tun. GWR-MitherausgeberInnen und -AutorInnen könnt Ihr z.B. auch im August auf den anarchistischen Buchmessen in Bochum (1) und St. Imier (2) treffen (siehe Seite 24).

Und, na klar, die Vorbereitungen für den Kongress, auf dem wir mit Euch zusammen vom 7. bis 9. September in Münster den 40. Geburtstag der Graswurzelrevolution feiern möchten, laufen schon auf Hochtouren. Einiges steht schon fest, anderes müssen wir noch organisieren. Einen Vorgeschmack findet Ihr auf den Seiten 12 und 13.

Ein von Andi Wolff gezeichnetes Poster liegt bei. Wenn es Euch gefällt, könnt Ihr gerne weitere Plakate bei GWR-Vertrieb (abo@graswurzel.net) bestellen und zum Beispiel in WGs, Kneipen, Libertären Zentren, Buch- und Infoläden aufhängen.

Ich wünsche Euch einen schönen Sommer, Anarchie und Glück,

(1) Infos: www.limesse.de

(2) Infos: www.buechermesse.ch

PS: Redaktionsschluss der GWR 371 ist der 10. August.