Editorial

Liebe Leserinnen und Leser,

am sichersten „googeln“ wir in Zeiten von NSA und Co. nicht mit der Datenkrake „Google“, sondern lieber mit den in Sachen Datenschutz weniger problematischen Suchmaschinen www.duckduckgo.com oder www.ixquick.com.

Vor ein paar Tagen habe ich den Begriff „Graswurzelrevolution“ gegoogelt, und bin dabei unter anderem auf folgende Seite gestoßen: www.topsite.com/best/anarchie

Keine Ahnung, was für Kriterien die MacherInnen dieser „topsite“ haben, aber die GWR-Homepage graswurzel.net ist demnach DIE „beste Anarchie-Seite“, noch vor den Homepages der spanischen CNT und der französischen Fédération Anarchiste.

Ob wir das verdient haben oder nicht, das mögen bitte die GWR-LeserInnen entscheiden.

Weniger erfreulich als dieses „Ranking“ ist das, was der ehemalige Ökolinx-Redakteur Peter Bierl am 21.11.2013 in der Jungle World (1) unter dem Titel „Der Geheimbund der Revolutionäre“ als vierseitige „Bestandsaufnahme der neuesten Niedergangserscheinungen des Anarchismus“ zusammenphantasiert hat. (2)

Wer sich in Sachen Anarchismus auskennt, weiß, dass die extrem neoliberalen „Anarchokapitalisten“ nichts mit AnarchistInnen, aber umso mehr mit dem rechten Rand der FDP zu tun haben. Bierl rührt diese Rechten in diffamierender Weise mit libertär-sozialistischen Projekten und Medien in einen Topf voll brauner Brühe: „Der Einfluss dieses rechten Anarchismus wird durch Appeasement gestärkt. Die Zeitschrift Graswurzelrevolution steht jedem offen, der bloß strikt gewaltfrei ist, ebenso Contraste, die Plattform für Genossenschaften, Kooperativen und allerlei Projekte.“

Seit wann steht die GWR Rechten offen?! Eine Frechheit! Offensichtlich hat der frustrierte Marxist und Verschwörungstheoretiker Bierl noch nie einen Blick in die von ihm diffamierten Medien DA, GWR und Contraste geworfen, dafür aber wohl zu tief ins Bierl-Glas geguckt. Da halten wir es mit F. K. Waechter: „Blöde gibt es viele, am Rhein und auch am Nile“.

Daniel und Cécile

Nicht zum Nil, sondern noch viel weiter weg, wird im Frühjahr 2014 Daniel Korth reisen. Er ist seit 1999 GWR-Mitherausgeber. Nun geht er für drei Jahre als Friedensarbeiter der Kurve Wustrow nach Myanmar (siehe Artikel auf Seite 4). Wir wünschen unserem Freund und Genossen alles Gute und wir freuen uns auf die Berichte, die er aus diesem asiatischen Land in den nächsten Jahren für die Graswurzelrevolution schreiben möchte.

Ebenso freuen wir uns, dass die GWR-Mitherausgeberin und Kletteraktivistin Cécile Lecomte sich von der Justiz nicht einschüchtern lässt und weiter klettert (siehe Artikel auf Seite 5).

GWR 384-Schwerpunkt: Anti-Rassismus

Wie schon in der Oktober-Ausgabe angekündigt, präsentieren wir Euch diesmal einen anti-rassistischen Schwerpunkt mit Beiträgen von GWR-AutorInnen aus Frankreich, Österreich, Deutschland und Griechenland. Titelaufmacher ist ein Artikel über Oury Jalloh.

Wir haben in den letzten Jahren in der GWR oft über seinen Tod in einer Dessauer Polizeizelle und die anschließenden Prozesse gegen Polizeibeamte berichtet. Nun gibt es ein neues Brandgutachten zu seinem Tod. Es widerlegt die von der Polizei behauptete Version der Selbstentzündung und Selbsttötung. Oury Jalloh wurde in Polizeihaft ermordet!

Anarchismus

Offensichtlich gibt es gerade auch bei jüngeren AnarchistInnen den Wunsch mehr zur Geschichte des Projekt A zu erfahren. Das zeigen auch die positiven Rückmeldungen auf das GWR 383-Interview mit dem Projektanarchisten Bernd Elsner. Direkt an das Elsner-Interview knüpft nun ein Gespräch mit dem ehemaligen Wetzlarer Projekt A-Aktivisten Andreas Ess an, das wir als Zweiteiler in dieser Ausgabe und im Januar in der GWR 385 veröffentlichen.

Anti-Sexismus

Fortsetzen wollen wir in den nächsten Ausgaben auch die Diskussion über den „Appell gegen Prostitution“, der derzeit medienwirksam von der Bildzeitungskolumnistin und EMMA-Herausgeberin Alice Schwarzer verbreitet wird. Kerstin Wilhelms Diskussionsbeitrag „Prostitution zwischen Arbeit und Missbrauch“ (S. 1 und 8) soll der Auftakt für eine kontroverse Diskussion sein. Weitere Artikel zum Thema, u.a. von Antje Schrupp und Gabriel Kuhn, wollen wir in den nächsten Ausgaben abdrucken.

Die Januar-Graswurzelrevolution Nr. 385 wird zudem auch einen Schwerpunkt zum 20. Jubiläum des zapatistischen Aufstands im mexikanischen Chiapas haben. Jetzt schon lesen könnt Ihr dagegen Joseph Steinbeiß‘ Nachruf auf den Kabarettisten Dieter Hildebrandt (Seite 10), sowie Beiträge u.a. zu den Themen „Kohle-Kraft“, Antimilitarismus, Repression und Antifa.

Ab Seite 17 werden Euch Bücher für die Anarchie ans Herz gelegt.

Viel Spaß beim Lesen, Anarchie und Glück wünscht Euch

(1) Zur Jungle World siehe auch Alfred Schoberts treffende Analyse: www.graswurzel.net/266/jungle.shtml

(2) Siehe: http://jungle-world.com/artikel/2013/47/48881.html