Editorial

„In der neuen Ausgabe fragt ihr: ‚Wie gefällt Euch der auf 24 Seiten vergrößerte Umfang? Was sagt Ihr zum bunteren Erscheinungsbild ?‘ Der vergrößerte Umfang ist toll. Das buntere Erscheinungsbild ist mir nicht so wichtig. Ihr macht eine hervorragende Zeitung. Besten Dank dafür.“ (Herbert Falk, Essen)

„Mir macht die GWR Hoffnung, dass es noch sowas wie freien Journalismus, Ehrlichkeit und gerade, klare Menschen gibt. Danke für diese tolle Zeitung.“ (Oliver Hermann)

„…die ist ja tatsächlich auch in papier bunt. sehr schön! und das jetzt immer? und auch immer 24 seiten? ich wünsche euch einen berg neuer abos zur finanzierung dieser weiterentwicklung!!!“ (lemgo alternativ)

„Der beträchtlich größere Umfang findet meinen ungeteilten Beifall. Schön auch, dass mehr Farbe im Spiel ist. Sehr gelungen, danke.“ (Axel Schmidt)

„Schönes neues Layout!“ (Fabian, Gruppe Schweiz ohne Armee (GSoA))

Liebe Leserinnen und Leser,

herzlichen Dank für die vielen positiven Rückmeldungen zur bunten GWR 392!

Die Euch nun vorliegende GWR 393 ist die zweite, 24 Seiten dicke GWR mit vier Seiten im Vierfarbdruck. Sie hat zwei hochspannende thematische Schwerpunkte: Anarchismus und Gewaltfreiheit. Mit dem „Massenmord“-Leitartikel thematisieren wir das Massensterben im Mittelmeer, das durch die brutale Abschottungspolitik der EU verursacht und in den Medien kaum erwähnt wird. Wir hoffen, durch unsere Berichterstattung ein Stück Gegenöffentlichkeit herzustellen.

Die neue Ausgabe sieht anders aus, als geplant. Es fehlen Artikel zu Themen, die uns auch unter den Nägeln brennen. Wo sind die Texte zur Remilitarisierung und zum Themenkomplex „Islamischer Staat“, Kobanê, Kurdistan/Türkei/Syrien/Irak, Hongkong,…? Leider sind sie nicht rechtzeitig fertig geworden. Wir planen aber für die GWR 394 einen entsprechenden Schwerpunkt.

„Pazifismus adieu“ (taz, 25./26.10.14)

Hat der Totengesang auf den Pazifismus, wie er gerade von den Massenmedien, allen voran von der grünen taz, angestimmt wird, auch Wirkungen auf einige GWR-LeserInnen? Erstmals seit langem übertraf im Oktober die Zahl der GWR-Abokündigungen die Zahl der Neuabos deutlich. Dabei war die Abo-Entwicklung lange Zeit positiv, ganz gegen den allgemeinen Trend des Printmedienniedergangs.

Ich erinnere mich in diesem Zusammenhang an die vielen Grünen und ihre Kreisverbände, die 1999 ihre GWR-Abos gekündigt hatten, weil die Graswurzelrevolution vehement gegen den von SPD und Grünen mit verantworteten NATO-Angriffskrieg gegen die damalige Bundesrepublik Jugoslawien agitiert hat. Und jetzt? Findet heute, angesichts des „Islamischen Staat(s)“-Terrorkriegs und der Kriegs- und Militarisierungspropaganda in den Medien, bei vielen radikalen Linken eine ähnliche Entwicklung statt wie damals bei den vermeintlich „pazifistischen“ Grünen?

Einige „Linke“ springen auf den Zug des Militarismus auf und akzeptieren die „Selbstverständlichkeit“ kriegerischer Mittel. Waffenhandel und -produktion, lange durch antimilitaristische Kampagnen gesellschaftlich umstritten, werden salonfähig; die Entwicklung im Mittleren Osten wird nicht mehr historisch analysiert, sondern plötzlich sei „der Pazifismus“ (was für die Herrschenden meint: jede Form der Kriegsgegnerschaft) schuld am IS. Diejenigen, die jetzt nach Militärintervention gegen den IS schreien, verschweigen, dass die westlichen Kriege im Mittleren Osten der letzten Jahrzehnte ihre vorgeblichen Ziele nicht erreichten und – ebenso wie die massiven Waffenexporte – noch mehr Chaos und Verderben als vorher angerichtet haben.

Antimilitarismus gehört keineswegs auf den Misthaufen der Geschichte. Krieg bleibt ein Verbrechen an der Menschheit. Wir wollen auch weiterhin keine Art von Krieg unterstützen und stattdessen an der Beseitigung aller Kriegsursachen mitarbeiten.

In diesem Sinne, antimilitaristische Grüße, Anarchie und Glück,

Terminhinweise:

7.11.2014, 18 Uhr, Kundgebung, Bahnhof - Lüneburg, 20 Uhr, Lesung mit GWR-Mitherausgeberin Cécile Lecomte. Infos: http://blog.eichhoernchen.fr/pages/Lesungen-mit-Eichhoernchen

8.11.2014, 19 Uhr, Café Albis, Hauptstr. 3, Hitzacker, "Kommen sie da runter!" (Verlag Graswurzelrevolution 2014). Lesung mit Cécile Lecomte

28.11.2014, 19 Uhr, Trotz Allem, Augustastr. 58 (im Hof), Witten: Anarchismus Hoch 2. Soziale Bewegung, Utopie, Realität, Zukunft (Karin Kramer Verlag, Berlin 2014). Buchvorstellung, Vortrag und Diskussion mit GWR-Redakteur Bernd Drücke, Infos: http://trotzallem.blogsport.de/2014/10/24/2014-11-28-schwarzer-tresen-buchvorstellung-bernd-druecke-anarchismus-hoch-2/

Weitere Terminhinweise siehe Seite 24 in dieser GWR.