Editorial

Liebe Leserinnen und Leser,

als drittgrößter Waffenexporteur der Welt ist Deutschland mitverantwortlich für die meisten Kriege. Sechzig Millionen Menschen sind weltweit auf der Flucht. Sie fliehen vor Kriegen, die auch mit deutschen Waffen geführt werden. Eine der Ursachen, die sie zur lebensgefährlichen Flucht nötigt, ist der Waffenexport. „Kleinwaffen sind weltweit für mehr Tote, Verletzte und Flüchtlinge verantwortlich als jede andere Waffenart. Wir wollen die bestehende Logik umkehren: Anstatt offene Grenzen für Waffen wollen wir Menschen in Not aufnehmen und zugleich durch ein Verbot von Rüstungsexporten und besonders von Kleinwaffen und Munition dafür sorgen, dass künftiges Leid durch Krieg, Terror und Gewalt verhindert wird“, so die DFG-VK. Sie ruft gemeinsam mit anderen Organisationen unter dem Motto „Grenzen öffnen für Menschen, Grenzen schließen für Waffen!“ zu einer Protestaktion am 3. Oktober um 14.30 Uhr auf dem Römerberg in Frankfurt/M. auf. (1)

Die Situation der Geflüchteten in Deutschland, Ungarn, Dänemark, Frankreich und Österreich, rassistischer Terror, aber auch das erfreulich solidarische Verhalten von vielen sind Themen dieser GWR. Außerdem: Anti-Atomkraft, TTIP, Repression, Klimabewegung, Syriza, Anarchismus,…

„Neue Ideen werden nur bekannt aufgrund der Beharrlichkeit einer wagemutigen Minderheit!“ (Bart de Ligt)

Dass die GWR so langlebig ist und heute auch in nicht anarchistischen Kreisen ein hohes Ansehen genießt (vgl. GWR 401), haben wir nicht zuletzt Wolfgang Zucht zu verdanken.

Seit 1958 war er Mitglied der Internationalen der Kriegsdienstgegner (IdK). Zwischen 1960 und 1965 lebte er in Hannover und kam durch den Ostermarsch gegen Atomwaffen in Kontakt mit einem Freundeskreis, der sich um die Kriegsdienstverweigerung herum gebildet hat. (2) Beeinflusst u.a. von Tolstoi, Gandhi, Landauer und Kropotkin gründeten sie im April 1965 die „Direkte Aktion“ als „Organ gewaltfreier Anarchisten“ (Untertitel). Sie erschien 13mal bis 1966 und war eine Vorläuferin der 1972 in Augsburg gegründeten GWR.

Von 1965 bis 1973 lebten Wolfgang und seine geliebte Frau Helga Weber in London und arbeiteten dort im Büro der War Resisters‘ International (WRI), dem antimilitaristischem Netzwerk, dem auch die GWR angehört. Nach ihrer Rückkehr nach Kassel wurden beide Mitherausgeber/in der GWR. Wolfgang war bis zuletzt im GWR-HerausgeberInnenkreis aktiv. Helga ist es noch immer.

Beide haben mit ihrer Warmherzigkeit, ihrem solidarischen Handeln und dem 1976 gegründeten Verlag Weber, Zucht & Co. die Graswurzelbewegung und ihr Organ geprägt (3). Wolfgang war ein lieber Freund und Genosse, ein wundervoller und liebenswerter Mensch. Am 30. Januar wurde er 86 Jahre alt. Am 17. September 2015 ist er gestorben. Wir werden ihn nicht vergessen und widmen ihm und Helga diese und die kommenden Ausgaben.

(1) Weitere Infos: www.dfg-vk-hessen.de/aktuell/aufschrei-grenzen-oeffnen/

(2) Siehe: www.graswurzel.net/285/wezu.shtml & Gedenkseite für Wolfgang Zucht: http://dadaweb.de/wiki/Wolfgang_Zucht_-_Gedenkseite

(3) Siehe: www.graswurzel.net/verlag/wezuco-intro.php & http://www.graswurzel.net/verlag/wezuco.php

Termine

12. - 30.10., Frankfurt/M., Gegenbuchmasse, Veranstaltungen zur Buchmesse. www.gegenbuchmasse.de/2015.html

13.10., 19 Uhr, Nordpol, Münsterstr. 99, Dortmund: Anarchopazifismus. Geschichte(n) von unten und Perspektiven des libertären Antimilitarismus. Referent: Bernd Drücke (GWR). Infos: http://afrheinruhr.blogsport.de/2015/09/18/do-schwarzer-tresen-anarchopazifismus

16.10., 19.30 Uhr, DFG-VK, Mühlgasse 13, Frankfurt/M.: Anarchismus Hoch 2. Buchvorstellung mit Bernd Drücke (GWR). Infos: www.dfg-vk-hessen.de/bildungswerk/ahoch2/