Kriegsgefahr und Lebenslügen

Der Mord an Soleimani und die Heuchelei der globalen Linken

 446/447 februar/märz 2020 Jacob Reimann

„Bist du vertraut mit General Soleimani?“, fragt Radiomoderator Hugh Hewitt im September 2015 den bekannten Trash-TV-Star und Immobilienerben, der in seinem gescheiterten Geschäftsleben ganze sechs Male Insolvenz anmeldete und sich nun aufs höchste Amt im Staate bewirbt. Kurze Pause. „Ja“, zögerlich, halb fragend, und weiter: „Ich, ich. Mach weiter, gib mir was, sag mir was.“ Hewitt: „Er ist der Anführer der Quds Forces.“ Darauf der verunsicherte Trash-TV-Star: „Ja, okay, richtig. Nebenbei bemerkt, denke ich, dass die Kurden von uns miserabel behandelt wurden.“ Hewitt grätscht dazwischen: „Nein, nicht die Kurden, die Quds Forces. Die iranischen Revolutionsgarden, die Quds Forces. Die bösen Jungs.“ Weiterlesen

Die türkische Invasion in Rojava und die Folgen

Ein Bericht von Dr. Michael Wilk

 446/447 februar/märz 2020 Dr. Michael Wilk

Dr. Michael Wilk, Notarzt und Psychotherapeut, reist seit 2014 regelmäßig nach Rojava/Nordsyrien. Er unterstützt dort den Kurdischen Roten Halbmond, Heyva sor a kurd (Hsak), der ein wesentliches Element der Gesundheitsversorgung in der Region darstellt. Hsak betreibt Ambulanzen und Apotheken, unterstützt Krankenhäuser, versorgt die Bevölkerung in Kampfgebieten und stellt die medizinische Hilfe in Flüchtlingslagern sicher. Nach der erneuten Militärinvasion der Türkei am 9.10.2019, reiste Wilk als Mitglied einer medizinischen Delegation nach Rojava. Er begab sich nach Tal Tamir um im dortigen frontnahen Krankenhaus Verletzte zu versorgen.   Weiterlesen

Der Krieg gegen Jemens Kinder

Drei von fünf Kriegstoten sind unter fünf Jahren

 445 januar 2020 Jakob Reimann

Für ein paar Tage erlangte Amal Hussain einen gewissen Weltruhm. Das nur schwer zu ertragende Foto der 7-Jährigen prangte auf der Titelseite der letzten Wochenendausgabe der New York Times im Oktober 2018. Das Mädchen besteht buchstäblich nur aus Haut und Knochen, kein Gramm Fett, kein Gramm Fleisch. Zwischen jeder einzelnen Rippe zieht sich die Haut tief in den Brustkorb hinein, der so zerbrechlich wirkt, als würde er bei der kleinsten Berührung in sich zusammenfallen. Weiterlesen

Der türkische Überfall auf Rojava

Erdoğans Angriffskrieg gegen die Kurden in Nordsyrien ist auch eine europäische Niederlage

 443 november 2019 Robert Krieg

„Das antihierarchische Modell einer multiethnischen und multireligiösen lokalen Selbstverwaltung, das die Kurden im Nordwesten Syriens an der Grenze zur Türkei ins Leben gerufen haben, ist ein authentischer Gegenentwurf zu den Kräften im nahöstlichen Raum. Die Frauen spielen dabei eine entscheidende Rolle: In allen öffentlichen Ämtern sind sie zu 50 Prozent beteiligt.“ So hat der Filmemacher Robert Krieg seinen neuen Dokumentarfilm „Experiment Rojava in Syrien. Eine Gesellschaft im Aufbruch“ (1) beschrieben, der erstmals im Mai 2019 auf Phoenix gesendet wurde und bald in einer Langfassung in die Programmkinos kommt. (2) Für die GWR-Leser*innen analysiert der Soziologe im folgenden Artikel die aktuellen Entwicklungen seit Beginn des Angriffskrieg der Türkei am 9. Oktober 2019. (GWR-Red.) Weiterlesen

„Rheinmetall stoppen, bevor noch mehr Menschen sterben“

Interview mit der südafrikanischen Aktivistin und Politikerin Rhoda-Ann Bazier

 443 november 2019 Rhoda-Ann Bazier, Julian Richter und Bernd Drücke (Interview), Thomas Siepelmeyer (Übersetzung)

Bernd Drücke (GWR): Themen des heutigen Interviews sind die deutschen Rüstungsexporte und die Politik eines deutschen Rüstungskonzerns. Konkret geht es um die Rheinmetall AG. Rheinmetall ist eine Firma, die 1889 in Deutschland gegründet wurde. Sie belegt Platz 25 der weltgrößten Rüstungskonzerne und produziert Waffen nicht nur in Deutschland, sondern auch in Südafrika, Italien und anderen … Weiterlesen

Des Kaisers liebster Bundeswehr-Standort

Bericht und Polemik zu „150 Jahre Wilhelmshaven“

 441 september 2019 Heiko Schmidt

In diesem Jahr feiert Wilhelmshaven den 150. Jahrestag der „Benennung“ durch den damaligen preußischen König und späteren Kaiser Wilhelm I. Höhepunkt ist ein Festakt, bei dem rein zufällig die Verteidigungsministerin die Hauptrede hält. Das offizielle Logo der Feierlichkeiten ist ein Kaiser-Emoji mit Pickelhaube, Schnauzbart und neckisch zugekniffenem Auge. Ein netter Kaiser, und eine schöne Ergänzung zum Stadtwappen, das den „Rüstringer Friesen“ zeigt, einen Nagelfetisch aus dem Ersten Weltkrieg. Der Festakt endet mit einem „Großen Zapfenstreich“. Das Ereignis ist in mehreren Filmen auf Youtube festgehalten. In einem ist ein Herr zu sehen, der als „Kaiser“ ausstaffiert ist. Ist dieser Herr gemietet oder läuft er aus eigenem Antrieb so rum, und was davon wäre schlimmer? Sicher ist: Sein Glanz erhöht die demokratischen Stadtoberen, und auch manche Schaulustige verwandeln sich unter seinem Blick in Honoratioren. Im Hintergrund droht der zyklopische Rathausturm. User „Ludwig Franz“ kommentiert die Zeremonie: „Extrem schneidig!“. Ein großer Tag für sie alle, eine Irritation mehr für den Verfasser. Weiterlesen