Make dolma, not war!

Stoppt den Bergkarabach-Krieg in Aserbaidschan und Armenien

 453 november 2020 Rovshana

Dolma, mit Reis und Gemüse gefüllte Weinblätter, sind eine Köstlichkeit, die sowohl in Armenien als auch in Aserbaidschan verbreitet ist. Nach dem Zerfall der Sowjetunion 1991 verschärfte sich der Konflikt zwischen den ehemaligen Sowjetrepubliken Aserbaidschan und Armenien um Bergkarabach zu einem Krieg. Seit dessen Ende 1994 wird die völkerrechtlich nicht anerkannte Republik Bergkarabach im Südkaukasus zum Großteil von Armeniern kontrolliert. Seit Ende September 2020 eskaliert der durch nationalistische Propaganda beider Kriegsparteien geschürte Konflikt erneut. Befeuert wird er durch die militärische Unterstützung des türkischen Erdoğan-Regimes – und auf diese Weise auch mit Waffen aus deutscher Produktion. Aserbaidschans Despot İlham Aliyev betrachtet Armenien als „altes türkisches und aserbaidschanisches Gebiet”. Sein Waffenbruder Recep Tayyip Erdoğan unterstützt den Angriff und strebt eine Wiederauferstehung des Osmanischen Reiches an, das 1915 den Genozid an 1,5 Millionen Armeniern verübt hat. GWR-Autorin Rovshana wurde im multiethnischen Aserbaidschan geboren und lebt in Berlin. In der Graswurzelrevolution 418 erschien ihr Artikel „Frausein in Aserbaidschan. Eine soziokulturelle Analyse einer patriarchalischen Diktatur“((1)). Im folgenden Beitrag fordert sie die Menschen beider Seiten auf, sich nicht für den Krieg instrumentalisieren zu lassen, die Waffen nieder zu legen und statt Krieg lieber Dolma zu machen. (GWR-Red.) Weiterlesen

Putsch in Mali

Eigendynamik der Militarisierung

 452 oktober 2020 Christoph Marischka

Am 18. August 2020 haben Militärs in Mali den Präsidenten, den Premierminister und weitere führende Politiker festgenommen, die Regierung zum Rücktritt gezwungen und aus ihren Reihen ein „Nationales Komitee zur Rettung des Volkes“ gebildet, das die Regierungsgeschäfte übernahm. Ähnlich wie beim letzten Putsch 2012 stieß auch diese Machtübernahme der Militärs zunächst bei der Bevölkerung in der Hauptstadt Bamako auf große Zustimmung, denn die Unzufriedenheit mit der amtierenden Regierung unter Ibrahim Boubacar Keïta (IBK) war groß. Weiterlesen

“Keine nazistischen Denkmäler”

Beispiele direkter gewaltfreier Aktionen gegen Denkmäler

 451 september 2020 Lou Marin

Es war eine Welle aus Südwest: In den Achtziger- und Neunzigerjahren führten gewaltfreie Aktionsgruppen teils offene, teils klandestine Aktionen gegen Nazi-Denkmäler durch, von denen hier beispielhaft drei vorgestellt werden. In den Symbolen und Erklärungen mischten sich Motive des Antirassismus, Antisexismus und Antifaschismus mit denen des Antimilitarismus. Die Aktionen verstanden sich auch als kulturelle Solidarität mit dem Kampf für die Rehabilitierung der Wehrmachtsdeserteure und gegen neue Kriege der Bundeswehr. (GWR-Red.) Weiterlesen

Kriegsgefahr und Lebenslügen

Der Mord an Soleimani und die Heuchelei der globalen Linken

 446/447 februar/märz 2020 Jacob Reimann

„Bist du vertraut mit General Soleimani?“, fragt Radiomoderator Hugh Hewitt im September 2015 den bekannten Trash-TV-Star und Immobilienerben, der in seinem gescheiterten Geschäftsleben ganze sechs Male Insolvenz anmeldete und sich nun aufs höchste Amt im Staate bewirbt. Kurze Pause. „Ja“, zögerlich, halb fragend, und weiter: „Ich, ich. Mach weiter, gib mir was, sag mir was.“ Hewitt: „Er ist der Anführer der Quds Forces.“ Darauf der verunsicherte Trash-TV-Star: „Ja, okay, richtig. Nebenbei bemerkt, denke ich, dass die Kurden von uns miserabel behandelt wurden.“ Hewitt grätscht dazwischen: „Nein, nicht die Kurden, die Quds Forces. Die iranischen Revolutionsgarden, die Quds Forces. Die bösen Jungs.“ Weiterlesen

Die türkische Invasion in Rojava und die Folgen

Ein Bericht von Dr. Michael Wilk

 446/447 februar/märz 2020 Dr. Michael Wilk

Dr. Michael Wilk, Notarzt und Psychotherapeut, reist seit 2014 regelmäßig nach Rojava/Nordsyrien. Er unterstützt dort den Kurdischen Roten Halbmond, Heyva sor a kurd (Hsak), der ein wesentliches Element der Gesundheitsversorgung in der Region darstellt. Hsak betreibt Ambulanzen und Apotheken, unterstützt Krankenhäuser, versorgt die Bevölkerung in Kampfgebieten und stellt die medizinische Hilfe in Flüchtlingslagern sicher. Nach der erneuten Militärinvasion der Türkei am 9.10.2019, reiste Wilk als Mitglied einer medizinischen Delegation nach Rojava. Er begab sich nach Tal Tamir um im dortigen frontnahen Krankenhaus Verletzte zu versorgen.   Weiterlesen

Der Krieg gegen Jemens Kinder

Drei von fünf Kriegstoten sind unter fünf Jahren

 445 januar 2020 Jakob Reimann

Für ein paar Tage erlangte Amal Hussain einen gewissen Weltruhm. Das nur schwer zu ertragende Foto der 7-Jährigen prangte auf der Titelseite der letzten Wochenendausgabe der New York Times im Oktober 2018. Das Mädchen besteht buchstäblich nur aus Haut und Knochen, kein Gramm Fett, kein Gramm Fleisch. Zwischen jeder einzelnen Rippe zieht sich die Haut tief in den Brustkorb hinein, der so zerbrechlich wirkt, als würde er bei der kleinsten Berührung in sich zusammenfallen. Weiterlesen