Eine Welt ohne Gita Tost, in eine Anderswelt mit Gita

 248 april 2000 Gitta Schürck, 28.02.2000

"Heute morgen habe ich mich wieder umgebracht. Keine hat's bemerkt." (Erzählung "Selbstmord") "Ich bin dem Tod begegnet und habe von ihm die Neugier aufs Leben gelernt." (Wandspruch) "Meine Berufung ist Femministin. Kreativ muss ich sein, um mit diesem Beruf eine Existenzform zu finden." (Interview Berliner Lesbenzeitschrift UKZ) "Ich bin der Mensch, der von allen, die ich kenne, am allermeisten versucht, nach ihren Idealen zu leben."(Zitat) "Fast jeden erdenkbaren Mist hab ich erlebt: Sexuelle und psychische Folter durch den Vater von klein auf, eine Mutter, die - noch nicht volljährig - von ihren Eltern verheiratet wurde (...), einen vergewaltigenden Ehemann, psychosomatische Schmerzen beim Sex, Flashbacks und Panikattacken... (...) Meine Neugierde und Sehnsucht ruhen und rasten nicht, bis sie herausgefunden haben, was hinter dem Horizont liegt.(Freischwimmerin S.254f) "Träumereien? Vielleicht. Aber mit einem Traum beginnt die Wirklichkeit. (Das ist altes Hexenwissen. Auch das holen wir und zurück!) Und welche genauer hinsieht, entdeckt: diese Wirklichkeit hat schon ein Stück begonnen. Oder auch: nie aufgehört." (Schlampagnen-Zeitung) "Ganztags leben statt halbtags arbeiten" (Titel ihres Forschungsprojektes) "Von einer Frau geboren von Männern zu Tode gehasst Durch Frauen auferstanden und endlich in vollen Zügen gelebt" (Gedicht Grabspruch) "Wenn du es nicht schaffst, einfach da zu sein, dann geh'. Es ist dein gutes Recht. Glaube nicht, dass du dadurch ihren Schmerz verschlimmerst. Glaube nicht, dass du dadurch ihren Schmerz nicht verschlimmerst, Du bist nicht für die Überlebende verantwortlich. Wenn sie sich wirklich umbringen will, wird sie Wege finden, so oder so. Es ist nicht deine Aufgabe, sie um jeden Preis daran zu hindern." (Freischwimmerin S.197) "Nur tote Dichterinnen haben Aussicht auf Erfolg." (Testamentausschnitt) "Sicher ist nur dieser Augenblick und der goldene Schimmer deiner Haut" (Lied Rauhnacht, Schall & Rauch Duo) "Könnte ich die Freiheit fangen diese flüchtige Idee Würd ich mich in Federn kleiden Ließe mich auf Winden treiben Sänge zarte Poesie Könnte ich die Schönheit fangen Die aller Beschreibung trotzt Ließe ich dies hilflos Stammeln Würde Freudentränen sammeln Spräche deinen Namen bloß Könnte ich die Liebe fangen Dieses wunderferne Land Ließe ich die Worte schweigen Würde meine Seele zeigen Hätt' ich einmal sie gekannt" (Gedicht Irrealis aus Die Trau!mfrau) Weiterlesen

Kulturkampf um Film über Witwenkommune

Fundamentalistische Pogrome gegen feministische Filmemacherin in Indien

 248 april 2000 G. Hogweed (Mann)

Ein neuer Typus geistert durch die offizielle Presse: der "Computer-Inder". Während die deutsche High-Tech-Industrie Nachwuchssorgen hat und sie mit einer restriktiv-rassistischen Green-Card für indische ComputerexpertInnen beheben will, dringen die soziale Realität und die vielfältigen gesellschaftlichen Diskussionen und Auseinandersetzungen in Indien kaum an die medienpolitische Oberfläche. Dabei sind sie in jeder Hinsicht spannend und werden zukünftig wohl noch bedeutender. Im Mai überspringt Indien die Milliardengrenze und stellt damit ein Sechstel der Weltbevölkerung. In den nächsten Ausgaben wollen wir in der GWR regelmäßiger über wichtige Diskussionen und soziale Bewegungen in Indien berichten, über die man/frau in der hiesigen Presse sonst kaum etwas erfährt. Den Anfang macht ein Bericht über die indo-kanadische Regisseurin Deepa Mehta, die zu Beginn des Jahres im Zentrum eines bundesweiten Pogroms hindu-nationalistischer Gruppen stand. (Red.) Weiterlesen